Paul Gilbert: Seine Gitarren, seine Musik

27. September 2014

The Story of Paul Gilbert

Paul Gilbert

Paul Gilbert

Auch Musiker altern. Normalerweise. Andere werden eben nur ein bisschen anders. Hier ein neuer Haarschnitt und da ein wenig Bart stehen lassen, das war’s. Keine Spur von Überdruss oder Altbackenheit weit und breit. Ein gutes Beispiel für dieses leicht ungerechte Phänomen ist wohl der amerikanische Gitarrenvirtuose Paul Gilbert. Der springt, singt und klingt immer noch genauso frisch über die großen und kleinen Bühnen der Welt wie eh und je und schärft dabei immer noch fleißig mit an der Speerspitze der Avantgarde der Gitarrenwelt und scheint, ob im japanischen Fernsehen oder bei den legendären G4-Reihen, einfach überall präsent zu sein.

Dabei gilt er als einer der versiertesten und kreativsten Gitarrenspieler der Welt, der nicht nur sich selbst alle Jahre neu erfindet, sondern auch das Instrument seiner Wahl und den Umgang damit immer wieder ein Stück mit nach vorne reißt. Grund genug, um ihn in unsere Reihe „Gitarristen, die Geschichten mach(t)en“ mit aufzunehmen!

Pauls musikalischer Werdegang

Paul Gilbert kam im November 1966 in einem kleinen Städtchen in Illinois zur Welt, wuchs aber hauptsächlich in Pittsburgh, Pennsylvania auf. Dort soll der junge Paul auch die ersten Berührungen mit der Gitarre gemacht haben, als ihm seine Eltern eine Kindergitarre inklusive Verstärker zu seinem fünften Geburtstag schenkten. Das wirkliche Interesse an der Musik kam dann allerdings erst im immer noch zarten Alter von neun Jahren auf, als Bands wie Led Zeppelin und Aerosmith für ihn wichtig wurden und das Interesse an dem sechssaitigen Instrument früherer Kindertage wieder erstarkte. Nur sechs Jahre später meinte er gut genug zu sein, um mit dem damaligen Heavy-Metal-Papst Ozzy Osbourne auf Tour gehen zu können und so meldete sich der 15-Jährige kurzerhand mit seinem Demotape bei dessen Plattenfirma Shrapnel Records.

Nach anfänglicher Skepsis war man dort begeistert von dem talentierten Teenager und auch wenn das Vorspielen bei Ozzy Osbourne so nie zustande kam, nahm ihn der damalige Shrapnel Records Chef Mike Varney unter seine Fittiche und verhalf ihm zu frühem Ruhm in verschiedensten Gitarren-Magazinen, wo er Seite an Seite mit späteren Legenden wie Yngwie Malmsteen auftauchte. Mike Varney half dem jungen Paul, nach Los Angeles zu ziehen, um dort das renommierte Guitar Institute of Technology (GIT) besuchen zu können. Nach seiner Ausbildung wurde er dort auch prompt als Lehrer eingestellt.

In diesem Zeitraum gründete Paul Gilbert Racer X seine erste Band, mit Juan Alderete am Bass, Harry Gschoesser am Schlagzeug und Jeff Martin als Sänger. Mit dieser Band etablierte Paul Gilbert seinen Ruf als einer der schnellsten und technisch besten Gitarristen seiner Zeit. Vor allem durch seine sehr schnellen Sololäufe und den nicht minder komplizierten Aufbau der Stücke machte er sich schon bald einen Namen in der Musikwelt. Nebenbei engagierte er sich als Studiomusiker, unter anderem mit der Band Black Sheep, wo er dem Gitarristen George Lynch musikalisch zur Hand ging.

Bald darauf, im Jahr 1988, gründete Paul mit Billy Sheehan seine zweite Band Mr. Big. War diese mit dem ersten Album vor allem in Japan erfolgreich, so brachte das zweite Album Lean Into It den weltweiten Durchbruch mit sich. Der Hit „To be with you“ war ein solcher Erfolg, dass er sich wochenlang auf den oberen Chartplätzen tummelte und die Band und ihre Musiker international bekannt und gefragt machte. Unter diesem Erfolg hatte auch Pauls Engagement mit Racer X zu leiden, welche sich bald danach auflösten. Doch auch bei Mr. Big war nach acht Jahren die Luft raus und die Musiker trennten sich, um vermehrt ihren Soloprojekten nachzugehen. So kam es, dass Paul Gilbert neben seiner Solokarriere die Band Racer X wieder zum Leben erweckte und so neben einigen Auftritten auch weitere Studioalben zustande kamen.

Als Solokünstler trat er unter anderem mit Joe Satriani und John Petrucci 2006 bei G3 auf und hatte zusammen mit Marty Friedmann diverse Auftritte in japanischen Fernsehshows. Nach einer Comeback-Tour mit der Originalbesetzung von Mr. Big erschien im Jahr 2012 mit „Vibrato“ sein vorerst letztes Soloalbum auf den Markt.

