Test: ESP E-II FRX FM RDB, E-Gitarre

24. November 2017

Kompromisslose Streitaxt aus Japan

ESP E-II FRX FM RDB Front

ESP E-II FRX FM RDB

Die Firma ESP ist von je her bekannt als eine Bastion des Hard ’n‘ Heavy, daraus machen die Japaner auch gar keinen Hehl. Die Formen, Farben und Ausstattungen der Instrumente sprechen da eine eindeutige Sprache und manchmal geht man auch mutig einen Schritt nach vorne, wenn es um die Weiterentwicklung des Sortiments geht. Einen solchen Schritt ist ESP mit der ESP E-II FRX FM RDB gegangen, deren Äußeres die „metallerne“ Stammeszugehörigkeit schon auf den ersten Blick unmissverständlich klar macht. Das martialisch anmutende Instrument ist nun bei uns in der Redaktion eingetroffen und wartet darauf, genauestens inspiziert zu werden. Wir tun ihr den Gefallen!

ESP E-II FRX FM RDB komplett

ESP E-II FRX FM RDB

Facts & Features

Sicher eingepackt in einem robusten Koffer erreicht die ESP E-II FRX FM RDB ihren neuen Besitzer. Das kann man auch erwarten, wenn man deutlich über 2000,- Euro ausgibt, denn das kostet die in Japan hergestellte Gitarre im Laden. Das Geld scheint gut angelegt zu sein, zumindest empfindet man solch ein Gefühl, wenn man das Instrument zum ersten Mal in den Händen hält. Optik und Haptik stimmen hier einfach, auch wenn man über das Design des extrem aufwendig designten Korpus geteilter Meinung sein kann.

Um der Konstruktion schon von Beginn an einen soliden Grundsound zu verschaffen, besitzt die E-II FRX FM RDB einen durchgehenden Hals aus Ahorn (Set-Thru), an den zwei Teile Mahagoni angeleimt wurden. Abgerundet wird das Ganze mit einer Decke aus dezent geflammtem Ahorn, die in einem dunklen Blau/Lila Ton gebeizt wurde. Der Hersteller nennt dieses Finish ganz offiziell „Reindeer“, mir will aber in diesem Zusammenhang beim besten Willen keine passende Brücke zum Begriff „Rotwild“ einfallen. Vielleicht soll ja die Form des Korpus an die Front eines Rentiers erinnern?

Ein Ebenholzgriffbrett mit einem recht flachen Radius von 305 mm nimmt die 24 Jumbobünde auf. Die wurden exzellent eingesetzt und abgerichtet, das kann man nicht anders sagen! Bei der Orientierung helfen Dots aus Perlmutt an den bekannten Plätzen, in der Oktavlage hingegen sitzt ein Stück Perlmutt mit dem Namen des Herstellers.

ESP E-II FRX FM RDB Griffbrett

— Herkunft geklärt —

Die Rückseite der ESP E-II FRX FM RDB

Fast so geschwungen wie bei den Formen auf der Vorderseite geht es auch auf der Rückseite zu. Neben dem optimierten Hals-Korpus-Übergang wurde der Korpus an seiner Ober- und Unterseite mit weiteren Fräsungen versehen, um das Instrument bestmöglich an den Körper des Spielers anzuschmiegen.

ESP E-II FRX FM RDB Backside

— Rückseite der ESP E-II FRX FM RDB —

Die Abdeckungen für das Elektronikfach und die Batterie wurden versenkt eingesetzt, warum man das nicht auch mit dem Deckel für das Vibratofach gemacht hat, bleibt ein kleines Rätsel. Schön ist, dass das Batteriefach aus Metall ist und über einen Schlitten verfügt, der einen Batteriewechsel in wenigen Sekunden ermöglicht. Wichtig, wenn es mal drauf ankommt, denn ohne Saft aus der 9-Volt-Batterie gibt die E-II FRX FM RDB nämlich kaum einen Mucks von sich.

Die Hardware der ESP E-II FRX FM RDB

Auf der Decke wurde ein Original USA Floyd-Rose-Vibrato montiert, das für Upbendings eine entsprechende Fräsung im Korpus besitzt. Die hohe Qualität dieses verbauten Systems zeigt sich nicht nur im zuverlässigen Halten der Stimmung, sondern auch in einem kleinen, aber feinen Detail. Die Rede ist vom geschraubten Vibratohebel, dessen Funktionalität oft mit Kompromissen behaftet ist. Einige Leser werden sich sicherlich daran erinnern, wie ich in meinen Reviews immer wieder darauf hinweise, dass bei vielen FR-Systemen der Hebel entweder nach dem Einschrauben zu fest sitzt und nach Benutzung nicht aus dem Aktionsradius der rechten Hand verschwindet oder aber bei zu lockerem Eindrehen ein deutliches Spiel aufweist. Beides ist unpraktisch, bei dem System unserer Testgitarre allerdings anders, hier taucht sich nach gefühlvollem Anziehen der Hutmutter keinerlei Spiel auf und auch der Hebel ist so schnell wieder weg, wie man ihn genommen hat. Sehr gut!

