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Feature: Hardware & Features von E-Gitarren im Soundvergleich

13. Juli 2021

Hölzer und Mensuren als klangfärbende Attribute

Ein Thema, das immer wieder für endlose Diskussionen sorgt und in dessen Dunstkreis viel solides Halbwissen unterwegs ist, ist der Einfluss verschiedener Konstruktionsmerkmale von elektrischen Gitarren auf den Sound. Blöderweise kann man nicht sagen, ob eine Gitarre mit geschraubtem Hals statt eingeleimtem Hals besser, schlechter oder einfach nur anders klingen würde. Es ist ähnlich wie beim Mensch-ärgere-dich-nicht, ich werde nie erfahren, ob ich zwei Sekunden vorher vielleicht doch eine 6 gewürfelt hätte. Nun bietet sich mir die Chance, zwei im Detail unterschiedliche Gitarren, die jedoch über sehr ähnliche Konstruktionsmerkmale verfügen, vergleichen zu können. Das ist eine spannende Aufgabe und ich habe noch keine Ahnung, was mich erwartet. Also los geht’s, es folgen ein paar Infos über die beiden Testkandidatinnen.

E-Gitarren Konstruktionen – die Testgitarren im Überblick

Für den direkten Vergleich der Konstruktionsmerkmale von elektrischen Gitarren stehen mir die Cort X700 Mutility Multiscale E-Gitarre und die Ibanez RG631ALF zur Verfügung. Beide Gitarren befinden sich in etwa in der gleichen Preisregion um die 1.000,- Euro, beide haben sehr gute Testergebnisse eingefahren.

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E-Gitarren Konstruktionen Cort X700

Die Cort X700 Mutility tritt an zum Konstruktionsvergleich …

 

E-Gitarren Konstruktionen Ibanez RG631ALF

… gegen die Ibanez RG631ALF, beide Gitarren konnten im Test überzeugen

Eine grundlegende, klangprägende Eigenschaft einer E-Gitarre ist natürlich auch immer der verwendete Tonabnehmer. Beide zum Vergleich antretenden Gitarren sollten deshalb identische Pickups besitzen, beide sind mit Fishman Fluence Modern Humbuckern ausgestattet. Am Steg werkelt jeweils ein Fishman Fluence Modern mit Keramik-Magneten, die Ibanez RG631ALF verwendet am Hals einen AlNiCo-Pickup, während die Cort X700 Mutility in beiden Positionen auf Keramik setzt. Auch dies ist also einen Vergleich wert! Die gemeinsamen Konstruktionsmerkmale, die für den Test relevant sind, im Einzelnen:

  • Geschraubter Hals mit 24 Bünden
  • Fixed Bridge
  • String-Thru-Body Konstruktion
  • Fishman Fluence Modern Humbucker (beide Keramik am Steg)
  • Modern Strat Style

Die unterschiedlichen Konstruktionsmerkmale von elektrischen Gitarren, auf die ich hier im Speziellen eingehe:

  • Verwendetes Holz
  • Multiscale vs. gleichmäßige Mensur
  • AlNiCo vs. Keramik Pickups (Halsposition)

Die Hölzer der Gitarren im Vergleich

Beginnen wir beim Holz. Die Cort X700 Mutility verfügt über ein „Sandwich“ aus Mahagoni, Esche und Ahorn. Klassische Tonhölzer also, deren Schwingungseigenschaften bestens erforscht und bekannt sind. Die Ibanez RG631ALF dagegen besteht aus Nyatoh. Ein kurzer, fragender Blick in Richtung der allwissenden Tante Google bestätigt, dass es sich dabei um ein Holz handelt, das bevorzugt aus dem malaysischen/indonesischen Raum kommt und dem Mahagoni recht ähnlich sein soll. Hals und Griffbrett der Cort X700 bestehen aus geröstetem Ahorn, das Halsprofil ist dem der Ibanez recht ähnlich, bei Letzterer besteht der Hals aber aus mehreren Streifen Panga Panga und Walnuss und trägt ein Griffbrett aus Ebenholz. Das Gewicht der beiden Gitarren ist nahezu identisch, die Ibanez ist, wahrscheinlich aufgrund der großzügigeren Fräsung unterm Pickguard, rund 100 g leichter. Das dürfte also, so meine Theorie, zu einer Pattsituation bezüglich dieses ominösen „Sustains“ führen. Mahagoni steht im Ruf, für langes, ausgeglichenes Sustain zu sorgen. Etwas weniger davon bei der Cort und dafür nur ein „mahagoniähnliches“ Holz bei der Ibanez könnten ein knappes Rennen ergeben.

