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Test: MXR Clone Looper, Looper Pedal

29. Oktober 2019

Clever, einfach, handlich - der MXR Clone Looper

MXR Clone Looper

Der Looper-Markt ist heiß umkämpft. Zuletzt versuchten Electro Harmonix die Mutter aller Looper Pedale zu erschaffen: den Looper 95000 mit viel Aufnahmezeit, unzähligen Features und und und…weshalb ich das Pedal bislang jedoch auf fast keinem Pedalboard angetroffen habe? Nun, zunächst: Es ist riesig, ein klobiges, massives Teil, das die Hälfte des Pedalboards einnimmt. Zum anderen macht die Fülle an Features das Gerät eher zu einem Allrounder statt zu einem für Gitarristen gedachten Looper-Pedal, also insgesamt: einfach zuviel des Guten. Ein Looper-Pedal muss (in meinen Augen zumindest) folgende Kriterien erfüllen: Es muss übersichtlich, handlich und einfach sein – und dabei adäquate Aufnahmequalität gewährleisten. Vielleicht erfreuen sich deshalb die Ditto Looper von TC Electronic so großer Beliebtheit. Und vielleicht ist es deshalb, dass MXR dachten: Kompakt, einfach und gut können wir auch – und stellen deshalb den MXR Clone Looper vor.

Das kleine Gerät dürfte aus mehreren Gründen äußerst interessant sein für viele Gitarristen. Gleich vorweg sollte aber klar sein: Wer mit vielen Loops arbeitet, die er der Reihe nach ein- und ausschalten können muss und dafür eine Art Motherboard benötigt, ist mit Geräten mit dem Looper 9500 besser beraten. Der MXR Clone Looper ist für Gitarristen gedacht und auch so aufgebaut – Aufnahmen, Overdubs und Abspielen soll auf schnellstem Wege funktionieren und keine Probleme machen. Ein Prinzip, bei dem eigentlich nicht viel schiefgehen kann. Oder?

MXR Clone Looper – Facts, Features, Panel

Wie bereits erwähnt: Das gute Gerät ist klein und handlich. Also eins meiner persönlichen Hauptkriterien ist damit auf Anhieb erfüllt – ein Looper soll gefälligst in die linke untere Ecke des Pedalboards passen. Das Metallgehäuse ist stabil und sieht nach was aus. Es wiegt 300 Gramm und besitzt die fast knuffigen Maße 64 x 111 x 49 mm. Im Lieferumfang enthalten ist ein Dunlop Netzteil ECB003 und die Stromaufnahme beträgt 225 mA – hungrig ist er also, der MXR Clone Looper. Das Panel ist äußerst überschaubar: Zwei Fußschalter besitzt der MXR Clone Looper, die entweder im True- oder Buffered-Laufpass funktionieren können:

  • Rec/Dub: Durch das Drücken wird die Aufnahmefunktion aktiviert. Hält man ihn gedrückt, löscht man den aktiven Loop.
  • Play/Stop: Spielt oder stoppt den aufgenommenen Loop.
  • Volume: Hier kann die Lautstärke des ausgehenden Loops eingestellt werden – aber das ist nicht alles. Der Regler kann gedrückt werden, sodass er in seine nächsten Funktionen schaltet: Geschwindigkeit des Loops sowie Richtung des Loops. Hier kann das Aufgenommene also beispielsweise in den Reverse-Modus versetzt, beschleunigt oder verlangsamt werden – angezeigt jeweils über ein blaues und ein gelbes LED-Lämpchen.

MXR Clone Looper

Äußerst überschaubar also. Ein rotes LED-Lämpchen zeigt die Aufnahmeprozedur beim MXR Clone Looper an, ein grünes auf der rechten, wenn der Loop aktiviert wird. Overdubs sind hier also im Prinzip massenweise möglich – man kann Spuren haufenweise überlagern und darauf ganze Schichten stapeln, und das nicht zu knapp: Der MXR Clone Looper besitzt eine maximale Aufnahmezeit von 6 Minuten. Das ist eine ganze Minute länger als der ähnlich dimensionierte Ditto Looper und weitaus mehr als die meisten integrierten Looper mancher Delay- und Modulationsstationen.

Jetzt kennt man das sicherlich, dass beim Aufnehmen mehrerer Loops mit jeder Schicht, die dazu kommt, die Klangqualität abnimmt, die Frequenzen überlagern, anfangen zu kratzen und irgendwann regelrecht aufbröseln. Der MXR Clone Looper wirkt dem mit einer Sampling-Rate von 88,2 kHz entgegen. Zum Vergleich: Der Boss RC-3 Looper arbeitet vorwiegend mit 44,1 kHz. Der Mooer Micro Looper ist da noch um einiges frecher: Da ist eine Aufnahmezeit von 30 Minuten drinnen, jedoch nur bei einer Sampling-Rate von 32 kHz. Die Folge ist, dass sich alles ab Minute 3 nach Matsch anhört, wenn man mehr als drei Overdubs aufnimmt (und auch bei weniger – ganz ehrlich eins der schlechtesten Looper Pedale, mit denen ich jemals in Berührung gekommen bin). Erfreulich also, dass MXR verstanden haben, worauf es ankommt: Dass auch bei vielen Overdubs oder Gain die Klangqualität nicht flöten geht.

