Kraftwerk – Die verdiente Ehrung nach 50 Jahren

24. Mai 2021

Kraftwerk in der Rock & Roll Hall of Fame

Damit dürften einige unserer Leser schon länger gerechnet haben, aber jetzt ist es offiziell: Am 30. Oktober 2021 werden Kraftwerk in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen. Das Spektakel startet um 20:00 Uhr Ortszeit und somit nach mitteleuropäischer Zeit um 2:00 Uhr Nachts am 31.Oktober.

Leider kann Mitbegründer Florian Schneider diese verdiente Ehrung nicht mehr miterleben, er verstarb am 21. April 2020. Sein musikalischer Partner Ralf Hütter ist aber Nachwie vor für KRAFTWERK aktiv.

Kraftwerk 1976

Kraftwerk 1976, Photo © Von Ueli Frey, Wikimedia

Kraftwerk bekommen den Early Influence Award. Der Early Influence Award wird jedes Jahr an einen darstellenden Künstler oder eine Gruppe vergeben, „deren Musik und Performance-Stil Musik, die die Jugendkultur beeinflusst haben, direkt beeinflusst, inspiriert und weiterentwickelt haben“. Die Voraussetzung für die Aufnahme in die Hall of Fame sind mindestens 25 Jahre, die seit der ersten Veröffentlichung einer Band oder eines Künstlers vergangen sein müssen. Diese Hürde meistern Kraftwerk mit Bravour, genauso wie die gute Gesellschaft, in der sie sich bewegen. Weitere Aufnahmen in die Rock & Roll Hall of Fame sind unter anderem Tina Turner, Todd Rundgren, Carol King, Charley Patton und Gil Scott-Heron, wobei die beiden Letztgenannten ebenfalls den Early Influence Award erhalten.

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Kraftwerk, deren wechselvolle Geschichte tatsächlich eines eigenen Artikels bedarf, gelten als Mitbegründer der Düsseldorfer Schule in der elektronischen Musik. Ihre bekanntesten Alben dürften „Autobahn“, „Die Mensch-Maschine“ und „Computerwelt“ sein, die allesamt in der Hochphase der Band zwischen 1974 und 1978 erschienen. Kraftwerk sind noch immer auf Tour, die 2020 geplante Tour durch die USA musste allerdings pandemiebedingt abgesagt werden. Für 2021 stehen bereits zwei Termine in Genf und Glasgow auf dem Tourplan, 2022 folgt eine Tour mit Auftritten in Italien, Frankreich und Deutschland. Hoffen wir, dass alle geplanten Auftritte stattfinden können.

Kraftwerk war, abgesehen vom überraschenden Tod Schneiders, zuletzt in den Schlagzeilen, weil ihr umstrittenes Jingle für die Expo 2000 in Hannover bei gerade mal 3 Sekunden Laufzeit rund 400.000 Mark gekostet hat. Eine Summe, über die man sicherlich angesichts der Produktionszeit von höchstens 20 Minuten vortrefflich streiten kann. Trotz allem sind Kraftwerk Kult und als Wegbereiter der elektronischen Musik unstrittig preiswürdig. Die Ehrung erfolgt also mit Recht und für viele, so auch für Florian Schneider, leider zu spät.

Photo Credits:

Titelbild: Kraftwerk

http://www.drjazz.ch/album/bilder/kw05.jpg. The photo comes from the collection of Kraftwerk photos made by Ueli Frey., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10498041

Forum
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    Atarkid  AHU

    Da wird es auch langsam mal Zeit. Im Grunde hätte diese Ehrung schon vor 20 Jahren stattfinden müssen. Ja, dass Florian Schneider das nicht miterleben darf, ist furchtbar…:( Zuletzt waren Kraftwerk allerdings nicht wegen ihres Expo-Jingles in den Medien, sondern eher wegen dem nicht enden wollenden Urheberrechtsstreits mit Pelham… Gab doch wieder irgendein Urteil vor ein paar Jahren.

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      Holden  AHU

      Mit Pelham sich streiten war für mich vollkommen unter Niveau. Aber da sieht man gleich wie ähnlich sich Straße und Hochschule sind. Beide halten sich für die gerechteren. Jetzt darf jeder 15 Sekunden sampeln was er will. Sofern das Bestand hat.

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      Henrik Fisch  AHU

      Der Streit gegen Moses Pelham war für mich mit das Beste, was Herr Hütter für die Nachwelt tun konnte. Wenn man sich das Stück von Pelham nur 10 Sekunden lang anhört, dann merkt man sofort, dass dieses ohne das Sample aus »Metall auf Metall« nicht existieren würde, so präsent ist dieses. Das war ein kackfrecher Diebstahl. Herr Hütter hat dazu gesagt, dass er Moses Pelham die Nutzung sogar erlaubt hätte, wenn er denn mal gefragt worden wäre. Aber das wäre ja unter dem Niveau des knallharten Battle-Rappers gewesen.

