Test: Ampeg Classic Analog Bass Preamp und Scrambler Bass Overdrive, Effektgeräte für Bass

3. Oktober 2017

Großer Kult in kleinen Kisten?

Ampeg, der kalifornische Spezialist für Bassverstärkung, hat dieses Mal ein für seine Verhältnisse besonders kleines Päckchen zum Testen geschickt. Der Inhalt besteht aus zwei brandneuen Bodentretern, einem Vorverstärker, dem Ampeg Classic Analog Bass Preamp und einer Zerre, dem  Ampeg Scrambler Bass Overdrive. Anscheinend hat man hierzu den recht beliebten Ampeg SCR DI (hier das Review von meinem geschätzten Kollegen Jochen Schnur) in seine beiden zentralen Bestandteile Verzerrer und Preamp aufgeteilt und in zwei Einzelgeräte verpackt. So kann der Bassist seine Bedürfnisse befriedigen und seinen sauer Verdient nicht in Features investieren, die er überhaupt nicht benötigt.

Facts & Features

Zunächst ein Blick auf die Gemeinsamkeiten der beiden in China gefertigten Pedale

Das solide Gehäuse ist aus Stahlblech gefertigt mit den kompakten Abmessungen 11,4 x 6,6 x 5,6 cm und einem mit knapp 280 g sehr moderaten Gewicht. Liebhaber von reichhaltigen Effektsammlungen und entsprechend bestückten Pedalboards schätzen solche Werte, da hier jeder Millimeter und auch jedes Gramm entscheidend sein kann. Die Ecken sind schön rund und der mattschwarze Pulverlack makellos aufgetragen, sodass im Zusammenspiel mit dem dezent schimmernden Firmenlogo aus Metall beinahe schon ein „Boutique-Feeling“ aufkommt.

Seitlich sind die solide verschraubten Klinkenbuchsen für den Instrumenteneingang und Verstärkerausgang, rückseitig der Anschluss für das leider nicht mitgelieferte 9-Volt-Netzteil montiert. Jeweils 4 Potiknöpfe im Chickenhead-Style sorgen zusammen mit einer weißen Skala für eine sehr gute Lesbarkeit von Reglereinstellungen auch unter schummerigen Bühnenlichtverhältnissen, auch die violette Status-LED bleibt hier gut sichtbar.

Der Ampeg Classic Analog Bass Preamp beherbergt außerdem noch zwei kleine Druckknöpfe aus Kunststoff, die ebenso wie die eigentlichen Fußschalter beider Geräte über einen gut spürbaren Schaltpunkt verfügen und einen langlebigen wie soliden Eindruck hinterlassen. Am Boden der Bodentreter sind vier viereckige Gummifüße aufgeklebt, außerdem lassen sich hier die Gehäuse mittels vier Schrauben öffnen. Das Batteriefach ist nur so zu erreichen.

Schaltungstechnisch handelt es sich um True-Bypass-Schaltungen, sodass das Eingangssignal im Bypass-Betrieb direkt an den Ausgang weitergeleitet wird, was Signalverfälschungen minimiert, aber oft zu mehr oder minder deutlichen Knacksern beim Einschalten führt.

Der überaus positive Eindruck, den die beiden Treterlein bis hierhin hinterlassen, wird doch beim Blick ins Gehäuse deutlich geschmälert. Das liegt nicht an der verbauten und dabei sauber verarbeiteten SMD-Technik im Inneren der Geräte, sondern vielmehr an einem nur hier zugänglichen Feature: Um die angeschlossenen Bässe eingangseitig im Pegel anzupassen, setzt Ampeg nicht auf einen regelbaren Gain-Regler, sondern auf ein schaltbares Pad, also eine fest vorgegebene Absenkung der Eingangsempfindlichkeit, in diesem Fall um 15 dB. Leider muss man hierfür die 4 Schrauben am Gehäuseboden öffnen und dann einen Jumper umsetzen, welcher obendrein so platziert ist, dass sich das praktisch nur mit Pinzette bewerkstelligen lässt!

— Nicht lustig: Mit diesem Jumper soll man den Eingangspegel umschalten – bedienungsfreundlich ist das nicht gerade —

Nun ist es ja nicht so, dass es sich hier um ein total exotisches Feature handelt, welches man lediglich ein einziges Mal einstellt und dann für immer so belässt. Wer seine Ampeg Pedale gerne mit verschiedenen Bässen benutzen möchte, z. B. einem aktiven Fünfsaiter und einem vintageartigen Precision könnte den Kauf dieser Pedale alsbald bereuen. Im Handbuch wird allen Ernstes behauptet, man könne die Jumper mit den Fingern setzen („…FIngers should work just fine …“) – hierbei kann es sich nur um einen recht speziellen kalifornischen Humor handeln! Nichtsdestotrotz sind die beiden Pedale sehr gut bis hervorragend verarbeitet und machen einen hochwertigen und langlebigen Eindruck.