Konstruktionsmerkmale von E-Gitarren Cort X700

Drei unterschiedliche Holzarten kommen beim Korpus der Cort X700 zum Einsatz

Bei den folgenden Klangbeispielen kommt selbstverständlich bei beiden Gitarren jeweils ein identisches Profil des Kempers zum Einsatz, es gibt auch keinerlei Modifikationen am Input-Gain. Ich versuche, die gespielten Akkorde und Lines so identisch wie möglich zu artikulieren, nur so ist ein Vergleich wirklich zielführend. Ich beginne mit einem cleanen Sound, das Profil ist ein Fender Deluxe Reverb. In Benutzung ist jeweils der Steg-Pickup mit identischer Voice-Stellung. Zu den Details der unterschiedlichen Voices der Fishman Pickups schaut euch bitte die oben verlinkten Testberichte der Gitarren an. Die Cort verfügt zusätzlich über ein Coil-Split, das bleibt natürlich unberücksichtigt. Effekte gibt es keine. Zunächst hört ihr den Vergleich des Sustains. Die Ibanez hat einen etwas geringeren Output, den ich nicht am Kemper, sondern in der DAW etwas ausgleiche, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Auf dem rechten Kanal ist die Ibanez, auf dem linken Kanal die Cort zu hören. Bei identischem Anschlag ist die Cort sofort subjektiv lauter, präsenter und „dicker“, die Einschwingphase ist kürzer, der Ton klingt aber nicht so lange aus, wie bei der Ibanez. Die Ausklingphase bei der Ibanez Gitarre ist ausgewogener und gleichmäßiger.

Ein Screenshot aus der DAW macht das ganze visuell noch mal deutlich:

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Konstruktionsmerkmale von E-Gitarren Schwingungsvergleich

Ein paar geschrammelte Akkorde bestätigen das akustische Bild. Im Vergleich hat die Cort X700 Gitarre einen deutlich dichteren Bassbereich. Bei konstantem Anschlag fällt das Sustain natürlich nicht so sehr ins Gewicht, die Ibanez klingt in meinen Ohren sauberer und über alle Frequenzbereiche ausgeglichener. Das ist nicht im Sinne einer Wertung zu verstehen, manch einer wird genau diese Eigenschaft als „steril“ empfinden, während er die Cort wegen der Wärme im Sound vorziehen würde.

Konstruktionsmerkmale von elektrischen Gitarren – die Mensur

Über die Auswirkungen der Länge der Mensur habe ich mich im Testbericht der Cort X700 bereits ausgelassen. Wichtig für diesen Vergleich der Konstruktionsmerkmale von elektrischen Gitarren ist zu wissen, dass die Mensur der tiefen E-Saite dieser Gitarre exakt der Mensur der Ibanez RG631 entspricht. Auch, wenn es optisch so wirkt: Die Cort ist nicht etwa unten rum länger, sondern oben rum kürzer. Der Vorteil der längeren Mensur auf den Basssaiten ist der höhere Saitenzug und die straffere Bespielbarkeit. Die kürzere Mensur auf den höheren Saiten dagegen kommt dem Solisten entgegen, Bendings flutschen leichter von der Hand und Saiten klingen weniger schrill. Um hier einen Vergleich zu ermöglichen, wechsele ich zunächst auf einen angezerrten Sound, der nach wie vor ohne jegliche Effekte auskommt und spiele auf beiden Gitarren das gleiche Riff. Auch hier hört man wieder deutlich die klarere Wiedergabe der Ibanez RG631, demgegenüber klingt die Cort X700 mächtiger im Bass und insgesamt weniger aggressiv, die Ibanez ist brillanter in den Höhen und pusht die für den Gitarrensound so wichtigen hohen Mitten etwas stärker.

