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Feature: Materialien im E-Gitarrenbau – ein Guide für Newbies

14. Juni 2022

Holz, Metall und Know-how - Materialien im E-Gitarrenbau, Teil 1

Im Gitarrenbau kommen traditionell immer wieder die gleichen Materialien zum Einsatz. Vornehmlich Holz natürlich. Aber auch viele andere Materialien machen die Gitarre zu dem, was sie ist. Wir brauchen Holz für Body und Hals, Metall für die Hardware, Kupfer und Legierungen für die Pickups und Ideen für Konstruktionen. Schauen wir uns mal ganz wertfrei an, was es da alles so für Möglichkeiten gibt. Materialien im E-Gitarrenbau in der Übersicht. Was für eine Mammutaufgabe…

Materialien im Gitarrenbau Bausatz

Bei einer E-Gitarre kommt es auf das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Materialien an. Quelle: https://www.thomann.de/de/harley_benton_eguitar_kit.htm

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Materialien im E-Gitarrenbau – die Hölzer für Bodys

Um die Verwendung der Hölzer im Gitarrenbau ranken sich Legenden. Know-how und gesundes Halbwissen halten sich die Waage, Voodoo ist allgegenwärtig und die Foren platzen vor Besserwisserei. Doch wie charakterisieren sich die Hölzer Im Gitarrenbau? Hier kommt eine Übersicht über die im Gitarrenbau verwendeten Hölzer. Ich möchte an dieser Stelle aber noch schnell darauf hinweisen, dass es natürlich auch erfahrene Gitarristen und Gitarrenbauer gibt, die den Anteil des Holzes am (verstärkten) Klang des Instruments als nahezu irrelevant einschätzen. Dazu gehöre tatsächlich auch ich, aber diese Diskussion können wir gerne unten in den Kommentaren führen. Unverstärkt jedenfalls macht sich unterschiedliches Holz schon bemerkbar und führt oftmals eben auch zu einem veränderten Spielgefühl, was allein ja schon die Diskussion rechtfertigt. Ich versuche in diesem Teil des Artikels, die klassischen Charakteristika der Hölzer neutral zu beschreiben und stütze mich dabei auf diverse Quellen. Eine davon möchte ich euch nicht vorenthalten. Die Seite www.espen.de erklärt in der hier verlinkten Rubrik sachlich die Eigenschaften diverser Tonhölzer.

Oft verwendet und gut verfügbar: Erle & Esche

Ein in Nordeuropa und Amerika gut und günstig verfügbares Holz ist das der Erle (Elder). Es zeichnet sich aus durch eine mittlere Dichte und einen obertonreichen Klang, der sich besonders im E-Gitarrenbau bewährt hat. Die Esche (Ash) dagegen ist im Gitarrenbau für durchsetzungsstarken Sound und eine blitzschnelle Ansprache des Tons bekannt. Im Vergleich zur Erle ist der gelieferte Ton trockener und weniger ausgewogen. Eine Sonderform und wesentlich häufiger im Gitarrenbau anzutreffen ist die Sumpfesche (Swamp Ash), die vor allem in den südlichen Teilen der USA zuhause ist. Im Gegensatz zur herkömmlichen Esche ist dieses Holz leichter wegen der geringeren Dichte und weist wegen des im wörtlichsten Sinne „sumpfigen“ Herkunftsgebietes eine höhere Feuchtigkeit auf. Sowohl Erle als auch Esche haben optisch eher eine schlichte Struktur, deshalb werden Instrumente aus diesen Hölzern oftmals deckend lackiert. Die Fender Telecaster zum Beispiel ist oftmals aus Sumpfesche gefertigt.

