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Test: Fender Acoustasonic Tele, Akustikgitarre

3. September 2019

Die neue akustische Telecaster von Fender

Es gibt Gitarrenhersteller, die ihren Job sehr ernst nehmen und sich nicht nur auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern voller Innovationsfreude in die Zukunft schauen bzw. forschen und weiterentwickeln. Die Fender Musical Instrument Company zählt zweifellos zu diesen Herstellern: Obwohl man eine Menge Zugpferde im Stall hat, die das Auskommen der Firma vermutlich bis in alle Ewigkeit sichern dürften, scheut man sich nicht, auch völlig neue Instrumente zu bauen. Ehrlich gesagt war ich persönlich sehr auf die neue Fender Acoustasonic Tele gespannt, die nach drei Jahren Entwicklungszeit nun endlich in den Shops dieser Welt und natürlich auch bei uns zum Test eingetroffen ist. Was ist es/sie denn nun geworden, eine rein akustische Gitarre? Oder eher eine elektrische? Oder etwa ein Hybrid, sozusagen „Best of both Worlds“? Wir werden es im folgenden Test herausfinden!

Fender Acoustasonic Tele Front

Fender Acoustasonic Tele – Facts & Features

Die Silhouette des Korpus, des Halses und der Kopfplatte ist unverkennbar Telecaster, das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten der Acoustasonic Tele Gitarre mit der berühmten Schwester. Oder sollte man vielleicht besser sagen „Mutter“? Alles wurde von Grund auf neu erschaffen, dazu zählt vor allem der Korpus in der Dicke einer Semihollow, der mit einer Sitka-Fichtendecke ausgestattet ist und im Fall unseres Testinstruments ein Sunburst-Finish trägt. Erhältlich ist die Acoustasonic darüber hinaus noch in vier weiteren Farben: Natural, Sonic Gray, dem klassischen Fender Surf Green sowie in schlichtem Schwarz. Ein Binding rund um die Fichtendecke gibt es zwar auch, viel auffälliger präsentieren sich jedoch die Ränder des Korpus, die ohne das orangebraune Finish auskommen und so dem Instrument eine feine Linie verpassen. Im Bereich der Armauflage wurde sogar noch etwas mehr vom puren Holz der Decke übrig gelassen bzw. setzt hier schon das Mahagoni des Korpus an.

Beim Design der Rosette hat man sich besonders viel Mühe gegeben: Wie eine Art Trichter formt sich das Holz nach innen weg und lässt so nur wenig Platz zum Boden übrig. Das sieht nicht nur ungewöhnlich aus, Fender will damit dem Instrument eine bessere Performance in Sachen Resonanzen und Sustain verpassen und nennt diese Bauart daher sinngemäß „Stringed Instrument Resonance System“. Zwischen dem Steg und dem Schallloch fällt eine weitere Besonderheit ins Auge: ein magnetischer Pickup. Doch zur Elektronik und den verbauten Tonabnehmern kommen wir später noch genauer.

Fender Acoustasonic Tele Stringed Instrument Resonance System

Fender Acoustasonic Tele Stringed Instrument Resonance System

Der komplette Body besteht aus Mahagoni – Boden und Zargen der Acoustasonic Tele Gitarre wurden aus dem bewährten Tonholz hergestellt und nur mit einer hauchdünnen Satinlackschicht überzogen. Die Struktur des Holzes kann sich sehen lassen, auch auf der Rückseite macht die akustische Tele eine sauber verarbeitete Figur und unterstreicht damit erneut den hohen Qualitätsstandard, den Fender mit ihren in den USA hergestellten Instrumente fährt.

Fender Acoustasonic Tele rear

Fender Acoustasonic Tele Rückseite

Fender Acoustasonic Tele – der Hals

Der eingeschraubte Hals wurde ebenfalls aus Mahagoni gefertigt, auch hier unterscheidet sich die Acoustasonic deutlich von ihren elektrischen Schwestern mit ihren Ahornhälsen. Das gilt aber nicht unbedingt für das Halsprofil, denn an dem flachen „Modern C-Shaping“ und der angenehm dünnen Satinlackierung dürften auch verwöhnte E-Gitarristen durchaus ihren Gefallen finden. Schade nur, dass die Saitenlage unseres Testinstruments nicht gut gelungen war, somit gestalteten sich Ausflüge jenseits der Oktavlage etwas zäh, obwohl das Cutaway theoretisch ideale Voraussetzungen bietet – man kennt es ja von der Tele, dort flutscht es schon seit Jahrzehnten bis ganz nach oben in aller Regel ohne Probleme.

