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Leo Fender: Seine Story, seine Gitarren – der Kult

14. Dezember 2018

Die Geschichte einer Legende

Das Fender Fender Jimmy Page Mirror Modell für knapp 27.000,-€

Dem geneigten Leser dürfte Fender wohl als einer der weltweit berühmtesten und erfolgreichsten Musikinstrumentenhersteller bekannt sein. Mit Produktionsstätten in den USA, Mexiko, Japan und China und einem sehr breiten Modellspektrum, vor allem im Bereich Gitarre, Bass und Verstärker zu unterschiedlichsten Preisen, ist Fenderheutzutage ein gigantisches Unternehmen der Superlative.

Doch was steckt eigentlich alles hinter der Fender Musical Instruments Corporation? Neben den berühmten Produkten wie der ikonischen Strato- und Telecaster oder auch dem Precision- und Jazzbass gibt es einiges mehr zu wissen und zu entdecken. Wer sich etwas ausgiebiger mit dem Unternehmen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass Fender in der Musikbranche beinahe überall irgendwie dabei ist. In unserer Geschichte von Fender begeben wir uns auf eine Reise durch die Welt der Geschichte, der Musik und dem Unternehmen Fenderund seinem gleichnamigen Begründer Leo Fender.

Der Genius Leo Fender – *1909 †1991

Die Geschichte von Leo Fender

Gründung und frühe Jahre der Gitarrenmarke

Anfang bis Mitte der 40er Jahre, zu Zeiten großer industrieller Neuerungen und Verbesserungen erkannte Clarence Leonidas Fender- heutzutage bekannt als Leo Fender-, dass die bis dato verwendeten Hollowbody-Gitarren den modernen Ansprüchen der sich immer rasanter verändernden Musiktechnologie nicht länger gerecht werden. Höhere Lautstärken riefen unerwünschte Rückkopplungen hervor, sodass ein größeres Publikum nicht angemessen beschallt werden konnten. Um seine Pläne zur Konstruktionsverbesserung in die Tat umsetzen zu können, gründete Leo Fender sein Unternehmen im Jahr 1946, nachdem er jahrelang in seinem kleinem Geschäft alle erdenklichen technischen Geräte reparierte. Er ahnte vermutlich noch nichts davon, was für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte vor ihm liegen würde!

Fender Telecaster und Fender Precision Bass

Die Fender Telecaster

Die erste Solidbodygitarre, die auch in Massenherstellung produziert werden konnte, sollte die Lösung des Feedbackproblems sein und wurde 1951 als Telecaster vorgestellt. Bei Markteinführung betrug der Preis für eine Tele ca. 200,- US-Dollar, heute wären das ungefähr 2000,- Euro bei Berücksichtigung der Inflation. Der massive Korpus entwickelt starke Eigenresonanzen und zwei Singlecoils lieferten den saftigen und peitschigen Sound, den wir bis heute kennen, schätzen und lieben!

Fender Precision Bass, hier als Mid-60s Reissue-Modell

Im selben Jahr folgte auch der berühmte FenderPrecision Bass, der im Gegensatz zu Kontrabässen mit Bünden versehen wurde und über einen Amp verstärkt werden konnte. Somit entstand für kleine Bands das erste Mal die Möglichkeit, vor einer größeren Menschenmenge zu spielen und dabei tatsächlich auch gehört zu werden. Das war dann wohl auch ungefähr die Zeit, in der das große Big Band Sterben einsetzte und kleine Combos mit drei bis vier Mitgliedern langsam die Vorherrschaft erlangten.

Hier wird gerade eine Tele zusammengebaut

Und hier wird sie eingestellt und getestet

1954 – die Geburtsstunde der Fender Stratocaster

Nachdem die ersten Rückmeldungen zur Telecastereintrafen, entwickelte Leo Fender zusammen mit seiner Mannschaft die berühmte Stratocaster, die 1954 der breiten Masse präsentiert wurde. Das legendäre und am meisten kopierte Gitarrenmodell sollte mit einem dritten Tonabnehmer mehr Sound-Flexibilität bieten. Zudem ist der Body mit einigen Ausschnitten und Ausfräsungen gemütlicher und leichter geworden. Damals kostete sie etwa 50-60 Dollar mehr als die Telecaster.