Schön und bewährt: Ahorn

Wer auf Schönheit des Holzes großen Wert legt, sollte sich beim Ahorn (Maple) umschauen. Meist wird hier der Bergahorn als Tonholz eingesetzt. Dieses Holz ist in Europa und Nordamerika gut verfügbar. Vor allem in seinen optisch ausgeprägt gemaserten Varianten des Riegelahorns (Flamed Maple), Wölkchenahorns (Quilted Maple) und Vogelaugenahorns (Curly Maple) wird es oftmals als Decke für E-Gitarren eingesetzt und durchscheinend lasiert und lackiert. Wer schon mal auf eine der auffällig gemaserten Paul Reed Smith Gitarren oder einige moderne Instrumente von Music Man aufmerksam geworden ist, bekommt eine grobe Ahnung, wie sehr die Maserung das optische Erscheinungsbild des Instruments beeinflusst. Klanglich ist das Holz des Ahorns mit dem der Erle verwandt, der Ton wird als ausgewogen, obertonreich mit straffen Bässen beschrieben.

Materialien im E-Gitarrenbau Quilted Maple

Eine Decke aus Quilted Maple verschönert auch sonst eher unansehnliches Holz. Quelle: https://blog.music-man.com/instruments/why-we-use-basswood-for-our-instruments/

Der Klassiker im E-Gitarrenbau: Mahagoni

Eine der im Rock am häufigsten gesehenen und gehörten Gitarren ist die Gibson Les Paul. Ihr Korpus besteht meist aus Mahagoni (Mahagony), das einen mittenreichen, warmen Ton erzeugt. Einmal in Schwingung geraten, lässt sich dieses Holz kaum stoppen, das ist dann das, was der Gitarrist mit einem Zungenschnalzen als „Sustain“ bezeichnet. Da aber Mahagoni allein eben oft auch etwas basslastig und wummernd klingen kann und zudem optisch wegen der geringen Maserung eher langweilig wirkt, wird es gern mit Riegelahorn und durchscheinender Lackierung in Kombination verwendet. Hier ergänzen sich die Eigenschaften der Hölzer sehr gut. Der Klassiker der Rockgitarre! Mahagoni ist ein geschütztes Tropenholz und unterliegt dem Artenschutz, deshalb sollte man darauf achten, ein Instrument aus FSC-zertifiziertem Holz zu erwerben.

Die Alternative zum Mahagoni: Nato

Besonders bei Gitarren aus fernöstlicher Produktion wird oft auf Nato als Tonholz zurückgegriffen. Dieses Holz ist in seinen Eigenschaften sehr gut mit dem Mahagoni vergleichbar, stammt aber nicht aus einem geschützten Tropenbaum, sondern aus gut verfügbarem Johannisbrotgewächs. Das macht es interessant für günstigere Produktionswege und wird somit auch oft für die Instrumente der Low-Budget-Tochterfirmen der etablierten Hersteller verwendet. Epiphone zum Beispiel setzt für die günstigeren Les Pauls gern Nato ein. Nato sollte man nicht mit dem phonetisch ähnlichen Nyatoh verwechseln.

Aus Asien direkt in die Fräse: Nyatoh

Ein „modernes“ Tonholz, das vor allem bei Gitarren des bekannten japanischen Herstellers Ibanez immer häufiger Verwendung findet, ist das Nyatoh. Ursprünglich ein beliebtes Konstruktionsholz, weil es über große Längen astfrei und gerade gewachsen ist. Es lässt sich gut verarbeiten und endbehandeln, ist aber nicht sonderlich hübsch und wird deshalb auch gern deckend lackiert. Die von mir getestete Ibanez RG631ALF zum Beispiel ist aus Nyatoh gefertigt und verfügt über einen spritzigen, ausgewogenen Klang, den ich seinerzeit als „drahtig“ charakterisiert habe.

Materialien im E-Gitarrenbau Nyatoh

Moderne Gitarre, modernes Holz: Die Ibanez RG631ALF mit einem Korpus aus Nyatoh

Leicht, günstig und gut verfügbar: Linde

Die Linde heißt auf Englisch Basswood. Das klingt doch direkt nach bester Eignung für den Instrumentenbau, oder? Und richtig, dieses eher leichte und günstig zu beschaffende Holz wird ebenfalls oft für die Produktion einiger Modelle namhafter Hersteller eingesetzt. Klanglich wird es als „universell einsetzbar“ beschrieben, was man auch als „charakterlos“ übersetzen könnte, wenn man fies sein will. In der Praxis eignet es sich aber vielleicht gerade deshalb gut für den Einsatz als Body-Holz. Gitarren aus Basswood sind definitiv nicht charakterlos, sondern eben universell einsetzbar. Nicht zuletzt setzt zum Beispiel die Firma Music Man in der Produktion gern auf Linde.

