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Das große Recycling-Geschäft mit der Pop-Musik

26. Mai 2022

Alles nur geklaut!? Warum hören sich viele Pop-Songs gleich an?

Diesen Song habe ich doch schon mal gehört?! Aber er ist doch gerade erst erschienen? Habt ihr auch schon mal diesen Eindruck gehabt, als ihr euch die neusten Hits angehört habt? Woran liegt das? Warum hört sich so vieles gleich an? Die ARTE Dokumentation „Alles schon gehört“ hat darauf eine Antwort.

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Das Zauberwort nennt sich Interpolation. Man bedient sich bei Teilen einer oder mehreren Kompositionen und setzt daraus einen neuen Song zusammen. Ist doch schon bekannt: Nennt sich Sampling! Beim Sampeln werden bestehende Aufnahmen genutzt, um daraus einen neuen Song zu erschaffen. Mit Interpolation analysiert man den Song musiktheoretisch, blickt hinter seine Struktur, ergründet seinem Aufbau und bedient sich der Notenabfolge, Akkordabfolge und rhythmischen Struktur, um einen neuen Song zu erschaffen.

Wie beim Sampling auch ergeben sich juristische Fragen. Die Frage ist, ab wann ein Song kopiert wurde und ab wann wurde man nur von ihm inspiriert? Ein gutes Beispiel dafür ist der Radiohead Song Creep.

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Tatsächlich wurde die Akkordfolge schon in dem Song „The Air That I Breathe“ von The Hollies erfunden.  Als Creep zu einem Hit wurde, verklagten The Hollies Radiohead und bekommen Recht.

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Interessanterweise hat Lana del Rey die gleiche Akkordfolge in ihrem Song „Get Free“ verwendet und wurde von Radiohead verklagt, aber nicht von The Hollies. Ein kompliziertes Geschäft, das viele rechtliche Fragen beinhaltet und tatsächlich werden die streitbaren Songs vor Gericht in ihre kompositorischen Einzelheiten zerlegt, um Gemeinsamkeiten nachzuweisen.

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Interessant wird es, wenn sich Rechteinhaber mit Produzenten zusammensetzten und ein Song aus ihrem Werk neu zu erschaffen. Die Produzenten PNAU kreierten für Elton John den Song Cold Heart, der sich aus den Elton John Songs Sacrifice, Rocket Man und Kiss The Bride zusammensetzt.

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Natürlich mussten die Teile harmonisch aufeinander abgestimmt werden. Elton John musste dank moderner Technik nicht mal ins Studio. Das ist der Vorteil, wenn man auf die Einzelspuren der betreffenden Songs Zugriff hat. Der Song wurde zeitgemäß produziert und ging direkt in die Charts. Mit den eingängigsten Parts aus diesen 3 Songs war sichergestellt, dass wirklich alle mitsingen können, wie es in der Arte Dokumentation heißt.

Viele Künstler überließen ihren Katalog großen Plattenfirmen und diese wollen mit dem musikalischen Erbe der Songs Geld verdienen. AMAZONA.de berichtete über den Sting-Deal. Die Dokumentation beweist, dass sich Songs, die schon ein Hit waren oder an einen Hit erinnern, sich besser verkaufen, weil sie sich schon in unseren Kopf befinden.

Natürlich sind die Aufnahmen von Bob Dylan immer noch interessant, aber für eine große Zielgruppe sind sie viel interessanter, wenn sie in einem gewissen Kontext funktionieren. Wenn eine Ballade aus „Knocking on Heavens Door“ und „Mr Tambourine Man“ neu zusammengesetzt und mit neuen Lyrics von einer Frau oder Mann mit schöner Stimme präsentiert wird, kann die Zielgruppe im Vorfeld genau bestimmt werden. In der Arte Dokumentation war eine Plattenfirma bereit, über das Thema zu berichten und diese bietet sogar Kurse an, die sich mit Interpolation beschäftigen. Die Plattenfirma muss kein neues Repertoire anlegen, sie schöpft aus dem, was schon da ist.