Die wohl berühmteste Gitarre der Welt – Fender Stratocaster

Auch andere, bis dato nicht so erfolgreiche Musikinstrumente entwickelte Leo Fender während seiner sehr kreativen und produktiven Zeit zwischen 1954 und 1965. DerJazz Bass, die Jazzmasteroder der berühmte Twin ReverbVerstärker gehen auf eben diese Zeit zurück. Eine hohe Popularität und Verfügbarkeit der Stratocastererzeugte in den darauffolgenden Jahren eine grundlegende Veränderung in der Musikgeschichte – und das bis heute. Was zudem den Erfolg des Unternehmens garantierte, war eine groß angelegte, moderne Werbekampagne in allen erdenklichen Printmedien, Radio und Fernsehen. Bevor wir uns in unserer Geschichte von Fenderwieder der Musik widmen, machen wir einen kleinen Ausflug in die Welt der Wirtschaft von damals.

Fender Twin Reverb

Der Verkauf von Fender an CBS

Im Jahr 1965 verkaufte Leo Fender das bis dato sehr erfolgreiche Unternehmen an die Columbia Broadcasting System (CBS) für 13 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig kaufte CBS auch das Unternehmen Electro-Music – bekannt für Leslie Speaker – zu dem unter einigen anderen Subunternehmen auch die Firma Steinway Pianos gehörte. Auch die Tochterfirma Squier, die ursprünglich 1890 gegründet wurde und bis heute noch günstige Fender-Modelle produziert, wurde 1965 von Fender aufgekauft.

Dies wirkte sich sowohl positiv als auch negativ auf das Unternehmen aus. Auf der einen Seite kam ein erhöhtes Budget ins Spiel und zusätzliche Arbeitskräfte nebst Gebäuden konnten die Herstellungsprozesse entlasten. Allerdings wurden hinsichtlich der Qualität Abstriche gemacht, nicht umsonst ist ein Instrument von Fender aus der Pre-CBS-Ära deutlich kostspieliger in der Anschaffung, als ein vergleichbares Modell aus der Fertigung der Zeit vor der Übernahme durch CBS. Gleichzeitig aber sank aber der Preis dank des erhöhten Angebots, was viele junge Musiker ermutigte, sich eine Gitarre oder einen Bass von Fender zuzulegen.

Fenders Gitarrenmodelle veränderten sich während dieser Zeit nicht großartig. Die wohl markantesten Neuerungen waren der größere Headstock der Strat, die Installation eines 5-Wege-Pickup-Schalters und die Einführung des bis heute bekannten „Truss Rods“. In dieser Zeit entstand auch der sogenannte Wide Range Humbucker Pickup, der von Seth Loverentwickelt wurde. Dies führte auch zu neuen Telecaster-Modellen wie der Custom, Deluxeoder der Thinline, die bis heute bekannt und beliebt sind.

Die Fender Fabrik in den 50er Jahren

Musikrevolution der 60er – Comeback Fender Gitarren

Wer sich gedanklich in die 40er hineinversetzt, findet sich in einer vollkommen anderen Welt wieder. Klar gibt es bereits Tonträger wie Schallplatten oder Tonbänder, doch herrschten in den Tanzklubs und Lokalen weiterhin die großen Bigbands vor, die jedoch allmählich immer weniger werden. Wer kann sich schon in den Zeiten von Wirtschaftskrisen, Rezessionen und Kriegen eine 17-köpfige Musikermannschaft leisten, die auch noch den ganzen lieben langen Abend lang spielen soll? Ganz abgesehen davon, dass Mitte der Vierziger auch viele Musiker den Nordpazifik überqueren mussten, um gegen den Faschismus in den Krieg zu ziehen.

Zunächst bildeten sich vor allem kleine Jazz Combos wie das klassische Jazz Trio. Also Drums, Kontrabass/Piano und Gitarre/Piano/Saxophon. Aber genau da tat sich das vorhin bereits erwähnte Feedbackproblem auf. Mit zunehmender Publikumsgröße und Lautstärke auf Feiern konnte die Band einfach nicht mithalten. Mit einer Solidbody-Gitarre und einem Bass, der sich ebenso einfach mit einem Amp verstärken lässt, sieht die ganze Geschichte jedoch gleich anders aus.

Stets im Trend der Zeit – Flower-Tele Jahrgang 69

Als die Fünfziger dann anbrachen und der Rock ’n’ Roll mit seinen bekannten Vertretern wie Elvis „King“ Presley immer mehr an Bekanntheit erlangte, boomte auch das Geschäft mit Musikinstrumenten und vor allem mit Gitarren.

