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Test: Apogee Jam Plus Mini-USB-Audiointerface

1. Januar 2019

Portabler Tausendsassa - Apogee Jam Plus!

Apogee Jam Plus

Apogee Jam Plus

Würde man jemanden aus dem Jahre ’98 in die Zukunft ins Hier und Jetzt befördern, ihm ein kleines Interface von der Größe eines Feuerzeuge in die Hand drücken und sagen: „Streng genommen haste hier drinnen alles, was du brauchst, um aufzunehmen“, er oder sie würde einem den Vogel zeigen. Fest steht: In Sachen Audiointerfaces und mobiler Aufnahmemöglichkeit hat sich so viel getan in den letzten Jahren, dass es einem schon warm ums Herz werden kann. Fest steht auch: Ansätze gibt es viele und je ergonomischer und kleiner, desto besser. Will heißen: Das Interface selbst braucht nicht immer Schauplatz der Einstellungen, Parameter und Anzeigen zu sein. Hier kommt es vor allem auf die Software an, um überladene Displays auf dem Gerät selbst zu vermeiden. Wie das gehen kann, wie ergonomische Technik auf engstem Raum in Kombination mit leistungsstarker DAW funktionieren kann, zeigen uns Apogee mit ihrem Jam Plus.

Ausstattung des Apogee Jam Plus

Erstmal grundlegend von Interesse – die Sample-Rate natürlich. Und die liegt mit 96 kHz im gewohnten Bereich. Der Jam Plus ist handlich und stabil verbaut, bei einem Preis von 169 Euro und so einem geringen Umfang in Sachen Hardware dürfte das auch zu erwarten sein. Eine Befestigungsmechanik sucht man vergeblich, dafür ist die Unterseite mit einer Gummischicht versehen, die dafür sorgt, dass der Jam Plus nicht wegrutscht. Braucht es wirklich mehr? Nun, wenn eine 6,3 mm Klinke im Gerät steckt, kann eine unachtsame Bewegung das Teil schon vom Tisch ziehen – eine Klebevorrichtung wäre hierbei vielleicht nicht verkehrt gewesen.

Geliefert wird der Apogee Jam mit drei USB-Kabeln à Typ A, B, C, u. a. auch für Mac. Viele Anschlüsse besitzt der Apogee Jam Plus nicht, was aber auch sonst Sinn und Zweck des Ganzen verfehlen würde – wie gesagt, Ergonomie und Platz sparen sind hier das oberste Gebot. Der Jam Plus soll locker in die Jackentasche passen. Ein 6,3 mm Eingang für Instrumente, hierbei kommt alles in Frage von der Gitarre über Bass bis zum Synthesizer sowie ein 3,5 mm Kopfhörerausgang. In Sachen USB kommt der Apogee Jam Plus mit einem Micro-Port aus. Mikrofoneingänge besitzt der Apogee Jam Plus nicht, entsprechend also auch keine Option für Phantomspeisung. Die Spannung für den Betrieb bezieht der Apogee Jam Plus über den USB-Port, ein Batteriegehäuse sucht man hier also ebenfalls vergeblich.

Bedienung des Apogee Jam Plus

Zwei Knöpfe/Regler weist der Apogee Jam Plus auf, die es sehr einfach ermöglichen, zwischen den grundlegenden Modi des Geräts zu wechseln. Welche sind das?

Grundsätzlich unterscheidet der Apogee Jam Plus zwischen dem Clean-Mode und dem Overdrive-Mode. Gewechselt werden kann zwischen beiden, wenn man an den drehbaren Potis drückt. Leuchten die drei LED-Lämpchen grün auf, befindet man sich im Clean-Mode, leuchten sie orange, hat man in den Overdrive-Mode geschaltet. In Sachen Signalverarbeitung hört es für die Hardware da schon auf – auch wenn die beiden Modi sehr distinktiv sind, ist der Rest der Signalverarbeitung in erster Linie Aufgabe der DAW. Mit dem Poti kann der Pegel entsprechend eingestellt werden und vom crunchy, bissigen Blues-Sound bis hin zur Breitwand-Distortion ist alles drin. Da wird aber auch recht schnell deutlich – die Klangqualität ist ordentlich. Eine enorm einfache und enorm zugängliche nutzerfreundliche Idee, die Regelung des Gains direkt in die Hardware zu integrieren – schön und vor allem für Gitarristen enorm praktisch.

Drückt man den Blend-Button über dem Poti, lässt sich das Input/DAW-Signalverhältnis einstellen. Ein 50/50-Mix ist hierbei genauso möglich wie ein hundertprozentiger „wet“ Mix seitens der DAW. Einer der wichtigsten und besten Aspekte des Apogee Jam Plus ist zweifelsohne der Stereoausgang, der speziell mit den 96 kHz einen sehr differenzierten und realitätsnahen Sound ermöglicht – aber das schauen wir uns in dem Praxisbeispiel dann noch mal genauer an. Tatsache ist – speziell der Blend-Button eignet sich hervorragend, um mögliche Latenzprobleme anzugehen.