Auf der anderen Seite kommen in der Dokumentation auch Künstler und Künstlerinnen zu Wort, die neue Wege gehen wollen und Konzepte erproben, welche die ausgetretenen Wege der ewig gleichen Strickmuster verlassen wollen und damit auch erfolgreich sind.

Zum Ende ein Video der Prinzen und der AMAZONA.de Text: Die berühmtesten Song-Plagiats-Klagen

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Forum
  1. Profilbild
    Emmbot AHU

    Jop seit ca. 2000 gibt es fast nur das gleiche im Mainstream. Ich nenne das Fahrstuhlmusik, belanglose Lieder ohne Message oder Inspiration. Handwerklich gut gemacht das wars.

    Es gibt natürlich Ausnahmen aber die werden so oft hoch und runter gedudelt, dass man die nach 2 Monaten nicht mehr hören kann.

    Natürlich liegen auch viele Perlen abseits des Mainstreams.

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    mdesign AHU

    in der kindheit und jugend wird der mensch geprägt – auf eine sprache, essen, musik, eben alles, was kultur ausmacht. diese kulturelle grundausstattung bestimmt dann die standards fürs restliche leben. der mensch ist ein gewohnheitstier, wenn er nicht muss, ändert er nichts. darum fühlen sich die meisten in diesem gelernten kulturellen korsett sehr wohl. man variiert das bekannte mal ein bisschen (von der akustischen zur e-gitarre), verfeinert (vom pop zum jazz), probiert vielleicht sogar das exotischere mal aus (kann das gerät denn auch lambada?), bleibt aber im wesentlichen beim bewährten (selbst punker setzen kick auf 1 und snare auf 2). wozu also als produzent kommerzieller musik das rad immer wieder neu erfinden, wenn die zielgruppe doch gar nix neues will?

    • Profilbild
      Sven Rosswog RED

      Hallo mdesign,

      man kann es sogar messen. Etwas Neues zu lernen oder sich auf etwas Neues einzulassen braucht mehr Energie, als auf altbewährte Pfade zu wandeln. Der Körper möchte nicht mehr Energie als notwendig verbrauchen :-)

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        Herr Rakete

        Das ganze nennt sich Mere-Exposure Effekt und ist in der Psychologie recht bekannt.

        Unter diesem Suchbegriff findest du (bei Interesse) auch wissenschaftliche Abhandlungen.

        Viele Grüße

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        gaffer AHU

        Aus genau diesem Grund ist das Abspielen eines geübten Songs oder das Ausfüllen eines Kreuzworträtsels keine wirkliche Beschäftigung für das Gehirn. Bei einer Improvisation ist es etwas besser, aber auch da wird auf einstudierte Routinen zurückgegriffen. Anders beim Erlernen eines neuen Instruments, einer komplett anderen Sportart. Da gehts ans Eingemachte.

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          Herr Rakete

          Stimmt.
          Und live impro’s bzw. jammen ist irgendwie ein Zwischending.
          Man stellt sich auf das Gegenüber ein (Neu und Anstrengend) nur um dann doch recht schnell wieder in „die alten Muster“ zu verfallen.

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    Ragutini

    The Air That I Breathe ist von Albert Hammond komponiert und getextet.
    Seine ursprüngliche Aufnahme, vermutlich nur zu Demozwecken, gefällt mir am besten. Die sensible brüchige Stimme passt perfekt zu der im Text beschriebenen sensitiven Situation. Zitat: „Making love with you has left me peaceful, warm and tired. What more can I ask, there’s nothing left to be desired.“

    • Profilbild
      padbell

      „The Air That I Breathe ist von Albert Hammond komponiert…“
      Nope, sorry, ist von Michael Hazlewood.

      • Profilbild
        Ragutini

        Danke für den Hinweis – laut englischer Wikipedia war es eine Gemeinschaftsarbeit der beiden: „The Air That I Breathe“ is a ballad written by Albert Hammond and Mike Hazlewood.