Beim Einstellen der Saitenlage bzw. des Halses kann man bei der Acoustasonic übrigens auf eine weitere Möglichkeit zurückgreifen, um wirklich das bestmögliche Setting herauszuholen. Die Rede ist von einer kleinen Inbusschraube, zu der man durch eine Bohrung in der Halsplatte Zugang erhält und mit der sich der Hals an seinem Fuß anheben lässt. Kein Geringerer als Leo Fender selbst hatte diese Idee 1969 in Serie geschickt, zunächst nur für akustische Gitarren, später wurden auch elektrische Modelle damit ausgestattet und ab und an findet man sogar heute noch Gitarren aus dem Hause Fender mit diesem extrem nützlichen Feature.

Fender Acoustasonic Tele Neckplate

Fender Acoustasonic Tele Neckplate

Bestnoten verdient die Bundierung, die Bünde finden ihren Sitz in einem Griffbrett aus Ebenholz, sind sauber an den Ecken abgerichtet und sorgfältig poliert. Das gleiche gute Bild gibt der Sattel ab, der sich mit einer Breite von 42,9 mm zudem bescheiden zeigt und die Saiten zur Kopfplatte führt, die die typische Form der Tele besitzt und zudem mit sechs hochwertigen Mechaniken bestückt wurde. Solch einen Firlefanz, wie einen Klemmmechanismus etwa besitzen die Tuner zwar nicht, dafür aber laufen sie weich und ohne Spiel auf ihren Achsen und in puncto Halten der Stimmung gab es während der Testdauer überhaupt keine Probleme. Sollte in dieser Preisklasse ja auch selbstverständlich sein, wir reden hier immerhin über ein Fender USA Instrument mit einer UVP von rund 2000,- Euro. Und außerdem soll ja bei einer Markteinführung auch bloß nichts schief gehen!

Fender Acoustasonic Tele – Die Elektronik

Ein weiterer hochinteressanter Aspekt der neuen Fender Acoustasonic Tele ist sicherlich ihre Elektronik, für die Fender den Pickup-Spezialisten Fishman mit ins Boot geholt hat. Gleich drei Tonabnehmer sorgen für die elektrische Verstärkung des Klangs der Gitarre und einen von ihnen kann man unmittelbar auf den ersten Blick erkennen: den Singlecoil zwischen Steg und Schallloch, den Fender beisteuert. Unter der Brücke hingegen sitzt ein Fishman Piezo und auch im Innern des Korpus sorgt ein weiterer Fishman-Tonabnehmer für die Abnahme des Sounds, hier jedoch als „Body Sensor“, was bedeutet, dass der Pickup auf die Decke montiert wurde. Ich konnte es mir natürlich nicht nehmen lassen, die sechs Schrauben der Elektronik-Abdeckplatte zu entfernen, um mal einen genauen Blick auf die Elektronik zu werfen:

Fender Acoustasonic Tele Elektronics

Zu sehen ist v.l.n.r. der Fender N4 Singlecoil, der Fishman Body Sensor und die Abdeckplatte, an die ein Lithium-Ionen-Akku angeklebt wurde. Hier geht Fender ganz offensichtlich mit der Zeit und stattet die Acoustasonic Tele mit einer Elektronik aus, die auf den anachronistischen 9-Volt-Block verzichtet und stattdessen auf eine wiederaufladbare Variante setzt. Das Nachladen geschieht mittels Micro-USB-Port, der sich gut versteckt in der Aufnahme der Klinkenbuchse befindet. Der Hersteller gibt die die Dauer der Energieversorgung mit rund 20 Stunden an, ehe sich eine rote LED meldet und an das Nachladen erinnert. Das volle Aufladen des Akkus dauert ca. 4 Stunden.

Fender Acoustasonic Tele USB

USB-Port und Klinkenanschlussbuchse auf einem verchromten Panel harmonisch vereint

Gesteuert wird das System von der eigens von Fishman für die Acoustasonic Tele entwickelten Acoustic Engine, die, ähnlich wie das Fishman Aura-System, verschiedene Modelings bereitstellt und mittels eines Blend-Potis und dem Fünfwegeschalter auf der Decke zehn (modellierten) Sounds bereitstellt. Darunter sind Typen wie Mahagoni Dreadnought, Maple Small Body, Rosewood Auditorium oder auch die beiden elektrischen Sounds Fender Clean Electric und Fender Fat Electric, die allesamt auf real aufgenommen Gitarren mit hochwertigen Studiomikrofonen bzw. im Falle der E-Gitarren-Sounds mit zusätzlich angeschlossenem Verstärker basieren. Die zehn Sounds werden über den Fünfwegeschalter und das Blend-Poti ausgewählt: In jeder Stellung des Schalters bietet das Blend-Poti bei Rechts- bzw. Linksanschlag einen eigenen Klang, dazwischen wird stufenlos überblendet. Die Knöpfe der Potis bestehen übrigens aus Ebenholz – das sieht nicht nur gut aus, sondern zeigt sich darüber hinaus auch wunderbar griffig in der Praxis.

