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DIY: Midikabel – Universalkupplung für MIDI-TRS-Geräte

22. Juli 2023

Meine aktuelle Neuerwerbung ist der Arturia Microfreak Stellar. „Micro“ weist schon darauf hin, dass recht wenig Platz für opulente Anschlüsse, wie etwa eine Standard-MIDI-Buchse, vorhanden ist. Und in der Tat sind MIDI-In und MIDI-Out als TRS-Miniklinke (3,5 mm) ausgeführt. TRS steht dabei für Tip, Ring, Sleeve, also Spitze, Ring und Schaft, wobei der Schaft als Abschirmung oder Masse dient.
Obwohl der Microfreak über einen Sequencer verfügt, wollte ich lieber den Korg SQ-1 verwenden. Damit hat man direkten Zugriff auf die Tonhöhe, aktive Steps usw., es macht vor allem live einfach mehr Spaß. Und auch beim SQ-1 ist die MIDI-Buchse als TRS-Miniklinke (3,5 mm) ausgeführt. Was lag also näher, als die beiden Geräte per Stereo-Miniklinkenkabel miteinander zu verbinden?
Weit gefehlt, denn obwohl der Sequenzer freudig lief, nahm der Microfreak dies gar nicht zur Kenntnis. Nun liegen beiden Geräten praktischerweise Adapter von TRS auf MIDI-Buchse bei, um Verbindung zur konventionellen MIDI-Welt aufzunehmen. Mit einem üblichen MIDI-Kabel zwischen den Adaptern ließ sich dann problemlos eine Verbindung der beiden Geräte herstellen.

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Warum aber ließ sich das MIDI-Signal nur über den Weg
TRS(SQ1) – Adapter 1 – MIDI-Kabel – Adapter 2 – TRS(Microfreak) und nicht über
TRS(SQ1) – Stereo-Miniklinkenkabel- TRS(Microfreak) übertragen?
Der geneigte Leser wird es ahnen, es gibt mittlerweile mehrere Varianten für das Miniklinken-MIDI: TRS-A und TRS-B verwenden eine Stereo-Miniklinke, TS-C (ohne „R“ für Ring) eine Mono-Miniklinke. Und natürlich sind die MIDI-Buchsen jeweils unterschiedlich mit dem TRS-Stecker verbunden. Das muss man erst einmal wissen.
Denn die Handbücher der Geräte (wenn man das Faltblatt des SQ-1 als Handbuch bezeichnen möchte…) waren diesbezüglich nicht hilfreich. Immerhin taucht der Begriff MIDI beim ansonsten ausgezeichnet erstellten deutschen Manual des Microfreaks 199-mal auf. Aber nirgendwo war ein Hinweis, welcher Art der jeweilige Adapter ist. Zumindest ließ sich hier TS-C ausschließen, da die Adapter eine Stereo-Miniklinke aufweisen.
Des Rätsels Lösung liegt, wie man durch Messung mit einem Multimeter herausfinden kann, in der unterschiedlichen Beschaltung von TRS-A, TRS-B und TS-C, wie die Tabelle zeigt.

Tabelle: Beschaltung von Miniklinken-Adaptern für MIDI-Signale

TRS-Kabel                  MIDI-Buchse

TRS-A     TRS-B     TS-C
Tip                               5              4               4
Ring                             4              5               –
Sleeve                          2              2               5

Die Signalübertragung an einer konventionellen MIDI-Buchse erfolgt nur über die Pins 4 und 5. Innerhalb der Geräte erfolgt die Signalverarbeitung dann über daran angeschlossene Optokoppler. Die Pins 1 und 3 bleiben unbeschaltet. Pin 2 (Masse) dient der Abschirmung.
Wie die Tabelle und Bild 1 zeigen, sind Spitze und Ring bei TRS-A und TRS-B nicht einheitlich, sondern über Kreuz mit den Pins 4 und 5 verbunden.

Bild 1

Grundsätzlich kann ich die Wahl von TRS-MIDI-Buchsen nachvollziehen. Da für die Übertragung von MIDI-Signalen nur zwei Leitungen erforderlich sind, bieten TRS-Buchsen eine platzsparende Alternative. Allerdings hätte ich mehr Übereinkunft zwischen den Herstellern erwartet. Beim Ur-MIDI ging das doch auch!

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Kommen wir also zurück zum ursprünglichen Problem. Es stellte sich heraus, dass beim Arturia Microfreak die Beschaltung gemäß TRS-B, beim KORG SQ-1 dagegen gemäß TRS-A verwendet wird. Um die beiden Geräte zu koppeln, blieb zunächst also nur, beide Adapter plus ein MIDI-Kabel zu verwenden. Natürlich entwickelte ich natürlich sofort Pläne für eine Universal-MIDI-Box, mit der man jede beliebige Konstellation von Geräten (sei es mit TRS-A-, TRS-B-, TS-C- oder Standard-MIDI-Buchse) per Steckfeld miteinander verbinden kann. Allerdings gibt es in der näheren Umgebung keinen Elektronik-Fachmarkt, also müsste ich die benötigten Bauteile erst bestellen. Darauf wollte ich nun doch nicht warten. Und es wäre ein weiteres Zauberkistchen, das Platz benötigt.
Letztendlich brauchte ich doch nur ein Kabel, bei dem Tip und Ring über Kreuz angeschlossen sind, um die bestehende Konstellation miteinander zu verbinden, also TRS-A mit TRS-B. Die einfachste Lösung wäre, an einem Stereo-Miniklinkenkabel einen Stecker auszutauschen, wobei die Anschlüsse für Tip und Ring entsprechend umzulöten wären. Das war mir aber zu fummelig, denn bekanntlich sind die Litzen solcher Kabel recht dünn.
Es müsste eine elegantere und schnellere Lösung geben… und auch die fand sich schließlich in der gut sortierten Kabelkiste in Form von Adaptern von Miniklinke auf Cinch (auch als „RCA“ bekannt), wie sie im Audio-Bereich zuweilen verwendet werden (Bild 2).

