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Test: Fender Vintera 50s Telecaster, E-Gitarre

8. Oktober 2019

Vintera Series - back to the 50s!

Fender Vintera 50s Telecaster

Fender Vintera 50s Telecaster E-Gitarre

Der US-Hersteller Fender richtet den Fokus in seiner neuen Vintera Serie auf die Formen, Farben und Spezifikationen der Instrumente, die in den 50er, 60er und 70er Jahren die Werkshallen im sonnigen Corona/Kalifornien verließen. Seitdem ist zweifellos eine lange Zeit vergangen und die Gitarren und Bässe der neuen Serie erblicken nun nicht mehr in den USA das Licht der Welt, sondern ein Stückchen weiter unten auf dem Globus, im südlich benachbarten Mexiko nämlich. Dieser Katzensprung auf der Weltkarte sorgt für einen deutlich günstigeren Preis der Stratocaster, der Jazzmaster, der Jaguar, den Preci-, Mustang- und Jazzbässen und eben auch der Telecaster. Davon haben wir uns, als Vertreterin der 50er-Jahre-Ära des Herstellers, die Fender Vintera 50s Telecaster für einen genauen Test ausgesucht.

Fender Vintera 50s Telecaster

Fender Vintera 50s Telecaster – Facts & Features

Über die Formen der Tele zu berichten, gleicht wohl dem berühmten „Eulen nach Athen tragen“. Wer kennt sie nicht, die charakteristische Form des Korpus mit seinem unteren Cutaway, frei von jeglichen Shapings auf Vorder- und Rückseite. Die Tele war eben immer schon die „Gitarre für den einfachen Mann“, der auf unnötiges optisches Beiwerk verzichten kann und mehr Wert auf eine optimale Bespielbarkeit und ein insgesamt gutes Handling legt. Ein schlichtes Brett ist sie also nach wie vor, im Fall unseres Testinstruments aus Erle gefertigt und überzogen mit einer zartblauen Lackschicht, die zum einen perfekt aufgetragen wurde und zum anderen das Instrument um den Zusatz „SBL“ (für Sonic Blue) in der Typenbezeichnung ergänzt.

Es gibt diese E-Gitarre aber noch in zwei weiteren Farben – im Fender-typischen „Fiesta Red“ Look sowie in einem ebenso klassischen 2-Color-Sunburst-Finish. Und damit die schöne Optik dem neuen Besitzer auch möglichst lange Freude bereitet, steckt jede Vintera 50s Telecaster bei ihrer Auslieferung in einem robusten Gigbag!

Fender Vintera 50s Telecaster Modelle

Die Fender Vintera 50s Telecaster in „Fiesta Red“ und „2-Color-Sunburst“

Fender Vintera 50s Telecaster – der Hals

Der Hals unserer Test-Tele ist in jedem Fall ein eigenes Kapitel wert, denn bei dessen Maßen dürften sich die Geschmäcker in zwei Lager teilen. In den 50er Jahren verbaute Fender an ihren Teles ein extrem kräftiges Halsprofil, das wir exakt auch so an der Wiederauflage vorfinden. Der Begriff „Baseball-Schläger“ ist hier recht passend, aber noch nicht alles bzw. das ganze Problem für Spieler, die eher schlanke Halsprofile bevorzugen. Denn nicht nur durch das Profil muss man hier um jeden Ton kämpfen, dazu kommt noch die Klarlackschicht, die das komplette Stück Ahorn von oben bis unten umschließt. Und das inklusive des Griffbretts, was besonders bei einer feuchten Greifhand zu einer ziemlich klebrigen Angelegenheit wird. Eine zusätzliche Herausforderung stellt die Bundierung dar – nichts da mit Jumbo-Bünden, hier haben wir es mit einer so laut Fender „Vintage-Bundierung“ zu tun, die wieder auferstandene Form der klassischen „Spaghetti-Bünde“. Und last but not least wäre da noch der Griffbrettradius von 7,5″ zu erwähnen, der für Saitenzieher einen höheren Kraftaufwand erfordert. Aber gab es in den 50er Jahren überhaupt schon Bendings auf der E-Gitarre?

Spaß beiseite, um ehrlich zu sein schreckt mich dieses gebotene Format des Halses eher ab, bei Akkordspielereien ist das vielleicht alles nicht so wild, beim Solieren auf dem Griffbrett könnte es aber für mich persönlich bessere Voraussetzungen geben. Im Endeffekt ist das aber natürlich Geschmackssache, dennoch ist es mir schwer vorstellbar, dass ein Gitarrist mit Freude solch einen klebrigen und klobigen Hals „beackert“. Nichtsdestotrotz ist die Verarbeitung des Halses und der Bundierung sehr gut gelungen und nicht zu vergessen sei der in aller Regel auch fettere Sound einer Gitarre, wenn man es schon mit einem derart fetten Hals zu tun hat. So und nicht anders ist es auch bei der Vintera 50s Telecaster, aber diesem Thema widmen wir uns im Praxisteil, vorher werfen wir noch einen Blick auf die Hardware und die beiden verbauten Tonabnehmer.

