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Test: Alesis AirFx Performance-Effektgerät

26. Januar 2001

Cooler Look für Performace FX-UNit

All Pictures by Matrixsynth.com, edited by AMAZONA.de

Was hab ich mich gefreut: Ich bekomme Besuch von einer echten Granate! Hübsch, schlank und vollgepackt mit Überraschungen! Der Sekt stand schon seit einer Woche kalt, als es endlich an der Tür klopfte.
War leider nur der Nachbar, der das Päckchen entgegen genommen hatte. Aber was brachte er mir da ins warme Eigenheim? Ladies and Gentleman: Das Alesis air FX!

Alesis AirFx

Befreit vom spröden Postkarton, grinste mich das Effektkistchen verführerisch aus der für die Zielgruppe effektvoll im Lavalampen – Design gestalteten Außenverpackung an. Glücklicherweise hatte Alesis beim Produktdesign ein besseres Händchen:In edlen blaumetallic gehalten und mit weichen Rundungen geht der Air FX auch ohne Probleme als Designstudie von Colani durch. Oder zumindest als Ersatzfreundin für Technikfetischisten. Die Schönheit des Geräts wird noch garniert durch eine überaus übersichtliche Benutzeroberfläche: Bei einen zweistelligen Display, einen Drehknopf und einen Controller kann man einfach nicht viel verkehrt machen.Am aerodynamisch geformten Hinterteil findet man ganze vier Cinch Buchsen: zwei mal rein und zwei mal raus!Midischnittstellen wurden eingespart, dadurch ist es leider nicht möglich, Parameteränderungen im Computer aufzuzeichnen oder anderes Midiequipment zu steuern.

Anschlüsse

Tragischerweise fehlt auch eine Steuerung der Ein oder Ausgangssignale; der Pegel muß beim Klangerzeuger ausgesteuert werden. Trotzdem ist das Air-FX nett anzuschauen und es faßt sich auch prima an!

Was aber macht das Air FX so verführerisch und fast schon sexy? Richtig, der neuartige Controller, von Alesis auf den Namen „Axyz“ getauft. Rund und in einen Chromring gefaßt, thront er auf der Geräteoberseite.

Der Axyz-Cotroller stellt die Verbindung zu den Effektparametern in der Wunderbox her. Auf gleich drei Achsen (x, y, z – wer hätte es gedacht?) kann man durch freie Bewegung der Hand über den Controller die Parameter verändern. Verstanden?

Der neuartige Controller Axyz

Man muß einfach nur mit einer Hand über den Controller wedeln, damit’s ordentlichen Effekt gibt! Verschwörerisch und wie über eine magische Glaskugel gebeugt, kann man so tatsächlich die Effekte per Hand „spielen“. Dabei fallen Modulationen a la „Pandorras Box“ (sprich: Man weiss nicht so genau, was rauskommen wird…) weg, da die Achsenbelegung recht schnell erlernt und verinnerlicht ist.

Die Effekte orientieren sich stark an den Bedürfnissen der zeitgenössischen Dancefloorproduktionen.

Neben zehn Filter und Modulations – Programmen finden sich noch ganze 20 Specialeffects. Mit diesen 40 Programmen, die leider nicht abspeicherbar sind – also immer wieder in die Grundeinstellung bei Umschalten zurückspringen – ist eigentlich alles abgedeckt, um effektvoll einzugreifen

Die Effektprogramme

Neben den durch die Namen leicht erkennbaren Effekten, hat das Air FX aber auch noch einige wirkliche Knaller im Angebot:
Der Effekt „Pitch Out“ bewirkt beispielsweise, daß das Signal gestoppt wird, als würde man einen Finger auf die Schallplatte legen. Der „Vinylizer“ fügt dem Mix Noise Knackser im Vinyldesign hinzu. Die „Horror Show“ macht durch ultra schnelle FM Modulation aus Blümchen im Handumdrehen Marilyn Manson – wer kann schon sowas von sich behaupten?

Die Filter und Flanger überzeugen durch herzhaften Eingriff und hohe Qualität. Mein definitiver Favorite ist „Satelite“ – ein deftig oszillierender Flanger, der das bearbeitete Signal starfighterartig verwurstet. Muß man hören um es geil zu finden – glaubt mir und probiert’s aus!
Bei so vielen Spielmöglichkeiten kann man dann schon mal darüber hinwegsehen, daß es keine Delay und Hall Alghorhytmen gibt. Schade eigentlich, gerade ein Dub-Echo hätte ich mit gut vorstellen können.

Der Program-Knopf

Zusätzlich zu den mehr oder weniger „normalen“ Effekten hat Alesis dem Air-FX noch eine spezielle Synth Sektion gegönnt. Acht Sound stehen zur Verfügung, um a la Theremin per Hand die Synth Sounds zu spielen. Dabei gibt’s nicht nur den typischen 50er-Jahre-Horror-Film-Sound sondern auch gut bekannte „Talkin Drums“ und einen „Scratch“.

Was macht man aber genau, wenn man so einen effektvollen Gast zu Hause hat? Rote Ohren? Die Barry White Plattensammlung? Gedimmtes Licht?

