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Test: Blackstar St. James 50 EL34 H Fawn, Verstärker für E-Gitarre

Beginn einer neuen Ära? Super Röhrensound bei Fliegengewicht

31. Juli 2022
Blackstar St. James 50 EL34 H Fawn Bild 1

Der Blackstar St. James 50 Head mit EL34 Endstufenbestückung

Wie lange mussten wir darauf warten? Die aktuellen St. James 50 Watt Röhren-Amps von Blackstar wurden mit einer neu entwickelten Technologie ausgestattet, die nicht nur die Röhrenpuristen aufhorchen lassen. Das Gewicht der 50 Watt „Röhrenboliden“ konnte extrem reduziert werden, da die schweren Netztrafos mit Eisenkern nun durch sogenannte Schaltnetzteile ersetzt wurden. Diese Technik wurde von Blackstar in einem ca. zwei Jahre andauernden Prozess selbst entwickelt und patentiert. Für eine weitere Gewichtsreduktion sorgen auch die in den Combos und Boxen aus dieser Serie verbauten Neodymlautsprecher und Gehäuse aus leichtem Kemirinussholz. Das lässt die Träume vieler Gitarristen nun endlich wahr werden.

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Wir testen heute den Head, der mit zwei EL34 Röhren in der Endstufe bestückt wurde. Diese Variante zerrt deutlich weniger als der mit 6L6 ausgestatteten Bruder und wurde auf Classic-Rock abgestimmt, bietet aber auch einen schönen cleanen Sound im klaren Kanal.

In den letzten Jahren testete ich unzählige Alternativen zu einem Vollröhrenverstärker, da ich mir eine gewichtsmäßig entspanntere Alternative wünschte, weil ich regelmäßig auf Bühnen unterwegs bin und der Transport immer mehr zur Last wird. Leider konnten mich auch viele Produkte wie diverse Modeler, digitale Verstärker (Fender Tone Master etc.) und Class-D-Endstufen usw. klanglich nie wirklich überzeugen, da vor allem in den Höhen nicht die Wärme und das von Röhrenverstärkern gewohnte Spielgefühl entstehen, die das Spiel zum Spaß machen. Umso neugieriger war ich, als ich von der St. James Serie erfuhr. Die Röhrenverstärker von Blackstar waren klanglich meist nah an dem klanglichen Ergebnis, das mir vorschwebte, von einem Kauf habe ich persönlich aber bisher stets abgesehen, da das Gewicht der Boliden mir schlicht zu hoch war. Schauen wir uns dieses Leichtgewicht nun einmal genauer an:

Blackstar St. James

Als Topteil mit Box oder Combo. Die schwarze 6L6-Variante zerrt deutlich mehr.

Blackstar St. James 50 6L6 H – Facts & Features

Beim Auspacken des „Röhrers“ fällt augenblicklich das extrem geringe Gewicht und die gute Verarbeitung ins Auge. Das relativ zierliche Topteil (402 x 222 x 214 mm), das satte 50 Watt Röhrenpower liefert, wiegt gerade mal schlappe 6,7 kg, was den Transport natürlich zum Vergnügen macht. Auch der gewisse Vintage-Look mit den großen, griffigen Potiknöpfen, dem interessanten Tolexbezug und der solide Griff überzeugen.

Ausstattungsmäßig bietet dieser Verstärker alles, was zeitgemäß und wünschenswert ist, da u. a. auch ein digitaler Hall, ein serieller Einschleifweg, USB-Schnittstelle, Power-Reduktion und eine hochwertige flexible Cab-Simulation integriert wurde.

Mehr als zwei Jahre hat Blackstar laut eigener Aussage daran gearbeitet, mit der sogenannten SMPS-Technologie (Switched-Mode-Power-Supply) verhältnismäßig leichte, aber dennoch hocheffiziente Netztransformatoren zu entwickeln, die den Sound und das Spielgefühl traditioneller Eisenkerntransformatoren liefern. Auch das Gewicht des Verstärker-Chassis wurde ohne Einbußen der Stabilität reduziert.