Fender Vintera 50s Telecaster rear

Fender Vintera 50s Telecaster – wuchtiges Halsprofil

Fender Vintera 50s Telecaster – Hardware & Pickups

Auch in diesem Bereich orientiert sich unsere Tele ganz nah am Original aus den Baujahren der 50er Jahre, zumindest was die Saitenreiter betrifft. Drei sind es nur an der Zahl, was das Einstellen der Bundreinheit sicherlich zu einer spannenden Sache werden lässt. Bei den Tonabnehmern treffen wir mit dem kleinen Lipstick am Hals, eingebettet in ein weißes Pickguard und dem Singlecoil in der „Aschenbecher-Brücke“ ebenfalls auf alte Bekannte, die Fender aber nach eigenen Angaben auf Basis eines 50s Telecaster Sets überarbeitet hat, um deren Klang noch authentischer zu gestalten.

Geschaltet bzw. geregelt wird wie eh und je über ein Volume-Poti, einen Tone-Regler sowie den klassischen Dreiwege-Kippschalter, die zusammen auf der obligatorischen Chromblende ihren Platz eingenommen haben. Deren Qualität ist als gut zu bezeichnen – das war bei den von Fender in Mexiko gebauten Gitarren auch schon mal anders.

Fender Vintera 50s Telecaster Hardware

Typisch Tele – Hardware und Elektronik auf das Nötigste reduziert

Bleibt als übriger Teil der Hardware noch die Vintage-Style-Mechaniken zu erwähnen, die an der Kopfplatte im unverkennbaren Tele-Design angebracht wurden. An dieser Stelle wird ja gerne und immer wieder von den Herstellern gespart, ich wiederhole mich da mit dieser Aussage immer wieder aufs Neue in meinen Reviews. Auch bei unserer Vintera 50s Telecaster E-Gitarre merkt man spätestens an dieser Stelle den Unterschied zu den Mechaniken, die an den USA-Modellen von Fender verbaut werden. Denn ganz so „smooth“ und präzise wie die US-Tuner laufen sie nicht auf ihren Achsen, sind aber unterm Strich als ausreichend für ein Instrument dieser Preisklasse zu bezeichnen. Ich kann das deswegen recht gut beurteilen, da ich gerade eine American Elite Strat neben mir stehen habe, bei der die Mechaniken dagegen wie in Butter laufen. Aber die Klampfe kostet auch mehr als das Doppelte.

Fender Vintera 50s Telecaster Headstock Tuner

Fender Vintera 50s Telecaster Vintage-Style-Tuner

Fender Vintera 50s Telecaster – in der Praxis!

Bei all der Schelte, die die Fender Vintera 50s Telecaster E-Gitarre bezüglich ihres extrem klobigen und klebrig lackierten Halsprofils einstecken musste, um so mehr scheint sie diesen verlorenen Boden mit ihrem typischen Tele-Sound wieder wettmachen zu wollen. Der massive Hals und der Erlekorpus sorgen für einen druckvollen und strahlenden Grundsound, wie er kaum typischer nach Tele klingen könnte und auch von den beiden Pickups absolut würdig an den angeschlossenen Amp portiert wird.

Die beiden überarbeiteten 50s Tele-Singlecoils bringen den Charakter der Gitarre sehr gut rüber und neben ihrem gewohnt strahlenden, in manchen Situationen fast schon schrillem Klangbild schaffen sie dennoch einen sehr guten Spagat rüber zu den Overdrive-Sounds. Hier überraschen sie mit erstaunlich niedrigen Nebengeräuschen und einem transparenten Klangbild, das stets etwas „Vintage“ klingt, ein enormes Bassfundament besitzt und für angezerrte Bluessoli etwa wie geschaffen ist.

Fender Vintera 50s Telecaster Headstock

Vintera 50s Telecaster – Klangbeispiele

Für den Praxis-Check habe ich wie immer meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark benutzt. Der Amp war gekoppelt mit einer Celestion 1×12″ Vintage 30 Box und wurde durch ein AKG C3000 Mikrofon abgenommen. Als Effekt ist ganz schwach das Signal eines Delays zu hören und aufgenommen wurden die Tracks mit Logic Audio. Leichtgefallen ist es mir nicht, bei diesem monströsen Halsprofil …

Fazit

Die Vintera 50s Telecaster ist eine würdige Vertreterin ihrer Art und glänzt mit einer sehr guten Verarbeitung und dem typischen Klang, der diese E-Gitarre aus dem Hause Fender zu recht so berühmt und beliebt gemacht hat. Einziges Manko, und da lege ich mich an dieser Stelle fest, dürfte für viele Interessenten das monströse Halsprofil mit der lackierten Oberfläche sein. Hier muss man wirklich um jeden Ton kämpfen – aber es kann sich durchaus lohnen!

Plus

  • Verarbeitung
  • gute Pickups
  • typischer Tele-Sound
  • Optik
  • Gigbag im Lieferumfang
  • fairer Preis

Minus

  • extrem wuchtiger und klebrig lackierter Hals
  • Position der Halseinstellschraube
  • Qualität Mechaniken

Preis

  • 788,- Euro
Klangbeispiele
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