Fender Acoustasonic Tele – in der Praxis!

Klar, auch die Acoustasonic kann mit ihrem schlanken Korpus die Grenzen der Physik nicht austricksen, von daher ist der unverstärkte Klang der Gitarre nicht gerade geprägt von einem überwältigenden Bassfundament. Aber verdammt laut ist sie mit ihrem durchdringenden Mittenbild und besonders überrascht das ausgesprochen gute Resonanzverhalten sowie die Obertonentfaltung, was einen wunderbar dynamischen Ton ermöglicht. Das ist aber eher eine laue Vorspeise auf das, was nach dem Anschließen der Gitarre an einen Verstärker möglich ist. Durch die Blend-Funktion werden aus den zehn Grundsounds recht schnell viel, viel mehr und man ist versucht darin, stets neue Nuancen zwischen den Pickup-Schaltungen auszuprobieren bzw. zu finden.

Fender Acoustasonic Tele Headstock

Ich habe für Acoustasonic für die nun folgenden Klangbeispiele direkt in mein UAD-Interface eingeklinkt, beim Anschließen an einen Verstärker gibt es natürlich noch einige weitere Optionen, die ein guter Amp der Gitarre zur Verfügung stellen kann. Hier gilt es zu probieren bzw. das Einsatzgebiet auszuloten. Wie zu erwarten, klingen die beiden E-Gitarren-Presets an einem Amp besser, die Akustiksounds fühlen sich jedoch in einer neutralen Umgebung deutlich wohler. Die Klangbeispiele zeigen einen groben Querschnitt von dem, was man mit der Fender Acoustasonic Tele so alles anstellen kann!

Fazit

Ich bin mir sicher: Leo Fender wäre sehr stolz auf das, was seine Nachfahren mit der Acoustasonic Tele auf die Beine gestellt haben. Ein völlig neues Konzept trifft auf klassische Formen und sollte jeden anlocken, der mit einer extrem flexiblen Akustikgitarre mit E-Gitarren-Attitüden liebäugelt. Tele-Fans werden ohnehin zuschlagen wollen – und sie dürfen es mit ruhigem Gewissen!

Plus

  • Konzept
  • Klang
  • Verarbeitung
  • Optik
  • Hardcase im Lieferumfang

Minus

  • -

Preis

  • 1798,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Woody  

    Hi Stephan, das Hybrid-Konzept hat ohne Frage je nach Einsatzzweck seinen Reiz. Vermutlich war es Dir nicht möglich, auch die E-Gitarren-Qualitäten – sprich: mehr den Singlecoil am Amp rauszuhauen!?

    Für mich stellen sich nach Deinem Test primär zwei Fragen: wenn die eingestellte Saitenlage erst in Ordnung gebracht werden musste und die Acoustasonic eine „weitere“ Möglichkeit zum Einstellen der Saitenlage bzw. des Halses bot, welche Möglichkeit war denn die primäre? Ich sehe eigentlich nur einen normalen Akustik-Gitarren-Steg, dessen Einlage man entweder bearbeiten oder austauschen müsste. Hat sich die Saitenlage denn allein durch die Einstellung des Halswinkels optimieren lassen?

    In dem Kontext stellt sich noch die Frage, wie der Singlecoil im Vergleich zu den aufgezogenen Bronze-Saiten mit E-Gitarren-Saiten am Amp klingt (Magnet-Eigenschaften) „und“ ob man wohl für den Einsatz mit E-Gitarren-Saiten noch eine entsprechend passende Steg-Einlage braucht? Dies sind sind für mich neben dem Akustik-Sound und der Bespielbarkeit die spannendsten Fragen.

    Für ein echtes „Hybrid“ braucht’s wohl auch ein Hybrid aus Akustik-Steg und E-Gitarren-Bridge!? Darin liegt wohl ein entscheidender Knackpunkt. So etwas muss wohl noch erfunden werden.

    aber eine schnuckelige Gitarre, die ich mir auch gut für’s auf’m Sofa Spielen vorstellen kann.

    Grüße – Woody

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