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Preview: Enigma, der neueste ARP2600 Hardware-Clone

8. März 2019

Logan Solomans ARP-2600 Clone: Enigma

Wie bereits im Oktober 2018 in meinem ARP-2600-Clone-Report angekündigt, geht das Thema ARP 2600 inspirierte Geräte weiter.)

Binnen 5 Monaten hat sich viel getan, hier ein sporadisch kurz entschiedenes Preview.

Das Unternehmen Logan Soloman hat vor 2 Wochen einen neues Designkonzept eines ARP 2600 inspirierten Gerätes veröffentlicht: ENIGMA. Der Name ENIGMA ist als „GEHEIMCODE“ zu verstehen, da primär Jammie Logan (aus U.K) den „2600 Code“ geknackt hat, was eben den besonderen „2600“-Klang ausmacht. Weiterhin ist man bei der Entwicklung des DAVID-Projektes weiter vorangeschritten, ebenfalls ein ARP 2600 inspiriertes Gerät, allerdings in Modulbauweise, mehr dazu in den nächsten Tagen.

Hier nun eine Zusammenfassung aus den aktuellen „Introducing Enigma“.

Die Originalversion in englischer Sprache findet ihr hier: Introducing Enigma.pdf

Enigma, der ARP 2600 Clone

ist ein neues Projekt, das binnen weniger Wochen in die Hardware-Entwicklung ging.

Da das DAVID-Projekt nicht als DIY-Projekt ausgelegt wurde und es mit Stand 10/2018 kein ARP 2600 inspiriertes DIY-Projekt gab, entschied man sich nun doch, eine DIY-Version zu entwickeln.

Vorab, man kann ihn später auch als fertiges Gerät erwerben, siehe weiter unten im Artikel.

Die Größe wurde reduziert, ähnlich dem TTSH (ca. 60 cm breit), es wird jedoch KEINE dieser Synthesizer-Schaltungen verwendet. Enigma verwendet die eigentlichen Submodule und Schaltkreise des originalen Synthesizers (ARP 2600) mit neuen Steuerelementen.

Wie das Original auch verwenden Enigma gesteckte „Submodule“ auch „potted modules“ genannt. Diese sind authentische Replikationen und können für die Wartung von Vintage-Maschinen verwendet werden. Diese kleinen Leiterplatten sind das Herzstück des Systems und MÜSSEN exakt sein, um die identischen Klangeigenschaften zu erreichen. Die Submodule wurden neu erstellt, mit den gleichen Pin-Belegungen der ursprünglich verwendeten Transistoren und Operationsverstärker.

Die Pins an den Modulen vom Typ MILL-MAX sind „gold plated“.

VCOs

Alle 3 VCOs besitzen 4 Schwingungsformen (Sine, Triangle, Pulse, Saw) und ebenfalls „Rolling SYNC“. Bei dieser Oszillator-Sync-Funktion kann man beliebige Schwingungsformen als Eingangssignal nehmen.

VCF

Es gibt 2 Filterarten, den älteren 4012 und den geänderten Nachfolger 4072. Beide Module sind gesteckt (potted module) und man kann mittels Umschalter das Filter wählen. Als nette Zusatzfunktion ist CV-Resonanz eingebaut und nicht zu vergessen ein Hochpass-Filter, das mittels Schalter in Serie zu dem Tiefpassfilter geschalten werden kann.

Hüllkurven

Wie auch beim Original existieren ein ADSR und ein AR. Ein Timing Schalter für 0,5, 1x und 10-facher Geschwindigkeit erlaubt somit schnelle perkussive und auch sehr lang ausklingende Töne.
Neu ist ebenfalls ein invertierender AR- und ADSR-Ausgang, die neue Patch-Möglichkeiten eröffnen. Bisher musste man über Umwege diese Funktion patchen.
Eine Zusatzfunktion (Gatebooster) ist mit an Bord, so designt, dass man später auch Duophonie per MIDI oder ARP 3620 Keyboard spielen kann.

Reverb

Hier wurde großen Wert auf eine Stereo-Version gelegt, somit 2 Reverb-Tanks inklusive deutlich verbesserter Schaltung, um Rauschen zu verhindern.