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    Inductor  

    Endlich und sehr verdient! Der Spiegelartikel zum Jingle reiht sich in die Historie der geringen Wertschätzung für Kraftwerk hierzulande in den Medien ein (Zumindest bis 2000).
    Das der Jingle in 20 min produziert wurde dürfte eher unwahrscheinlich sein und ich fand ihn damals beeindruckend.

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      Round Robin  

      Sehe ich auch so. Es war ein komplexes Vocoderspiel und gut durchdacht. Mit Sicherheit nicht in 20 Minuten gemacht. Ist es dennoch 400.000 DM wert? Hätte ich das Angebot bekommen, hätte ich das auch gemacht. Wer denn nicht? ^^

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    iggy_pop  AHU

    Haben die Verantwortlichen für die Titelverleihung jetzt auch endlich mal den Kopf aus dem Arsch bekommen? Super, da kann man doch nur pausenlos gratulieren.

    Legt euch wieder hin.

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    Henrik Fisch  AHU

    Ich habe mir »Autobahn«, »Radioaktivität«, »Trans Europa Express, »Mensch Maschine« und »Computerwelt« gekauft, als sie neu waren. Ja, ich bin Kraftwerk-Fan der ersten Stunde. Und bin es jetzt nicht mehr. Oder sagen wir mal: Die alten Original-Sache gefallen mir immer noch ausgezeichnet. Das was Herr Hütter jetzt auf die Bühne bringt, finde ich zum fremdschämen peinlich. Den ganzen alten Kram mit flotteren Rythmen verpackt, dazu hautenge Gitternetz-Anzüge, die den Opa-Schmerbauch aber so richtig schön zur Geltung bringen. Und seit »Tour de France« praktisch nichts Neues mehr gemacht. Nee, sorry, nicht mehr meins.

    Dagegen verfolge ich mit großen Interesse, was Ex-Mitstreiter (man könnte auch »Angestellter« sagen) Karl Bartos so treibt. Wenn ich mal etwas Neues von Kraftwerk hören möchte, in dem der Kraftwerk-Spirit weiter lebt, dann greife ich zu seiner »Off The Record«.

    Und natürlich habe ich die Bücher von Wolfgang Flür und Karl Bartos gelesen, die Erhellendes über das Band-Leben beschreiben, beide nicht sonderlich streng mit den Kraftwerk-Gründern ins Gericht gehen und die beide wegen dieser Bücher von den Kraftwerk-Gründern verklagt wurden.

    Mein Kraftwerk ist das mit Wolfgang Flür und Karl Bartos. Und nicht der Quatsch, an dem heute Raubbau betrieben wird.

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      Dirk Matten  RED

      Kraftwerk war immer Ralf Hütter und Florian Schneider. So viel ich weiß, waren weder Wolfgang Flür noch Karl Bartos „Angestellte“, sondern freie Mitarbeiter. Um Karl Bartos für die Zukunft finanziell abzusichern, wurden ihm später bestimmte Rechte zugestanden, von denen er heute noch gut leben kann. Nicht alles muss allen im Leben gefallen, die Multimediakonzerte sind seit Jahre innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, von daher liegt Ralf Hütter mit seinem Engagement richtig.
      Angestellter: https://de.wikipedia.org/wiki/Angestellter

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        Henrik Fisch  AHU

        > Kraftwerk war immer Ralf Hütter und Florian Scneider. […]

        Genau eben nicht. Die Beiträge von Wolfgang Flür und Karl Bartos werden gerne unter den Tisch gekehrt. Als Alt-Kraftwerk-Fan merkt man auch sehr deutlich den »Knick« in der Kreativität, als die beiden weg waren. Da »war« etwas zwischen allen Vieren, was eben diese Musik ermöglicht hat. Und was danach eben nicht mehr da war.

        Vor allem: Wolfgang Flür und Karl Bartos sind auf allen Covern zu sehen, in allen Konzerten mit dabei, haben die selben Leuchtreklamen und transportieren das selbe Image und zwar über ein Jahrzehnt hinweg … und sollen nicht relevant für Kraftwerk sein? Ja, genau, das hätte Herr Hütter wohl heute ganz gerne.

        Karl Bartos beschreibt in seinem Buch »Der Klang der Maschine«, dass er sich gewisse Rechte an seinen Beiträgen zur Musik von Kraftwerk erstreiten musste. Wolfgang Flür schreibt in seinem Buch »Ich war ein Roboter« – ich habe das aber nicht mehr so genau in Erinnerung – von ähnlichen Erfahrungen. Die Unterscheidung zwischen »Angestellter« und »Freier Mitarbeiter« oder gar »Session-Musiker« halte ich im Kontext von Kreativität und verweigerten Rechteverwertungen für akademisch.

        Kraftwerk war vor Flür und Bartos irgend eine intellektuelle Frickelbude von langhaarigen Studenten und danach belanglos. Kraftwerk erstarkte mit den beiden.