MXR Clone Looper

Die Anschlüsse des MXR Clone Looper offenbaren dann gleich das für viele wahrscheinlich am ehesten tragende Manko: Fehlende Stereoanschlüsse. Ich persönlich finde, dass das zu verschmerzen ist. Es ist ein Looper-Pedal für Gitarristen und diejenigen, die mit einem Stereo-Rig arbeiten, sind nach wie vor in der Unterzahl. Dafür kommen die Anschlüsse des MXR Clone Looper mit Möglichkeiten einher, die es erlauben, in Echtzeit die Loop-Richtung und -Geschwindigkeit einzustellen oder auch Stutter-Effekte zu nutzen. Über die CTR-Buchse könnt ihr beispielsweise einen externen MXR Tempo-Switch anschließen, um in Echtzeit die Aufnahmezeit zu halbieren oder zu verdoppeln, während ihr über die Nutzung der EXP-Buchse in Echtzeit so etwas wie einen Stutter-Effekt erzeugen könnt, indem ihr den Neustart des Loops nach Belieben triggert – der sog. Play Loop Once-Modus.

MXR Clone Looper – in der Praxis

Wichtig ist es also zu überprüfen, ob die Sampling-Rate des MXR Clone Loopers tatsächlich soviel auch bei angemessenem Gain herausreißt und was die Geschwindigkeit- und Richtungs-Handhabe des Pedals im tatsächlichen Umgang hergeben. Wenn man mit vielen Effekten beim Erstellen eines Loops arbeitet, fällt es eben einem leistungsstarken Looper zu, dafür zu sorgen, dass die Overdubs nicht verwaschen. Probieren wir das mal aus.

MXR Clone Looper

Zunächst einmal: Es kommt ein externer MXR-Fußschalter zum Einsatz, der einen die Richtung, Schnelligkeit und Länge des Loops in Echtzeit ändern lässt. Das läuft folgendermaßen ab: Loop aufnehmen, anschließend mit dem externen Fußschalter einmal tappen, um das Tempo zu verdoppeln, kurz gedrückt halten, um die Richtung des Loops umzukehren – super einfach.

Darüber hinaus macht der Looper jedoch plötzlich zunächst Probleme: Die Overdubs knarzen ganz schlimm. Dabei wird das mitgelieferte Netzteil verwendet, also kann es am Strom wahrscheinlich erst mal nicht liegen. Trotzdem probiere ich es mit einem anderen Netzteil, doch nichts tut sich. Nach einer Weile verflüchtigt sich das Problem von alleine und lässt mich nur kopfkratzend zurück.

Zum Einsatz bei den Loops kommen unter anderem das Timeline Delay von Strymon, der Ottobit von Meris, das Procession Reverb, das Plumes von Earthquaker Devices sowie der 4046-m von Industrialectric zum Einsatz.

Der erste Loop demonstriert eine Verlagerung mehrerer Gain-Ebenen (genutzt wird hierbei das Plumes von Earthquaker Devices), wobei gen Ende deutlich wird, dass die Overdubs nicht verwaschen und sich eben nicht in eine undifferenzierte Melange verwandeln. Erfreulich, aber auch erwartungsgemäß bei einer Sample-Rate von über 80 kHz. Selbst beim herkömmlichen Ditto Looper war die Überlagerung der Overdubs in meinen Augen nicht so klar wie hier – ein ganz leichtes Kratzen machte sich stets recht schnell bemerkbar, wenn man mehr als drei Spuren mit jeweils leichtem Gain überlagerte. Das ist hier nicht gegeben. Loop 2 basteln wir zusammen aus dem Ottobit, dem Particle von Red Panda und dem Timeline. Er bietet die Grundlage für Loop 3, bei dem ich vor allem mit dem Fußschalter die Reverse- und Geschwindigkeitsfunktion des  MXR Clone Looper austestete. Tatsächlich funktioniert das recht prächtig und lässt einen im fließenden Übergang vom halbierten Rückwärtstempo mit doppelter Geschwindigkeit in die reguläre Richtung des Loops zurückschalten. Dass dadurch Stutter- und Slice-Effekte entstehen können, die das experimentierfreudige Herz höher schlagen lassen, ist eine zentrale Funktion des MXR Clone Looper. Kein Alleinstellungsmerkmal, mitnichten. Aber das Konstruieren ganzer Ambient-Segmente, die aufgebaut, überlagert und getriggert werden können, ist einfacher mit einem Looper, dem man blind vertrauen kann. Bei dem man nicht – und sei es auch nur für ein paar Sekunden – überlegen muss, welcher Fußschalter für welche Funktion zuständig ist. Einfachheit ist der Schlüssel, wenn es sich um ein Gitarristen-freundliches Looper-Pedal handeln soll. Wir werden uns demnächst auch das riesige Looperboard von Headrush ansehen, das so ziemlich die Antithese zu diesem Pedalboard-freundlichen, handlichen Looper darstellt. Aber für jetzt zumindest spiele ich mit dem Gedanken, meinen alten Ditto Looper in seinen wohlverdienten Ruhestand zu schicken.

Fazit

Trotz der seltsamen kurzweiligen Startprobleme hatte ich eine Menge Spaß mit dem MXR Looper. Loopen, vor allem Live und ohne MIDI oder der Möglichkeit, per Tapping Tempo zu korrigieren oder zu quantisieren, kann nervenaufreibend sein. Ich habe live einige daran scheitern sehen. Je größer und umfassender das Looper-Pedal ist, desto mehr Übung und Zeit braucht man, um ein Gespür dafür zu entwickeln. Der Clone Looper macht es einem so einfach wie möglich – und das ist seine größte Stärke.

Plus

  • sehr einfaches Handling
  • gute Aufnahmequalität
  • Pedalboard-freundlich

Minus

  • stromhungrig
  • kein Stereo

Preis

  • 179,- Euro
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