Der Verstärker lässt sich in einem Bereich von 90 V bis 264 V,  50/60 Hz betreiben und somit problemlos weltweit einsetzen, ohne auf Hilfsmittel wie Transformatoren (bzw. ein Variac) zurückzugreifen. Der Ausgangstrafo bedient sich noch eines traditionellen Designs, wurde also nicht neu designt. Ein digitaler Reverb ist gleichfalls an Bord.

Ein solider Fußschalter (im Lieferumfang enthalten), schaltet den Kanal um und aktiviert den Boost des verzerrten Kanals. In der Vorstufe sitzen zwei ECC83, diese Röhre ist der Standard in Gitarrenvorstufen mit Glaskolben.

Regler & Bedienelemente

Front

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Der Verstärker besitzt eine eingebaute Power-Reduction. Mittels eines kleinen Kippschalters am Frontpanel lässt sich die Ausgangsleistung von 50 W auf 2 Watt reduzieren. Die Stellung „Sag“ simuliert den Spannungsabfall, der entsteht, wenn die Endstufe gefordert wird.

Der Blackstar St. James 50 EL34 Head besitzt zwei Kanäle, die sich eine 3-Band-Klangregelung (Bass, Middle, Treble) teilen. Die Klangregelung arbeitet sehr effektiv und greift genau dort ein, wo man es sich wünscht. Auf einen Presence-Regler, der in vielen Röhren-Amps anzutreffen ist, wird hier verzichtet. Der Boost-Schalter sorgt für mehr „Zerre“ im zweiten Kanal.

Der klare Kanal kann mit dem Gain-Regler mehr in die Sättigung gefahren werden, der Sound wird dann etwas fetter, bleibt aber letztlich immer clean.

Zwei Leuchtdioden signalisieren, wenn der verzerrte Kanal aktiv ist (orangene LED) bzw. der Boost aktiviert wurde (weiße LED).

Rückseite

Angeschlossen werden kann eine Box mit 8 Ohm oder einer bis zwei Boxen mit je 16 Ohm. Der Pegel der seriellen Effektschleife kann erfreulicherweise mittels eines kleinen Kippschalters von +4 dB auf -10 dB umgeschaltet werden, so lassen sich „19 Zöller“ oder auch Pedale  problemlos einschleifen. Der mitgelieferte, sehr stabile Fußschalter, der den Kanal umschaltet bzw. den Boost des verzerrten Kanals aktiviert, wird bei Bedarf in die rückseitige Fußschalterbuchse eingeklinkt.

Erfreulicherweise kann der Amp dank eines integrierten Reactive-Loads und de m Cab-Rig-DSP auch zum Aufnehmen ganz ohne Lautsprecherbox betrieben werden.

Blackstar St. James 50 EL34 H Fawn, Back

Auch rückseitig voll ausgestattet

Der integrierte DSP bildet den Sound eines mikrofonierten Gitarrenverstärkers inklusive Lautsprecherbox-, Lautsprecher- und Raum-Simulation ab. Die XLR-Ausgangsbuchse gibt das frequenzkorrigierte Signal aus, hierbei kann mit einem kleinen Kippschalter zwischen drei Lautsprechersimulationen umgeschaltet werden. Eine Abnahme mit Mikrofon erübrigt sich hiermit, da die Qualität der Boxensimulation sich einer hohen Qualität erfreut.

Mithilfe eines Rechners und der Blackstar-Software „Architect“ lassen sich via USB-B-Buchse (auf der Rückseite) diverse Parameter verändern, um den Sound den persönlichen Geschmacksvorstellungen anzupassen.

Dieses Video zeigt die Reaktion diverser Gitarristen und Gitarristinnen) auf den Sound und das geringe Gewicht der St. James Serie:

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Sound

Die „Zerr-Möglichkeiten“ dieses Amps (in der EL34-Variante) bewegen sich in der Classic-Rock-Abteilung (max. JCM 800), der Sound ist recht „marshallesque“, besitzt vergleichsweise aber etwas mehr Bässe und etwas weniger aggressive Mitten.