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          Dirk Matten  RED

          Rechtlich gesehen waren Kraftwerk immer Ralf Hütter und Florian Schneider, sie waren die „Unternehmer“, Inhaber der Marke „Kraftwerk“, das als Hinweis zu „Angestellten“, die dann weder Investitionen, noch Risiko tragen mussten. Ein freier Mitarbeiter wird nach seiner Leistung bezahlt, Rechte an den Ergebnissen gibt er damit ab. Ist halt generell so im Geschäfts- und Berufsleben. Karl Bartos wurden ohne Notwendigkeit Rechte an einigen Kompositionen zugestanden, das geschah freiwillig, um seine Arbeit zusätzlich zu honorieren und um ihn für später finanziell abzusichern. Als er jedoch forderte, Ralf Hütter solle seinen Partner Florian Schneider rauswerfen, er wolle in allen (!) Belangen dessen Position annehmen, durfte er den Schlüssel zu Studio abgeben und verschwand mit den Worten: „Mit meiner Musik werde ich mehr Geld verdienen, als ihr mit Kraftwerk.“ Hmmm …

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          Herr_Melin  

          Ich habe Wolfgang Flürs Buch auch gelesen, danach war Kraftwerk für mich wie offenbar für Dich, Henrik, doch arg entzaubert (auch wenn man davon ausgehen muss, dass manches in dem Werk aus Ärger vielleicht überzeichnet war).

          Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass Flür und Bartos nur Angestellte oder freie Mitarbeiter gewesen seien. Der Punkt ist aus meiner Sicht, dass sie eben genau diesen Job zugewiesen bekommen haben und trotzdem ihre Gesichter hinhalten durften. Und auch als Bandmitglieder wahrgenommen wurden.

          Klar kommt es in der Marktwirtschaft vor, dass mal ein kalter Wind durch den Arbeitsvertrag bläst. Aber so sollten Menschen meiner Ansicht nach einfach nicht miteinander umgehen. Dass die Erzählungen von Bandmusikern, die einander in engster Freundschaft zugetan sind, oft reine PR-Märchen sind, ist klar. Aber bei Kraftwerk sehe ich eben den Gegenpol: kaltes Geschäft. Sowas stößt mich ab. Aber vielleicht ist das ja auch wieder Teil des Konzepts und damit Kunst.

          Aber über die Jahrzehnte lösen sich solche Dinge zum Glück auf, da bleibt nur die Musik. Ich würde mir allerdings ein ganz klein wenig wünschen, dass Kraftwerk in der Computerwelt-Besetzung geehrt würden (und Florian von seiner Wolke aus zusieht).

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            SynergyMan  AHU

            Das war in den 1980iger Jahren unter Profis aber auch gar nicht so unüblich im deutschsprachigen Raum und hatte mehr mit gegenseitigen Respekt als mit Geringschätzung zu tun. Das „wir sind alle Gewinner“ gleichmachende IKEA-Du übernahm erst in den Neunzigern.

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            Henrik Fisch  AHU

            Sorry, das sich erst jetzt antworte:

            Die Bücher vom Herrn Flür und Herrn Bartos haben bei mir sogar das Gegenteil einer Entzauberung bewirkt: Ich fand die Band durch die diversen Schilderungen sogar noch sympathischer. Weil ich das Gefühl bekam, dass da eben doch Menschen dahinter stecken und eben genau nicht eiskalte Wirtschafts-Faktorisierer. Es gibt in den Büchern diverse Anekdoten, welche auch die Kraftwerk-Gründer durchaus als Spaßvögel darstellen.

            Ich selber war mal als Jugendlicher in einem Kraftwerk-Konzert in Hamburg – das muss irgendwann nach »Computerwelt« gewesen sein – und da hatten wir bei den Vieren auf der Bühne nicht den Eindruck, als wären das eiskalte Roboter. Da gab es durchaus ein zwei witzige Bemerkungen der Kraftwerker an das Publikum, welche diese dann eben doch als »Band« geoutet haben. Sehr sympathisch.

            P.S.: Hinter uns saß zufällig Udo Lindenberg mit ein paar seiner Leute. Der ist nach der Hälfte des Konzerts gegangen. Seitdem mag ich Herrn Lindenberg nicht mehr.

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      Atarkid  AHU

      Seit „Electric Café“ hab ich das auch nicht mehr so wirklich auf dem Schirm. Aber bis dahin ist das nach wie vor der absolute Wahnsinn. Vor allem wenn man’s im Kontext der Zeit betrachtet.