Ampeg Classic Analog Bass Preamp

Der Ampeg Classic Analog Bass Preamp ist im Grunde genommen ein klassischer Dreiband-Equalizer, wie man ihn von den vielen Verstärkermodellen des kalifornischen Herstellers kennt: Der Bassbereich wird bei 40 Hz, die Mitten bei 500 Hz und die Höhen bei 4 kHz angehoben oder abgesenkt. Verzichten muss man leider auf die ebenfalls Ampeg-typische schaltbare Mittenfrequenz, was angesichts der Preisklasse von knapp 100 Euro aber verständlich erscheint.

Nicht verzichten muss man beim Ampeg Classic Analog Bass Preamp glücklicherweise auf die beliebten Klangpresets „Ultra Lo“ (+2 dB bei 40 Hz, -10 dB bei 500 Hz), mitverantwortlich für den typischen, etwas hohlen Ampeg SVT-Sound und „Ultra HI“, der bei 8 kHz um 7 dB anhebt und so den Sound spritzig und brillant einfärbt, ideal bei der Verwendung von etwas älteren Saiten, zum Slappen oder dem Spiel mit Plektrum. Der Volumeregler regelt die Lautstärke des bearbeiteten Signals, welches sich so im Pegel an das trockene Signal anpassen lässt, aber auch zum Beispiel für Solos angehoben werden kann.

Für einen vollwertigen Preamp fehlt mir beim Ampeg Classic Analog Bass Preamp  ein regelbarer Gain, mit dem man das Instrument exakt einpegeln und den Preamp auch mal in die Sättigung fahren kann, sowie ein DI-Out im XLR-Format zum direkten Anschluss an ein PA-System. Meines Erachtens ist der Ampeg Classic Analog Preamp eher ein Equalizer, als ein Preamp …

Ampeg Scrambler Overdrive

Der von Ampeg ins Rennen der Bassverzerrer geschickte Ampeg Scrambler Bass Overdrive wird über die Regler Drive, Blend, Treble und Volume bedient. Drive regelt den Verzerrungsgrad, Blend das Verhältnis von verzerrtem zu cleanem Sound, Treble den Höhenanteil bei 4 kHz und Volume die Gesamtlautstärke. Alles in allem ein simples, aber effektives Bedienkonzept!

Sound & Praxis mit dem Ampeg Classic Analog Bass Preamp

Von diesem Gerät erwartet man natürlich das, was draufsteht – Ampeg! Einmal den Ultra-Lo-Knopf betätigt und man ist schon beinahe am Ziel. Mit einer adäquaten Bassanlage schiebt und pumpt es direkt schön typisch im Ampeg Style. Bei den Soundbeispielen zum Classic analog Preamp ist immer zunächst der cleane, unbearbeitete Sound zu hören, dann wird der Effekt hinzugeschaltet. Als Testbass dient mein Fender Japan Jazzbass aus den 1990er Jahren mit nicht mehr ganz nagelneuen Ernie Ball Saiten, also ein stinknormaler  Standardsound, wie er einem täglich begegnet. Aufgenommen direkt aus dem Preamp in das Audiointerface.

Allerdings ist man nicht auf diesen Sound beschränkt, durch die gelungene Auswahl der Equalizerfrequenzen sind etliche Sounds machbar, mit deutlichem Schwerpunkt auf Rock- und Funksounds. Hier ein Slapsound mit Ultra Lo, Ultra Hi und reingeschraubten Höhen:

Flageoletts am Stegpickup betont man durch aufgedrehte Mitten sowie jeweils einer Prise Bässe und Höhen:

Für Plektrumsounds habe ich beide Tonabnehmer voll auf, Bässe auf 3 Uhr, Mitten voll, Ultra Hi und eine Prise Höhen (ca. 2 Uhr):

Nebengeräuschverhalten und Dynamik sind o.k., wenn man Ultra Hi drückt und noch ordentlich Höhen hereindreht, rauscht es schon vernehmlich. Ebenso ist hörbar, dass hier keine Röhren im Spiel sind. Zwar ist der Sound des Classic Analog Preamp weit davon entfernt, kalt oder steril zu klingen, aber den typischen Röhrengrowl bekommt man dann doch nicht geboten. Alles in allem zeigt sich der Ampeg Classic Analog Preamp klanglich potent, vielseitig und leicht zu bedienen.

