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Test: Epiphone B.B. King Lucille, E-Gitarre

9. November 2021

Die erschwingliche Lucille

Epiphone B.B. King Lucille

Epiphone B.B. King Lucille

Bis zu seinem Tod 2015 galt B.B. King als die absolute Instanz innerhalb der Blues-Szene, beeinflussen wird sein Spiel und sein Wirken in der Zukunft aber bestimmt noch viele weitere Generation von Bluesmusikern rund um den Globus. Die B.B. King Music Company als Verwalter des Nachlasses der Legende und Gibson, deren Instrumente B.B. King zu Lebzeiten stets bevorzugt spielte, präsentieren nun aus ihrer Zusammenarbeit die Neuauflage der B.B. King Lucille, die erneut bei Gibsons Günstiganbieter Epiphone vom Band rollt. Die asiatische Fertigung ermöglicht einen enorm günstigen Kurs, denn im Gegensatz zu den vergleichbaren ES-Modellen aus amerikanischer Herstellung von Gibson ist die aktuelle Epiphone B.B. King Lucille für gut ein Drittel des Preises zu bekommen. Eine günstige Gelegenheit also für alle Fans des Meisters des Blues – oder sollte man doch besser weiter sparen und sich irgendwann eine der sündhaft teuren ES-Modelle zu gönnen? Machen wir den Test!

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Epiphone B.B. King Lucille – Facts & Features

Dem Großteil von uns werden die Formen des Korpus bekannt vorkommen, die Basis der Epiphone B.B. King Lucille ist Teil der wohl berühmtesten Semihollow-Gitarren, die wir kennen: der Gibson ES-Baureihe. Allerdings mit einem direkt zu erkennenden Unterschied, denn im Vergleich zu den übrigen ES-Modellen fehlen hier die F-Löcher auf der Decke. B.B. King bestand auf diesen kleinen, aber feinen Unterschied, regiert das Instrument dadurch deutlich weniger anfällig gegen übermäßige Feedbacks. Als Tonhölzer wurden für den Korpus laminiertes Ahorn verwendet, der eingeleimte Hals hingegen besteht aus einem massiven Stück Ahorn und wird wie das gesamte Instrument von einer hochglänzend schwarzen Lackschicht überzogen. An der Lackierung gibt es rein gar nichts zu beanstanden, der Lack wurde überall gleichmäßig und bis in die kleinsten Ritzen sauber aufgetragen. Und damit das schöne Bild zumindest auf der Decke auch möglichst lange hält, sorgt ein Brown Shell Pickguard für einen Schutz im Arbeitsbereich des Plektrums.

60s Kalamazoo Kopfplatte

Sowohl die Decke als auch der Boden besitzen leichte Wölbungen und werden von einem cremefarbenen Binding umschlossen, das sich über die Ränder entlang hinauf bis zur Kopfplatte erstreckt. Die Kopfplatte ist sicher ein optisches Highlight im Erscheinungsbild der B.B. King Lucille, vereint sie doch eindrucksvoll den Epiphone-Schriftzug und den Namen „Lucille“ als Perlmutt-Inlays zusammen mit einer goldenen Abdeckung  für den Halseinstellstab (inklusive B.B. King Gravur) sowie den ebenfalls vergoldeten Mechaniken mit ihren Keystone-Flügeln, die der US-Hersteller Grover beisteuert. Das macht schon verdammt viel her, zweifellos!

