Test: Dangerous Music Compressor, 2-Kanal VCA-Kompressor

13. April 2020

Satter Kompressor mit analogem Flair

test dangerous music compressor

Dangerous Music Compressor, 2-Kanal VCA-Kompressor

Hand aufs Herz: Kennen Sie Dangerous Music? Nein? Ich muss zugeben, so richtig geläufig war mir der Hersteller auch nicht, obwohl das Team rund um den CEO Bob Muller schon seit 1992 ein Recording-Studio in New York hat und ab 2001 den Summierer „2-BUS“ als eigenes Produkt anbietet. Zusammen mit Chris Muth, dem Mitbegründer und Gerätedesigner von Dangerous Music, kann man mittlerweile auf ein umfangreiches Portfolio von Studiogeräten zurückgreifen.

Schon 2013 wurde der „Dangerous Compressor“ vorgestellt, den wir uns heute im Detail ansehen. Und ich darf ihnen jetzt schon versprechen, dass es sich hierbei nicht um „just another compressor“ handelt. Das Gerät hat nämlich einiges auf dem Kasten, denn man hat sich mit dem Gerät ganz offiziell der Bekämpfung des Loudness-War verschrieben, wie man auf der Produktseite lesen kann!

Dangerous Compressor: Worum geht es hier?

Der Hersteller positioniert das Gerät als äußerst neutralen, verzerrungsfreien Mastering-Kompressor. Und da wollte ich gleich mal energisch widersprechen, denn rein von den Bedienungselementen her würde ich den Dangerous nicht fürs Mastering einsetzen. Warum? Weil man im Mastering üblicherweise keine Ratio-Werte jenseits der 4:1 verwendet (oder nur in Ausnahmefällen) und auch die anderen Skalen eher auf ein beherztes Komprimieren hinweisen. Natürlich werden auch „normale“ Kompressoren à la dbx 160A für das Mastering eingesetzt, aber mit Blick auf Elysia Alpha und den Bettermaker Mastering Compressor ist der Dangerous eher klassisch gehalten. Die Side-Chain-Option hört nicht auf externe Signale, sondern ist für das Einschleifen eines Equalizers gedacht und beeinflusst nicht das Quellsignal, weil es als Send/Return konstruiert ist – aber auch das ist im Mastering eher unüblich.

Der Kompressor arbeitet als echtes Doppel-Mono- oder Stereo-Gerät mit zwei Kanälen, denn selbst die Side-Chain-Sends und Returns sind doppelt ausgelegt. Trotzdem gibt es doch eine ganze handvoll Mastering-Engineers, die auf den Dangerous schwören, wie beispielsweise im folgenden Video mit Producer Fab Dupont gezeigt wird:

Bedienung

Fangen wir auf der Rückseite an. Für den Dangerous Music werden Sie ausschließlich XLR-Kabel benötigen. Links die genannten Sends/Returns für das Sidechain-Signal und in der Mitte die Ein- und Ausgänge des Kompressors. Rechts dann noch die Kaltgerätebuchse und ein Ein/Aus-Schalter. Sollten die VU-Meter des Kompressors driften, dann kann man diese über die „Meter Zero“-Stellschrauben justieren.

Dangerous_Compressor_Rear

Auf der Vorderseite sind die Bedienelemente überwiegend selbsterklärend. Engage schaltet zwischen aktivierter Kompression und „Hard Wire Bypass“ um. Und das ist auch wirklich „hard wire“: Im ausgeschalteten Zustand lässt der Kompressor das Signal tatsächlich passieren.

Dann die Sidechain-Sektion mit ein paar interessanten Optionen: Bass-Cut lenkt die Sensitivität des Sidechains auf die tiefen Frequenzen (3 dB bei 60 Hz), während Sibilance-Boost mit 2 dB bei 5 kHz wirkt. Der Kompressor reagiert dann mehr auf hohe Frequenzen und so können z. B. Zischlaute reduziert werden.

Dangerous_Compressor_Buttons

Wie oben schon angedeutet, ist der External-Sidechain als Send und Return ausgeführt. Durch den Einsatz eines externen Equalizers können Sie die Empfindlichkeit für bestimmte Frequenzen erhöhen oder verringern. Dabei bleiben die Schaltkreise für Bass- Cut und Sibilance-Boost übrigens aktiv, d. h. Sie können hier eine Kombination der Filter erreichen.