Konstruktionsmerkmale von elektrischen Gitarren

Ibanez RG631ALF – ein moderner Klassiker

Für viele von euch wesentlich interessanter dürfte aber das Verhalten bei Verwendung eines Highgain-Sounds sein. Nach dem, was ich bis jetzt gehört habe, spricht alles dafür, dass hier die Cort etwas die Nase vorn hat. Schnellere, spritzigere Ansprache und fetterer Bass sind prädestiniert für den klassischen Soldano-Sound. Tatsächlich ist die Cort ein Nuance fetter und satter im Bass, die Ibanez dagegen ist auch hier wieder transparenter und klarer. Die Metaller unter euch werden der Konstruktion der Cort hier den Vorzug geben, denke ich. Aber wie gesagt, alles Geschmacksache, eine Wertung will ich hier nicht vornehmen. Der Unterschied zwischen beiden Instrumenten ist weniger groß als erwartet.

Bleibt noch der Unterschied zwischen den hohen Registern. Hier lade ich das Profil eines Engl Steve Morse, der die Obertöne so schön nach vorne bringt. Hier ist der Unterschied zwischen beiden Gitarren auch nur gering ausgeprägt. Die etwas schneller einschwingende Cort hat hier gefühlt mehr Bauch, das Quäntchen mehr Durchsetzungsvermögen, gerade wenn es in Richtung der ganz gemein hohen Töne geht, hat allerdings die Ibanez. Wenn ich den Unterschied charakterisieren müsste, würde ich bei der Ibanez zum Adjektiv „luftiger“ greifen, für die Cort würde ich „fleischiger“ wählen, ohne jetzt hier Veganer und Veganerinnen düpieren zu wollen. Was sich bei der Cort aber wesentlich deutlicher bemerkbar macht, ist das leichter von der Hand gehende Bending. Das hört man in den Audiofiles wahrscheinlich höchstens an den etwas überzogenen Tönen. Vibratos klingen aber aufgrund der geringeren Saitenspannung gelegentlich etwas übermotiviert. Letzteres ist natürlich eine Sache der Gewohnheit. Die Töne kippen bei der Ibanez leichter und künstliche Obertöne lassen sich leichter erzeugen. Auf dem Schoß liegend schwingt die RG631 übrigens merklich stärker, die Vibrationen sind im Oberschenkel deutlicher spürbar.

AlNiCo vs. Keramik – die Hals-Pickups

Bei aller Ähnlichkeit, die die Gitarren in puncto Sound bisher haben, unterscheiden sie sich doch deutlich, wenn man auf den Hals-Pickup umschaltet. Hier ist die mit der AlNiCo-Variante des Fishman Fluence Modern Pickups ausgestattete RG631 deutlich zahmer und irgendwie mehr „Vintage“ als die X700, die mit deutlich mehr Kompression, Druck und „moderner“ zu Werke geht. Hier hat für mich die Ibanez ganz klar die Nase vorn, der Sound ist wunderbar offen und dynamisch spielbar, während die Cort etwas muffelt und die Frequenzen irgendwie mehr zusammenpresst. Clean hört man diesen Unterschied am besten, vor allem aber ist für mich das Spielgefühl schöner. Hier sei mir eine Wertung gegönnt. Müsste ich mich zwischen einer der beiden Gitarren entscheiden, wäre der Sound dieses Halspickups für mich das ausschlaggebende Kriterium.

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Fazit

Schwierig, hier ein Fazit zu verfassen. Konstruktionsmerkmale von E-Gitarren wirken sich natürlich, das war vorher klar, auf den Klang des Instruments aus. Oftmals sind es aber nur Nuancen, die sich eher im Spielgefühl als im Sound widerspiegeln. Hier allerdings von besser oder schlechter zu sprechen, halte ich für wenig zielführend, keine der beiden Konstruktionen hat nennenswerte Schwächen. Auf jeden Fall lohnt es sich, sich mit den unterschiedlichen Materialien und baulichen Unterschieden zu befassen.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Fredi  

