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Frankreichs Musiker kassieren ab 1.7 mehr für Streamings

Frankreichs Musiker ab 1.7. besser vergütet durch Streaming-Dienste

2. Juni 2022

Es dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein, dass die Vergütung von Streaming-Diensten für Musiker und Musikerin ein Schlag in das Gesicht ist. Die durchschnittliche Vergütung für einen Stream bei Spotify beträgt 0,003 USD. Jeder kann sich selber ausrechnen, wie viele Streams er braucht, um sich ein Kaffee, eine Tafel Schokolade oder eine Tüte Chips davon kaufen kann. Oft müssen die Einnahmen mit dem Label, Bandmitglieder, Komponisten, oder Distributor geteilt werden. Wie schwierig es ist, davon noch zu leben, machte die Covid-19-Pandemie deutlich. Mit dem Wegfallen der Auftrittsmöglichkeiten war Streaming für viele die einzige Einnahmequelle. Die Pandemie führte die Misere der Musikschaffenden deutlich vor Augen.In Deutschland sieht es nicht so aus, als würde sich in absehbarer Zeit etwas daran ändern.

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Frankreich nimmt nun eine Vorreiterrolle ein und möchte die Lebensgrundlage von Musikern und Musikerinnen deutlich verbessern. Dort haben sich die Kulturministerin Roselyne Bachelot-Narquin und die Arbeitnehmer- (SNAM-CGT, SFA-CGT, F3C-CFDT, SNM-FO, SNACOPVA-CGC und SNAPSA-CGC) und Arbeitgebergewerkschaften (SNEP, UPFI, SMA) sowie Verwertungsgesellschaften (ADAMI, SPEDIDAM, SCPP und SPPF) auf eine gemeinsame Vereinbarung einigen können.

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In dieser Vereinbarung wird die Verteilung der Einnahmen aus Streaming-Diensten für Musiker und Musikerinnen genau geregelt. Wer denkt, dass es sich um eine Kampfansage an die Streaming-Dienste handelt, hat sich getäuscht. Viel mehr geht der Gesetzgeber davon aus, dass Labels die Musik der Künstler und Künstlerinnen auf die Streaming-Plattformen hochladen und diese sind damit auch dafür verantwortlich, ihre Künstler und Künstlerinnen an den Einnahmen zu beteiligen.

Eine Mindestvergütung von 10 % der Einnahmen aus dem Streaming-Geschäft steht den Musiker und Musikerinnen nun zu. Falls ein Song besonders erfolgreich wird, können die Sätze erhöht werden.

Musiker und Musikerinnen, die auf Honorarbasis arbeiten, erhalten eine Streaming-Pauschale, die neu verhandelt werden kann, wenn 7,5 Millionen Streams erzielt wurden.

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Es wurde festgelegt, dass in Frankreich Musiker und Musikerinnen das Recht auf einen gesetzlich festgelegten Vorschuss haben, der sich an der Größe eines Labels orientiert. Ein Label mit min. 50 Mitarbeitern ist verpflichtet, dem Musiker oder Musikerin ein Vorschuss von mindestens 1000 Euro pro Album zu zahlen.

Es wurde die Organisation FONPEPS gegründet. Diese wird Musiker und Musikerinnen in Frankreich unterstützen, die nicht kommerziell erfolgreich sind.

Schon 2016 wurden gesetzliche Vereinbarung in Frankreich getroffen, die aber in der Praxis nicht durchgesetzt wurden. Die Frage ist, inwieweit sich alle an die Vereinbarung halten oder ob zur Gewinnmaximierung nach Schlupflöchern gesucht wird? Wer wehrt sich  gegen ein Label? Am Anfang der Karriere ist es schwer genug, ein Angebot zu bekommen. Die Frage ist auch, wer die Streams zählt und ob man sich auf diese Auswertung verlassen kann? Es ist letztendlich ein großer Unterschied, ob man 10 % von 10 Millionen Streams oder 5 Millionen Streams bekommt.

Letztendlich ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ob es ausreichen wird, dass sich der Lebensstandard von Musiker und Musikerinnen verbessert, werden die nächsten  Jahre zeigen.

