Test: Fender Deluxe Lone Star Stratocaster E-Gitarre

4. Juni 2013

Ein Klassiker als Allrounder!

Test: Fender Deluxe Lone Star Stratocaster E-Gitarre

Test: Fender Deluxe Lone Star Stratocaster E-Gitarre

Seit dem Jahre 1990 produziert die Firma Fender in der mexikanischen Stadt Ensenada günstige Varianten seiner Instrumente und Verstärker. Inzwischen ist die Palette der in Mexiko gefertigten Produkte enorm gewachsen und bietet von Standard-Modellen, über Vintage Neuauflagen bis hin zu modern konzipierten Gitarren und Bässen alles, was der Kunde begehrt. Dazu gehört auch die Fender Deluxe Lone Star Stratocaster, eine Mittelklasseversion der weltberühmten E-Gitarre, die aufgrund ihrer vielfältigen Tonabnehmerbestückung wunderbar als Allrounder einsetzbar ist.

Ein Blick auf die Fender Deluxe Lone Star Stratocaster

Die Fender Deluxe Lone Star Stratocaster wird mit einer gut gefütterten Tragetasche inklusive obligatorischen Inbusschlüsseln geliefert. Ihr klassisch geformter Korpus besteht aus massiver Erle und ist weiß lackiert, wobei es sich um das Fender eigene Arctic White handelt. Alternativ wird die Lone Star Strat aber auch in Schwarz oder braunem Sunburst angeboten.

Der vierfach verschraubte Hals ist aus Ahorn gefertigt und mit der typischen Fender Hochglanzlackierung versehen. Sowohl für den Hals, als auch für den Korpus wird Polyuhrethan Lack verwendet, der seit Ende der 60er Jahre als Nachfolger von Nitrolack eingeführt wurde und bekannt ist für seine harte Beschaffenheit.

Mit 21 Bünden ist das Palisandergriffbrett bestückt, in das weiße Punkteinlagen zur Orientierung eingelassen wurden. Die hauseigenen Mechaniken sind gekapselt, versiegelt und genau wie das synchronisierte Vintage Style-Vibratosystem mit einer Chromlegierung überzogen. Ein braunes Schildpattschlagbrett, das sich aus vier Lagen zusammensetzt, dient nicht nur zum Schutz vor Kratzern und Macken, sondern auch als Halterung für die Tonabnehmer, die Potis und den Fünfweg-Schalter.

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Seymour Duncan Pearly Gates Humbucker

Verarbeitung und Technik der Fender Deluxe Lone Star

Als Tonabnehmer kommen in Hals- und Mittelposition zwei Fender Texas Special Singlecoils zum Einsatz, die auch für die Stevie Ray Vaughan Signature Strat verwendet werden, während an der Brücke ein Seymour Duncan Pearly Gates Humbucker seinen Platz gefunden hat. Via Fünfweg-Schalter lassen sich die Tonabnehmer anwählen und kombinieren, zur Klangregelung stehen drei Potis bereit, ein Mastervolume, eine Tonblende für den Hals und eine Tonblende für die Mittel- und Brückenposition.

Wie bei einer Stratocaster üblich, beträgt die Länge der Mensur 648 mm und der Radius des C-Form-Halses 241 mm. Auch der Sattel besitzt die Standardbreite von 42 mm und ist aus synthetischem Knochen geformt. Im Gegensatz zu den schmalen Vintage-Stratocaster Bundstäbchen sind die modernen Medium Jumbo Versionen dieser Strat höher und breiter. Generell ist der Begriff „Medium Jumbo Frets“ aber dehnbar und wird je nach Hersteller unterschiedlich interpretiert. Im direkten Vergleich mit Gibson fallen die Bundstäbchen einer modernen Les Paul wesentlich höher und schmaler aus, obwohl sie die gleiche Bezeichnung tragen.

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Erlekorpus und Ahornhals

Die Stratocaster in der Praxis

Dank des Konturkorpus schmiegt sich die Fender Deluxe Lone Star Stratocaster angenehm an den Körper und weist, egal ob im Sitzen oder Stehen, eine ausgeglichene Gewichtsverteilung zwischen Kopfplatte und Korpus auf. Auch die glatte Lackierung des Halses fühlt sich sehr gut an und lässt die Hand problemlos gleiten.

Grundsätzlich gestaltet sich das Spielen der Gitarre leicht und bequem. Durch das flüchtige Nachfedern des Vibrato Systems können extreme Bendings umgesetzt werden, während der „Jammerhaken“ selbst lediglich eine Abwärtsverstimmung von ein bis zwei Bünden erlaubt. Technisch bedingt ist leider aber auch dieses Vintage Style-Vibratosystem sehr anfällig für Verstimmungen. Wie bei jeder Strat bedarf die Position des Fünfweg-Schalters etwas Gewöhnung, da gerade bei stärkerem Anschlag schnell mal versehentlich die Tonabnehmerauswahl verstellt werden kann.