    Hallo Jan,

    danke Dir für Deine sehr sorgfältige Analyse des Themas!
    Allerdings gehe ich mit Deinem Fazit „Konstruktionsmerkmale von E-Gitarren wirken sich natürlich, das war vorher klar, auf den Klang des Instruments aus“ nur bedingt mit.
    Es gibt aus dem Jahr 2014 das Buch „Physik der Elektrogitarre“ von Manfred Zollner – einem ehemaligen Professor für Elektroakustik aus Regensburg -, das extrem wissenschaftlich die diversen Parameter einer E-Gitarre (z.B. „Holz“, „Geometrie“, „Tonabnehmer“ usw.) analysiert. Im Internet kursieren Vorversionen als PDF, das kann man sich also angucken (oder das Buch kaufen).
    Bei einer akustischen Gitarre ist klar, dass das Holz für den Klang eine Rolle spielt, weil die Resonanzen den Klang definieren; bei einer E-Gitarre ist das dagegen überhaupt nicht meßbar. Das könnte bestenfalls dann sein, wenn Holz massiv Energie aus der Saitenschwingung herauszieht (dann ist die Gitarre aber sowieso Müll).
    Und für einen wissenschaftlichen Test müsstest Du auch einen Roboter die Saiten anschlagen lassen: sonst hast Du allein schon durch die (ggf. unbewusste) Variation in Deinem Anschlag eine Verfälschung des Ergebnisses.
    Bezüglich Tonabnehmern hast Du sicher recht, das liegt aber an deren elektrischer Charakteristik (z.B. der Schwingkreisresonanzfrequenz der Spule).
    Vieles ist aber in dem Bereich einfach Psycho: dass ein hochwertig verarbeitetes 3000€-Teil aus dem Custom-Shop besser klingen muss, ist halt amtlich…
    Eric Johnson glaubt übrigens auch ernsthaft, dass er die Batteriesorte im Effektgerät heraushören kann. Aber er ist trotzdem ein genialer Gitarrist.

    Gruß
    Fredi

    • Profilbild
      Jan Steiger  RED

      Es geht ja im Bericht nicht ausschließlich um das Holz. Aber selbst wenn man sich ausschließlich diesem Aspekt widmet, kann man genau deine Meinung aus diesem Artikel herauslesen. Das Holz hat kaum Einfluss auf den Klang, die Unterschiede resultieren eher aus den übrigen Konstruktionsmerkmalen.

    • Profilbild
      chardt  

      Also aus eigener Erfahrung (ich habe schon einige E-Gitarren in der Hand gehabt, etliche modifiziert und ein paar selbst zusammengebaut) kann ich nur sagen: Ja, das Holz spielt eine Rolle.
      Zuerst einmal die Frage, um wie viele Holzstücke es sich handelt. Extremfall: Ich hatte eine Billigst-Gitarre (80er Jahre!), deren Korpus war aus neun Teilstücken zusammengeleimt. (Sieben Streifen nebeneinander, oben und unten eine Decke drauf.) Das Sustain lässt sich mit „nicht vorhanden“ vollständig beschreiben. Das Ding endete als Wand-Dekoration bei einem Bekannten.

      Aber auch die Holzsorte bzw. Beschaffenheit spielt eine Rolle: Weichere Hölzer sorgen für weniger Höhen im Klang als harte Hölzer. Bereits der Unterschied zwischen einer Strat mit Esche- und mit Erle-Korpus ist durchaus hörbar. Auch spielt die Ablagerung des Holzes, also wieviel Feuchtigkeit noch drin ist, eine Rolle: Bei günstigeren Gitarren ist das Holz nicht so lange abgelagert wie bei teuren (weil das Ablagern kostet), daher ändert sich der Klang typischerweise im ersten Jahr weil das Holz austrocknet.

      Dann spielt die Hardware eine Rolle: Floyd Rose, Hardtail mit String-thru-Body, Tune-O-Matic Brücke machen durchaus einen Unterschied.

      • Profilbild
        chardt  

        All das kann man bereits unverstärkt hören. Und dann kommen noch die Tonabnehmer dazu. Ja, die Resonanzfrequenz und die Resonanzhöhe sind hier die wichtigsten Faktoren, und diese werden (bei passiven Pick-Ups) auch durch die folgende Schaltung und das Gitarrenkabel etc. beeinflusst.