Bild 2

An den Cinch-Steckern liegen beide Signalleitungen getrennt vor. Die Spitze der Miniklinke ist mit einem weißen oder schwarzen Stecker verbunden, der Ring mit dem roten Stecker. Thomann bietet z.B. mit „the sssnake YRK2015“ ein 1,5 m langes Adapterkabel an. Dazu braucht es nur noch einen zweiten Adapter, allerdings diesmal mit Cinch-Buchsen, z.B. den „pro snake TPY 2003 KCC“. Platzsparend ist ein Y-Adapter wie z.B. der „Seetronic MMJ3-2RF Adapter 3,5mm 2x RCA“. Alternativ kann man zwei gleiche Adapter mit Kupplungen (z.B. „the sssnake 1808“) verbinden, aber es empfiehlt sich doch, passende Adapter zu besorgen, um nicht zu viele Steckkontakte zu haben. Man findet solche Adapter in verschiedenen Längen zuweilen auch in gut sortierten Baumärkten oder beim Verbrauchermarkt um die Ecke. Allerdings musste ich feststellen, dass hier zuweilen linker und rechter Kanal vertauscht sind, was vor allem bei Verwendung als Audio-Verbinder relevant ist. Bild 3 zeigt die schlankeren Cinch-Kabel im Vergleich zum MIDI-Kabel mit den beiden spezifischen Adaptern (TRS-A und TRS-B).

Bild 3

Zwei Geräte mit gleicher Variante, also beide TRS-A oder beide TRS-B, werden mit den Cinch-Kabeln nun wie bei üblicher Audioverkabelung gleichfarbig miteinander verbunden. Haben beide Geräte unterschiedliche TRS-Standards, verbindet man über Kreuz, vergleiche Bild 4.

Bild 4

Abschließend sei noch erwähnt, dass es auch Adapter gibt, bei denen die Pins 1 und 3 anstelle von 4 und 5 beschaltet sind. Diese dienen zur Übertragung von Clock-Signalen. Da diese äußerlich gleich aussehen, für MIDI aber nutzlos sind, sollten sie entsprechend markiert werden.

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Fazit
TRS-MIDI-Buchsen finden sich insbesondere bei kompakt aufgebauten Geräten. Es liegt nahe, solche Geräte platzsparend über Stereo-Miniklinkenkabel miteinander zu verbinden. Dies erfordert jedoch identische Beschaltung der TRS-MIDI-Buchsen (beide in Variante A oder beide in Variante B). Nicht alle Hersteller geben aber in der Gerätedokumentation an, welche Variante verwendet wird. Mit der gezeigten Lösung kann man durch einfaches Umstecken die richtige Verbindung herstellen.
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Forum
  1. Profilbild
    Lumm

    Sehr coole, kreative Idee mit den Cinch-Steckern. Why not?
    Vor allem, weil ich noch tonnenweise ungenutzter, alte Cinch-Kabel in der Schublade habe…

  2. Profilbild
    mort76

    Ich hätte das Kabel einfach in der Mitte durchgeschnitten, und dann passend wieder zusammengelötet.

  3. Profilbild
    Tai AHU 3

    Ich liiiebe einfache, gute Lösungen. Das ist definitiv eine. Brauche ich nicht, habe höchstens ab und zu mal ein TRS MIDI Gerät in den Fingern. Aber ich kenne die Problematik und sehe bildlich vor mir, wie sich Livemusiker vorbereiten; keinen dieser Lösungskabel zu vergessen.

    @mort76: Kann man machen, die Lösung hier ist deutlich pfiffiger und lässt sich jedesmal wieder neu umstecken.

    Kudos, GWAbbot!

    • Profilbild
      mort76

      @Tai Wie oft macht man das dann wirklich? Man braucht ja nur EIN derartiges Kabel, wenn man eine Umsteck-Lösung will, statt daß man fest verkabelt.

      Mir wäre dieser Stecker einfach zu groß. So ein Klotz an einer Miniklinke…das hat eine gefährliche Hebelwirkung, und man hat zwei weitere Stecker, die unbemerkt rausrutschen können.

      Wenn schon, würde ich zumindest zwei entsprechende Kabel verwenden, wo die Buchsen dann wenigstens in der Mitte sind.

  4. Profilbild
    CloudSounds

    Eigentlich so sinnig und einfach, dass man sich fragt: „Verdammt, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?!“. Daher herzlichen Dank!

  5. Profilbild
    Killnoizer

    Zuerst war ich etwas genervt weil ganz oben zweimal hintereinander der gleiche Schaltplan gezeigt wird, okay, einmal in Grün, aber trotzdem sinnlos.

    Aber dann hat sich der Artikel zum Ende sehr gut entwickelt, vielen Dank für die Anregung und Anleitungen .

    Warum die Hersteller sich , mal wieder , nicht einfach aus praktischen Gründen zusammensetzen können ist wohl ein ewiges Thema .

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