  4. Profilbild
    Deimos

    Danke für den Artikel. Werde mir die Dokumentation am Wochenende mal in ruhe anschauen. Interessantes Thema.

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    Örli

    Eine sehr sehenswerte Dokumentation. Die lässt einem wirklich die Kinnlade nach unten klappen. Die Musikindustrie werkelt mit ihrem Backkatalog nach Belieben und erzeugt so immer neue (alte) Hits, die erstmal mit den Originalen scheinbar nix zu tun haben. Krass. Vielen Dank für den Artikel, die Doku sollten sich möglichst viele Musikschaffende und Musikkonsumenten ansehen.

  6. Profilbild
    Gackoo

    Deswegen höre ich diese Musik nicht mehr. Langweilig und „Stars“ ohne Individualität. Das kommt dabaus wenn man nur aufs Geld schaut. Eckelhaft!

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    MidiDino AHU

    In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Ausnahmen, aber die waren rar. Impulse kamen häufig von außerhalb, bis sie sich in einem Geschäftszweig auflösten. ‚The Cranberries – Zombie‘ aus den 90ern war eine solche Ausnahme (Alterrnative). Die Band kam aus dem ‚Folk‘.

    Aktuell halte ich ‚Mateus Asato‘ für eine Ausnahmeerscheinung im Pop, ein Gitarrist, der aus Brasilien stammt und dort Gitarrespielen lernte.

    Die Industrie käme nicht darauf, Impulse von außerhalb auch nur zuzulassen: ein Geschäft könnte fraglich sein. Zum Teufel mit der Industrie!

    Eine Schwierigkeit des Pop ist: er ist im Vergleich musikalisch sehr eingeschränk!, um nicht zu sagen, behindert!

    • Profilbild
      t.goldschmitz RED

      Hallo MidiDino!
       
      Mich interessiert folgende Aussage:
       
      „Pop … ist im Vergleich musikalisch sehr eingeschränk!“
       
      Da würde mich interessieren: a) im Vergleich zu welcher Musikrichtung und b) wie definiert man eigentlich Pop, außer dass es Musik ist, die populär ist?
       
      Bin auch kein Verfechter der „deutschen“ Radio-Musik (ich glaube DE ist sogar besonders schlimm dran, wegen der Gesellschaft mit den vier Buchstaben [nein, ich meine nicht POPO]).
       
      Ich kann jedem nur mal empfehlen in staatliche Radiosender anderer Länder reinzuhören. Mein Favorit ist Antena 3 aus Portugal (etwa so wie unser WDR 3).
       
      https://media.rtp.pt/antena3/ouvir/#
       
      Ich habe selten so eine Frische und Unbekümmertheit beim Thema Pop erlebt.

      • Profilbild
        MidiDino AHU

        Hallo t.goldschmitz!

        Ich höre seit Jahren kein Radio mehr. Aber ich verfolge ARTEconcert, dort am Liebsten Neues (Experimentelles) im Zwischenfeld von Jazz / Klassik (Neue Musik). Bald beginnen wieder die Moers-Konzerte (Pfingsten).

        Aber ab und an schaue und höre ich mir auf Youtube an, was aktuell ‚Flook‘ (Folk) macht ( https://www.youtube.com/watch?v=1rddKXlb7xM )

        Ich mag allerdings keine Wiederholungen in der Musik, es gäbe stattdessen Variationen, deshalb nur ab und an.

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          t.goldschmitz RED

          „im Zwischenfeld von Jazz / Klassik“ … für mich auch die interessanteste Schnittstelle. Ich pers. muss aber noch viele der Klassiker nachholen (Messiaen z.B.). Aber in dieser Zwischenwelt wird ja auch mit Elektronik experimentiert.
           
          Aber um ehrlich zu sein: weiter entfernt von Pop-Musik geht es da wohl kaum. Das ist wohl alles eher Niesche und riecht für manche zu sehr nach „Elitär“.
           