        Bei Zweispulern (Humbuckern) gibt es dann noch spezielle Auslöschungseffekte gegenüber Einspulern, da die schwingende Saite an zwei Stellen abgenommen wird. Dieser Effekt ist natürlich schwächer und wird durch die anderen Unterschiede der Pick-Ups meist überdeckt – ich kann nicht sagen, dass ich das raushöre.

        Ach ja: Das mit dem Eric Johnson ist ein lustiges Missverständnis: Er hatte bloß festgestellt, dass Batterien einer bestimmten Marke weniger Leistung raustun als andere, was sich auf den Klang auswirkt.

        Dass es auf diesem Gebiet auch einen Haufen Hype und Esoterik gibt, da gebe ich Dir aber grundsätzlich Recht.

      • Profilbild
        Fredi  

        Hallo chardt,

        ich habe auch E-Gitarren gebaut und das Holz spielt kaum eine Rolle. Du hast aber recht, dass ein sehr weiches oder schlecht verarbeitetes Holz die Schwingung beeinflussen kann.
        Der „trockene Ton“, den man hört, ist fast völlig egal, es sei denn, Du nimmst Deine E-Gitarre auch noch zusätzlich mit einem Mikrofon ab ;-) Für die Saitenschwingung ist die Materialsteifigkeit im Bereich zwischen den Saitenauflagepunkten entscheidend, die wird beispielsweise auch durch den sehr steifen Stahlstab verbessert. Das Außenrum ist im Wesentlichen unbedeutend, weil der Tonabnehmer ja nur die Feldänderung durch die bewegte Saite misst, nicht irgendeinen Körperschall.
        Wie erwähnt: Zollner misst das sehr wissenschaftlich und nach seinen Messungen ist die Holzsorte praktisch bedeutungslos.
        Du hast auch recht mit der Hardware der Auflage, sie könnte Schwingungsenergie abziehen, wenn sie mies ist. Dann würde die Schwingung bedämpft, man müsste mal schauen, wie sich das im Frequenzspektrum auswirkt.
        Bei Pickups ist das auch so ähnlich: es gibt dominierende Faktoren wie Windungszahl oder Beschaffenheit des Magnetfelds, auch Humbucker vs. Single-Coil und dann eben lustige Effekte wie die passive Beschaltung danach und auch Länge und Art des Kabels.
        Das Buch von Zollner ist wirklich zu empfehlen, es räumt mit einigen Mythen auf.

        Gruß
        Fredi

        • Profilbild
          chardt  

          Entschuldige, aber was genau meinst Du mit „das Holz spielt kaum eine Rolle“? Willst Du ernsthaft bestreiten, dass es einen Unterschied macht, ob der Korpus aus z.B. Ahorn oder Mahagoni ist?
          Der trockene Ton ist natürlich nicht egal, denn das ist der Input für die Tonabnehmer.
          Zollner interessiert mich genau gar nicht: Wenn er etwas misst, was der Praxis widerspricht, dann hat er eben falsch gemessen, kommt vor.

          • Profilbild
            Fredi  

            Hallo chardt,

            ja, ich bestreite den Unterschied zwischen Ahorn und Mahagoni: das Holz spielt praktisch keine Rolle.
            Jetzt sind wir aber endgültig im bereits von lambik zitierten Popcornmodus angelangt.
            Der trockene Ton ist auch nicht – wie Du behauptest – „der Input für die Tonabnehmer“, sondern die magnetische Feldänderung durch die Saitenschwingung. Tonabnehmer sind keine Mikrophone (wenn sie okay sind), d.h. der Ton, den Du von der Gitarre hörst, ist durch Resonanzen des Korpus gefärbt, letzteres bekommt der Pickup aber überhaupt nicht mit.
            Und dass Dich das Zollnerbuch nicht interessiert, ist Dein gutes Recht. Du könntest aber ein vermutlich eher anekdotisches Praxiswissen vielleicht durch Erkenntnisse aus einer wissenschaftlich sauberen theoretischen Arbeit erweitern.
            Und was der misst, ist aus physikalischer Sicht sehr professionell gemacht und nicht einfach nur „falsch gemessen“.

