Test: Fender InEar FXA5, FXA6, FXA7

20. April 2018

Born in the USA

Drei Fender InEar-Hörer im Vergleich

Dass der amerikanische Konzern Fender seit geraumer Zeit auch InEar-Hörer vertreibt, dürfte sich mittlerweile sicherlich rumgesprochen haben. Bereits im Januar 2016 gingen diese Nachrichten durch die Medien und verkündeten: Fender bietet erstmalig InEar-Hörer in seinem umfangreichen Portfolio zwischen Gitarren und Amps an. Dazu hat sich der Gigant den amerikanischen Boutique-Hersteller Aurisonics einverleibt, der mit seinen Produkten bis dahin eine spezielle Gruppe professioneller Musiker und audiophiler Kunden im Visier hatte.

Die neuen Fender Modelle sind nach bewährter Aurisonics Tradition gefertigt und eine Besonderheit ist hierbei die Herstellung der Gehäuse im 3D-Druckverfahren. Fender ist stolz darauf, die Passform der neuen InEar-Systeme so getroffen zu haben, dass sich die DHT-Gehäuse (Digital Hybrid Technology) wie maßgeschneidert im Ohr anfühlen sollen. Man habe dazu unzählige Ohren analysiert und aus den gewonnenen Daten diese eine (universelle) Form errechnen können, die bei 95 Prozent aller Benutzer perfekt passen soll.

Unterschiede im Preis

Wir haben uns drei unterschiedliche Systeme des InEar Newcomers aus Übersee herausgepickt und wollen überprüfen, wie sie klingen, wie es mit dem Tragekomfort aussieht und was man überhaupt für die unterschiedlichen Preisstufen geboten bekommt. Die drei Testkandidaten FXA5, FXA6 und FXA7 gleichen sich von der Formgebung und den Kabeln wie ein Ei dem anderen, unterscheiden sich dann aber neben der Farbgebung vor allem durch die inneren Werte – eigentlich ja auch klar. Das mitgelieferte Zubehör beim FXA7 trägt, wenn auch nur zum Teil, ebenfalls zur unterschiedlichen Einpreisung bei.

Die aktuellen Ladenpreise der drei Systeme:

  • FXA5 Pro Silver: 229,- Euro
  • FXA6 Pro Red: 279,- Euro
  • FXA7 Pro Gold: 359,- Euro

 

Ein erster Blick auf die technischen Daten und das abgebildete Zubehör der drei Fender InEar-Hörer ermöglicht erste Einschätzungen.

 

Fender FXA5 Pro Silver

Fender

Komplettpaket Fender InEar FXA5

  • System: 2-Wege InEar-Hörer, dynamisch, mit Balanced Armature Treibern und Groove-Tuned Bassport
  • Frequenzbereich: 6 bis 24.000 Hz
  • Impedanz: 16 Ohm
  • Maximalpegel: 120 dB @ 1 kHz @ 1mW
  • ca. 22 dB Außengeräuschdämpfung
  • abnehmbares Kabel
  • 3,5 mm Stereoklinke
  • Farbe: silber-metallic
  • Zubehör: Case, 1/8″ auf 1/4″ Adapter (Miniklinke auf Klinke), diverse SureSeal Ohrpolster, Reinigungsset und Kabel
  • Besonderheiten: handgefertigt

 

Fender FXA6 Pro Red

Fender

Komplettpaket Fender InEar FXA6

  • System: 1-Weg InEar-Hörer, dynamisch
  • einzelner HDBA Tweeter, Präzisionstreiber (9,25 mm), optimierte Basswiedergabe (Groove-Tuned Bassport)
  • Frequenzbereich: 6 bis 22.000 Hz
  • Impedanz: 16 Ohm
  • Maximalpegel: 109 dB @ 1 kHz @ 1mW
  • ca. 22 dB Außengeräuschdämpfung
  • abnehmbares Kabel
  • 3,5 mm Stereoklinke
  • Farbe: rot-metallic
  • Zubehör: Case, 1/8″ auf 1/4″ Adapter (Miniklinke auf Klinke), diverse SureSeal Ohrpolster, Reinigungsset und Kabel
  • Besonderheiten: handgefertigt

 