Die Sechziger sollten in der Geschichte von Fender dann noch mal um einiges aufregender werden. In England waren die Beatles und Rolling Stones groß am kommen und in den Staaten tanzten die Leute zu Rhythm and Blues, Rock ’n‘ Roll und Soul wie beispielsweise James Brown, der als Mitbegründer des Funk gilt. Auch die Flower Power Bewegung mit ihren eigenen Größen wie Bob Dylan trugen ihren Teil dazu bei, dass die Gitarre an Popularität zunahm. Ob man sie mag oder nicht, wer die Beachboys einmal gehört hat, stellt schnell fest, dass auch sie einen eigenen Sound begründeten, der ohne E-Gitarren gar nicht möglich gewesen wäre.

Um die Erfolgsgeschichte der E-Gitarre und somit auch die von Fender zu verstehen, fehlt natürlich noch die Erwähnung der Speerspitze dieser Entwicklung. Jimi Hendrix, David Gilmourvon Pink Floydund Eric Claptonsind nur drei Namen der größten Rockgitarristen der 60er Jahre, die sich hauptsächlich auf Zuverlässigkeit und Sound einer Fender StratocasterGitarre verließen und in unserer Fender Story von daher natürlich nicht fehlen dürfen!

Fender Stingray

Die Geschichte von Fender – was nun, Leo?

Auch nachdem Leo Fender indirekt die Musikszene auf der ganzen Welt revolutionierte und sein erfolgreiches Geschäft an CBS verkaufte, blieb er nicht untätig. Seine Affinität zur Technik und seine Liebe zur Musikwelt trieben ihn letztendlich im Jahr 1974 dazu, zusammen mit Forrest Whiteund Tom Walkerdas Unternehmen Music Man zu gründen. Wegen eines Vertrags, in dem CBS ihm verbat, mit dem Unternehmen offiziell zusammenzuarbeiten, war er jedoch für lange Zeit nur ein stiller Teilhaber. Nachdem das Verbot auslief, wurde Leo nach einer Ratsabstimmung beinahe unverzüglich zum Vorsitzenden des Unternehmens gewählt. Heute bekannt als Ernie Ball/Musicman produziert das Unternehmen neben einigen erfolgreichen Standard-Gitarrenmodellen und wahrscheinlich genauso bekannten Signature-Modellen – John Petrucci, Steve Morse, Steve Lukatheroder Albert Lee- die berühmten Ernie Ball Saiten. Und nicht zu vergessen – den legendären Stingray Bass.

Doch auch das genügte ihm noch nicht. Gleichzeitig unterhielt und leitete er sein eigenes Unternehmen CLF- Clarence Leo Fender. 1976 hatte er schon eine eigene Manufaktur für Musikinstrumente und produzierte unter Vertrag beinahe alle Music ManGitarren und Bässe, während in der eigentlichen Fabrik hauptsächlich Verstärker produziert wurden.

Das ging allerdings nicht lange gut, denn wegen finanzieller Differenzen mit der restlichen Music Man Crew und schlechten Absatzzahlen seiner eigenen Modelle entschied er sich, zusammen mit George Fullerton auch unter dem Namen G&L- Georgeund Leo- Instrumente herzustellen und zu verkaufen.

Die Tele von G&L – die ASAT

Der Abschied Fenders von bei CBS

1985 stieß der Vorsitzende William Schultz eine interne Bewegung bei der Fender Electric Instruments Manufacturing Company an. Eine Gruppe aus Mitarbeitern und verschiedenen Investoren kauften das Unternehmen zurück und gründeten eine Kooperation. Von da an läuft die Firma unter dem bis heute bekannten Namen Fender Musical Instruments Corporation(FMIC). Somit befand sich Fender nicht mehr in der Hand einer großen Organisation, die aus Profitgründen Qualitätsstandards herunterzuschrauben versucht, sondern wird von Instrumentenherstellern selbst betrieben. Das sollte daraufhin – besonders aus der Rückperspektive betrachtet – den langfristigen Erfolg des Unternehmens sichern.

Da das frühere Werk nicht mit übernommen werden konnte, fing die Firma quasi noch mal bei null an. Natürlich nicht ganz, denn das Investitionsvolumen hatte sich im Gegensatz zu 1946 vergrößert und die Bekanntheit der Gitarren- und Bassmodelle lieferten eine gute Grundlage für einen Neuanfang. Ein neues Werk wurde daraufhin bei Corona in Kalifornien errichtet. Dort werden bis heute die teuersten und qualitativ hochwertigsten Fender Instrumente gebaut. Zusätzlich werden in Mexiko die Modelle mittlerer Preiskategorien gefertigt und, um noch das Low-Budget Segment bedienen zu können, stehen auch einige asiatische Hersteller auf Fenders Gehaltsliste.