            Gruß
            Fredi

            • Profilbild
              chardt  

              Hallo Fredi, verstehe ich Dich richtig: Ob Strat oder Paula, alles ein Gesumse? Wenn Ja: EOD.

              Mit „Der trockene Ton ist der Input für die Tonabnehmer“ habe ich den Sachverhalt abgekürzt, ja: Genaugenommen ist es die Schwingung der Saite, und die wird eben durch den Korpus, die Hardware etc. beeinflusst – was man eben auch am trockenen Ton hört. Dass die Beschaffenheit des Korpus die Saitenschwingung nicht beeinflusst ist natürlich falsch: Weichere Hölzer führen dazu, dass die hohen Obertöne stärker gedämpft werden als bei härteren Hölzern.
              Ansonsten empfehle ich zur Lektüre – speziell zum Thema Tonabnehmer und Schaltungen- immer noch Helmuth Lemme :)

              Gruß, Carsten

              • Profilbild
                Fredi  

                Hallo chardt,

                ich habe nicht behauptet, dass eine Strat und eine Les Paul gleich klingen müssen, weil das unterschiedliches Holz ja keine Rolle spielt. Aber wenn ich mich recht erinnere haben sie unterschiedliche Stege, Single Coils vs. Humbucker und insbesondere auch unterschiedliche interne Schaltungen (siehe Lemme!).
                Nach der Logik könnte man auch sagen, dass die Autofarbe eine wichtige Rolle spielt, weil ein rotes Auto (Ferrari) schneller ist als ein graues (Trabi).
                Und bei sehr weichem Holz – da hast Du absolut recht – kann die Steifigkeit der Strecke zwischen Brücke und Steg leiden; damit wird die Schwingung gedämpft, absolut nachvollziehbare Auswirkung auf den Klang. Aber das sind Extrembeispiele.
                Und es stellt sich heraus, dass der von Dir als wesentlich wahrgenommene Körperschall keinen messbaren Einfluss auf die durch den Tonabnehmer gemessene Saitenschwingung hat. Man könnte sich vorstellen, dass es Rückwirkungen gibt, aber das scheint nicht der Fall zu sein.
                Helmuth Lemme habe ich übrigens bereits in den Spät-70ern in der 1. Auflage gelesen, die beiden Bücher stehen bei mir im Regal.
                Die Gnade der frühen Geburt ;-)

                Gruß
                Fredi

                • Profilbild
                  chardt  

                  Hallo Fredi, ja, die Bücher habe ich auch „damals“ gekauft, bin also schon länger dabei. Und den Unterschied zwischen einem Mikrophon und einem (guten) Tonabnehmer kenne ich auch.

                  Der Körperschall hat natürlich keine Auswirkung auf den elektrisch verstärkten Klang, ABER: Beide beruhen auf der Schwingung der Saite, und die wird eben durch u.a. das Holz beeinflusst.

                  Das mit hartem und weichen Holz ist kein Extrembeispiel, sondern Alltag: Deshalb klingt eine Strat mit Erlenkorpus anders (etwas weniger Höhen, mehr Mitten) als eine sonst gleiche Strat mit Eschenkorpus. Glaubst Du nicht? Probier es aus!

                  Bei Strat vs. Paula könnte man ja der Strat einen ähnlichen Tonabnehmer gönnen, dann bleiben immer noch klare Unterschiede: Viel Masse und verleimter Hals, kein Tremolo (Paula) ergibt alles mehr Sustain. Viel Mahagoni (Paula) vs. Erle und Ahorn (Strat) ergibt einen „dickeren“ Klang (weniger Höhen, tiefe Mitten stärker). Vergleiche mal den Klang einer Paula mit dem einer Strat mit Humbuckern! Nein, das ist nicht allein die unterschiedliche Brückenkonstruktion.