Fender FXA7 Pro Gold

Fender

Komplettpaket Fender InEar FXA7

  • System: 2-Wege InEar-Hörer, dynamisch
  • zwei HDBA Tweeter, Präzisionstreiber (9,25 mm), optimierte Basswiedergabe (Groove-Tuned Bassport)
  • Frequenzbereich: 6 bis 24.000 Hz
  • Impedanz: 16 Ohm
  • Maximalpegel: 110 dB @ 1 kHz @ 1mW
  • ca. 22 dB Außengeräuschdämpfung
  • abnehmbares Kabel
  • 3,5 mm Stereoklinke
  • Farbe: gold-metallic
  • Zubehör: Case, 1/8″ auf 1/4″ Adapter (Miniklinke auf Klinke), Ohrstöpsel mit Akustikfilter, diverse SureSeal Ohrpolster, Reinigungsset und Kabel
  • Besonderheiten: handgefertigt

Was fällt besonders auf?

Ja, handgefertigt – ihr habt richtig gelesen. Die Gehäuse werden am Standort der aufgekauften Firma Aurisonics in Nashville USA in Handarbeit gefertigt. Außerdem sind sie servicefreundlich verschraubt, was schon die ersten Pluspunkte liefert.

 

Die Treiber unterscheiden sich gewaltig

Die größten Unterschiede liegen in der Treiberbestückung. Während der FXA5 und der FXA7 mit 2-Wege-Systemen arbeiten, reicht beim FXA6 ein 1-Weg-System zur Klangerzeugung aus.

Fender

Fender FXA5

 

Die 2-Wege-Systeme unterscheiden sich zudem ebenfalls. Fender beschreibt den Treiber im FXA5 so: Ein Dual Balanced-Armature-Array ist vergleichbar mit einem punktuell abstrahlenden Lautsprecher, der den Sound im gesamten Frequenzspektrum sauber in eine Richtung bündelt. In Kombination mit dem Custom 6,5 mm Präzisionstreiber und Groove-Tuned Port erhält man das bestmögliche Klangergebnis, sozusagen das Beste aus zwei Welten – schnelle Ansprache, klar definierte Höhen und satte knackige Bässe.

Fender

Fender FXA7

 

Das 2-Wege-System im FXA7 ist hingegen anders aufgebaut. Hier treffen wir zwei HDBA Tweeter und Custom Rare-Earth-Präzisionstreiber (9,25 mm) an. HDBA steht für Hybrid-Dynamic tuned Balanced Armature Array und ist eine von Fender patentierte Technik, bei der mit dynamischen Custom Treibern die Klangreinheit von BA-Treibern erzeugt werden soll. Das Ergebnis: schnelle Ansprache mit fein differenzierten Höhen und satten knackigen Bässen.

Fender

Fender FXA6

 

Das 1-Weg-System im FXA6 besteht aus einem einzelnen HDBA Tweeter mit Custom Rare-Earth-Präzisionstreiber (9,25 mm). Die sogenannten Rare-Earth-Treiber (entweder Neodym oder Titanium) sind übrigens leistungsstärker als traditionelle Magnet-Metalle.

Der sogenannte Groove-Tuned Port begegnet uns bei allen drei Systemen. Diese technische Lösung soll vor allem Bassfrequenzen präziser darzustellen. Denn um ordentlich Bässe zu produzieren, muss mehr Luft bewegt werden als bei höheren Frequenzen. Der Groove-Tuned Bassport lässt diese Luft an den Treiber, wodurch die Bassansprache deutlich besser sein soll – ohne dass sich das bei Gewicht oder Größe der Hörer bemerkbar macht.

Im Kopfhörerbereich unterscheidet man zwischen Balanced Armature (BA-) Treibern und dynamischen Treibern. Diese beiden Treiber-Formen kommen bei Kopfhörern am häufigsten zum Einsatz.

Was sind denn Balanced-Armature-Schallwandler?