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      Dirk Matten  RED

      Zitat: „Und natürlich habe ich die Bücher von Wolfgang Flür und Karl Bartos gelesen, die Erhellendes über das Band-Leben beschreiben, beide nicht sonderlich streng mit den Kraftwerk-Gründern ins Gericht gehen und die beide wegen dieser Bücher von den Kraftwerk-Gründern verklagt wurden.“
      Es wäre mir neu, gehöre seit 1974 zum Insiderkreis, dass Karl Bartos wegen seines Buchs von Ralf Hütter verklagt wurde. Richtig ist aber, dass Ralf Hütter gegen die Veröffentlichung und die Verbreitung der ersten Auflage des Buchs von Wolfgang Flür geklagt hat. Ich kenne die Klageschrift und das Urteil im Detail, in 9 von 10 Punkten wurde der Klage Recht gegeben, im letzten Punkt war es strittig, da Wolfgang Flür behauptet hatte, er habe auf „Autobahn“ Schlagzeug gespielt. Nun muss man zwischen dem Titel „Autobahn“, da hatte er nicht Schlagzeug gespielt“ und dem Album „Autobahn“ unterscheiden, da hatte er auf „Kometenmelodie 2“ Schlagzeug gespielt. Es ist doch nicht verwerflich, wenn man Rechte einklagt und wenn man dann im Grunde beim Urteil Recht bekommt, würde ich den Verfasser der Falschinformation und nicht dem Kläger meine Sympathie entgegenbringen. Es wird viel Mist über Kraftwerk geschrieben, so auch von den ehemaligen Mitstreitern, Ralf Hütter und Florian Schneider haben sich an den öffentlichen Diskussionen nie beteiligt, ihnen ging und geht es immer um das Werk und um nichts anderes. Und dass Ralf Hütter, Jahrgang 1946, nicht unbedingt eine Figar wie ein 20-Jähriger hat, dürfte man ihm verzeihen. Er macht das, was er am liebsten macht, vor Publikum seine Kompositionen in immer neuen Interpretationen zu performen, weltweit in den besten Locations, die man sich vorstellen kann. Ich freue mich schon auf die Show im Bonner Hofgarten im Juni nächsten Jahres. 25.000 verkaufte Eintrittskarten sprechen für sich.

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        Henrik Fisch  AHU

        OK, das verlangt noch nach einer Richtigstellung von mir, weil ich keineswegs Ralf Hütter als Person bloßstellen will. Das da jemand seine eigene Musik aufführt, damit um die ganze Welt reist und auch noch in fortgeschrittenem Alter diese Ernergie aufbringt – wenn ich richtig gerechnet habe, dann wird er dieses Jahr 75 – ist eine absolut großartige Sache. Das darf er, das soll er und da gibt es nichts gegen zu sagen.

        Ich mache mich dagegen über dieses hautenge Gitternetz-Bühnen-Outfit lustig, das natürlich eine Fortführung des Kraftwerk-Images – Mensch-Maschine, Musikarbeiter, die Person an sich ist nicht wichtig sondern verschmilzt mir ihrer Tätigkeit – sein soll. Nur: Genau dieser Anzug bringt das fortgeschrittene Alter des Künstlers zur Geltung. Eben ganz im Gegensatz zu den nicht alternden Robotern. Es fokussiert quasie den Blick darauf, dass dieses Kraftwerk-Image so nicht richtig sein kann. Der Mensch ist eben keine Mensch-Maschine, kein Computerwesen. Und das finde ich »be – merkens – wert« (im Wortsinne). Im Alter darf man auch gerne zu seinem Alter stehen. Schon gar als weltberühmter Musiker. Deswegen meine Belustigung.

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          Dirk Matten  RED

          Mensch Maschine, nicht Maschinenmensch, das Verhältnis von Mensch und Maschine, so wie es Ralf Hütter beim Fahrradfahren versteht. Ich hoffe, ich konnte das klären.

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          Dirk Matten  RED

          Das hier hatte ich im Gespräch 1974 vorgetragen. Florian Schneider meinte vor Jahren: „Dirk Matten hatte uns vom Sequenzerkonzept überzeugt.“ Übrigens eine Arbeitsweise, die man heutzutage im DJ-Bereich als Live-P.A. bezeichnet.