Materialien im E-Gitarrenbau Basswood

Eine Gitarre aus Linde (Basswood) mit Riegelahorndecke. Quelle: https://blog.music-man.com/instruments/why-we-use-basswood-for-our-instruments/

New kid in town – Okuomé

Die eigentliche Idee für diesen Artikel kam mir während des Tests für die Ibanez AR420, die als Basis für den Body ein Holz namens Okuomé vorweist. Meinem eigenen Fragezeichen vor der Stirn folgend und in die Tiefen des Internets abtauchend keimte die Frage auf, wer von den Gitarristen der jüngeren Generation überhaupt noch über die Verwendung verschiedener Materialien im E-Gitarrenbau Bescheid weiß. Und ob nicht vielleicht sogar das Holz als Grundmaterial ausgedient hat.  Okuomé jedenfalls ist laut Internet erst mal eine Materialgrundlage für die Herstellung von Sperrholz. Wenn aber ein renommierter Hersteller mit Einfluss dieses Holz für den Gitarrenbau verwendet, sollte man die Glocken schon läuten hören. Die Gitarre jedenfalls hat ein ausgezeichnetes Schwingungsverhalten und bietet, trocken und unverstärkt gespielt, ein ausgewogenes Klangbild mit gutem Sustain.

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Weitere Hölzer für Bodys – Mooreiche und Co.

Grundsätzlich ist natürlich jedes Holz geeignet, einer E-Gitarre als Grundlage zu dienen. Warum sich zum Beispiel die berühmte deutsche Eiche nicht als Holz für die Massenproduktion durchgesetzt hat, kann man erahnen. Eiche wächst langsam, ist schwer und treibt jeden Fräskopf in den Wahnsinn. Buche, Birke, Pappel und andere bei uns heimische Hölzer dagegen sind leichter, gut verfügbar und oft auch gut zu verarbeiten. Wird die Pappel tatsächlich gern bei günstigeren Instrumenten – und sogar bei Fender zeitweilig als Ersatz wegen Lieferengpässen bei Erle – eingesetzt, fristen andere Holzarten ein Nischendasein. Einige wenige Hersteller, vor allem im Bereich der echten kleinen Handwerksbetriebe, verwenden aber tatsächlich auch gern mal exklusive Hölzer wie zum Beispiel die Mooreiche für Kleinserien oder Einzelstücke. Der deutsche Gitarrenbauer Sascha Proske mit seiner Firma Gamble Guitars zum Beispiel hat 2500 Jahre alte Mooreiche zu einem Kunstwerk verarbeitet, das aber natürlich nur wenigen, wenn nicht sogar nur einem Kunden vorbehalten ist.

Materialien im E-Gitarrenbau

Eine Gamble Guitars Raven aus 2500 Jahre alter Mooreiche. Quelle: https://www.instagram.com/gambleguitars/

Alternative Materialien im E-Gitarrenbau

Muss es denn immer Holz sein? Ich selbst konnte mich bereits davon überzeugen, dass auch alternative Materialien eine verdammt gute Basis für einen guten Ton liefern können. Heiko Hoepfinger aus Kassel zum Beispiel, seines Zeichens Bassist, Physiker und coole Socke, stellt die ernstgemeinte Frage, warum man mit Holz ein Material für den Instrumentenbau verwendet, das die Schwingung der Saiten eher bremst als sie aufzunehmen. Mit seiner Firma Basslab und seiner Erfahrung im Bereich der Entwicklung raumfahrttauglicher Materialien entwickelte er das carbonbasierte „Tunable Mixed Composite“. Die Gitarren werden aus einem Stück gefertigt und gegossen, wobei neben der relevanten Gewichtsersparnis auch wirklich sehr lebendig klingende Instrumente aus der Form hüpfen, die an Ergonomie schwer zu übertreffen sind. Natürlich sind auch traditionelle Formen möglich, aber wer will das schon, wenn man mit der Space-Axt auch ins All fliegen kann?