Eines sei an dieser Stelle angemerkt. Fährt man diesen Verstärker im Master nur leise, kommen die Qualitäten dieses Amps deutlich weniger zur Geltung. Ab einer Master-Volume-Einstellung jenseits der 11 h Marke beginnt der Amp dann deutlich mehr Lebendigkeit freizusetzen. In der 2 Watt Einstellung ist der Verstärker (abhängig von seiner Box) für den Betrieb zu Hause fast schon zu laut. Dreht man den Mastervolume dann sehr weit zurück, um seine Lautstärke noch weiter zu bändigen, verliert der Klang etwas an Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit. Wird der Amp in der vollen Leistung (50 Watt) gefahren, kann er ausgesprochen laut werden. Wem die EL34 Variante zu wenig zerren sollte, der ist mit der 6L6 Variante in der Endstufe (schwarzes Modell) sicherlich besser bedient, da diese bei Bedarf extrem viel Gain bereitstellt, damit könnte man problemlos auch die Sparte Metal vollständig bedienen.

Ich testete den Verstärker mit den eingebauten Cab-Simulationen und alternativ mit meiner 2x 12″ Orange Box aus den  70er-Jahren mit alten ROLA Celestions, die je 25 Watt abkönnen und mit einem Shure SM 57 abgenommen wurde.

Der klare Sound ist recht „Fender-mäßig ge-voiced“, perlende weiche Höhen und viel Dynamik. Der Gain-Regler steht in folgendem Klangbeispiel fast auf Rechtsanschlag, somit ist der klare Kanal nicht zum Zerren zu bringen, besitzt also genug Headroom, um auch clean ausreichend laut zu sein, um auf größeren Bühnen locker auch neben einem beherzt zu Werke gehenden Drummer zu bestehen. Dreht man den Gain-Regler auf, wird der Klang voller und gewinnt an Bass. Eine Portion des integrierten digitalen Halls fügt dem Klang dann etwas Räumlichkeit hinzu. Die Qualität des Reverbs ist ordentlich.

Nun wechseln wir in den verzerrten Kanal. Der Gain-Regler steht auf 3 h, womit wir eine schöne „crunchige Zerre“ erreichen. Der kleine Kippschalter für die drei Lautsprechersimulationsoptionen an der Rückseite steht auf Stellung 1, hiermit wird eine „open back“  Box simuliert.

In folgendem Beispiel sind die Einstellungen vergleichsweise identisch, es wurde aber Stellung 3 aktiviert, die eine fette 4x 12″-er simuliert. Das klingt überzeugend. Auch der Raumanteil wird nur mittels der Simulation erzeugt, an der DAW (Mac, Logic) wurde kein EQ, oder Hall bzw. Delay eingesetzt.

Nun aktivieren wir auch den Boost, der noch etwas mehr Verzerrung bereitstellt, hier wieder mit Simulation 1:

Schließlich hören wir dieselben Einstellung mit der 3. Lautsprechersimulation, die nochmals einen deutlichen Bass-Schub bewirkt:

Der Amp zeigt sich ausgesprochen für alle Anforderungen im Studio und der Bühne gut gerüstet und macht einfach nur Spaß, da die Bedienung intuitiv ist und man hier nur zeitgemäße, aber praxistaugliche Features implementierte.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster SSH – Blackstar St. James 50 6L6 H – Orange 2 x 12″ Box mit ROLA Celestions – Shure SM57 – bzw. eingebaute Lautsprechersimulation – MOTU M4 – Mac mit Logic

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Fazit

Die Blackstar St. James 50 EL34 Serie klingt fantastisch und spart nun endlich das lästige Schleppen schwerer Röhrenverstärker. Wer Wert auf authentischen Röhrensound bei wenig Gewicht legt, für den ist die St. James Serie von Blackstar absolut alternativlos, da momentan kein weiteres Produkt erhältlich ist, was so gut ausgestattet wurde, super klingt und quasi nichts wiegt. Unbedingt antesten, auch bevor der Rücken „zickt“.

Plus

  • Gewicht
  • Sound
  • Cab-Out-Sounds
  • Design
  • Verarbeitung

Minus

  • -

Preis

  • 1.068,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    markamazon

    „ Blackstar St. James 50 6L6 H – Facts & Features” – sollte es nicht ….EL34 sein ?!! 🤯

    • Profilbild
      Johannes Krayer RED

      Hallo markamazon,
      gut aufgepasst, da hast Du Recht, sollte es. Einemal ist mir die falsche Bezeichnung „reingerutscht“.

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