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Loumavox, der vergessene Synthesizer (nicht wirklich)

3. Januar 2022

Die Enthüllung

Es war von vornherein klar, dass die „Entdeckung“ des Synthesizers Loumavox eine konstruierte Geschichte war, aber nun wurde es auch offiziell geoutet.

Wie schon vermutet, handelte es sich um einen Film-Workshop, quasi ein Lockdown-Projekt. Die ganze Geschichte um die Erfinder Louise und Marc war ausgedacht. Erstaunlich, dass man jemanden finden konnte, der das funktionierende Gerät für das Video gebaut hat und dass Jean Michel Jarre hier so begeistert mitgemacht hat.
Hier das Video mit der Enthüllung (auf französisch, daher Übersetzung einschalten):

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Ab hier die Meldung vom 17. Dezember 2021

loumavox synthesizer

Loumavox erklang zum ersten Mal am 1. Mai 1969 – angeblich

Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben. Auf Youtube gibt es eine „Dokumentation“ über einen vergessenen Synthesizer zu sehen: „L’enquête Loumavox“. Darin wird von einem sprichwörtlichen Scheunenfund berichtet, der einen frühen französischen und längst vergessenen Synthesizer ans Licht brachte. Eine echte Sensation, die selbst Jean Michel Jarre auf den Plan ruft? Wirft das Gerät von 1969 die ganze Geschichtsschreibung über den Haufen?

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Natürlich nicht. Auch wenn in dem Video ausführlich eine herzige, leicht melancholische Backstory präsentiert wird, lässt schon die Machart des knapp 20-minütigen Videos erste Zweifel aufkommen. Zu bemüht in Darstellung und Erzählweise, zu unglaubwürdig in der angeblichen Recherche. Und ist man erst einmal misstrauisch geworden, kann man mit wachem Auge eine Reihe von Ungereimtheiten und Anachronismen entdecken, die wir hier jetzt nicht aufzählen wollen. Es soll jedem der Spaß gegönnt sein, selbst danach Ausschau zu halten.
Die zum Video kolportierte Website existiert nicht und auch andere „Fakten“ um die Entwicklerin Louise Vokzinski und ihren Bruder Marc sind ganz offensichtlich kreiert worden. Da ändert auch die Präsenz von Loumavox auf Facebook nichts. Und wieso gibt es von dem sensationellen Synthesizer keinen tiefen Blick ins Innenleben? Würde man etwa SMD-Bauteile zu sehen bekommen?

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Nun bleibt aber die Frage nach dem Sinn des aufwändigen Videos und warum es berichtenswert scheint. Einfach nur Clickbaiting? Es wäre mehr als zweifelhaft, dass sich Jean Michel Jarre dafür hergeben würde. Viel wahrscheinlicher scheint es zu sein, dass es sich hier um den Beginn einer PR Kampagne handelt, mit der eine neue Firma Aufmerksamkeit für ihren ersten Synthesizer zu erzeuen versucht. Es wäre immerhin ein neuer, erfrischender Ansatz, als die immer gleiche Schnipsel-Teaser-Taktik, mit der uns so viele andere Firmen immer wieder nerven. Außerdem ist von Jarre ja bekannt, dass er französische Firmen aus der Branche gern unterstützt. Das mag die Vermutung über eine neue Firma stützen – oder es ist nur ein cleverer Abschlussfilm von Studenten einer Medienschule. ;-)

Warten wir ab, wann die Auflösung erfolgt und der neue Synthesizer Loumavox dann doch in echt vorgestellt wird.

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Forum
  1. Profilbild
    DerAndy

    Sehr gut gemacht. Entwickelt von Voksinzki (haha) . Glaubwürdig auch, dass das “historische” Instrument einfach eingeschaltet wird . Am besten gefallen mir die 3,5 mm Jacks für das Keyboard. Ein passendes ist natürlich gleich zur Hand. Hat Behringer eine Filiale in Frankreich?

  2. Profilbild
    kakagoo  

    Hi Ihr Lieben.
    Vielleicht eine dumme Frage, aber falls das Gerät von 1969 sein sollte,
    gab es damals schon (erschwingliche) LEDs?
    Liebe Grüße, Joachim

    • Profilbild
      dilux  AHU

      ja, aber ich sehe beim loumavox keine leds, eher so kleine miniglühlampen, wie sie z.b. bei modellbahnen verwendet wurden….aber mal ernsthaft: wir sehen hier die gut gemachte marketingkampagne eines musikinstrumentenherstellers…vielleicht arturia?

  3. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    Hahaha … ich habe es VER-SCHLUNG-EN!

    Sehr gut, meine Aufmerksamkeit haben sie.

    Mal ein wenig Spekulation: Welche aktuelle französische Firma kennen wir, die nun seit mittlerweile 15 Jahren immer und immer wieder absolut phantastische Synthesizer auf den Markt bringt (Soft- wie Hardware)? Welches Gerät steht bei dem »Professor« direkt hinter dem »Loumavox«? Und gäbe sich für diese Firma mit diesen Vorzeichen Jean-Michel Jarre her?

    Wenn ich Recht haben sollte, freu‘ ick mir ’n drittes Lock in’n Bauch! 😍😋

  4. Profilbild
    0gravity  

    Super gemacht.
    Bei Herrn Jarre schwingt sogar Stolz in der Stimme mit, dass in „La Grande Nation“ so früh schon so ein wegweisendes Gerät entwickelt wurde.
    Und dann noch von einer Frau! Aber das haben unsere lieben Nachbarn dann doch noch etwas relativiert und ihr vorsichtshalber einen genialen männlichen Entwickler zur Seite gestellt. Sonst wäre es wohl für die Macher doch zu unglaubwürdig geworden. Man redet schließlich von 1969 ;-)

  5. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    Zur Enthüllung
    Jetzt bin ich nach der Auflösung ein wenig traurig. Und, ja, es war schon klar, dass das nicht echt ist. Obwohl das Video wirklich sehr gut gemacht ist (Jean-Michel Jarre, hehe, ohne rot zu werden).

    Aber ich hatte tatsächlich gedacht, dass das von Arturia als virales Marketing für eine Art Neu-Nachbau des VCS3 ist. Schade.

    Muss ich mich eben doch weiter mit der Emulation Synthi V aus der Arturia-V-Collection begnügen (der auch alles andere als schlecht ist). 😄

  6. Profilbild
    Brockesound

    Ähhm, bitte? Selbst 1969 wäre das Teil maximal ganz „nett“ gewesen. Das ist doch minimalste Hausmannskost. Das Kreativste sind hier sicher noch die DYMO Label auf französisch.

    Es ist schon erstaunlich wie leicht man die Leute so unterhalten kann.

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