Netzteil

Wie im David wird auch hier auf solide Technik gesetzt, somit besteht das Netzteil aus zwei Einheiten, eines davon extra für die LED-Fader.

Das interne Netzteil ist ein Weitbereichsnetzteil und kann somit in jedem Land der Welt genutzt werden und erfüllt auch staatlich verordnete Anforderungen (EMV- FC, CE). Das Netzteil wurde so entwickelt, dass man jede einzelne LED in den LED-Fadern gegen eine andere Farbe austauschen kann.

Gehäuse

Inspiriert vom blauen ARP 2600 (Blue Meanie/Marvin) wurde ein Metallgehäuse entwickelt. der Tragegriff ist einstellbar und entfernbar. Die Rückseite vom Gehäuse hat drei Erweiterungsschächte, für den IEC-Stromanschluss, MIDI, XLR symmetrisch.

Wie wäre es mit mehr?

Es besteht die Möglichkeit, ein großes Rack zu bauen, damit ist gemeint, es wird ein großes Rack geben, in dem man zwei Enigmas verbauen kann, zusätzlich den ARP1601 Sequencer Clone und andere Module (5U-Format). Sehr interessant wird eine invertierte Version des ENIGMA sein, damit stehen alle Module auf dem Kopf, die VCOs sind dann unten – jedoch sind die Fader und Beschriftungen angepasst. Somit hat man dann einen mehrstimmigen Synthesizer samt Sequencer.

Frontpanel

Es werden aus rechtlichen Gründen keine ARP 2600 Logos oder klassische ARP-Designs geben, also kein Grau mit weißer Schrift. Momentan ist der Plan, zwei bis drei Farben anzubieten z. B. Blau, Orange, Rot, Schwarz.

 

Allgemein

Enigma besteht aus 5 Motherboards (wie das Original), auf dem die o. g. Submodule stecken. Diese Bauart ist gerade im DIY-Bereich besser geeignet als eine riesige Leiterplatine und es lässt sich im Produktentwicklungsprozess eine Menge Geld und Material sparen (im Fehlerfall). Die Leiterplatine ist so entwickelt worden, dass man Standard-THT-Bauteile wie auch SMD verwenden kann, allerdings ein großes SMD-Format, um kein thermales Rauschen zur erhalten und damit auch DIY-Anfänger sich an SMD heranwagen.

Nicht zu vergessen, es bestehen zwei symmetrische Ausgänge am Frontpanel im 6,3 mm Format, die echtes Stereo bieten.

Insgesamt möchte ich auch mal eine Lanze brechen, Enigma wurde von einem Elektronik-Ingenieur entwickelt, das sieht und merkt man auch in den Facebook Kommentaren von Jammie Logan, denn leider gibt es immer mehr teils überteuerte DIY-Projekte, die schlecht entwickelt wurden oder bei denen es keinen Support gibt.

Kosten

Wir reden von 710 USD für die PCBs sowie ca. 400 USD für das Panel und Gehäuse.
Weiterhin werden diverse Bauteile angeboten wie z. B. passenden 32 Ohm Lautsprecher.
Aktuell bestehen auch Planungen, Fullkits anzubieten.
Man ist insgesamt bei ca. 2000 USD Materialkosten (alle Bauteile).

Factory Build

Enigma wird es auch als fertiges Produkt zu kaufen geben.
Produziert werden Enigmas bei Polyfusion!
Zum Preis kann aktuell noch keine offizielle Aussage getroffen werden, vermutlich 3.000 bis 4.000 USD plus Einfuhrabgaben.

Wer nicht warten möchte, kann sich auch gern mit mir in Verbindung setzen, denn ich baue auch wieder gewerblich Synthesizer.

Weiteres

Ich möchte an der Stelle darauf hinweisen, dass ich selber Teammitglied bei Logan Soloman bin und unter einem NDA (Non-Disclosure-Agreement) stehe, eine Vergütung meiner Leistung als Berater und Prototyp-Builder besteht nicht.

Die Entscheidung, einen sehr qualitativen 2600 „Clone“ als DIY-Version anzubieten, kam Ende letzten Jahres auf, da weder der STP2600 noch der versprochene TTSHv4 dem DIY-Markt angeboten wurden, in beiden Projekten war ich ebenfalls involviert.