Mit dem Button „Sidechain Monitor“ hören Sie dann nur das Signal, das den Sidechain triggert. Eine sehr gute Möglichkeit für eine praxisgerechte Justage der Funktion.

Contour & VU-Meter

Der Contour-Bereich auf dem Dangerous Music Compressor kümmert sich um den Charakter der Kompression:

Smart Dynamics erzeugt einen dynamischen Mittelwert für die Kompression, so dass bei harten Impulsen nicht das Signal komplett weggedrückt wird. Dangerous Music empfiehlt übrigens, die Funktion dauerhaft zu aktivieren.

Soft Knee ist „alten Kompressor Spezies“ natürlich ein Begriff. Hier wird nicht hart ab dem eingestellten Threshold-Wert komprimiert, sondern der Eingriff findet sanft über den Threshold-Punkt hinweg statt.

Manual Att/Rel erlaubt den manuellen Eingriff auf den Attack und den Release über die Encoder auf der rechten Seite. Tatsächlich wird der Dangerous auch von bekannteren Producern und Mastering-Engineers gerne im „Auto“-Mode betrieben, was für die Leistungsfähigkeit dieser Funktion spricht. Das hören wir uns später auch an.

Mit VU/Comp schalten Sie zwischen VU- und Gain-Reduction-Anzeige bei den analogen Aussteuerungsinstrumenten um. Meter-Input/Output zeigt Ihnen wahlweise den Pegel am Ein- oder Ausgang. Und um die sensitiven Anzeigen nicht zu beschädigen, kann man mit dem -6 VU-Schalter den angezeigten Pegel um 6 VU reduzieren.

Dangerous_Compressor_VU

Zuerst muss man wissen, dass der Dangerous Compressor ein echtes 2-Kanal-Gerät mit zwei komplett unabhängigen Schaltkreisen und VCAs ist. Bei Aktivierung der Stereo-Funktion bearbeiten die Regler Ratio, Gain und Threshold beide Kanäle, während man den Attack und den Release weiterhin getrennt für die Kanäle einstellen kann.

Regler für die Einstellung der Kompression

Hier findet man „ganz klassisch“ Ratio, Gain, Threshold, Attack und Release. Im übrigens sehr gut geschriebenen (leider nur englischsprachigen) Handbuch werden diese Funktionen bei Dangerous Music sehr detailliert ausgeführt. So wird das Ratio als „how much“ bezeichnet und Threshold als das „when“. Gain macht die Pegel-Kompensation und mit Attack und Release stelle ich die Reaktion auf Transienten und den Sustain ein.

Dangerous_Compressor_Encoder

Verarbeitung

Zugegeben, der Dangerous Music Compressor sieht nicht ganz so edel wie ein Elysia Alpha oder ein Bettermaker Mastering Compressor aus, aber in Sachen Verarbeitung ist der Kompressor von sehr hoher Qualität. Alle Schalter und Regler liegen gut in der Hand und geben ein perfektes Feedback. Die Frontplatte ist massiv und die Buchsen sind hochwertig und stabil verschraubt. Von der Materialtiefe würde ich ihn sogar über den Bettermaker einordnen – nur zum Elysia bleibt noch ein entsprechender Respektabstand, was beim fast dreifachen Preis auch kein Wunder ist.

Klang

Wie ein (soeben von mir erfundenes) Sprichwort schon sagt: „Sag mir welcher Producer Du bist und welche Musik Du machst und ich sage Dir welchen Kompressor Du benutzen sollst.“ (Copyrightanfragen bitte per PN).

Von den drei genannten High-End Mastering-Kompressoren (Elysia, Bettermaker und Dangerous Music) hat jeder seinen eigenen Charakter. So ist der Bettermaker im Vergleich eher der Underdog. Sehr sauber und neutral wacht er über das Eingangssignal und macht seinen Job stets verlässlich und perfekt. Beim Aktivieren nimmt er sich charakterlich sehr zurück und konzentriert sich auf seine Aufgabe. Ein feiner Kerl, den jeder mag, aber nicht immer auf der Uhr hat, wenn man zu einer Party einlädt.