In Hinblick auf die Saitenhöhe ist die Justierung gelungen, da sie sehr niedrig ausfällt, ohne dabei ein Schnarren zu verursachen. In puncto Bundreinheit lässt die Werkseinstellung jedoch mehr als zu wünschen übrig. Das zeigt sich zum einen durch Tuningprobleme in den untersten Bünden, die durch einen kompensierenden Sattel beseitigt werden müssten, und zum anderen durch Stimmungsabweichungen ab dem achten Bund aufwärts. Auch das kann durch eine vernünftige Einstellung der Brücke behoben werden, dennoch darf so etwas bei einem Instrument in dieser Preisklasse eigentlich nicht auftreten.

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Fender Mechaniken

Der Sound der Fender Deluxe Stratocaster

Bedingt durch die harte Eigenschaft der Hölzer des Korpus und Halses, ist der unverstärkte Klang der Deluxe Lone Star Stratocaster bereits sehr perkussiv und lässt den berühmten „Stratocaster-Twang“ erahnen. Nach dem Anschließen der Gitarre an einen Verstärker wird diese Vermutung auch direkt bestätigt:

Der Halstonabnehmer besitzt einen äußerst wuchtigen Sound mit ordentlichem Bassanteil und vollen unteren Mitten, der durch seine prägnante Attack bei Bedarf auch richtig knallt.
Im Gegensatz dazu hat der Pickup in Mittelposition weniger Bass, stärkere obere Mitten, aber trotzdem den gleichen kräftig, perkussiven Charakter. Da er verkehrt herum gewickelt wurde, entsteht in Kombination mit den anderen Tonabnehmern kein Brummen. Wenn beide Singlecoils zusammen aktiviert werden, bleiben weniger Bass und noch weniger Sustain übrig, stattdessen erklingt ein enorm kurzer und funkiger Ton mit brillanten Höhen, der in unzähligen Aufnahmen zu hören ist. Grund dafür ist, dass dieser Sound sich dank seiner dünnen und knackigen Beschaffenheit im Zweifelsfall in jedem Mix durchsetzt.

Wie bei Singlecoils üblich, ist auch hier ein hörbarer Rauschanteil vorhanden, der aber keinesfalls übermäßig hervorsticht. Problematischer hingegen ist bei dieser Art von Tonabnehmern das Thema Einstreuempfindlichkeit, das gerade im Zeitalter von Smartphones leider wieder an Aktualität gewinnt. Es ist erschreckend, was für immense Störgeräusche ein iPhone bei der Verwendung von Singlecoils auslösen kann!

Derartige Probleme können auch bei einem Humbucker auftreten, jedoch fallen sie wesentlich geringer aus. Der hier verwendete Seymour Duncan Pearly Gates Humbucker ist sehr rauscharm und ertönt natürlich deutlich lauter als die zwei Texas Special Single Coils. Sein Sound ist im Vergleich etwas matter mit weniger Höhen, aber dafür reicher an Sustain und insgesamt vollmundiger. Klanglich ist er die perfekte Ergänzung zu den anderen beiden Tonabnehmern und macht letztendlich die Deluxe Lone Star Stratocaster zum Allrounder. Wenn die Rhythmus-Teile eines Songs mit den Singlecoils bestritten werden, liefert der Humbucker für das Solo sofort die nötige Durchsetzungskraft und Lautstärkeanhebung sowie das Sustain, um eine Melodie zum Singen zu bringen.
Interessant ist auch die Kombination aus dem mittlerem Pickup und dem Humbucker, da der fette Klang des Humbuckers plötzlich mehr Höhen und einen perkussiveren Attack erhält.

Fazit

Die Fender Deluxe Lone Star Stratocaster ist eine gelungene Allround-Version des berühmten E-Gitarren Klassikers. Gerade die zwei energischen Texas Special Single Coils garantieren waschechten Fender-Strat-Sound in hoher Qualität, während der Seymour Duncan Pearly Gates Humbucker seine Aufgabe gut und solide erfüllt, klanglich aber nicht ganz so hervorsticht wie seine zwei Kollegen. Mit dieser Tonabnehmerbestückung können von Pop, Rock über Bluesrock bis hin zu Funk unterschiedliche Stilrichtungen problemlos bedient werden.
Auch die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind hochwertig. Bei dem Einsatz des Vintage Style-Vibratosystems verstimmt sich die Gitarre leicht, was aber ein generelles Problem bei dieser Art von Systemen ist. Der größte Mangel an dem Testinstrument war die Bundunreinheit, die aber deswegen natürlich nicht zwangsläufig bei jedem Modell aus der Serie auftreten muss.
Wie so oft ist es daher ratsam, eine Gitarre immer vor dem Kauf ausführlich zu testen, um sie gegebenen Falls direkt vor Ort vom Fachmann einstellen zu lassen.

Klangbeispiele: Shadow Hills Gama Preamp, Pro Tools HD-Interface, Pro Tools, 64er Vibroverb Custom Emulation, TS-9 Emulation

Plus

  • Tonabnehmer
  • Bespielbarkeit
  • Soundvielfalt

Minus

  • nicht bundrein
  • leichte Stimmungsschwankungen durch Vintage Style-Vibratosystem

Preis

  • UVP.: 950,81 Euro
  • Straßenpreis: 725,- Euro
Klangbeispiele
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