Beim TTSH hatte ich ohne Bezahlung den Support unterstützt und beim STP2600 war ich selber Entwickler/Berater und habe das Projekt mitentwickelt und das Protyping durchgeführt und bezahlt, jedoch wurde einseitig das STP2600 Projekt an Modular Addict verkauft, ohne einen finanziellen Ausgleich zu schaffen. Wann der STP2600 veröffentlicht wird, konnte man mir auf Anfrage nicht beantworten.

Vor 2 Wochen wurde somit ENIGMA auf Facebook vorgestellt und prompt darauf wurde einen Tag später von Synthcube eine öffentliche Information geteilt, dass der TTSH auch wieder als DIY-Kit angeboten werden soll (über Synthcube).

Die Abgrenzung beider DIY-Projekte liegt meines Erachtens in den verwendeten Technologien und dem Preis, mehr dazu später in einem AMAZONA.de-Testbericht.

Aktueller Entwicklungsstand

ENIGMA basiert zum Großteil auf Schaltungen aus dem DAVID-Projekt (siehe auch hier), da bereits mehrere Module aus DAVID getestet wurden, war bei ENIGMA der Entwicklungsaufwand geringer.
Momentan sind fast alle Leiterplatinen für die Alpha-Builds bestellt und es kann gebaut werden, somit sind maximal nur noch wenige Bugfix-Versionen notwendig.
Der Plan sieht vor, gegen Anfang/Mitte Mai fertig zu sein, vielleicht sehen wir einen ENIGMA in Berlin zur Superbooth. Ein Online-Shop ist ebenfalls in der Entwicklung.

Klang

Da ich bereits aus dem DAVID Alpha-Projekt Erfahrungen habe, kann ich bereits erwähnen, dass die Oszillatoren sehr gut sind und mindestens auf 6 Oktaven genau spielen (bei mir waren es 8 Oktaven), die Rolling-SYNC-Funktion ist sehr gut.
Das 4012 Filter habe ich bereits ebenfalls getestet und es klingt, wie er klingen muss: ARP-typisch gut.

ALPHA PHASE

Ich habe hier bewusst auf eine Übersetzung verzichtet, hier der Auszug aus der ENIGMA Introduction:

„When people join our Alpha groups, they have access to DIY projects that the general public will not. After David Alpha and Enigma Alpha reach their limits for entry, we are closing the groups. And after about 2 more projects we will no longer create NEW projects for DIY. We will continue to sell current DIY projects, we just won’t release anything new to DIY…except to our Alpha family.

One of the major projects we are doing next year is the big brother, the 25xx. That will be a retail synth only. But for those that built Enigma Alpha or David Alpha – they will have the opportunity to build it DIY which will be a massive cost saver. That’s only about 80 people.

There were 30 spots open when we opened the Enigma Alpha group. The number has since been getting lower and lower.

For more information find the public Logan Soloman group page on Facebook, or email at logansolomansynths @ gmail.com. Currently the groups named, DAVID ALPHA and Enigma ALPHA are closed to the public, but searchable.“

Fazit

Mein Fazit berücksichtigt den aktuellen Entwicklungsstand wie auch die bisherige Entwicklungsgeschichte. Binnen weniger Monate wurde viel geschaffen. Der Gesamtpreis des DIY-Bausatzes und später erhältlichen Fertiggerät liegen in einer Preisklasse, wo sich andere Hersteller mit analogen polyphonen Synths bewegen, die allerdings für den Massenmarkt entwickelt wurden. Beim Gehäuse-Design und der Frontpanel-Farbe wird man später Nach Fertigstellung sehen, ob die Ideen gut waren.

Plus

  • technisch auf den aktuellen Stand (balanced drivers, Stereoausgänge)
  • verbesserte Architektur
  • diverse funktionale Kundenanforderungen wurden berücksichtigt
  • DIY-Version-Erbauer können auf der gleichen PCB SMD- oder THT-Format wählen

Minus

  • Kommunikation primär über Facebook und E-Mail

Preis

  • DIY ca. 2000 USD (inklusive aller Bauteile)
  • Factory Build ca. 3000 bis 4000 USD
  • alle Preise zuzügl. Steuer
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda  

    Was für ein großartiges Projekt. Vielen Dank für die tollen Einblicke. Ich bin sehr begeistert, was auf dem Klon- und DIY-Markt alles möglich gemacht wird.