ESP E-II FRX FM RDB Floyd Rose Vibrato

— Floyd-Rose-Vibrato – Made in USA —

Trotz des (notwendigen) Klemmsattels hat man der ESP E-II FRX FM RDB einen Satz robuster Klemmmechaniken spendiert, hier geht ESP also absolut auf Nummer sicher, auch wenn diese Art Mechaniken das Gesamtgewicht der Gitarre natürlich nach oben drückt. Doch keine Sorge, hier hält sich alles absolut im grünen Bereich auf, denn ein Schwergewicht ist unsere Testgitarre beileibe nicht. Die Mechaniken stammen von Gotoh und sind genau so rabenschwarz, wie es alle übrigen Teile der Hardware auch sind. Sie wurden an der ebenfalls avantgardistisch designten Kopfplatte angebracht, deren Optik der des Korpus angepasst wurde. Der Fachmann spricht hier von einem „Matched Headstock“.

ESP E-II FRX FM RDB Kopfplatte

— Kopfplatte im Matched Headstock Design —

Die Pickups der ESP E-II FRX FM RDB

Je ein Humbucker von EMG wurde an die Position an Hals und Steg bzw. Vibrato direkt in die Decke eingesetzt. Es handelt sich um die schon eine ganze Weile erhältlichen Modelle 89R (Neck) und 89 (Bridge), die über einen knackig einrastenden Dreiwegeschalter angewählt werden. Die beiden Potis mit ihren schwarzen Metallkappen bestimmen nicht nur Volume und Tone, sondern ermöglichen durch Anheben den Betrieb der Pickups im Singlecoil-Modus. Das Volumepoti kümmert sich hierbei um den 89R am Hals, während das Tonepoti den 89 Humbucker am Steg bedient. Man kann also beide Tonabnehmer getrennt voneinander als Einspuler betreiben, was der Klangvielfalt des Instruments natürlich nur zugutekommen kann. Eigentlich befinden sich innerhalb des Gehäuses gleich zwei Pickups von EMG: einmal das legendäre 85er Modell und das SA-Modell, ein offizieller Singlecoil aus dem Hause EMG.

ESP E-II FRX FM RDB EMG Pickups

— Optisch nicht voneinander zu unterscheiden – EMG 89 und 89R —

Zwischenzeugnis

Als eine wahrlich meisterhaft gefertigte Gitarre zeigt sich die E-II FRX FM RDB nach der ersten genauen Begutachtung. Das ganze Instrument wirkt, als sei es frisch aus dem Ei gepellt und besitzt mit dem durchgehenden Hals, den zwei aktiven EMGs und dem Original Floyd-Rose-Vibrato die allerbesten Voraussetzungen für eine gute Performance im Metalbereich. Wie sie sich in der Praxis nun schlägt, erfahren wir ab der nächsten Seite.

Sound & Praxis mit der ESP E-II FRX FM RDB

Die perfekte Verarbeitung der Bünde und des Halses insgesamt erlauben ein Setting, das dem einer echten Metalgitarre kaum würdiger sein könnte. Die angenehm flache Saitenlage und das schlanke Halsprofil ermöglichen somit eine Bespielbarkeit, mit der auch die modernsten Techniken wie Sweepings oder die Legatotechnik im wahrsten Sinne des Wortes „leicht von der Hand gehen“. Selbst die lackierte Halsrückseite hält die linke Hand kaum auf, hier scheint der Hersteller einen guten Mix aus Schutz des Holzes, der Optik der Gitarre und der Praxistauglichkeit gefunden zu haben.

Der akustische Grundsound strotzt nur so vor Sustain, hier macht sich die Neck-Through-Konstruktion mit einem fetten Fundament mehr als deutlich bemerkbar! Alle Positionen des Halses sind zudem bequem zu meistern, das gilt auch für den Bereich der zweiten Oktave, indem das untere Cutaway ein müheloses Erreichen bis hinauf zum 24. Bund ermöglicht. Schnarrer, Deadspots oder andere unerwünschte Artefakte sind auf der gesamten Länge des Halses keine auszumachen, darüber hinaus erlauben die sorgfältig polierten Jumbobünde für eine saubere Intonation.

Jetzt zu den Klangbeispielen, für die die ESP E-II FRX FM RDB an den Eingang meines Orange Micro Dark angeschlossen wurde. Als Box diente wie immer meine gute alte H&K GL-112-Box mit einem Celestion Vintage 30 Lautsprecher, vor der Box wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert.