          Conductor-Philosophy (engl.) ist in Amerika die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Grundeinstellung von Komponisten gegenüber elektronischen Speicher- und Steuereinheiten. Diese Grundhaltung wird von ihnen nicht wie das Verhältnis Spieler-Instrument, sondern eher als Beziehung Dirigent (engl. conductor) -Orchester verstanden: Denn Hybride Systeme, deren Konzeption mit dem Wort „C.-Ph.“ charakterisiert wird, können Funktionen der Speicherung („Partitur“), deren spätere Beeinflussung („Interpretation“) und wiederum deren Speicherung („Reproduktion“) ausführen.
          Max V. Mathews, der zusammen mit John R. Pierce in den Bell Telephone Laboratories praktikable „Computer Sound Synthesis Programs“ (Computerprogramme zur Klangerzeugung) entwickelt hat, beschreibt seine der C.-Ph. zugrunde liegenden Vorstellungen der Arbeit mit Computern: „Der Dirigent spielt nicht persönlich jede Note einer Partitur, vielmehr beeinflusst (und kontrolliert er hoffentlich) die Art, in der die Instrumentalisten die Noten spielen. Der Computer-Ausführende sollte nicht versuchen, den gesamten Klang in Realzeit zu definieren. Vielmehr sollte der Computer eine Partitur enthalten, und der Ausführende sollte die Art beeinflussen, in welcher die Partitur gespielt wird. Seine Einflussnahme kann viel mannigfaltiger sein als jene des konventionellen Orchesterdirigenten, der in erster Linie Tempo, Lautheit und Stil kontrolliert. Er kann z.B. eine zusätzliche Stimme nach eigenem Ermessen einführen oder Bestandteile einer Stimme wie etwa deren Tonhöhen, während der Computer den Rhythmus liefert …
          Der Computer sollte mehr tun als nur dem Dirigenten folgen, er sollte sich auch aller Anweisungen des Dirigenten erinnern, so dass eine einmal erreichte gewünschte Aufführungsart repetiert werden kann. Darüber hinaus sollte er dem Dirigenten erlauben, jeden Teil seiner Interpretation oder der Partitur zu ändern“.
          Aus diesen Forderungen an den Computer lassen sich neue Zusammenhänge von Komposition, Interpretation, vor allem aber Improvisation entwickeln. Einige Institute in Amerika arbeiten äußerst aktiv auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet.

          Aus „Das Lexikon der elektronischen Musik“
          Herbert Eimert, Hans-Ulrich Humpert
          Bosse Verlag Regensburg 1973

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          Round Robin  

          Es gibst sehr viele Bands, die ab einem gewissen Zeitpunkt nichts neues bringen. Mir sind die alten Aufnahmen auch lieber, aber so geht es den meisten Fans. Ist aber nicht schlimm, es kommen ja neue Fans hinzu. Diese mögen tatsächlich die Neuaufnahmen lieber. Somit hat Ralf Hütter nichts verkehrt gemacht. Zumal er für den Katalog einen Grammy gewonnen hat.

          Was den Live Shows angeht, so bleibt sich Ralf Hütter dem Kraftwerk Image treu. Und das ist sicher nichts schlechtes. Wenn man es nicht mag, dann geht man nicht hin. Aber ich finde solche abwertende und herabwürdigende Äusserungen zu Kraftwerk nicht in Ordnung (Bodyshaming?). Der Mann macht das was er liebt. Hochprofessionell und mit Herzblut. Und das in seinem Alter……einfach bewundernswert.

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    Enterprising

    Sehr cool! Besser spät als nie. Kraftwerk hatte in Amerika einen immensen Einfluss u.a. für Elektro Funk. Rock it!

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      Atarkid  AHU

      Und der selbstverständliche Umgang mit Synthesizern, den wir heute pflegen, ist wohl auch den Herren zu verdanken. Nicht dass es da nicht noch ganz andere Pioniere gegeben hätte, aber Kraftwerk hat’s in jedes Wohnzimmer der Welt geschafft. Und ja, überall auf dem Planeten wurde Kraftwerk mehr geschätzt als in Deutschland (was mir immer noch unbegreiflich ist).

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    Zetahelix  

    Jetzt muss mir nur noch mal jemand erklären, was der synthiepop von Kraftwerk mit Rock n Roll zu zun haben soll :D

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      Dirk Matten  RED

      Möglichwerweise wird hier weder der Tanz, noch die Musikrichtung à la Bill Haley verstanden, sondern Popmusik als Genre für sich, im Gegensatz zu Chanson, Jazz etc. Ralf Hütter schrieb mir vor Kurzem: „Long live Rock ’n‘ Roll“, habe als Ostwestfale erst einmal nach innen gelacht.

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      Henrik Fisch  AHU

      Mit der Musikgattung »Rock’n’Roll« vermutlich nichts. Sieht man Rock’n’Roll aber im Kontext ihrer Zeit, dann ist das damals eine Revolution gewesen: Hektisch, sexy (mit Blick auf Elvis), ungehemmt, völlig unverständlich für die Eltern. Das revolutionäre daran hat deutliche Parallelen zu Kraftwerk (gut, sexy und hektisch nun vielleicht eher nicht). So eine Musik gab es vorher nicht (so gut wie nicht, auf keinen Fall mit dem Bekanntheitsgrad), und es gibt sie auch heute meiner bescheidenen Meinung nach nicht mehr.

      Wobei ich mich erinnern kann, dass »Die Roboter« und »Das Model« in der Disco gespielt wurden (auf deutsch!) und alle kreischend ausgeflippt sind. Kein Witz. Jedenfalls ist es das, was zu Recht geehrt wird.

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        bluebell  AHU

        Kraftwerk brachten neue Klänge, aber der restliche Aufbau der Musik war – bis auf ein paar experimentelle Sachen – die von herkömmlichen Liedern mit einer starken Melodie, mitsingbar und tanzbar. Somit auch für Mädels einigermaßen attraktiv, wenn auch der sexy Held auf der Bühne fehlte.