Der Elysia ist da ganz anders. Einmal eingestellt macht er das Ausgangsmaterial irgendwie immer besser. Keine Ahnung warum, aber er fügt stets das Edle und Feine hinzu. Der Alpha kommt immer mit dem Jaguar und seiner wunderschönen Frau zur Party und: Er ist immer eingeladen.

Genauso wie der Dangerous Music. Denn der schmeißt die Party! Hell und offen in der Charakteristik, sehr dynamisch und lebendig in der Ausführung. Für ein voll analoges Gerät geht er mit dynamischem Material immer so um, als ob KEINE Kompression aktiviert wäre und genau das macht ihn so besonders: Viele herkömmliche Dynamik-Prozessoren schaffen es zwar sehr gut, die Peaks zu dämpfen, aber das kann man dann auch hören, denn die Kickdrum (als Beispiel) verliert durch die Kompression oft an Fülle und Autorität. Der Dangerous Music Compressor schafft das – wie auch immer – fast unbemerkt. Das Signal bleibt in seiner Tonalität und Verteilung erhalten. Das ist schon eindrucksvoll.

Auch merkt man dem Kompressor an, dass er für moderne Rhythmen prädestiniert ist! In den Klangbeispielen wird sein frisches und knackiges Wesen deutlich.

Im ersten Beispiel habe ich ein einfaches Piano-Stakkato zuerst ohne und dann mit aktivierter sehr harter Kompression gemacht. Interessant, dass der Dangerous Music dabei richtiggehend klangverändernd eingreift – fast wie bei einem Transientendesigner.

Das zweite Klangbeispiel hat dieselben Einstellungen wie Beispiel 1, also mit einer Ration von 4:1 und recht niedrig gewähltem Threshold. Attack und Release sind beide sehr kurz gewählt. Sehr deutlich, wie sich der Groove bei der Aktivierung verändert.

Das dritte Beispiel ist eine Kombi mit Wah-Keyboard und Begleitung. Hier zuerst unbearbeitet, dann mit Auto-Kompression und zuletzt mit Auto und Softknee.

Das dann noch mal im vierten Klangbeispiel: Erst unbearbeitet, dann mit Auto und zuletzt noch zusätzlich Softknee aktiviert.

Gerade in den letzten beiden Beispielen wird deutlich, wie musikalisch der Eingriff des Dangerous Music Compressor ist – das ist wirklich bemerkenswert! Übrigens: Die Klangbeispiele liegen als WAV-Dateien mit 44,1 kHz und 24 Bit pro Sample vor.

test music Dangerous_Compressor_Front

Fazit

Ich kann dem Dangerous Music Compressor nur ein hervorragendes Zeugnis ausstellen. Das Gerät kann sich innerhalb der Top-Liga der High-End Mastering-Kompressoren problemlos behaupten. Sein feiner Klang, seine sehr musikalische Kompression und die gute Ausstattung mit interessanten Features machen ihn zu einer echten Alternative zu den bekannteren Namen in der Studioszene in Deutschland und Europa.

Das Gerät hat aus meiner Sicht auch keinen Kritikpunkt und auch aus technischer Sicht präsentiert sich der Dangerous Music Compressor mit weißer Weste. Als High-End Mastering-Kompressor ist dieser Testkandidat natürlich eher ein Nischenprodukt, aber ich gebe hier gerne völlig verdiente drei Sterne.

Plus

  • sehr guter Klang
  • sehr effiziente und musikalische Kompression
  • hochwertige Verarbeitung
  • gute Ausstattung
  • interessante Side-Chain-Option

Preis

  • 3.399,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    falconi  RED

    Schön bei dem Gerät ist das soviel Platz darin ist, dass man notfalls noch einen „Alpha“ (oder sagen wir mpressor) einbauen kann.
    In einschlägigen Foren, die sich mit Dangerous Music befassen, wird dann immer auf die Entwicklungskosten verwiesen, die es bei Elysia (und vielen anderen Herstellern) nicht gibt – da werden einfach wahllos viele teure Bauteile in die Geräte geschüttet.