Epiphone B.B. King Lucille Headstock

Geradezu majestätisch – 60s Kalamazoo Headstock der B.B. King Lucille

Schlankes C-Halsprofil

Das abgerundete C-Halsprofil ist überraschend schlank ausgefallen, ehrlich gesagt hätte ich hier mit deutlich mehr „Fleisch“ gerechnet. Trotz der lackierten Halsrückseite sind mir keine Probleme in Sachen Ankleben der Greifhand aufgefallen, hier scheint der Hersteller einen guten Mix aus Schutz des Holzes und Praxistauglichkeit gefunden zu haben. In ein mit einem 12″ Radius abgerundetes Ebenholzgriffbrett wurden 22 Medium-Jumbo-Bünde sauber eingesetzt, an den Kanten sorgfältig bearbeitet und mit einer eben so sorgfältigen Politur der Oberfläche versehen. Dicke Block-Inlays aus weißem Perlmutt strahlen uns aus dem pechschwarzen Griffbrett von den bekannten Stellen entgegen und ergänzen die majestätische Optik der Gitarre wirkungsvoll. Kleinere Mängel sind beim Graph Tech Sattel zu bemerken, denn der sitzt nicht ganz mittig in seiner Position, was aber keinerlei Auswirkungen auf die Intonation oder gar die Positionen der Saiten über dem Griffbrett hat.

Flexibler Sound – dank Varitone-Schaltung

Epiphone B.B. King Lucille Varitone

Ein ganz besonderes Merkmal an der Epiphone B.B. King Lucille ist der Varitone-Schalter, der zusammen mit den beiden AlNiCo Humbuckern in der elektrischen Schaltung der Gitarre verdrahtet wurde. Dieser Schalter wirkt wie eine Art Bandsperrenfilter, das die Mittenfrequenzen abschwächt, um so einen knackigeren Sound zu erzeugen. Er bietet fünf verschiedene Presets, wobei Position 1 auf der Skala keinen Einfluss auf den Klang nimmt. In Position 2 wird das Signal im Bereich von 1975 Hz bearbeitet, in Position 3 des Schalters nimmt das Filter im Bereich von knapp über 1000 Hz Einfluss, ehe mit den Stellungen 4, 5 und 6 an die Frequenzen rund um 650, 350 und 130 Hz an der Reihe sind.

Eine weitere Besonderheit stellen die zwei Klinkenbuchsen dar, mit denen der Sound entweder in Stereo an zwei unterschiedliche Amps abgegeben oder wie gewohnt in Mono abgenommen werden kann. B.B. King mochte es einfach, zwei verschiedene Amps zu nutzen. Rechnen wir mal zusammen: Der Dreiwegeschalter plus die jeweils fünf Variationen mittels Varitone-Schalter ergibt satte fünfzehn Grundsounds, die auf Wunsch an zwei Verstärker geleitet werden können – flexibler kann es kaum sein.

Lucille – Hardware

Einen Teil der Hardware hatte ich weiter oben schon erwähnt, die US-Firma Grover stattet die Epiphone B.B. King Lucille mit einem Satz ihrer in Goldchrom strahlenden Rotomatic-Mechaniken aus. Der Name schafft Vertrauen und das auch in diesem Fall, die Mechaniken laufen butterweich und ohne jegliches Spiel auf ihren Achsen und Halten zudem die Stimmung sehr zuverlässig. Größere Korrekturen können hier oben an der Kopfplatte vorgenommen werden, für alles Feine empfiehlt sich der Griff in Richtung Steg, denn das dort verbaute TP-6 Stop-Bar-Tailpiece bietet dafür einen Satz Feinstimmer. Die arbeiten ganz ähnlich wie bei einem Floyd-Rose-System, sind aber doch deutlich schwieriger zu greifen bzw. nicht ganz so einfach zu drehen.

Epiphone B.B. King Lucille TP-6 Stop Bar Tailpiece

Epiphone B.B. King Lucille TP-6 Stop Bar Tailpiece

Die Epiphone B.B. King Lucille in der Praxis

Akustischer Grundklang/Handling

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Trotz ihrer fehlenden Resonanzöffnungen auf der Decke produziert die Epiphone B.B. King Lucille trocken angespielt eine ausreichende Lautstärke, um sie für das Jammen zwischendurch nicht gleich an den Verstärker anschließen zu müssen. Insgesamt betrachtet ist ihr Grundklang durchaus ausgewogen, es herrscht ein kräftiges Mittenspektrum vor, was sich ja immer positiv auf die Durchsetzungskraft innerhalb eines Bandgefüges auswirkt. Etwas schwächlich hingegen präsentiert sich das Sustain der Konstruktion und auch im Höhenspektrum dürften es gerne noch etwas ausgewogener zugehen. Die Bespielbarkeit des Halses ist gut gelungen, trotz der lackierten Rückseite hindert kein klebriges Spielgefühl die linke Hand bei ihrer Arbeit. Auch in puncto Saitenlage, Oktavreinheit und Intonation auf der gesamten Länge des Griffbretts gibt es rein gar nichts zu meckern. Unser Testinstrument war somit direkt aus dem mitgelieferten Koffer zum Einsatz bereit.