Ich habe das Air-FX erstmal auf mein DJ-Set (Technics 1210er, Gemini CDJ10 und eine Ecler SMACpro3) gehetzt. Hier macht sich leider gleich die fehlende Pegelanpassung bemerkbar, denn ein Plattenspielersignal ist zu schwach, um direkt durch das Air-FX zu laufen. Alesis rät auch dazu, daß Summensignal abzugreifen. So verkabelt, stellt sich sofort Spielspaß ein! Effektveränderungen durch Handbewegungen herbeizuführen ist zwar ungewöhnlich, aber man kommt sehr schnell und intuitiv zu guten Ergebnissen. Peinliches Hände-in-die-Luft entfällt, da man auch im diskreten Abstand zum Axyz-Controller mit den Gliedmaßen wedeln darf. Wenngleich ich anfangs dachte, daß es schwierig sein wird, einen Controller, den Pitch Control der Plattenteller und das Mischpult gleichzeitig zu kontrollieren, ist daß in der Praxis doch viel einfacher als es sich liest. Gerade am Ende eines Übergangs, wenn man also den gerade gespielten Track langsam ausblendet, ist ein schneller Effekteinsatz sehr wirkungsvoll.

Dabei lohnt es sich auch, die Effektreturns des Mischpults zu nutzen (sofern vorhanden – bei DJ-Mixern ist das leider kein Standard!). Stufenlos das Effekt einfach ein und ausblenden zu können, ohne den zweiten Kanal gleichzeitig zu bearbeiten, eröffnet weitere nette Spielmöglichkeiten. So verwendet, schließt man auch die Gefahr aus, unabsichtlich den Air-FX zu aktivieren.
Gerade in einer Disco erlebt man es häufig, daß mal eine Pulle Schampus schnell über den DJ-Tresen gereicht wird. Wenn da der Air-FX strategisch ungünstig abgestellt wurde, wird das Barpersonal ganz schnell zur filtermodulierenden Quelle. Durch Einschleifen über die Effektreturns hat man diese Gefahr minimiert.

Bewertung

Als DJ-Effekt hat die blaue Superkiste also durchaus einiges zu bieten. DJ’s, die auf publikumswirksames performen stehen, können mit dem Alesis eine wahre Waffe erstehen. Die Chance sich aus dem Überangebot von Nachwuchs DJ’s hervorzuheben steigt damit sofort um ein vielfaches. Aber nicht die ganze Welt ist voll von DJ’s und so ist das Alesis auch als Studio/Livegerät gedacht.

Durch die fehlende Midischnittstelle fällt leider die Möglichkeit flach, eine „Motion-Performance“ aufzuzeichnen. Was bleibt also übrig? Die erste Möglichkeit: Direkt bei der Masteraufnahme das Alesis live modulieren. Wenn man sich dann mal vermoduliert (was gerade anfänglich mit dem ungewohnten Controller schon mal passiert), dann kann man den Track gerade nochmal aufnehmen. Ist also keine Ideallösung. Allerdings kann man ja auch die Möglichkeit ergreifen, eine Spur zu modulieren und per HD-Recording aufzunehmen.
Das funktioniert gut und man hat genug Versuche, bis die Modulation endlich paßt. Eine gute Figur machte das Air-FX auch zwischen Schallplattenspieler und Sampler. Bei mir verwandelte sich so eine alte K-Tel „Disco-Hits“ Platte aus der Sammlung meiner Eltern in eine wahre Fundgrube für fetteste Grooves. Hier gilt: Einfach drauf los spielen und dann die besten Ergebnisse samplen.

Dabei fiel mir der überdurchschnittliche gute Klang und das absolut fehlende Rauschen sehr auf. Durch die Vielzahl der gebotenen Effekte hat man somit eine ganz prall gefüllten Sack voller leistungsstarker Werkzeuge, um schlaffe Samples aufzumöbeln. Ausprobieren lohnt sich auch hier, denn welcher Sampler läuft schon mit bitreduzierenden Resonator auf?

Natürlich darf auch der Keyboarder, der Bassist oder auch der Gitarrist das Air-FX nutzen, aber die Performance wäre sicherlich ungewöhnlich – mit einer Hand den Bass zupfen und das Air-FX mit der anderen Hand streicheln… !

Aber war da nicht noch was mit ungewöhnlicher Performance? Genau, der Synthmodus. Den muß man aber leider zu einer „netten Dreingabe“ degradieren. Selbst nach mehreren Stunden intensiven Übens, waren keine Ergebnisse zu verbuchen, die man als gezielt melodiös bezeichnen könnte. Auch die Drums lassen sich nur sehr schwierig tight auf den Beat spielen. Einzig der Scratcheffekt kann kurzfristig mal als Aushilfskratzer herhalten – mehr vermag die Synthabteilung des Air-FX nicht zu bewältigen.

Fazit

Das Alesis AirFX ist eine echte Bereicherung. Mit hohen Unterhaltungspotential gespickt, gefällt es als schmückendes Möbelstück, wie auch als die gewisse Würze in der Beat-Suppe. Wenngleich man sich einiges an Ausstattung noch wünscht – so z.B. die fehlende Midischnittstelle, ein Delay, einen extra Bypass Schalter und eine Pegelaussteuerung – ist das Gerät ausgewogen genug, um auch in Produzenten Kreisen zu überzeugen. Wer weiß, vielleicht spendiert Alesis ja demnächst eine „Studio“-Version, die neue Features berücksichtigt?Gerade DJ’s, die für ihre ersten Gehversuche im Studio eine Special-FX-Kiste suchen oder Studios, die noch keinen Filterspezialisten im Fuhrpark haben, müßten eigentlich Schlange beim Musikalienhändler stehen, um den hübschen Neuling zu betatschen. Für gerade mal 630 DM ist das Air-FX auch nicht zu teuer, um im Markt beste Chancen zu haben.

Preis

  • 630,-DM
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