    Ich finde auch, dass die Geräte von Dangerous Music clever designt sind und gut klingen – aber sie sollten weniger als die Hälfte kosten. Mindestens 100% Aufschlag für den Hype.

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      AMAZONA Archiv

      Zumal man die Bedienelemente in gleicher Grösse und bei gleichem Reglerabstand auch auf einer 1HE Frontplatte unterbringen könnte. Aber die seitlichen Zierfräsungen und das Riesenlogo waren wohl wichtiger als ein Netzschalter auf der Frontplatte. Das muss demnach definitiv ein High-End, top mastering Superdupergerät sein. Schön dass sich der Hersteller den Bildern im Netz nach zu urteilen nicht einmal die Mühe macht die zahlreichen internen Trimmer mit Stoplack zu sichern. Soviel zur Kanalgleichheit. Die Genauigkeit der hippen VUs… masteringrauglich na ja. Mastern kann ja eh mittlerweile auch meine Großmutter und ihr Haustier. Den rest macht der PC. Hauptsache es sieht nach dicker Hose aus. Der Kunde bezahlt es ja eh doppelt.

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        AMAZONA Archiv

        Da kann ich nur zustimmen! :) UAD und Dangerous Music sind momentan meine Lieblingsfeindbilder, die anscheinend auch noch Hand in Hand arbeiten. Wenn bei der D-Box+ was summiert werden muss, wohlgemerkt DA zu AD und dann wieder „superb“ zu DA, dann steht zu 99% immer ein UAD Apollo rum. Dann „löst“ das Klangspektrum erst richtig auf. Es könnte so lustig sein wenn nicht zig bekloppte so einen Quatsch glauben würden.

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          Jörg Hoffmann  RED

          Ich möchte aber auch kurz diesen Kommentar dazu nutzen, unsere Leser bitte nicht als Bekloppte hinzustellen und uns Autoren als jemand, die Quatsch schreiben. Du darfst Deine „Feinbilder“ gerne behalten und kannst das auch gerne ausbauen – ganz nach Deinem Gusto – aber ich lasse hier nichts über unsere Leserschaft oder unser Redaktionsteam kommen. Hier wird professionell und unabhängig gearbeitet – auch in diesen Zeiten – um Euch eine interessante Lektüre oder eine Hilfe bei der Produktwahl zu geben. Ein bissl Netiquette würde Dir schon gut tun.

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      Jörg Hoffmann  RED

      Hallo, na also ich hatte nicht den Eindruck, dass Dangerous da mehr Schein als Sein ist. In der Liga der Masteringkompressoren ist ein Vergleich nicht leicht, weil man ja kaum die Großen der Szene an einem Ort hat. Ob das VU Meter jetzt vom China Mann ist oder nicht – ich konnte damit gut arbeiten und auch akkurat ablesen – oft besser als bei allzu hektischen LED Ketten ohne Peak Hold.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Bei aller Miesepeterei möchte ich aber doch auch ein Lob aussprechen: Vielen Dank an den Autoren dieses Tests, insbesondere für die Klangbeispiele im Vollformat!
    Was die Beurteilung des Klangs angeht: Für mich klingt das alles andere als natürlich. Die Kompressionsartefakte sind bei allen vier Beispielen sehr deutlich hörbar, bis hin zum Pumpen (Beispiel 04) und Kappen der Transienten (Beispiel 01). Das liegt sicherlich primär an der Einstellung des Kompressors, verdeutlicht aber gut den klanglichen Effekt, der bei weniger drastischen Regelbewegungen nur etwas weniger extrem auftritt. Tut mir leid wenn ich hier wieder rummäkele aber für mich klingt der Dangerous Kompressor ziemlich steril und künstlich. Ohne die unbearbeiteten Spuren zu kennen, nehme ich dennoch an dass durch die Kompression ordentlich Tiefe verloren geht. Was ich da höre gefällt mir überhaupt nicht. Zumal man solche Resultate locker auch mit vernünftigen Plugins hinbekommt. Dafür braucht man keine Hardware.

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      AMAZONA Archiv

      „…an den Autor“ sollte es heissen, vom „Rest“ der Tippfehler mal abgesehen. Leider lässt sich hier ja nach ein paar Minuten nix mehr korrigieren.

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