Elektrischer Klang

Die Varitone-Schaltung liefert in der Tat ein beeindruckendes Klangspektrum und macht die B.B. King Lucille damit äußerst flexibel einsetzbar. Die beiden verbauten Classic Pro Humbucker aus Epiphones eigener Fertigung reißen zwar mit ihrem Sound nicht gerade vom Hocker, dafür aber wirkt die Varitone-Schaltung viel mehr als nur ein bloßes Trostpflaster, um den Klang doch noch auf die richtige Spur zu bringen. Allerdings muss man beim Schalten durch die fünf Presets stets einen Lautstärkeverlust hinnehmen – das Mittenspektrum sorgt nun mal für ordentlich Krach und die Schaltung beschneidet ja das Signal genau in diesem Bereich. Da muss man also am Amp nachjustieren, um in den Genuss der verschiedenen und durchwegs interessanten Charaktere zu kommen, die sich nicht nur durch Nuancen, sondern grundlegend voneinander abheben. Erfreulich ist die Tatsache, dass das Signal nach Absenken einer der Volume-Regler nicht sonderlich an Kraft verliert, sodass man auch hier gerne weiter experimentieren darf.

Epiphone B.B. King Lucille – Klangbeispiele

Für die nun folgenden Klangbeispiele wurde die Epiphone B.B. King Lucille zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ Combo betrieben. Vor dem Boogie stand ein AKG C3000 Mikrofon für die Aufnahme in Logic Audio.

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Fazit

Sicherlich trennt die Epiphone B.B. King Lucille noch ein gutes Stück zu den US-Modellen der Gibson ES-Baureihe, die doch mit einem deutlich ausgeprägteren Charakter auffallen. Dennoch ist die „kleine“ Lucille eine weitgehend gelungene Semi-Hollow, die sich aufgrund ihrer variablen Schaltung und der damit ausgesprochen großen Klangvielfalt nicht nur für Freunde des Blues empfiehlt.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • hochwertige Hardware
  • gute Bespielbarkeit
  • sehr flexible Sounds
  • kommt im Koffer

Minus

  • Grundklang etwas müde

Preis

  • 899,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Blue

    Sorry, das klingt jetzt sicher blasphemischer, als es tatsächlich von mir gemeint ist …

    Aber es erschliesst sich mir nicht, welche Strategie die Marketingabteilung von Epiphone mit der „Lucille“ verfolgt. The late & great BB King ist seit 2015 nicht mehr unter uns und seine Glanzzeiten liegen mittlerweile wohl eher einige Jahrzehnte zurück. Die „Zielgruppe“ dürfte daher noch deutlich älter sein, als ich mit Mitte Fümfzig. Und die aktuellen Gitarrenkäufer(innen) wissen wohl nur in seltenen Ausnahmefällen überhaupt etwas vom früheren BB Bluesmeister.

    Dazu ist die „Lucille“ noch so ein unansehnliches und unergonomisches Großbrett mit „müdem Sound“. Wer bitte soll sich in diesen wirren Zeiten noch für sowas interessieren?

    Lasse mich gerne eines Besseren belehren …

    Cheers :)

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Och, ich glaube schon, dass es für die Lucille eine Zielgruppe gibt, zumal man mit ihr auch richtig abrocken kann. Sie klingt auch mit viel Overdrive ganz gut und gerade im Alternative-Lager gibt es genügend Leute, die an Alternativen interessiert sind :)

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