        Bei Tangerine Dream wurde die Musik schon weniger herkömmlich. Die hypnotischen, sich langsam aufbauenden und modifizierenden repetierten Sequenzen waren mehr eine Sache für männliche Nerds.

        Noch weniger herkömmlich waren Klaus Schulzes Klanggemälde, teils mit und teils ohne Sequenzen (Mirage). Dazu konnte man zwar mit der Freundin kuscheln, aber es war nie die Freundin, die die Mirage-Cassette eingeschoben hat.

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        Herr_Melin  

        Man kann es auch so sehen: In gewisser Weise ist der eher mathematische, kristalline Stil der Kraftwerk-Kompositionen durchaus eine Art Gegenentwurf zum ekstatischen Rock. Und da eine Gegenposition immer auch den Ansatz dessen in sich trägt, gegen den Sie sich aufstellt, ist das mit der Rock’n’Roll Hall of Fame schon in Ordnung. Das ist ein wenig Yin & Yang.

        In einfach: Wer „Nein“ zu etwas sagt, würde ohne dieses „Etwas“ gar nichts sagen.

        Auf textlicher Ebene bin ich darüber hinaus gar nicht mal sicher, ob Kraftwerk wirklich so gar kein Rock sind. Beliebigen, bunten Pop sehe ich da eher nicht. Vielleicht leuchtet hier aber auch nur das Visionäre dieser Arbeiten hindurch, die die Texte im Nachhinein mit Bedeutung aufladen.

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          Henrik Fisch  AHU

          Schön heraus gearbeitet zusammen gefasst.

          Bei den Texten … mei … ich weiß gar nicht, wie ich das ausdrücken soll. Ich empfinde bei Kraftwerk alles so dermaßen auf den Punkt gebracht: Die Komposition, die verwendeten Sounds, die daraus resultierenden »Klangräume/Klanggebilde« (wenn ich das mal so nennen darf), die Texte und auch noch der Klang von Herrn Hütters Stimme und die Art des Gesangs. Es ist eine perfekte Einheit.

          Ich kann mich noch daran erinnern, als ich das erste mal »Showroom Dummies« (auf der englischen Version von »Trans Europa Express«) gehört habe. Ich konnte das vor meinen Augen sehen, was da in dem Stück abgeht.

          Unglaublich faszinierend und fern ab der für Smartphones gestylten belanglosen Kirmes-Musik, die heute im Radio läuft. Schade, dass damals bei Kraftwerk nach »Electric Café« der kreative Einbruch kam.

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    camarillo  

    Aus dem Spiegel-Artikel: „Das sieht der Landesgeschäftsführer des Bundes der Steuerzahler, Bernhart Zentgraf, anders. Die Summe sei ‚viel Geld für das Stück, das nicht auf den breiten Geschmack trifft‘.“

    Seltsames Kulturverständnis! Egal, was man von dem Werk hält: Dass es nicht auf den breiten Geschmack trifft, sollte doch keinen Einfluss auf die Bezahlung haben.

    Im Rückblick finde ich es übrigens schon stark, wie sehr der Jingle hängen und mit der Expo 200 verbunden geblieben ist.

    Abschließend: Ich bin extrem erfreut, dass Kraftwerk und Gil Scott-Heron in der Early Influcence Kategorie geehrt werden. Beide – so unterschiedlich ihre Musik auch ist – haben mich nämlich gravierend beeinflusst und befinden sich seit Jahrzehnten in meiner ewigen Heavy Rotation!

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      Markus Schroeder  RED

      Möchte nur anmerken, die Expo 2000 Single mit den 3 Klingklang Mixen zählt bis heute zu meinem Lieblingswerken von Kraftwerk. Die Remix EP war auch sehr cool.

      :)

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      Herr_Melin  

      Ach Gott ja, was Bürokraten sich eben unter Kunst vorstellen. Die muss für viele dieser Leute immer mühsam, gedankenschwer und unter Schmerzen aus rohem Granit geklopft werden.

      Kunst ist ja schon, wenn man unter 1.000 Presets eines Instruments eines heraussucht, das eine Aufgabe optimal löst. War das nicht sogar bei dem alten E-On-Jingle so?

      Bei Ingenieuren ist das schon lange anerkannt. Die kosten auch dann ein Heidengeld, wenn die nur ihr Hämmerchen auspacken und an der kaputten Maschine auf die richtige Stelle klopfen. Gewusst wo halt. Dafür braucht man jahrelange Erfahrung.

      Im Übrigen sind in dem Preis vermutlich auch die Tantiemen für die weltweite, millionenfache Wiederholung drin (damals gab es das noch). Und die „Miete“ für einen weltweit geschätzten, großen Bandnamen, mit dem man das eigene Projekt veredeln kann. Da sind 400.000 Mark (!) keine große Summe, sondern ein Schnäppchen.

