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Test: Fender Player Series Strat PF Silver, E-Gitarre

5. November 2019

Player Series Jahrgang 2019

Mit der Fender Player Series Strat möchte der US-Hersteller die Leute an die Stratocaster bekommen, bei denen die US-Modelle das Budget sprengen würde. Gut ein Jahr gibt es sie, die neue in Mexiko gefertigte Serie von Instrumenten, von denen wir auch bereits schon ein Modell getestet haben. Genauer gesagt habe ich mir vor rund einem Jahr eine Player Series Strat angeschaut, ausgestattet mit einem Maple-Neck und überraschenderweise mit einem Zweipunkt-Vintage-Vibrato, was zumindest kurzzeitig Hoffnung auf eine gewisse Stimmstabilität machte. Ein Problem, das die Strat seit ihrer Entstehung plagt, zudem die Performance empfindlich stört und viele Spieler zur Weißglut treibt. Wir alle wissen darüber. In diesem Punkt gab es jedoch nichts Gutes bzw. Neues zu berichten und vom Einsatz des „Jammerhakens“ an der Player Series Strat konnte man daher nur abraten.

Aber seitdem ist ja ein Jahr durchs Land gezogen und wer weiß, ob es in diesem Punkt nicht vielleicht Verbesserungen im Hause Fender gegeben hat. Und überhaupt, wie klingt der 2019er Jahrgang eigentlich? Den aktuellen Stand in Fenders Mittelklasse präsentiert uns stellvertretend die Fender Player Series Strat PF Silver nun in einem genauen Test!

Die „Silver Strat“ – Facts & Features

Die Formen dürften bekannt sein, auch mit der neuen Player Series weicht Fender keinen Millimeter vom berühmten Design ab, spendiert den Instrumenten aber wie eh und je eine zum Teil überarbeitete Farbpalette. Der Korpus unseres Testinstruments wird von einen grobkörnigen Silbermetallic-Lack umschlossen, bei der Bezeichnung gibt es keine Missverständnisse: Schlicht und ergreifend „Silver“ nennt der Hersteller diese Farbe. Der Lack wurde sauber und gleichmäßig auf den Korpus aus Erle aufgetragen, in diesem Punkt ist kein Unterschied zu den USA-Modellen festzustellen. Der eingeschraubte Ahornhals besitzt ein sehr angenehm flaches C-Shape-Profil sowie eine nur hauchdünne Satinlackierung auf seiner Rückseite, was selbst bei feuchter Griffhand stets für einen im wahrsten Sinne des Wortes „reibungslosen“ Ablauf sorgt. Bei diesen Voraussetzungen werden sicher viele Spieler auf Anhieb gut zurechtkommen.

Ein Griffbrett aus Pau Fero, das das Auge mit seiner attraktiven Maserung erfreut, trägt die 22 Bundstäbchen und erweckt nach dem ersten Anspielen meine Aufmerksamkeit. Denn die Kanten der Bünde wurden nicht mit der letzten Konsequenz bearbeitet, hier piekst es vom ersten bis zum letzten Draht etwas an beiden Rändern des Griffbretts spürbar. Ähnliches gilt für den Sattel, der nicht ganz sauber in seiner Führung sitzt. In der Praxis ist beides zwar relativ unbedeutend, sollte aber in einem Review nicht unerwähnt bleiben. Die Oberflächen der Bünde sind jedoch ausreichend bearbeitet, sodass es hier von der ersten Sekunde an ganz geschmeidig und ohne zu schaben und zu schleifen losgehen kann!

Hardware & Pickups: Nichts Neues in der Player Serie

Die Fender Player Series Strat PF Silver ist ja nun nicht die erste Gitarre mexikanischer Produktion von Fender, die ich zum Testen angeliefert bekomme. Einen besonderen Schwachpunkt bei nahezu allen Instrumenten stellte bislang die Hardware dar – angefangen von den Potis und dem Fünfwegeschalter der Elektronik, über das fragile Vibratosystem bis hin zu den sechs Mechaniken an der Kopfplatte hat man den Sparkurs bislang deutlich bemerkt. Unsere Fender Player Series Strat PF Silver gibt da leider keinen Grund zur Entwarnung, an diesen Stellen scheint sich auch ein Jahr nach Markteinführung der Serie nichts geändert zu haben. Die drei Regler für Volume und Tone wackeln immer noch deutlich spürbar auf ihren Achsen, der Fünfwegeschalter ist nicht der Potenteste und das Vibratosystem quittiert nach wie vor jede Bewegung des Hebels mit Verstimmungen, die durchaus auch mal einen Halbton betragen können.