Paul Gilbert – Stil und Technik

Schnelle Gitarristen gab es vor und nach Paul Gilbert eine ganze Menge. Allerdings wurde und wird Paul nicht nur für die sehr beachtliche Geschwindigkeit seines Spiels, sondern vor allem für seine extrem saubere und akzentuierte Spielweise bei allen erdenklichen Techniken, insbesondere aber beim Alternate-Picking in der Gitarrenwelt geachtet und bewundert. So sind schnell gepickte Gitarrenläufe, insbesondere auch auf der E-, A-, und D-Saite, schon in der Racer X Ära zu einem seiner prägnantesten Markenzeichen geworden. In Sachen Gleichmäßigkeit und Präzision der angeschlagenen Noten können ihm bis heute nur wenige Musiker das Wasser reichen. Faszinierend ist dabei vor allem die in seinem Spiel selten gebrauchte Vereinfachung schwieriger Passagen durch Legati und das omnipräsente Stakkato seiner Pickings. Aber auch andere Techniken, wie ausgedehnte Legatopassagen und Tappings über das gesamte Griffbrett beispielsweise, finden in sehr ausgereifter und kreativer Form Eingang in sein Spiel.

Neben dem Einfluss den Gitarristen wie Alex Lifeson, Jimmy Page, Ritchie Blackmore und Jimi Hendrix auf sein Spiel hatten ist auch ein gewisser Einfluss klassischer Musik auf die von ihn verwendeten Harmonien und Solopassagen nicht zu überhören. Er gehörte zusammen mit Yngwie Malmsteen mit Sicherheit zu den ersten Gitarristen, die vermehrt Kirchentonarten in den Rock einbrachten und für eine kleine Revolution im Hard-Rock und Metal sorgten. Zudem können die humoristischen bis albernen Auftritte in Videos und Konzerten mit Kostümen, kleinen Showeinlagen und einer guten Prise Selbstironie als fester Bestandteil seines Stils verstanden werden.

Der von Gilbert bevorzugte Klang zeichnet sich nach wie vor im Besonderen durch eine vergleichsweise moderate Verzerrung und einen mehrheitlich sehr sparsamen und eher hintergründigen Einsatz von Effekten wie leichte Reverbs, Delays, Phaser und Wahwahs aus.

Pauls Gitarren

Die noch immer anhaltende Liaison zwischen Paul Gilbert und der Firma Ibanez hält mittlerweile länger als seine beiden Ehen und von außen betrachtet ist sie mindestens genauso innig. Man sieht und sah Paul nur sehr selten mit einer Gitarre eines anderen Herstellers. Bis auf wenige Ausnahmen handelte es sich dabei seit den Anfängen seiner Karriere um sein unverwechselbares PGM Signature-Modell, bestehend aus einem RG-Korpus mit HSH-Bestückung, aufgemalten F-Löchern und einem Ahornhals mitsamt Ahorngriffbrett und dem, ebenso wie die F-Löcher, obligatorischen umgedrehten Headstock.

Das Modell blieb, bis auf die gelegentliche Ausstattung mit einem Palisandergriffbrett, über lange Jahre beinahe unverändert. Spätere Modelle besaßen allerdings statt dem Ibanez eigenen Edge-Pro Vibratosystem eine starre Brücke, da Paul seit den frühen Neunzigern das Vibrato kaum noch benutzte. Neben der PGM nutzte Gilbert noch eine ganze Reihe anderer Ibanez Modelle und gelegentlich eine Gibson Les Paul, vor allem auch bei Studioaufnahmen, wenn ein etwas wärmerer Klang gefragt war.

Seit dem Jahr 2011 stieg Paul jedoch auf sein neues Signature-Modell, die Ibanez Fireman um.

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Langjährige Wegbegleiterin Gilberts: die Ibanez PGM 

Auch hier wurde vom Meister selbst fleißig umgestaltet und vor allem gedreht: Basis ist eine entlang der Längsachse gespiegelte Iceman mit zusätzlichem Cutaway, die mit drei DiMarzio Injector- und Area ’67-Singlecoils und einem Pickguard ausgestattet wurde. Für einen Gitarristen aus dem Rock oder Metal eher ungewöhnlich, sollen die Singlecoils bei Paul für mehr Transparenz und Klarheit des Sounds sorgen. Mit der FRM250 setzen Ibanez und Paul jedoch wieder auf die klassische HSH-Bestückung.

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Die Ibanez FRM100

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Das neueste Pferd im Stall: die Ibanez FRM25 

Paul Gilbert – Amps & Effekte

Ziemlich zu Anfang seiner musikalischen Laufbahn schoss sich Paul in Sachen Verstärkung auf Amps der Marke Laney ein, denen er lange Zeit die beste natürliche Verzerrung bescheinigte und über Jahre hinweg treu blieb. Erst seit 2006, genauer seit der G3 Tour mit John Petrucci und Joe Satriani, stieg er auf der Suche nach einem etwas klassischeren Sound auf die Marke Marshall um. Besonders die Vintage Modern Series, namentlich der JMD501, sind aktuell Bestandteil seines Set-up auf Touren und im Studio.

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Der von Paul zur Zeit favorisierte Marshall JMD 2061X 

Die Liste der von Paul verwendeten Effekte ist da schon ein wenig länger, auch wenn, wie schon erwähnt, der Einsatz von Effekten bei Pauls Spiel eine eher untergeordnete Rolle einnimmt. Wichtige Effekte scheinen dabei vor allem Delays von BOSS und TC Electronics zu sein sowie der Klassiker, der auf kaum einer Bühne fehlen darf: das Dunlop Crybaby. Weitere Booster, Kompressoren, Flanger und Distortion-Pedale von HomeBrew, Ibanez, Electro Harmonix und Korg fügen sich ebenfalls in den Effektweg Gilberts ein.

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Und jetzt wird es für euch ganz besonders interessant, denn wir von Amazona verlosen unter unseren Lesern eine von Pauls feuerroten Ibanez FRM100!

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Wir wünschen euch viel Glück und dem Gewinner ein frohes Shredden mit Pauls Signature-Modell!

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