Materialien im E-Gitarrenbau Basslab

Das „Tunable Mixed Composite“, eine geheime Materialmischung des Kassler Bassisten Heiko Hoepfinger, ermöglicht nahezu grenzenlose Freiheit beim Design und schwingt und klingt intensiver als jede Holzgitarre. Quelle: www.basslab.de

Ebenfalls aus Kassel stammt der Hersteller Robin Stummvoll mit seiner Firma Verso Musical Instruments. Hier wird die klassische „Shovel Guitar“ neu definiert. Auch hier dominiert mutiges, aber exzellentes Design. Und der Materialmix aus Metall und Holz klingt tatsächlich verdammt gut. Ihr seht, nicht immer sind die Materialien im E-Gitarrenbau der Tradition verpflichtet. Wer mit kreativen Ideen mutig voranschreitet, kann neue Wege abseits der ausgetretenen Pfade schaffen.

Material im Gitarrenbau Verso

Auch Metall als Material für den Korpus kann überzeugen. Verso Instruments baut kreative Eigenkreationen, die sich nicht um traditionelle Design scheren. Quelle: www.versoinstruments.com

Materialien im E-Gitarrenbau – die Hölzer für Hälse & Griffbretter

Etwas weniger aufwändig ist die Aufstellung der Materialien für die Hälse und Griffbretter der E-Gitarren. Hier haben sich ein paar Konstruktionen und Materialmixe bewährt, die so oder ähnlich immer wieder bei allen Instrumenten auftauchen. Allen voran steht, was Hals und Griffbrett angeht, der Ahorn.

Beliebtester-Hals-Award 1950 bis 2022 – Ahorn

Ahorn besitzt eine sehr homogene Holzstruktur. Das ist nicht ganz unwichtig für das Material des Halses, denn schließlich sind wir hier in direktem Kontakt zum Holz. In allen Ausprägungen bietet Ahorn eine ausgezeichnete Basis als Material, sowohl in der „normalen“ Variante, als auch in der optisch deutlich auffälligeren Variante des Vogelaugenahorns. Ahorn kann einem ein wunderbar holziges Gefühl geben, wenn der Hals nicht lackiert ist, sondern lediglich geölt und gewachst wird. Viele Gitarristen schwören auf das Öl & Wachs Finish, weil es auch bei Neigung zu starkem Handschweiß die „Flutschigkeit“ des Halses garantiert. Bei lackierten Hälsen kann es dagegen schnell unangenehm klebrig werden, wenn die Greifhand schwitzt. Ich selbst habe lange Jahre eine Gitarre aus dem legendären Valley Arts Custom Shop gespielt, deren Birdseye Maple Neck wirklich ein Highlight darstellte. Im Moment kommen immer mehr Ahornhälse in Mode, bei denen sogenanntes „Roasted Maple“ zum Einsatz kommt. Hierbei wird das Ahornholz des Halses im Ofen gebacken, was eine dunklere Färbung und eine größere Stabilität des Holzes zur Folge hat. Das Verfahren macht das Holz auch unempfindlicher gegen äußere Einflüsse und fühlt sich sehr natürlich an. Für den persönlichen Wohlfühlfaktor ist dies in meinen Augen ein großer Schritt gewesen.

Ein moderner Hals aus „Roasted Maple“, dem gerösteten Ahorn. Die Ibanez-Modelle der neuesten Generation sind oftmals mit diesem Feature ausgestattet.

Offenporige Alternative: Panga Panga

Bei der oben bereits erwähnten Ibanez RG631ALF wurde für den Hals das afrikanische Panga Panga verwendet. Dieses Holz zeichnet sich durch große Widerstandsfähigkeit aus, die ja gerade einem Gitarrenhals gut zu Gesicht steht. Nebenbei ist dieses Holz sehr offenporig und fühlt sich damit sehr organisch an. Auch ein Punkt, der gern unbeachtet bleibt: Der Hals ist unser Hauptkontakt zum Instrument. Dieser ominöse „Wohlfülfaktor“ ist nicht unerheblich für das Spielgefühl und so ist ein „holziger“ Hals für viele Gitarristen das A und O.