Im Jahr 1991, dem Todesjahr Leo Fenders, zog das Firmen-Hauptquartier von Corona nach Scottsdale in Arizona. Bis heute noch werden dort alle wichtigen Entscheidungen bezüglich Marketing und Werbung, Verkäufe und Exporte sowie üblicher administrativer Aufgaben getroffen. Somit endet unser Exkurs in die etwas fernere Fender Vergangenheit und wir widmen uns nun in unserer Geschichte von Fenderder Zeit von 1991 bis heute. Leo selbst konnte leider nicht mehr miterleben, wie die von ihm gegründete und damals schon sehr erfolgreiche Firma zu einem Unternehmen der Superlative, ja sogar insgeheim zum Weltmarktführer von Saiteninstrumenten heranreifte.

Fender Factory 1955

Fenders Firmenexpansion der letzten 20 Jahre

In den darauf folgenden Jahren begann Fender, sich von den traditionellen E-Gitarren etwas weg zu bewegen und widmete sich zusätzlich der Entwicklung und Produktion von Westerngitarren. Zusätzlicher Freiraum für Investitionen entstand und so kaufte FMCIeinige kleinere Gitarrenmanufakturen, unter anderem Guild Guitars. Guildblieb bis 2014 in der Fender Familie und wurde dann, nachdem Pläne zum Verkauf des Unternehmens geschmiedet wurden, vom derCordoba Music Group übernommen.

Im Herbst 2002 übernahm die Fender Musical Instrument Corporation Jacksonund Jacksonwiederum kaufte bereits in den 70ern Charvel, womit diese beiden Unternehmen bis heute noch unter dem Schirm des Unternehmens stehen.

Oktober 2004 kaufte Fender Tacoma Guitarsund stellte diese bis 2008 her. Eine Verschmelzung der Arbeitskräfte führte dazu, dass Tacoma vollkommen assimiliert wurde. Die hauptsächlich akustischen Instrumente wie Westerngitarren, Archtops und Mandolinen wurden danach nicht mehr hergestellt.

2007 gelang der FMICvermutlich der größte Fang. Mit dem Kauf der Kaman Music Corporationverleibte sich Fender gleich einige große Marken ein. Dazu zählen unter anderem OvationGitarren, Toca Percussion, Charvelund der US Markt von Sabian Cymbals. Zudem gehören seit dem Takamineund Gretsch zum Unternehmen.

Auch Eddie Van Halen gehört zur Geschichte von Fender natürlich dazu. Eddie hat in enger Zusammenarbeit mit Fender seine eigene Marke EvH gegründet, zu der diverse Verstärkermodelle wie auch Gitarren gehören. Interessanterweise hatte er bereits vorher mit Music Man zusammengearbeitet – er hatte wohl einen Faible für den Geist Leo Fenders, der sich in den beiden Unternehmen mehr als deutlich widerspiegelt.

EVH Frankenstein Replica Guitar

Letztendlich gehören heute über ein Dutzend verschiedener Unternehmen zur Fender Musical Instruments Corporation, die beinahe alles herstellen, was ein Gitarrist oder Bassist nur so brauchen könnte. Von den Instrumenten an sich – und das in allen erdenklichen Preiskategorien – über Verstärker, Tonabnehmer, Stimmmechaniken, Kabel, Plektren, Gitarrengurte, Funksysteme, Effektgeräte, Lautsprecher … man könnte ewig weiter aufzählen, ist Fenderwohl das bekannteste, erfolgreichste und am breitesten gefächerte Unternehmen dieser Kategorie. Trotz einer aufregenden und abwechslungsreichen Geschichte mit großen Aufs und Abs hat es die Fender Musical Instruments Corporationbis heute geschafft, zu einem stabilen, erfolgreichen und unglaublich beliebten Unternehmen zu werden.

Forum
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    AMAZONA Archiv

    Mit Blümchentele hast du es aber…. ;-)
    Ja, interessante Firmengeschichte, inkl. der von Music Man… während bei Gibson, dem Hauptkonkurrenten alter Tage, im Laufe der letzten Jahre immer mehr der Lack abgeht, scheint Fender sich auf dem Olymp zu halten – ob nun im Blümchengewand oder auch nicht.

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      Stephan Güte  RED

      Absolut … und das in allen Preisregionen, die haben mächtig zugelegt! Egal, ob Du ne Strat, Tele, whatever aus China, Mexiko oder den Staaten bekommst: immer bestmögliche Quali! Da darf Gibson gerne mal abgucken …

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