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    TobyB  RED

    Verdient! Und überfällig! Ohne Kraftwerk würde HipHop, House, Electro und Elektronische Musik anders klingen. Man stelle sich einfach Africa Bambaataa müsste „I said-a hip, hop, the hippie, the hippie
    To the hip hip hop-a you don’t stop the rock
    It to the bang-bang boogie, say up jump the boogie
    To the rhythm of the boogie“
    intonieren.
    Oder Underground Resistance hätten UR003 – The Final Frontier als funky Disco gelauncht. Oder den Expo2000 Remix von Kraftwerk als Studio 54 Cut ;-)

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      Atarkid  AHU

      Geht mir alles am Arsch vorbei ^^… Interessiert bin ich nur an der Essenz, dem Gesamtpaket. Bin ich intolerant? Ja, vielleicht. Selbst Karl Bartos, den ich sehr schätze, macht „nur“ Musik. Hütter/Schneider waren da viel mehr. Mir fehlen da die Worte. Philosophie? Keine Ahnung. Das fehlt mir bei allen Acts die gerne wie Kraftwerk sein wollten. Das Konzept.
      Diese Andersartigkeit kombiniert mit Reduktion und (damals sauteurer) Technik macht Kraftwerk so besonders. Für mich bis heute! Und dieser unterschwellige, spitzbübische Humor bei dem ganzen macht die Sache so verdammt liebenswert. Florian Schneider konnte das mit dem Humor besonders gut… Jetzt hab ich mich schon wieder gehen lassen, ist wohl ne Herzensangelegenheit.

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        TobyB  RED

        Lass dich ruhig gehen… Ich hatte es ja an anderer Stelle schon geschrieben, ich bin nicht so der Kraftwerk Fan. Das liegt aber einfach am Jahrgang. 1970. Musikalisch dürfte ich damit eher ein Kind der Achtziger und Neunziger sein :-D Das ändert aber nichts an dem Einfluss den Kraftwerk hatten und auch noch haben. Kraftwerk haben ihr Konzept durchgezogen.

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          Atarkid  AHU

          Ist keine Frage des Jahrgangs… Ich bin Jahrgang 72! „Autobahn“ war das erste Stück das ich jemals von Kraftwerk gehört habe. Da war ich 5. Hab meinem Onkel dann die Scheibe aus den Rippen geleiert und 4 Wochen lang nix anderes mehr gehört. Und bei Autobahn hab ich auch immer wieder geweint, hat Fernweh erzeugt ^^. Naja, meine Eltern haben mein Interesse bemerkt und mir noch andere Kraftwerk-Platten gekauft. Weiß die Reihenfolge nicht mehr, aber ich konnte zeitweise nichts anderes mehr hören. Verstanden hab ich das ganze bestimmt noch nicht, aber es hatte seine Wirkung. Eine ganz wunderbare!

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            TobyB  RED

            Okay. Ich bin in der der DDR aufgewachsen… Elektronische Musik fand medial erst seit Olaf Zimmermann und DT64 statt. Und den würde ich als John Peel der DDR sehen. Electronics, Electro Beats auf RBB und Klaus Fiehe bei 1Live dürften neben Werner Reinke und Volker Rebell HR haben meinen Musikgeschmack nachhaltig geprägt. Meine erste Kraftwerk Platte war Electric Cafe. Ich kannte Africa Bambaataa vor Kraftwerk und wusste damals nichts vom Kraftwerk Einfluss.

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              Atarkid  AHU

              Ja, trotzdem fand jede nur erdenkliche Musik ihren Weg in die DDR… Gott sei Dank! (oder wem auch immer ^^)

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                TobyB  RED

                Bei Electric Cafe war der Weg 150 Ostmark lang ;-) Die Scheibe habe ich auf dem Havelberger Pferdemarkt gekauft, da gabs alles. Wenn man genügend Geld hatte. Für Depeche Mode Alben oder Frankie goes to Hollywood „Welcome to the Pleasuredome“ hab ich wesentlich mehr bezahlt.

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    SynergyMan  AHU

    Es ist wieder mal sehr eigentümlich, dass die ganze Diskussion wieder dabei endet, wie groß der Einfluss von Bartos oder Flür wirklich war und dabei komplett untergeht, dass Emil Schult wahrscheinlich größeren Einfluss auf das gesamte Werk hatte (z.B. Trans Europa Express), als die beiden anderen freiberuflichen Schauspieler zusammen.