Gern unter Lack versteckt: Mahagoni

Gerade die oftmals aus Mahagoni bestehenden Gitarren  vom Typ Les Paul verwenden auch Mahagoni als Material des Halses. Da diese Hälse oftmals eingeleimt werden, werden sie auch gern unter der gleichen Lackschicht versteckt, die auch den Korpus bedeckt. Ob das Material des Halses für den Klang der Gitarre entscheiden ist, wird gern und oft diskutiert. Ich persönlich halte diese Diskussion für unnötig, für mich zählt einzig und allein das Spielgefühl. Ich besitze ein Gibson Les Paul 50s Tribute mit eingeleimtem Mahagonihals und kann sagen, dass das Gefühl beim Spiel großartig ist. Ob der Klang mit einem Ahornhals anders wäre, kann ich leider nicht beurteilen.

Knalliger Klassiker: Das Fretboard aus Ahorn

Wer kennt sie nicht, die Strat mit Ahornhals. David Gilmour liebt sie, Eric Clapton wird auch oft damit gesehen. Man sagt diesem Griffbrett eine besondere Eigenschaft zu: knallige, perkussive Höhen und ein klar artikulierter Ton. Die Tatsache, dass man die Saiten meist gar nicht bis auf das Griffbrett herunterdrückt, lässt die Frage offen, ob das Material des Griffbrettes überhaupt einen Einfluss auf den Sound der Gitarre hat. Bei künstlich oder in Würde gealterten Gitarren sieht es aber auf jeden Fall immer sehr beeindruckend aus, wenn der Lack auf dem Griffbrett aus Ahorn in bestimmten Lagen abgewetzt ist.

Material im Gitarrenbau Maple Fretboard

Der Klassiker: Fender Telecaster mit Griffbrett aus Ahorn. Quelle: www.thomann.de

Klassiker No. 2: Rosewood

Die Bezeichnung Rosewood steht nicht, wie man annehmen könnte, für Rosenholz. Dabei handelt es sich um einen sich hartnäckig haltenden Übersetzungsfehler. Vielmehr steht der Begriff Rosewood für Palisander, ein dunkles, strapazierfähiges Holz aus der Gattung der Dalbergia, von der die Unterart Dalbergia decipularis allerdings tatsächlich ein Rosengewächs darstellt. Wegen seiner Klangeigenschaften wird Palisander gerne für Marimbaphone und Xylophone verwendet, warum also nicht auch für Griffbretter? Griffbrettern aus Palisander sagt man eine etwas reduzierte Wiedergabe der höheren Frequenzen nach. Es darf aber bezweifelt werden, dass das wirklich einen messbaren Unterschied macht. Vielmehr ist wahrscheinlich die Gleichung „dunkleres Holz = dunklerer Klang“ in den Köpfen der Nutzer aktiv. Fakt ist wohl eher, dass auch hier wieder Glaube und Spielgefühl einen Unterschied in der Artikulation des Spielers machen. Optisch ist Rosewood auf jeden Fall die beliebteste Alternative zum Ahorn.

Edel: Griffbrett aus Ebenholz

Ebenholz ist schwarz, das wissen wir, seit die sieben Zwerge Schneewittchen im Glassarg betrachten mussten. Griffbretter aus Ebenholz sind beliebt, weil sie dem Instrument eine gediegene Optik bescheren und stehen im Ruf, besonders widerstandsfähig zu sein. Besondere Vorteile ergeben sich aus einem Ebenholz-Griffbrett nicht, lediglich die fast schwarze Optik dürfte hier gegenüber den Griffbrettern aus Palisander die Nase vorn haben. Natürlich gibt es auch hier, was die Kreativität und Vermarktungsstrategien der Hersteller angeht, keine Grenzen. Zu beachten ist auch hier, dass Ebenholz, genau wie Mahagoni, dem Artenschutz unterliegt.