Apogee Jam Plus – in der Praxis

Grundsätzlich ist die Frage natürlich berechtigt: So eine kleine, handliche Aufnahmestation – wann und wie kommt so ein gutes Ding zum Einsatz? In aller Fairness, es dürfte den meisten Musikern ähnlich gehen: Wenn man unterwegs ist, sei es mit der Bahn oder mit dem Auto, guckt man allerhöchstens auf sein Handy, Zeit für Musisches bleibt da selten. Denkbar ist der Einsatz bei einem Roadtrip, wo möglichst wenig mitgenommen werden will. Aber sitzt man zuhause und konzentriert sich auf das Musizieren und Aufnehmen in voller Montur, dürfte „vollwertigeres“ Studio-Equipment zum Einsatz kommen. Am ehesten sind mobile Aufnahmestationen für amtliche Berufsmusiker sinnvoll, Jazz-Gitarristen, die on-the-road ihre Parts frischhalten wollen und das möglichst ohne viel Aufwand in guter Klangqualität, während man nebenbei die Mails checkt – diese Gedanken mal am Rande bezüglich der Frage, wann und wie Geräte wie der Apogee Jam Plus zum Einsatz kommen.

Die DAW kommt mit einer Reihe von Factory Settings einher, die den Singlecoil-Slap eines John Frusciante abdecken, 90s Grunge, 80s Metal oder Fat Fuzz heißen und entsprechend Emulationen ermöglichen. Die Signalkette ist im Default-Mode ganz klassisch an dem orientiert, was sich in der Praxis als gängiger Standard durchgesetzt hat, wobei Gate, Kompressor, Boost und Drive vor den Amp geschaltet und Mod, Delay und Reverb im FX-Loop integriert sind, sich jedoch auch beliebig tauschen lassen. Selbstverständlich ist für jedes Pedal eine eigene Ansicht möglich, mit Potis, die sich per Cursor einstellen lassen.

Fazit

Eine gute DAW und eine portable, aufs Nötigste heruntergebrochene Hardware: Apogee haben hier viel richtig gemacht. Die vorliegende 32 Bit Testversion ist in ihrem Umfang überschaubar (und leider als VST-Plugin in der Version nicht kompatibel mit Ableton 9 oder Cubase), trotzdem lässt sich klar sagen, dass speziell für Gitarristen, die beruflich viel unterwegs sind und mit ihrem iPad und dem Jam Plus „on the run“ Ideen aufnehmen wollen, das Jam Plus in seiner Simplizität und dynamischen Klangqualität fast außer Konkurrenz ist  – für den Preis zumindest. Jede Effektklasse kommt mit einer großen Auswahl einher, es stehen fast 20 Drive-Pedale zur Verfügung sowie 20 Modulationseffekte, Digital- und Tape-Delay ebenso wie ein großartig klingender Stereo-Reverb. Und der Gain-Regler vereinfacht vieles, macht das Signal zu keiner Sekunde matschig und klingt immer dynamisch und klar und handhabt die Nuancen des Input-Signals problemlos.

Ein feines Gerät für alle, für die viel reisen und gute Klangqualität erwarten. Klar ist aber auch – ersetzen kann das Jam Plus ein Studio-Setting nicht, aller feinen Features zum Trotz.

Plus

  • gute Klangqualität
  • hohe Bandbreite an Auswahl
  • handlich und gut verarbeitet
  • simples, aber effektives Gain-Poti

Minus

  • gelegentliche Latenzprobleme
  • Kompatibilitätsprobleme mit anderen DAWs

Preis

  • Ladenpreis: 169,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    DrSpan  

    Frohes Neues!
    Danke für den Test!
    Eine frage bezüglich KH Verstärker. Ist dieser ein „upgrade“ gegenüber einen Macbook Pro ausgang?

    Nicht nur Qualitäts sondern auch „Pegel-Schwere -KH antreiben dings :-) „?

    Lg

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hallo DrSpan

      Dir auch ein Frohes Neues. Ich nehme an, dass deine Frage auf die Qualität des Kopfhörer-Ausgangs im unmittelbaren Vergleich zu einem regulären Mac abzielt? Der Jam Plus besitzt eine Sample Rate von bis zu 96k und Stereo Output. Das gute Teil liefert im Output schon ordentlich Headroom. Was du mit „Pegel-Schwere-KH antreiben dings“ meinst, bin ich mir jedoch ehrlich gesagt nicht so sicher ;)

      • Profilbild
        DrSpan  

        Hihi. Jetzt wo ich das wieder lese muss ich dir recht geben. Besonders verständlich ist es bedingt …. :-) Danke trotzdem für die flexibilität. In anderen worten, wird das Jam+ meinen Dt1990 „Lauter treiben“ können als mein Macbook? Ganz abgesehen von der qualität denn da bin ich 100% sicher das sie besser sein wird. Ist nur das ich vor ein paar jahren ein Usb Powered interface für unterwegs gesucht habe um meine damaligen K271 Mk2 anzutreiben. Da hab ich Scarletts, Native instruments (dieses Dj nochwas model) Yamaha`s und paar andere ausprobiert und die meisten haben Pegeltechnisch kaum was dazu gebracht. Da war mir die qualität doch egal denn was bringt es mir wenn ich nie Laut genug hören kann? Ich bin ja erst Schwerhörig und erst danach Audiophil

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