Hans Zimmer Sounddesign BMW M-Klasse

25. Mai 2021

Hans Zimmer: Sounddesign für die BMW M-Klasse

Wer hat nicht schon immer davon geträumt, einfach ins Auto einzusteigen, den Motor anzulassen und dann erklingt ein satter D-Dur Akkord, flankiert von einem vierstimmigen Chor, der die Stimme einer Soul Diva trägt und uns direkt in afrikanische Steppe beamt, in deren Staub vor einem malerischen Sonnenuntergang ein paar majestätische Löwen liegen? Also ich nicht. Aber darum geht’s auch gar nicht. Hans Zimmer, der oscarprämierte Komponist von erstklassiger Filmmusik – allen voran König der Löwen, Fluch der Karibik oder Batman – designed für den Autokonzern BMW den Sound, den ein elektrisch betriebenes Fahrzeug nicht macht. Klingt verwirrend, hat aber einen realen Hintergrund.

Hans Zimmer 2009 im Interview mit AMAZONA.de

Hans Zimmer produziert für BMW

Elektroautos machen, im Gegensatz zu den spritfressenden Kollegen der Verbrenner-Zunft, ausser den Rollgeräuschen, die die Reifen erzeugen, nun mal nicht dieses typische Geräusch, dass die Autofahrer so lieben. Manch ein Zeitgenosse gibt sogar sehr viel Geld aus, um das Geräusch des PS-starken Boliden noch zu verstärken. Scheinbar ist der Sound, den ein Auto machen muss, schon so in unserer DNA verankert, dass ein Heer von Sounddesignern ausschließlich damit beschäftigt ist, den Elektroautos das Brüllen beizubringen. Und warum sollte man sich da nicht auf einen Profi verlassen, der genau das immer sehr zielgenau hinbekommt? Emotionen zu erzeugen, wann immer der Regisseur meint, dass der Kunde welche haben müsse? Und da kommt Hans Zimmer ins Spiel. Und das ist die Brücke zum Musikmagazin, nach der bestimmt zahlreich gefragt werden wird.

Soundspezialist Renzo Vitale bei der Produktion des neuen BMW-M-Sounds

Gänsehaut im BMW

Renzo Vitale, der Creative Director für Sound der BMW Group, und ein guter Bekannter unseres Chefredakteurs,  hat sich Hans Zimmer zu Hilfe geholt, um das Sounddesign des neuen BMW i4 M50 zu gestalten. Man bekomme, so Vitale, eine Gänsehaut am ganzen Körper, wenn man das Pedal eines BMW der M-Klasse durchtrete. Diese Emotion soll dem Fahrer eines elektrifizierten BMWs nicht vorenthalten werden. Aber Sounddesign in Autos hat nicht nur ästhetischen Charakter. Auch der Sicherheitsaspekt spielt hier eine Rolle, Fußgänger zum Beispiel haben kaum eine Chance, einem sich langsam nähernden Elektroauto zu entgehen, weil es einfach zu leise ist und die Fahrgeräusche im Alltagslärm untergehen. Und nicht nur das Fahrgeräusch wird den Sounddesignern überlassen, auch Warntöne aus dem Cockpit zum Beispiel wollen designed werden und über das klassische „Ping-Ping“ hinaus angenehm und trotzdem mahnend tönen.

Wäre Sounddesigner ein Job für euch? Ist das Geräusch eines brüllenden Motors sexy, oder einfach nur nervtötend? Oder ist das alles Quatsch? Diskutiert mit uns.

Hier geht’s zu unseren Interviews mit Hans Zimmer

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Und so soll das Ergebnis laut FAZ nun klingen:

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Forum
  1. Profilbild
    h3rtz  

    Super spannendes Thema!

    Richtig interessant waeren Sounds, die dynamisch auf die Bewegung des Fahrzeugs reagieren, und zwar nicht nur Gas/Bremse, sondern auf saemtliche Beschleunigungskraefte. Roland hat so ein System bereits in einem Fahrzeug des japanischen Herstellers GLM eingebaut, in das die Supernatural Engine integriert wurde.

    https://www.musicradar.com/news/tech/roland-develops-in-car-synth-to-create-sounds-for-electric-sports-car-626615

    Noch besser waere die Sache dann, wenn es eine herstelleruebergreifende Platform gaebe, fuer die dann 3rd party Sound Designer Sounds anbieten koennten. Man denke an die Handy Klingeltoene der Nullerjahre, auch wenn das wohl kaum erfreuliche Assoziationen aufruft.

    Allerdings wird sich individuelles Sound Design fuer elektrische Fahrzeuge wohl auf den Innenraum beschraenken. Fuer die Aussenwirkung wird die EU ab Juni ein System namens AVAS (acoustic vehicle alerting system) verpflichtend fuer alle elektrischen Fahrzeuge machen. Da darf man dann wohl eher „genormte“ und wenig spannende Sounds erwarten.

    https://ec.europa.eu/growth/content/electric-and-hybrid-cars-new-rules-noise-emitting-protect-vulnerable-road-users_en

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      S_Hennig  

      AVAS: Da kann ich schon versprechen, dass wir ein bisschen einfallsreicher sein werden. Mindestens mal Last (Motorstrom/Rekuperationsleistung) wird eingehen. Und in meinen Prototypen hatte ich oft auch ein kleines Zufallselement eingebaut, damit sich der Klang etwas variiert.
      Die Gesetzgebung setzt halt der Kreativität insofern Grenzen, als das Geräusch zur Fahrzeugklasse passen muss. Ein Sportwagen darf dann nicht nach Traktor klingen und ein Kleinwagen nicht nach W12-Motor. Du darfst ja auch jetzt schon keine LKW-Hupe in einen Lupo einbauen.
      Und für Aftermarket Lösungen, die z.B. verwendet werden, wenn Du Deinen Verbrenner elektrifizierst, wird es genau das geben was Du Dir wünschst. Eine konfigurierbare Engine, in die Du eigene Sounds laden kannst. Das musst Du dann halt durch die Hauptabnahme bekommen.
      Es werden gute Zeiten kommen, versprochen.

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        h3rtz  

        Hey, vielen Dank fuer die Insider Infos.

        Gibt’s ne Moeglichkeit, sich da weiter zu informieren? Auch Infos darueber, wie man solche Projekte generell angeht, welche Software, welche Schnittstellen usw, wuerden mich brennend interessieren. Gern auch per PM, falls Dir das lieber ist.

  2. Profilbild
    markus

    In diesem kurzen Demo klingt der Sound ziemlich geil, find ich. Aber viel wichtiger ist, wie er in der Praxis funktioniert, das kann man dem kurzen Demo natürlich nicht entnehmen. Und für den Fahrbetrieb – als Dauersound – könnte er zu überladen sein (nur so eine These).
    Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, in einer Oberklasse E-Limousine die (künstlichen) Fahrgeräusche durchzutesten, manche recht Motor-nah, andere eher abstrakt. Manche nerven irgendwann, andere fügen sich selbstverständich in die natürlichen Fahrgeräusche ein. Das ist wirklich hochinteressant.

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