Sound & Praxis mit dem Ampeg Scrambler Overdrive

Selbsterklärend auch das Bedienpanel des Ampeg Scrambler Overdrive. Mit meinem passiven Jazzbass habe ich hier Drive auf etwa 12 Uhr, Blend voll auf und Treble komplett zu, Volume auf 1 Uhr. So erhalte ich hier einen schönen, warmen angezerrten Sound, der im Bassfundament nichts vermissen lässt, obwohl kein Originalsignal mehr vorhanden ist. Auch hier kommt der Sound direkt aus dem Bodentreter ins Recordinginterface.

Auch nett: die gleichen Einstellungen, nur Drive ist voll aufgedreht, auch hier ist das Fundament noch ausreichend vorhanden.

Dreht man mit dem Treble-Regler Höhen (hier etwa 1 Uhr) hinzu, wird der Sound etwas dünner und man sollte am Blend-Reger etwas Originalsignal hinzumischen (der Blend-Regler steht hier bei 3 Uhr). Beim „Gefuddel“ am Ende des Beispiels hört man gut, wie der Ampeg Scrambler Overdrive schön dynamisch auf das Signal des passiven Jazzbass reagiert.

Zu guter Letzt habe ich einen aktiven Fender Jazzbass American Deluxe V mit nachgerüsteter Glockenklang Elektronik angeschlossen (und beim Setzen des Jumpers im Inneren des Ampeg Scrambler Overdrive erneut die Ampeg Ingenieure verflucht …). Nach meinem Empfinden harmoniert der Ampeg Verzerrer eher mit passiven Elektroniken. Die Verzerrung reagiert etwas sensibler auf das Spiel des Musikers, mit dem Aktivbass klingt das Ganze etwas synthetischer und die Verzerrung setzt etwas abrupter ein. Diesen Effekt kann man allerdings bei den allermeisten Verzerrern hören und ist somit dem Ampeg Scrambler Overdrive nicht negativ anzulasten.

Natürlich ist so ein Verzerrer auch Geschmacksache, der Ampeg Scrambler Overdrive bietet auf alle Fälle vielfältige, größtenteils brauchbare Zerrsounds mit schönem Bassfundament an.

Fazit

Die neuen Stompboxes für Bass von Ampeg hinterlassen einen überwiegend positiven Eindruck, überzeugen sie doch in Sachen Verarbeitung, Design, einfacher Bedienung und im Rahmen der Preisklasse auch klanglich. Ein dickes Minus handeln sich beide Kandidaten für die Pegelanpassung per Jumper ein. Auch vermisse ich beim Ampeg Classic Analog Preamp eine stufenlose Gain-Regelung (und im Prinzip auch einen DI-Out, das kann man in dieser Preisklasse aber nicht unbedingt erwarten.). So ist das für mich eher ein Equalizer als ein vollwertiger Preamp.

Dank der Ampeg-typischen, schaltbaren Klangpresets  bekommt man auch tatsächlich einigermaßen klassische Sounds hin, auch wenn mir persönlich da noch eine Röhre bzw. eine Röhrensimulation oder Ähnliches fehlt. Der Ampeg Scrambler Overdrive überzeugt mich vor allem zusammen mit passiven Bässen. Hier bekommt man schöne Sounds von sanft angezerrt bis hin zu bei Bedarf auch schrill und vollverzerrt hin, wobei das Gerät gut auf dynamisches Spiel reagiert.

Bassisten auf der Suche nach entsprechenden Effektgeräten kann ein Antesten dieser Ampeg Effekte empfohlen werden, sollten allerdings die hier genannten Kritikpunkte im Auge behalten. Wer beide Geräte erwerben möchte, könnte stattdessen auch zum etwas teureren Ampeg SCR-DI greifen, der zusätzlich über eine eingebaute DI-Box verfügt.

Plus

  • Verarbeitung
  • Design mit gut lesbaren Reglerstellungen
  • kompakte Maße
  • geringes Gewicht
  • einfache Bedienbarkeit
  • überwiegend gute bis sehr gute Sounds

Minus

  • umständliche, wenig nutzerfreundliche Pegelanpassung per Jumper im Gehäuseinnern
  • kein Gain-Regler ( Ampeg Classic Analog Preamp)

Preis

  • Ladenpreis: jeweils 99,- Euro
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