                  • Profilbild
                    chardt  

                    Ja, es gibt viel Esoterik / Voodoo auch im Bezug auf Gitarren, und ich glaube nicht, dass ich den Unterschied zwischen z.B. einem Original-PAF und einer guten Kopie hören kann. Aber Deine Einstellung, dass das Holz gar keinen Einfluss (oder nur einen ganz kleinen) hätte, ist mir entschieden zu akademisch und im Widerspruch zur alltäglich erlebten Realität.

            • Profilbild
              Satch

              Also mein lieber Fredi,

              deine Meinung kann ich in keinster Weise bestätigen. Für mich ist das sogar komplett falsch, was du da von dir gibst.

              Nimm eine Strat, eine aus Erle, die andere aus Esche, ansonsten baugleich…also wer da als halbwegs erfahrener Gitarrist keinen Unterschied hört…
              Nimm noch eine aus Mahagoni dazu und eine aus Pappel.

              Der klangliche Unterschied ist immens, allerspätestens wird das im Zusammenspiel mit anderen Musikern deutlich.

              Griffbrett aus Palisander, Ahorn oder Ebenholz macht auch einen ziemlichen Unterschied aus.

              Zur Mensur: Eine PRS mit ihrer 64 cm Mensur klingt anders als eine ähnlich aufgebaute Les Paul mit 62,8 cm Mensur.
              Das wird im direkten Vergleich sehr deutlich.

              Ich denke, du weißt das alles selbst auch.

              Aus eigener Erfahrung und dem Austausch mit anderen Musikern steht für mich fest, dass alles, was an deiner persönlichen „Soundkette“ beteiligt ist, eine Rolle spielt.

              • Profilbild
                Fredi  

                Hallo Satch,

                wie gesagt: wenn Ihr mir eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, die den Einfluss von Holz belegt, bin ich gerne dabei. Ich habe Euch eine genannt, bisher bekommen ich als Antwort nur anekdotische Erfahrungen „ich höre das garantiert raus“ und „andere Musiker sehen das auch so“. Wenn es wirklich einen Konsens geben würde, dann müsste man ja irgendwelche Tabellen finden können wie „Erle betont die Mitten, Eiche ist höhenlastig“ o.ä.. Das gibt es aber nirgendwo.
                Das Ganze erinnert mich an die Goldohren, die
                den Unterschied zwischen 384kBit MP3 und einer CD heraushören können. Bei Doppelblindtests geht das komplett in die Hose.
                Es gibt auch ein nettes Video namens „Tone Wood Tester“ bei Youtube. Das ist jetzt nicht superakademisch, aber zumindest interessant.
                Und ich habe nie behauptet, dass die Signalkette oder Mensur keine Rolle spielen, da musst Du mich komplett fehlinterpretiert haben. Ich kann Dir insbesondere ausrechnen, wie das Signal durch ein Kabel oder die Kondensatoren in der passiven Schaltung verformt wird; so was habe ich auch schon selbst konstruiert.
                Aber das Holz des Korpus spielt keine Rolle (wenn es eine gewisse Grundqualität hat).

                Gruß
                Fredi

                • Profilbild
                  Satch

                  Hallo Fredi,

                  du brauchst eine wissenschaftliche Untersuchung, um z.B. einen Unterschied zwischen einer Strat aus Erle und einer aus Esche festzustellen? Ernsthaft??? Nee, oder???

                  Du versuchst meiner Meinung nach viel zu sehr, das ganze „wissenschaftlich“ anzugehen – und das ist hier einfach übertrieben und falsch.

                  Wenn du im Laden 3 VÖLLIG baugleiche Gitarren aus dem Regal nimmst und sie miteinander vergleichst, werden dir selbst dort Unterschiede auffallen. Und die können sogar durchaus beträchtlich sein!

                  Viele Musiker spielen ja genau EIN Instrument besonders gerne. Und der Grund ist in aller Regel, dass dieses Instrument ihnen halt klanglich besonders liegt. Woran liegt das wohl?