In Klangbeispiel 1 geht es gleich mit einem Leadsound in die Vollen, gespielt auf dem Humbucker in der Stegposition. Präzise, druckvoll und klar geht es hier zur Sache.

Nun der Sound des EMGs am Hals, ebenfalls mit einer verzerrten Linie.

Jetzt zurück zum Stegpickup, allerdings nun mit einem verzerrten Riff. Der Klang ist typisch EMG – mit einer gleichmäßig hohe Dynamik und einem komplett aufgeräumten Frequenzbild.

Besonders gespannt war ich persönlich ja auf den Sound der Singlecoil-Schaltung der EMGs, auch wenn der gemeine Metaller dieses Feature vermutlich nicht allzu oft nutzen wird. Wird er vermutlich auch nicht, denn so fett und druckvoll die beiden EMGs im Humbucker-Modus noch agieren, so müde und schlapp fühlen sie sich sowohl im Clean- als auch im Crunch-Bereich an. Die Dynamik wird dann recht zäh und darunter leidet zwangsläufig auch das Spielgefühl, wie wir ja alle wissen. Klangbeispiel 4 zeigt nun die E-II FRX FM RDB mit einem nur angezerrten Sound, bei dem beide Humbucker in den Einspulermodus versetzt wurden.

Das Gleiche gilt für die Cleansounds, hier sollte man nicht allzu viel erwarten. Mit einem typischen Singlecoilsound, so wie wir ihn von Strat & Co. kennen, hat das nicht viel zu tun. Im abschließenden Klangbeispiel hören wir jetzt beide Humbucker als Singlecoils mit einem unverzerrten Sound.

Fazit

Der martialische Schein trügt ganz und gar nicht, denn die ESP E-II FRX FM RDB liefert genau das, für was sie gemacht wurde. Hier geht es kompromisslos zur Sache, dafür sorgt bereits der voluminöse Grundsound, den die zwei EMGs dann wirkungsvoll an den Verstärker liefern. Punktabzüge gibt es lediglich für den schlappen Singlecoilsound und wäre dieser Mangel nicht – ich wäre geneigt, der ESP E-II FRX FM RDB unsere höchste Auszeichnung zu verleihen!

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Bespielbarkeit
  • Optik

Minus

  • Pickups im SC-Modus schlapp

Preis

  • Ladenpreis: 2299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Komisch, für mich klingt sie im SC-Modus erheblich besser als mit den Humbuckern.
    Zumindest wenn ich nach Deinen Klangbeispielen gehe. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden :)
    Danke für den Test.

  2. Profilbild
    Danny Who  AHU

    ESP E-II FRX FM RDB. Welch unsägliche Produktbezeichnung. Noch unbenutzbarer sind nur noch die Namen von Samsung-Fernsehern. UE65MU6279U

    • Profilbild
      Coin  AHU

      Hallo Danny, man munkelt dass die Technikhersteller die Produktbezeichnung so sehr verschleiern, weil viele Kunden Preisvergleichportale anschmeissen und nach den Modellen suchen.
      Es geht wieder mal nur ums Geld.

  3. Profilbild
    Stephan Güte  RED

    Du hast Recht, komisches Geschwurbel .. so isses leider auch bei Ibanez: RG1234BK GB XL FR 0815 4711 ….

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Das ist eher ein sehr sehr sicheres Passwort aber als Produkt Bezeichnung völlig unbrauchbar. Im Gegensatz zur eigentlichen Klampf sicherlich gut verwendbar!

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      mort76  

      …jein…man kann diese Produktnamen nicht klangvoll in die Runde schmeißen- das stimmt. Aber wenn man im Netz nach genau DER Gitarre sucht, findet man auch genau DIE Gitarre…weil alle relevanten Infos in diesen Namen stecken. Andernfalls fällt die Suche schwerer und man findet jede Menge Gitarren, nach denen man nicht sucht.
      „Fender Stratoccaster“…klingt besser, aber wehe, man sucht ein bestimmtes Modell…

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Stimmt, sehr gut erkannt. Trotzdem wenn ich eingebe Jackson Rhandy Rhoads 1990 Bolted Steel dann habe ich genau meine Gitarre und kein anderes Modell, und klingt gut. Probiere es einfach mal aus. Davon gibt es nur 50 Stück. Und der Name klingt gar nicht mal so bescheuert.

        • Profilbild
          Danny Who  AHU

          Eindeutige Identifizierung ist super. In der Tat würden es bei absurd hoher Mikro-Produktdifferenzierung mit einem kurzen, aber kryptischen Namen vielleicht leichter fürs Web. Aber für die Menschen? Leider scheinen ja (als DJ die Gitarrenwelt betrachtend) gerade in eurem Business die Hersteller jeden kleinsten Gedanken in ein neues Modell zu verwandeln.

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