Das ist definitiv zu viel und kann einem den Spaß recht schnell vermiesen, als Lösung des Problems bleibt wohl nur das Verankern des Vibratoblocks auf dem Korpus übrig (bei unserem Testmodell war er frei schwebend positioniert) und das Abschrauben des Hebels. Oder aber eine Standleitung zum Stimmgerät. Aber auch das kann auf Dauer ganz schön anstrengend werden, da die Mechaniken ebenfalls nicht von der besten Sorte sind und mit ihrem Spiel auf den Achsen die Geduld das eine oder andere Mal auf die Probe stellen.

Schon seltsam, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Zweipunkt-Vibrato, zumindest in dieser günstigen auf den mexikanischen Modellen, die Stimmprobleme gegenüber den klassischen Varianten mit ihrer Sechsfach-Verschraubung noch vergrößert. Klar, eine Strat muss man immer mal nachstimmen, manchmal auch während des Songs, das hier aber geht m.M.n. doch ein Stück zu weit.

Fender Player Series Strat PF Silver Vibrato

Mit besonderer Vorsicht zu genießen: Das Zweipunkt-Vintage-Vibrato der Player Strat

Die drei Singlecoils wurden eigens für die Player Serie entwickelt, hier gab es während der Produktion bislang keine Updates bzw. überarbeitete Versionen. Das lässt also hoffen, ich habe den Klang der drei Pickups noch gut im Ohr und sie waren zweifellos das Highlight an der bereits von mir getesteten Strat, die ansonsten aber unter den exakt gleichen Problemen litt. Überraschungen in der Schaltung gibt es auch hier wieder keine, nach wie vor führt der Fünfwegeschalter den Benutzer über die bekannten Kombinationen der drei Tonabnehmer vom Hals bis zur Brücke und wieder zurück. Wie das so klingt, hören wir uns jetzt im Praxisteil an.

Player Series Strat – In der Praxis!

Es klingt überraschend gut! Eindeutiges Highlight der Player Strat sind auch hier erneut die Pickups, die Fender eigens für die neue Serie entwickelt hat. Sie verleihen dem Klang „die Seele“ einer Strat, bei ansonsten eher durchschnittlichen Werten in Sachen Sustain, Dynamik und Resonanz der Grundkonstruktion. So gelingen im Handumdrehen die Sounds, die man von einer Strat so schätzt: von dicken und glasigen Sounds des Singlecoils am Hals, über die typischen funky Rhythmussounds der Pickup-Kombinationen bis hin zum Klang des Steg-Singlecoils, der auch im Overdrivebereich eine gute Figur abgibt. Bei der Entwicklung der Tonabnehmer scheint man im Hause Fender wohl auch das Problem mit den Nebengeräuschen bzw. dem klassischen 50 Hz Brummen angegangen zu sein, denn in diesem Punkt zeigen sich die drei Singlecoils erstaunlich resistent. Klar, ganz vermeiden lässt sich das Brummen konstruktionsbedingt nicht, hier aber bekommt man nicht bloß ein undefinierbares Geröchel, sondern einen wirklich brauchbaren Ton aus der Klampfe gepresst!

Fender Player Series Strat PF Silver back

Enttäuschend ist hingegen die Werkseinstellung, erneut begegnet uns eine Saitenlage, die mit rund 3 mm in der Oktavlage für manchen schon eine gewisse Herausforderung darstellen dürfte. Zumindest dann, wenn man mal zu einem Solo jenseits des zwölften Bundes ansetzen möchte. Aber geschenkt, so etwas ist in dieser Preisklasse ja fast schon als normal einzustufen und ein Fall für den Händler des Vertrauens – wenn man sich nicht selbst rantrauen möchte. Gut eingestellt und zusammen mit dem flachen Halsprofil verwöhnt die Player Strat seinen Spieler aber dann mit einer sehr angenehmen Bespielbarkeit.

Player Series Strat – Die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich wieder meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark mit gekoppelter 1×12″ Celestion V-30-Box benutzt. Vor der Box wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal in Logic Audio ohne weitere Effekte aufgezeichnet wurde.

Fazit

Mit der Fender Player Series Strat möchte der US-Hersteller die Leute für die Stratocaster begeistern, die nicht weit über 1000,- Euro für ein US-Modell aufbringen können oder wollen. Das ist zum Teil nur gelungen, größter Schwachpunkt ist und bleibt das fragil arbeitende Vibratosystem, dagegen ist der Klang durchaus einer Strat aus dem Hause Fender würdig, wenn auch nicht überragend.

Plus

  • typischer Strat-Sound, Look & Feel
  • günstig

Minus

  • massive Stimmprobleme
  • Qualität Hardware
  • Werkseinstellung

Preis

  • 615,- Euro
Klangbeispiele
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