Der Bunddraht – Tradition vs. Moderne

Die Bünde einer Gitarre sind wesentlich mehr Belastung ausgesetzt als das Holz des Griffbretts. Hier gibt es eigentlich nur zwei Konkurrenten um den Award des beliebtesten Materials: Neusilber und Edelstahl. Der Klassiker sind zweifelsohne die Bünde aus Neusilber. Neusilber ist eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung mit hoher Widerstandsfähigkeit, die sich im Gitarrenbau im Laufe der Jahrzehnte durchgesetzt hat. Wer seine Gitarre aber über Jahre hinaus benutzt, stellt fest, dass sich auch Bünde aus Neusilber abnutzen. Die Alternative, die immer mehr Hersteller einsetzen, ist Bunddraht aus Edelstahl. Wichtig ist eigentlich nur, dass das Material der Bundstäbchen härter ist, als das der Saiten. Denn das macht die Langlebigkeit der Intonationshilfen aus. Die Bundstäbchen sind immer im Kontakt mit den Saiten, wenn man Akkorde oder Soli intoniert. Ich persönlich halte die Wahl des Bundmaterials für wichtiger, als die des Griffbrettmaterials. Und meine Gitarren, die im täglichen Einsatz sind, werden nach und nach mit Edelstahlbünden ausgerüstet, sofern sie sie nicht vom Werk aus mitbringen.

Titelbild: Harley Benton E-Gitarrenbausatz

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Fazit

Ihr seht, allein über die grundlegenden Materialien im E-Gitarrenbau, das Holz und die Alternativen, kann man viele Worte verlieren. Ich hoffe, dass ich mit diesem kleinen Artikel schon mal einen Einblick in die Vielfältigkeit des Gitarrenbaus geben konnte. Der nächste Teil der Exkursion führt uns dann in die Tiefen der Materialien für die Hardware, die Tonabnehmer und die Dekoration. Bleibt gespannt!

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Forum
  1. Profilbild
    Mehrklang

    Schöner Artikel Jan! Zwei Ungenauigkeiten würde ich aber gerne ausräumen.
    „…Holz ein Material für den Instrumentenbau verwendet, das die Schwingung der Saiten eher bremst als sie aufzunehmen…“
    Wenn das Holz die Schwingung *aufnimmt*, bremst es sie. Die Energie geht dabei im Holz verloren.
    Es ist vielleicht sinnvoll hier zwischen akustischem und elektrischem Instrument zu unterscheiden. Die Decke eine akustischen Elements soll mitschwingen um den Schall an die Umgebung abzugeben.
    Bei elektrischen Instrumenten versucht man eher, das zu verhindern. Je weniger Energie an das Holz abgegeben wird, um so mehr bleibt diese in den Saiten – also um so besser ist das Sustain.
    Der „Klang“ eines Holzes bei elektrischen Instrumenten wird maßgeblich dadurch bestimmt, welche Frequenzen absorbiert werden und welche nicht.
    „Die Tatsache, dass man die Saiten meist gar nicht bis auf das Griffbrett herunterdrückt, lässt die Frage offen, ob das Material des Griffbrettes überhaupt einen Einfluss auf den Sound der Gitarre hat“
    An den Auflagepunkten der Saite (Steg und Brücke) wird die Schwingung, die beim anschlagen parallel zum Korpus ist in eine zum Korpus senkrechte Schwingung gewandelt. Das trifft – in geringerem Maße – auch auf den ‚Abgriffpunkt‘ zu. Damit wird über das Bundstäbchen Energie in das Griffbrett gegeben und damit hat das Holz einen Einfluss.

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Danke für deinen Input. Manchmal ist es eben höhere Physik, manchmal ist es einfach der Glaube daran. Ich glaube eben, dass vieles von dem was du schreibst, auch durch unser Gefühl beeinflusst wird, wenn wir die Gitarre spielen. Insofern ist die Diskussion natürlich immer absolut berechtigt und auch sehr willkommen. 😊

    • Profilbild
      Herr Rakete

      Yeah, jetzt kann ich doch was fachliches Beitragen =)

      Energie kann weder erzeugt noch vernichtet werden. Sie kann lediglich von einer Form in eine andere umgewandelt werden. Dabei bleibt zwar die Menge der Energie in einem abgeschlossenen System konstant, der nutzbare Anteil der Energie aber ist je nach Umwandlung unterschiedlich hoch.

      ….Ich wusste doch das die ganzen Physik Podcasts noch zu irgendetwas gut sein werden….