  2. Profilbild
    whitebaracuda  

    Hallo Patrick,

    Danke für den informativen Artikel!

    Hätte ich nicht den ttsh schon gebaut wäre dies sicher eine Überlegung wert.

    Ein Detail aber stört mich:
    Wie es aussieht sind für VCO1 und 3 für die PWM Drehregler geplant?
    Wieso? Bis auf den Inputregler sind alle Potis als Schieberegler ausgelegt und das aus gutem Grund. Ich hätte da alle VCOs gleich gebaut.

    Auch das Stereoreverb erschliesst sich mir nicht ganz. Der Output aus
    VCF oder VCA sind doch mono? Wenn ich beispielsweise beim ttsh das Monosignal im Mischpult ins Panorama verteile ist der Unterschied doch verschwindend klein. Ich übersehe da offensichtlich was.

    Die Gedanken über ein Stereofederhall
    habe ich mir gerade letzte Woche gemacht im Zusammenhang mit meinen geplanten SEM Klonen. Dort habe ich aber eine andere Ausgangslage, die einzelnen Module sollen in einem Stereo Mixer im Panorama verteilt werden können wie bei den Four-Voices auch. Erst danach soll das ganze durch den Stereofederhall geschickt werden.

    Viele Grüsse
    ‚cuda

  3. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    „Wie es aussieht sind für VCO1 und 3 für die PWM Drehregler geplant?
    Wieso? Bis auf den Inputregler sind alle Potis als Schieberegler ausgelegt und das aus gutem Grund. Ich hätte da alle VCOs gleich gebaut.“ — Richtig, und zwar allesamt wie VCO 2, der das volle Paket liefert. Ich habe mich immer gefragt, wieso nur ein VCO beim 2600 die Möglichkeit zur Pulsweitenmodulation hat und die beiden anderen nicht. Da hat der Herr Pearlman das Konzept nicht zu Ende gedacht.
    .
    Ebenso diese dämlichen Hüllkurven — warum nicht 2x ADSR? Weglassen (oder umschalten) kann man immer, hinzufügen ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit (ohne externe Eurorack- oder sonstige Module). Das hat mich immer beim Original gestört. Ebenso die „potted modules“ — ich will doch stark hoffen, daß keiner dem schwachsinnigen Gedanken aufgesessen ist, die Module — wie dereinst geschehen — mit Kunstharz zu vergießen („pot them in resin“), nachdem sie in Kupferfolie eingewickelt worden sind. Das wäre Schwachsinn hoch drei, zumal die Schaltungen des 2600 nur noch wenige Geheimnisse bergen dank umfangreichen Re-Engineerings. Das war zu Zeiten, wo man bei den Konkurrenten geklaut hat und als Dieb den Diebstahl fürchtete, noch anders.
    .
    Dafür sind die eingebauten Lautsprecher mit an Bord.
    .
    Wieder ein netter Clone, der seine Aufgabe etwas zu wörtlich nimmt — warum die Schwächen und konzeptionellen Lücken des Originals mit kopieren, wenn man die Möglichkeit hat, es besser zu machen? Das wird mir ein Enigma bleiben, auf ewig.
    .

    • Profilbild
      DSL-man  RED

      Dankeschön für das Feedback,
      aufgrund des internen Routings und den funktionalen Nutzen wurde es so gelöst wie es im weißen „DRAFT“ ist.
      AR wurde bewusst gelassen, da es aus Platzgründen nicht geht und eine gute AR Hüllkurve auch Spaß macht, daher wurde im TTSH mittels nachträglicher Mods am Timing viel erreicht, als Beispiel braucht man für perkussive Sachen keinen ADSR wenn der AR schnell genug ist.
      Wie im pdf bereits angesprochen, kann man mit den Submodulen auch selber einen 2600er bauen.

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