          Danke für den Link! Lustigerweise habe ich auch eine Zuneigung zu (der ein oder anderen) Folk-Musik entwickelt.
           
          Ich mag aber auch knallharten Noise und Krach oder auch gerne Detroitgerappel™

  8. Profilbild
    ShOAB-05

    Ich dachte der Konsens sei, dass gerade Akkordfolgen mangels Schöpfungshöhe nicht geschützt werden können?

    • Profilbild
      Örli

      Das dachte ich auch! Besonders das Beispiel in der Doku mit Pharell Williams hat mich schon etwas erstaunt. Ich fand nämlich nicht, dass der Track dem angeblichen Original in irgendeiner Weise ähnelte. So kann eigentlich jeder Hit von Experten zerpflückt und auf Ähnlichkeiten abgeklappert werden, denn die Chord Progressions sind schon fast immer die gleichen bei Poop Songs. Wirklich erstaunlich.

  9. Profilbild
    SkandinAlien

    Deswegen macht es mir auch schon seit Jahren keinen Spaß mehr Radio zu hören oder das was „Ich höre eigentlich alles“ Zeitgenossen so supi finden…

    Letztens aus lauter Langeweile mal die Streaming Charts angeklickt und nach dem 5. musikalischen Fehlgriff der Top 10 dann doch lieber der Baustelle nebenan beim bohren und sägen zugehört. Vielleicht ist es ja auch mein Fehler, keine Ahnung. Ich erwarte einfach mehr von meinem Medium als einfach nur dummes copypaste genudel. Es darf gerne die Aufmerksamkeit fordern die es ohnehin verdient.

    Musik muss bluten.

  10. Profilbild
    vssmnn AHU

    Ihr kann den 0815 Harmonie-Standard Kram auch nicht mehr erhören, mir wird da mittlerweile echt schlecht.
    Auf 4 von 5 Liedern kann man „Can You Feel the Love Tonight“ drüber singen.. dann schalte ich ab.

  11. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Warum hören sich viele Pop-Songs gleich an?
    Weil es sehr oft Software-Produkte sind und sonst nix.
    Ausnahmen bestätigen die Regel.

    • Profilbild
      0gravity

      Die Musik in den Charts hat sich schon immer, je nach vorherrschender Stilrichtung, ähnlich angehört. Das gilt auch für das immergleiche Dutzend Akkordfolgen die seit Jahrzehnten die Charts dominieren.
      Das hat mit Software imho nichts zu tun, sondern damit was man der Masse verkaufen kann.
      Allerdings ermöglicht es die Software heutzutage auch musikalisch eigentlich Ahnungslosen, kommerziell erfolgreiche Musik zusammenzuclicken, das war früher nicht so.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Genau …. Das ungefähr hatte ich ausdrücken wollen.

    • Profilbild
      gaffer AHU

      Ach, wenn ich Hardware verwende wird’s besser? Oder habe ich dich falsch verstanden? Wenn ich dich richtig verstanden habe, energischer Einspruch. Ein guter Track ist auf keinen Fall von der Wahl der Instrumente, oder Soft/Hard abhängig.

  12. Profilbild
    gaffer AHU

    Ich kannte den Hollies Song sehr gut (obwohl ich den nie mochte), habe aber aber beim ersten Hören keinerlei Zusammenhang zu Radioheads Titel erkannt. Erst nachdem ich die Hollies nochmal hörte, fiel mir der erste Sprung in der Harmonie auf, kommt nicht sehr oft vor, aber vor allem der vierte Akkord als Moll ist signifikant. Ich behaupte, ohne diesen letzten Schritt hätten die Hollies nie recht bekommen. Kopiert, bin ich auch der Meinung.

  13. Profilbild
    block

    Frage: Ist es Interpolation, den Inhalt einer Reportage in einem Blogbeitrag zusammenzufassen und auf diesen zu refferenzieren?

    Dann wäre der Artikel hier schon höhere Kunst

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