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Forum
  1. Profilbild
    Flowwater AHU

    Das ist ja spannend! Ich habe neulich erst wieder darüber nachgedacht, dass hier eigentlich die Politik aktiv werden müsste. Dann habe ich an unsere deutschen Politiker gedacht, und dass das Europa-Parlament oder -Rat oder vielleicht auch Frau Christine Lagarde von der EZB – die redet ja überall mit, wenn’s um Geld geht – oder der Papst, usw. da auch noch ein Wörtchen mitreden möchten … und den Gedanken resigniert verworfen.

    Und jetzt preschen die Franzosen vor. Chapeau! Und zwar mehrfach und bis zum Boden.

    Jetzt sollte man mal unsere Kultusminister der Bundesländer nerven, damit die eine Regelung treffen … ok, ich höre schon auf, aber man darf ja mal träumen.

  2. Profilbild
    elblaut

    Die Idee ist ehrenwert, mal sehen ob sich das für die französischen Kollegen in der Zukunft bemerkbar macht. Wie im Bericht schon erwähnt, sind nicht die Streaming-Dienste das Ziel dieser Vereinbarung, sondern die Label. Das ist auch genau der richtige Ansatz.
    Wenn man sich die Aktionärsstruktur bei Spotify ansieht, haben sich die großen Label da einen ordentlichen Anteil gesichert. Die sacken nicht nur den Löwenanteil des Streamings ein, sondern auch noch kräftig über ihr Investment. Und alles auf Kosten des eigenen Artist-Rosters.

    • Profilbild
      AQ AHU

      @elblaut Ich weiss nicht, ob es effektiver ist, die Labels oder die Plattformen ranzunehmen. Letztendlich war es Spotify welche mit unterirdischen Entschädigungen für die Musiker begonnen hat. Der Titel „MUSIKER KASSIEREN AB 1.7 MEHR …“ ist dann doch sehr gewagt. Denn auch mit einer Million Streams (USD 3’000.-) kann nicht von „Kassieren“ gesprochen werden. Leben davon kann da seit Jahren keiner mehr. Und, wer kommt schon auf eine Million Streams… Der „Lebenstandard“, unter der Brücke, wird damit durch einen Kaffeekocher, eine neue Wolldecke und ein neues Plektron für die Gitarre sicher erhöht ;-(
      Es ist also höchste Zeit, dass da etwas getan wird und es ist zu hoffen, dass da weitere Staaten oder die EU endlich zugunsten der Musiker einschreiten.

  3. Profilbild
    Tastler

    Wirklich spannendes Thema!
    Ich drücke den franz. Musikschaffenden die Daumen und hoffe, dass dies auch für andere Länder kommt.
    Cheers

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ja, ich denke auch, die Politik wird der Industrie mal sooooo richtig die rote Karte zeigen!…..
    (prust)

  5. Profilbild
    Codeman1965 AHU

    Ich sehe irgendwie nicht, wie und auch warum der Staat hier tätig werden soll.

    Das Musikbusiness ist (wie etliche andere ebenso) total ‚runtergekommen. Das liegt z.T. sicherlich daran, daß heutzutage viele Leute (die Aktionäre) die Hand aufhalten und sich den Kuchen bis auf ein paar Krümel einverleiben. Der Musiker bekommt bestenfalls so viel, daß er so eben bei Laune gehalten wird und durch seinen Input den Laden am Laufen hält.
    Dazu kommt, daß der Konsument heute einfach nicht mehr bereit ist, für Musik zu bezahlen.
    Das muss man sich einfach mal bewusst machen, wenn man sich überlegt, mit Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

    Wer’s trotzdem versucht, wird nicht drum herumkommen, sich andere Einnahmequellen als ausgerechnet Spotify zu suchen…

    Wo da gesetzliche Regelungen greifen sollen, erschliesst sich mir nicht.
    Mindestlohn? Grundeinkommen? 1000 € pro Album?
    Was soll dabei ‚rumkommen, und wer will da die Grenzen festlegen, was nun regelbar bzw. förderungswürdig ist und was nicht…?

  6. Profilbild
    griottier

    Muss man eigentlich Franzose sein, um davon zu profitieren? Bei einer franzoesischen Urheberschutzgesellschaft registriert sein? In Frankreich wohnen und eine Arbeitserlaubnis haben?

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