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      Atarkid  AHU

      Der Einfluß von Karl Bartos ist doch unbestritten. Aber die „Marschrichtung“ wurde doch durch Hütter/Schneider vorgegeben. Nur weil ich Parmesan auf nen Teller Spaghetti reibe, macht mich das noch lange nicht zum Soßenkoch ^^.
      „Ralf & Florian“ sind die Basis für das spätere Kraftwerk Konzept, und rein von der Ästethik macht ein Quartett eben mehr her als ein Duo. Und natürlich mussten die Instrumente und Sequenzer auch bedient werden. Da sind 8 Hände sehr viel wert ^^. Hütter könnte sich theoretisch heute alleine auf eine Bühne stellen, der Technik sei dank. Aber die „Gleichschaltung“, die Mensch Maschine wirkt mit 4 Protagonisten. Es ist eben ein nicht unwesentliches Teil im Konzept. Das ist doch das fabelhafte. Minimalismus wo er Sinn macht, wo er keinen Sinn macht, lässt man es. Kraftwerk sind nun mal keine Band, sondern eine Installation. Erdacht von zwei Masterminds. Und jeder der im Umfeld mitwirkt, wird zur Kenntnis genommen, wohlwollend akzeptiert. Hütter/Schneider waren und sind die DNA. Ich muss zugeben, dass ich nicht einmal weiß, wer aktuell die drei Herren neben Hütter sind, macht aber nix! Die gehören live da hin, sind aber ersetzbar. Gerade nach Schneiders zu frühem Tod wird klar, dass die Mensch Maschine inzwischen für sich alleine stehen kann. Ohne Namen, ohne Gesichter. Nur das Werk…

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        Dirk Matten  RED

        Zitat: „Und natürlich mussten die Instrumente und Sequenzer auch bedient werden. Da sind 8 Hände sehr viel wert ^^. “
        Laut Ralf Hütter mir gegenüber, hatte er immer den Sequenzer bedient. Karl Bartos als ausgebildeter Orchester-Schlagzeuger war in erster Linie für die Drumparts zuständig, weiter für das Rausschreiben von Noten, Hütter und Schneider konnten das nicht. Dass Bartos auch kleine Melodien erfand, wurde dann mit einer Beteiligung an den Einnahmen honoriert, was bei Studiomusikern eher ungewöhnlich ist. Hütter nannte mir einmal die jährlich Summe, die Karl Bartos erhält, davon lässt sich gut leben.

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            Dirk Matten  RED

            Diejenigen, die maßgeblich am Erfolg von Kraftwerk beteilgt waren und auch heute noch sind, schreiben kein Buch. Bei Kraftwerk steht das Werk im Vordergrund.

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          Atarkid  AHU

          Darum schrieb ich ja „Instrumente und Sequenzer“ ;)… Aber trotzdem eine interessante Information. Dafür herzlichsten Dank!

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          ISE500  AHU

          Dirk, warum nennst du den Leuten nicht gleich die Summe, die Bartos erhält.
          Dadurch schützt du seine Persönlichkeits- und Freiheitsrechte optimal.
          Gut, daß es so Menschen wie dich gibt, auf deren Diskretion und Verschwiegenheit man sich verlassen kann!

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    Dirk Matten  RED

    Der Erfolg stellte sich nach Autobahn ein, bei diesem Album fungierte Plank lediglich als Toningenieur. Hütter und Schneider hatten mit monatelangen Arbeiten im Kling Klang Studio (selbst Flür war dabei nicht anwesend) alle Teile des 22-minütigen Stückes im Detail ausgearbeitet, Plank kam dann mit seinem Volvo Kombi und dem neuen mobilen neuen Aufnahmeequipment nach Düsseldorf, parte das Auto auf dem Innenhof, verlegte Kabel in das Studio und nahm dann das Titelstück Autobahn auf. Hütter und Plank hatten ihre letzten finanziellen Reserven zusammengekratzt und diese rund DM 13.000 für Planks Arbeit als Tonuingenieur investiert. Plank hatte sich mir gegenüber nie negativ über diese Absprache und dass er nicht mehr finanziell als Produzent beteiligt war, geäußert.

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    Vati  

    „Autobahn“ konnte man damals im öffentlich rechtlichen Rundfunk hören und zwar in voller Länge. Nicht am Nachmittag aber immerhin am späten Abend. Genauso z.B. „Monster Movie“ und „Mother Sky“ von Can !
    Kraftwerk habe ich mitte der siebziger das erste Mal in der TU-Mensa Berlin gehört. Die wollten tatsächlich so um die 8.- DM Eintritt haben. Fanden wir zuviel, der Saal wurde gestürmt. Anschließende Diskussion: „Die Okkupanten sollten gefälligst wieder verschwinden das wäre unsolidarisch gegeüber den Eintrittzahlern“. Nach ca. 1 Stunde Diskussion gings dann los mit grottenschlechten Sound. Zum Schluß war der Saal nur noch halbvoll.

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    OscSync  

    Gut und angemessen! Es gibt ja Stimmen die Sagen, dass rückblickend der Einfluss von Kraftwerk auf die Popmusik gewichtiger sei als der der Beatles. Ich finde ja nicht, dass man das vergleichen kann, aber die Magnitude ist sicher ähnlich. Persönlich finde ich auch spannend, wie etwas so bewusst “unamerikanisch” inszeniertes so einen enormen Einfluss auf etwas so uramerikanisch-urbanes haben kann wie den Hip Hop der späten 70er und frühen 80er.

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