                  Jedenfalls NICHT an irgendwelchen letztlich unnötigen Spielereien mit Kondensatoren, die du mir gerade schmackhaft machen willst. So was braucht kein Mensch. meiner bescheidenen Meinung nach. Viel besser ist da eine aktive Elektronik – wenn man sie denn zu nutzen versteht…was bei vielen Musikern nicht unbedingt der Fall ist…

                  Last but not least zu „Signalkette und Mensur“:

                  ich weiß nicht, wie du das von mir in meinem 1. posting gesagte und ganz allgemein Gehaltene auf dich persönlich beziehst. Das ist nicht der Fall. Es ist aber meine persönliche Erfahrung, dass halt ALLES, den Sound irgendwie beeinflusst.

                  Und den Grundstein dazu legt eindeutig das Holz.

    • Profilbild
      janschneider  

      Es gab mWn auch mal detaillierte Tests und Messungen (weiss nicht mehr, wo), die tatsächlich Unterschiede insbesondere beim Hals der Gitarre feststellen konnten, das bezog sich insbesondere auf “dead spots” und ähnliches. Insgesamt aber eher eine Frage der Qualität des verwendeten Holzes und weniger der Sorte.
      Pragmatisch gesehen: Hauptsache, dat Ding klingt gut und lässt sich gut spielen…

      • Profilbild
        Codeman1965  

        < "Insgesamt aber eher eine Frage der Qualität des verwendeten Holzes und weniger der Sorte." >

        So ist das wohl.

        Man KANN einfach keine fundierte Aussage betreffend „Ahorn klingt so, Mahagoni klingt so, Pappel klingt gar nicht“ machen.
        Das kann man vielleicht bei industriell gefertigten Werkstoffen machen, bei organischer Substanz sicherlich nicht…

  2. Profilbild
    Codeman1965  

    Sorry, ich sehe das wie Fredi.

    Ich halte den „Vergleich“ auch für recht sinnentleert.
    Und die Tonholz-Arie bei E-Gitarren ist einfach nur Voodoo…

    • Profilbild
      Jan Steiger  RED

      Das Holz ist nur ein Teil der Konstruktion und nicht alleiniger Bestandteil. Da die Unterschiede beider Gitarren eher minimaler Natur sind, gebe ich dir aber absolut recht

  3. Profilbild
    lambik  

    In anderen, eher gitarrenlastigen Foren könnte man sich jetzt eine Tonne Popcorn holen und die eskalierende Debatte zum Einfluss der Holzart auf den E-Gitarrenton verfolgen.

    Das Beste, was ich mal gesehen habe, aber leider nicht mehr finde, war an einen CD- oder Videoplayer montierter E-Gitarrenhals nebst Hardware und Pickups, um die These vom Holzklang zu widerlegen. Und tatsächlich, das Ganze hat geklungen. Allein die Bespielbarkeit war wohl etwas suboptimal.

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    ——–die Batteriesorte im Effektgerät heraushören kann!!!!!!!!!!! Varta klingt doch gut. So gehts mir mit dem Holz ebenfalls! Kurz und knapp, es lohnt sich mehr sein Gitarrenspiel und seinen Ton zu verbessern als ne andere Holzsorte. Das sehe ich ganz nüchtern.

    • Profilbild
      Fredi  

      Hallo Bert1999,

      ich stimme Dir voll zu: man sollte einfach mehr üben und nicht immer nur neue Gadgets kaufen. Aber wo bliebe dann das Geschäftsmodell von amazona??
      Die Geschichte von Eric Johnson war etwas flapsig, sie ist aber etwas differenzierter: er hat bei seinem Fuzz Face die Batterien gewechselt und es klang dann anders. Nun ist ein Fuzz Face eine simpler Transistorverzerrer ohne Versorgungsspannungsstabilisierung und da klingt eine alte Batterie anders als eine frische, weil erstere dann eher verzerrt. Das kann man aber auch messen und hören.
      Andere Geschichten wie z.B. sein Gitarrenkabel mit Vorzugsrichtung glaube ich nun wiederum weniger.
      Aber auf Eric lasse ich nichts kommen, auch wenn ich mich manchmal lustig mache. Ich durfte einmal nach einem Konzert mit ihm ratschen und seine Hand schütteln, und er ist – meiner Meinung nach – ein Genie. Kein Ingenieur, aber ein großer Künstler.
      Und das ist gut so.

      Gruß
      Fredi

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