  2. Profilbild
    Herr Rakete

    Vielen Dank an den Autor für diesen umfangreichen Einblick.
    Da ich eher zur Techno-Schrebbel Fraktion zähle kann ich hier zwar fachlich nichts beitragen, aber meinen Dank zum Ausdruck bringen.
    Spannend mal etwas tiefer in die Materie Gitarrenbau einzusteigen.
    Freue mich auf den zweiten Teil

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Vielen Dank. Im nächsten Teil werde ich mal ein paar Muscheln sezieren und gammeligen Draht beleuchten 😎

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        Herr Rakete

        Freue mich schon drauf.
        Das scheint bei der Gitarren-Fraktion ja ein ähnlich ergiebiges Thema zu sein, wie bei den „Technikern“ die alten, analogen Schaltungen.
        „There is Magic in the wires“, Nur weiß leider niemand ganz genau wo.

  3. Profilbild
    Kudaketa

    Schön ausführlicher Beitrag. Bei dem Thema scheiden sich ja immer die Geister und es gibt vor allem ja auf Youtube auch viele Videos, die sich damit beschäftigen, dass das Holz auf den Sound „keinerlei“ Auswirkung hätte…

    Ich als eher am mittleren Anfang des Gitarrespielens hab da leider zu wenig Erfahrung mit verscheidenen Hölzern, um mich da final äußern zu können, finde aber die Diskussionen aus beiden Lagern sehr interessant.

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Bleib neugierig und lass dich durch alte Stinkstiefel und Ketzer wie mich nicht beeinflussen 😅

    • Profilbild
      filmchen

      Alle Materialien spielen bei der Gitarre eine Rolle. Verschiedene Stegmaterialien können viel größere Soundunterschiede machen als verschiedenen Hölzer. Allgemein ist es wohl so, dass der Klang des Holzes erst wirklich rauskommt und unterscheidbar ist zwischen zwei Gitarren, wenn alle Komponenten hervorragend sind. Spielt man mehrere Gitarren des gleichen Models werden sie bei einer 800,- Euro Gitarre alle gleich klingen. Bei sehr hochwertigen Gitarren allerdings verleiht das verbaute Holz der Gitarre sehr wohl einen eigenen Charater. Dann hört man auch den Unterschied zwischen zwei baugleichen Gitarren die aus dem gleichen Holz sind. Weil Holz als Naturprodukt nicht immer gleich ist.

      • Profilbild
        Herr Rakete

        Kommt das (Holz nur bei teuren Gitarren „hörbar“) dann durch die hochwertigeren Materialien / Teile zustande oder durch die bessere Verarbeitung? Ich gehe jetzt mal davon aus, dass bei einer teureren Gitarre sowohl mehr Zeit als auch bessere Rohstoffe zum Einsatz kommen.

        Ist das bei (z.B.) hochwertigen Tonabnehmern ähnlich wie bei hochwertigen Monitorboxen? (Hochwerige Tonabnehmer = neutraler Sound?) Und das Holz übernimmt dann die „Klangfärbung“?

        Oder ist es eher die bessere Verarbeitung die den Klang beeinflusst (z.B. Korpus und Hals plan geschliffen & vollflächig verklebt anstatt sägerau verschraubt )

        Bin kein Gitarrist, daher evtl. nicht ganz treffende Beispiele / Begrifflichkeiten

  4. Profilbild
    filmchen

    Die meisten Gitarristen haben bei den klassischen Gitarren-Hölzern Klangvorstellungen bzw. wiederholen Klang-Klischees. Kaum einer hat jemals die Chance, idetisch gebaute Gitarren mit ansonsten nur verschiedenen Hölzern vergleichen zu können. Hat einer von euch schon einmal verschiedene Klanghölzer seriös vergleichen können?

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Absolut richtig. Und selbst wenn du zwei identisch gebaute Instrumente hättest, wären die Bedingungen nur dann realistisch, wenn jedes Stück Ahorn oder Mahagoni gleich gewachsen wäre.

  5. Profilbild
    wrdlbrmpfd

    Sehr interessant! Ich habe gedacht, E-Gitarren-Körper werden heutzutage fast alle aus Kunststoff gestampft.