Dazu findet sich bei Wikipedia eine gute Erklärung. Das Balanced-Armature-Schallwandler-Design soll in erster Linie den elektrischen Wirkungsgrad durch den Wegfall der Belastung auf die Membran erhöhen, wie es charakteristisch für viele andere Antriebsarten ist. Das BA-Prinzip besteht aus einem Permanentmagneten und einem genau in dessen Magnetfeld zentrierten, beweglich gelagerten Anker. Im Zentrum des Magnetfelds gibt es keine resultierende Kraft auf den Anker, daher der Begriff „ausgewogen“. Wenn nun Strom durch die Spule des Ankers fließt, magnetisiert der Anker, sodass er leicht in die eine oder andere Richtung bewegt wird. Die Membran ist mit einem Antrieb am Anker befestigt und erzeugt daraufhin Schallwellen.

Wikipedia

Balanced Armature Schematik (Bild aus Wikipedia)

 

Das Design ist mechanisch nicht stabil und der Anker würde, vom Permanentmagneten angezogen, haften bleiben. Daher ist eine relativ steife Membran mit hoher Rückstellkraft erforderlich, um den Anker in der „Balance“ zu halten. Obwohl das die Effizienz negativ beeinflusst, kann diese Konstruktion besser als jede andere aus wenig Strom Klang erzeugen (…)

Heute werden sie normalerweise in Ohrkanalhörern (InEar-Ohrhörern) und Hörgeräten auf Grund ihrer geringen Größe und niedrigen Impedanz verwendet. Sie sind in der Regel auf den Hörbereich des Menschen begrenzt und erfordern eine höhere Abdichtung als andere Arten von Treibern, um ihr volles Potenzial zu liefern. High-End-Modelle können mehrere BA-Treiber verwenden, um das Klangspektrum besser darstellen zu können. Mit Hilfe einer passiven Frequenzweiche werden diese zu einem Gesamtklangbild kombiniert. Es gibt auch Modelle, die BA-Treiber mit klassischen Spulenmembran-Treibern für den Bassbereich kombinieren (…).

Vorteile von Balanced-Armature-Treibern sind unter anderem ein detailreicher und klarer Sound, die geringe Größe und das geringere Gewicht. Auch die geringere Leistungsaufnahme macht den Unterschied zu dynamischen Treibern. Als Nachteile kann man einen geringfügig schwächeren Bass und den höheren Preis im Gegensatz zu dynamischen Treibern nennen. Auch sind meist mehr Treiber notwendig, um alle Frequenzbereiche gut abzudecken.

Was sind dynamische Treiber?

Dynamische-Treiber in InEar Hörern sorgen dafür, dass InEar Systeme zu günstigen Preisen angeboten werden können. Im Gegensatz zu Balanced-Armature-Treibern deckt ein einziger Treiber das gesamte Klangspektrum ab. Dynamische Treiber funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie dynamische Lautsprecher.

Die Vorteile von dynamischen Treibern sind der günstige Preis, die Robustheit und die bessere Wiedergabe der Bässe. Als Nachteile sind der nicht so detailreiche Sound im Gegensatz zu Balanced-Armature-Treibern ebenso zu nennen, wie die nicht so klare Höhenwiedergabe und das etwas höhere Gewicht bzw. die Größe.

Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Man wundert sich doch immer wieder was so eine einzige Firma alles zustande bringt an völlig verschiedenen Produkte. Ganz extrem finde ich macht es Arturia, die sind ja sehr unterschiedlich aufgestellt.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Nein, Arturia ist meiner Meinung nach genial. Die Qualität ist spitze. Fender dagegen verzettelt sich und versucht sein Glück auch in der billigsten Sparte, was dazu führt dass der Name Fender nicht immer gleich höchste Qualität bedeutet. Zum Beispiel bei ihren komischen modeling Amps, sieht gut aus, erinnert mich an die geilen Fenderamps von früher und klingt wie geschi…. n. Marshall macht den Quatsch auch, mit Code, und klingt wie der Name vermuten lässt, einfach schei….se

  2. Profilbild
    Beatmaster

    Habt ihr das nicht was verwechselt? Soweit mir bekannt ist handelt es sich beim FXA5 nicht um einen Hybriden, sondern um ein reines 2BA Setup – deshalb auch die höhere Lautstärke im Vergleich zu einem dynamischen bzw hybriden IE!

    • Profilbild
      p.ludl  RED

      Ja, hab mich durch die Website von Fender in die irre leiten lassen. Das schreiben sie: HYBRID-TREIBER

      Ein Dual Balanced Armature Array ist vergleichbar…

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