  6. Profilbild
    Joerg

    Ich stelle mal eine kühne Behauptung auf:
    Auf / in welches Holz bzw. sonstiges Material man die PUs schraubt spielt keine große Rolle, da diese zu 99% die Schwingung der Saiten über den Magneten aufnehmen – und da ist kein Holz im Weg

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      Ketzer!
      Aber ja, ich geh da tatsächlich mit dir konform. Ich schrob ja auch, dass das Holz wohl nur bei unverstärkter Gitarre wirklich einen Unterschied im Sound macht. Beim Thema Sustain sieht’s ein bisschen anders aus.

      • Profilbild
        Joerg

        Wenn man NUR das Material sieht und alles, was der Spieler mit seine Pfoten veranstaltet, außer Acht lässt:

        Brücke – Steg – Material der Bünde : sind die Dinge, die sich direkt auf das Schwingungsverhalten auswirken.
        Dazu natürlich die Art der Saiten!
        Dann würde ich als erstes den Hals (und da prügeln sich die Kenner ja seit Jahren, was besser ist: eingeleimt oder verschraubt) und an letzter Stelle den Body sehen.
        Aber wie so oft ist es das Gesamtpaket, was knallt!

        A -Gitarren sind eine andere Welt: hier spielen Holz und Bauart aller Teile die entscheidende Rolle.
        Nicht umsonst nehmen die, die den Klang ihrer Gitarre und ihre Reaktion auf die Spielweise definiert aufnehmen wollen ein oder mehrere Mikros. Und NIE die Tonabnehmer. Wenn, dann nur als Zumischung.

        • Profilbild
          chardt

          Es spielt tatsächlich ALLES eine Rolle, und das merkst Du am Besten an den Extremen:
          Ich hatte mal eine Billigst-Gitarre (und ich rede hier von 80er-Jahre-Billigst!), die aus mehr als einem Dutzend Stücken Holz zusammengebastelt war. Der Korpus bestand aus einer schönen Decke oben und unten und dazwischen so sechs bis acht (lange her) Streifen Holz. Das Sustain dieser Bauweise lässt sich mit „nichtexistierend“ zusammenfassen. (Man kann auch Gitarren aus mehreren Streifen Holz z.B. für den durchgehenden Hals bauen, die gut klingen, aber dafür ist ein bisschen mehr Know-How nötig.)
          Ist das Holz mies, kann nichts die Gitarre retten. Die Tonabnehmer nehmen die Schwingungen der Saite ab, und die Saite interagiert nun mal mit dem Holz.
          Je extremer die Tonabnehmer den Klang verbiegen, desto weniger hörst Du das Holz.
          Je extremer der Verstärker plus Lautsprecher den Klang verbiegen, desto weniger hörst Du die Gitarre. (Deshalb verwenden die „Das Holz spielt keine Rolle“-Videos auch sehr stark färbende Verstärker.)

          • Profilbild
            chardt

            Noch ein Extrembeispiel zum Holz: Ich habe eine SG-Kopie aus einem sehr harten Holz, ich tippe auf Esche oder sogar Ahorn. Bestückt mit sehr fetten Humbuckern, ist der Ton trotzdem sehr höhenlastig weil das Holz das eben so vorgibt. Die selben Tonabnehmer in einer Gitarre z.B. mit Erlenkorpus gibt einen ganz anderen Klang.
            Und zum Thema geschraubter/verleimter Hals: Geschraubt gibt mehr Attack und etwas weniger Sustain, verleimt andersrum. Ist kein besser oder schlechter, sondern die Frage was Du für Deinen Sound willst.

  7. Profilbild
    Lucky

    Brian May´s Gitarre besteht aus einem Eichenkern,MahagonyHals,Sperrholz und Mahagonyfurnier.
    Dann noch etwas Metall und 3 niederohmige Pickups.

    Trotzdem klingt das Teil wie keine zweite.
    Aber wer hier würde eine Gitarre aus Sperrholz kaufen?
    Ich sage mal,nach etwa 40 Musikerjahren und einigen Gitarren:
    Sie sind sich alle sehr ähnlich,egal welches Holz.
    ;)

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