Test: FGN Guitars Expert Flame, E-Gitarre

31. März 2020

Edle Singlecut Made in Japan

FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre

FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre

Wir sind heiß auf FGN Guitars! Nach den starken Vorstellungen der Vergangenheit – wir hatten bereits einige der günstigeren Instrumente des japanischen Herstellers in der Mache – ist es nun an der Zeit, sich mal ein Instrument aus der Oberklasse von FGN anzuschauen. Dieses Mal geht es um eine Singlecut, die von ihrer Konstruktion und den Zutaten her betrachtet durchaus als Alternative zur Les Paul gesehen werden kann: Mahagonikorpus, Riegelahorndecke, eine Kombination aus Steg und Tailpiece zur Saitenaufnahme sowie zwei Humbucker sind Dinge, die einem doch recht bekannt vorkommen und sich seit Jahrzehnten schon bewährt haben. Allerdings hat diese japanische Handwerkskunst auch ihren Preis, der ähnlich wie der einer US-Gibson ausfällt. Ob sich der Blick über den Tellerrand dennoch lohnt, werden wir versuchen im folgenden Artikel herauszufinden.

FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre

FGN Guitars Expert Flame – Facts & Features

Keine Frage, die geflammte Decke im „Antique Violin“ Finish macht schon mächtig was her und ist ein absoluter Blickfang, auch wenn die beiden Teile Ahorn nicht ganz exakt „bookmatched“ zueinander verleimt wurden. Dazu kommt eine sauber ausgeführte und kräftige Konturierung der Decke, die dem Body einen mehr als organischen Schliff verpasst und dem Unterarm eine bequeme Auflagefläche bietet. Eine ausgeprägte Fräsung in der Innenseite des Cutaways sowie der sehr klein ausgefallene Halsfuß sorgen für ein sehr gutes Erreichen der höchsten Lagen auf dem Griffbrett.

Der Korpus besteht aus zwei Teilen Mahagoni, besitzt eine schöne gleichmäßige Maserung, an den Rändern zur Decke wurde das Finish jedoch ausgelassen, sodass hier ein natürlich wirkendes Binding entstanden ist und man einen guten Blick auf die rund 2,5 cm dicke Ahorndecke erhält. Überzogen wurden Korpus und auch der eingeleimte Mahagonihals mit einer matten Lackierung, das sorgt ganz besonders für Freude bei der Greifhand, denn das Spielgefühl der Halsrückseite könnte so kaum angenehmer ausfallen. Doch der Hals besitzt noch weit mehr interessante Features.

FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre Halsfuß

FGN Guitars Expert Flame – schlanker Halsfuß

FGN Guitars Expert Flame – Circle Fretting Technology

Auch hier kommt wieder die patentierte „Circle Fretting Technologie“ von FGN Guitars zum Einsatz. Abgesehen davon, dass die Bünde an ihren Kanten und auf den Oberflächen perfekt verarbeitet wurden, besitzen sie zusätzlich eine leichte Biegung. Dazu lassen wir aber am besten den Hersteller selbst zu Wort kommen bzw. die Erklärung übernehmen:

Bei der Circle Fretting Technologie laufen alle Saiten exakt im gleichen Winkel über die mit bearbeiteten Bünde, was genaueste Intonation und außerdem ein längeres Sustain und einen klareren Ton ermöglicht. Aufgrund des trapezförmigen Griffbretts bei konventionell bundierten Hälsen läuft keine der Saiten im rechten Winkel über die Bünde. Je näher eine Saite am Griffbrettrand ist, desto weiter ist sie vom rechten Winkel entfernt. Wenn die Saite dann auf den Bund gepresst wird, verursacht dieser Winkel einen geometrisch unscharfen Auflagepunkt, welcher die Saitenschwingung negativ beeinflusst. Das Resultat ist eine leicht verzerrte Intonation. Beim Circle Fretting System werden statt gerader minimal gebogene Bundstäbe im Griffbrett montiert, daher passiert jede Saite jeden Bund in exakt rechtem Winkel. Die Kontaktpunkte jeder Saite in jeder Position sind präzise definiert und erlauben es den Saiten mit einem Minimum an Verzerrung zu schwingen.“

FGN Guitars Expert Flame, E-Gitarre circle-fretting-system

Mit dem bloßen Auge ist diese Biegung der Bundstäbchen natürlich nicht zu erkennen, tatsächlich aber intoniert das Instrument an jeder Stelle des Griffbretts wundervoll sauber und rein. Und das gilt nicht nur für Powerchords, sondern auch für aufwendigere Akkorde und mehrstimmige Voicings. Bei den Inlays wurde auch richtig reingehauen: Doppelte und mehrfarbige Perlmutt-Inlays zieren das Griffbrett aus feinem indischem Palisander an den bekannten Stellen.

FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre Griffbrett

FGN Guitars Expert Flame – Griffbrett mit perfekter Verarbeitung

Brücke und Tailpiece mit String-through-Option

Bei der Brücke setzt FGN auf die Qualität aus dem Hause Gotoh, das Tailpiece ist jedoch eine Eigenentwicklung und bietet dem Benutzer die Option, die Saiten entweder wie üblich von hinten einzufädeln oder aber durch den Korpus zu führen. Bei unserem Testinstrument waren sie direkt in das Tailpiece eingesetzt, das Schwingungsverhalten sollte aber beim Einsetzen durch den Korpus noch einmal deutlich an Power dazu gewinnen. Dabei besitzt die FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre so schon ein beachtliches Sustain, doch dazu später mehr im Praxisteil. Am anderen Ende der Drähte erwarten uns ebenfalls Produkte aus dem Hause Gotoh, die sechs Mechaniken bieten eine der Preisklasse angemessene Qualität. Während der Testdauer gab es ohnehin keine Probleme mit dem Halten der Stimmung, insofern ist es gar nicht verwerflich, dass es sich bei den Tunern um einfache Modelle, d. h. ohne Locking-Funktion handelt. Das drückt ja eh nur das Gewicht nach oben.

FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre Tailpiece

FGN Guitars Expert Flame – Gotoh Brücke und FGN Tailpiece

Humbucker aus eigener Entwicklung – handgewickelt

Die beiden AlNiCo2-Humbucker auf der Decke der FGN Guitars Expert Flame sind eine Eigenentwicklung von FGN und wurden in Handarbeit gewickelt, so bewirbt es zumindest der Hersteller. Geschaltet wird über einen Dreiwegeschalter im oberen Teil des Korpus und hier tritt zum ersten Mal eine Schwachstelle in der Verarbeitung auf. Denn nicht nur dass der Schaltweg sehr kurz ausgefallen ist, das Teil wackelt auch ganz ordentlich in seinem Sitz und passt von daher so gar nicht in die ansonsten beeindruckend gute Verarbeitung der Gitarre.

Was mir persönlich ebenfalls nicht passt, ist die fehlende Singlecoil-Schaltung der beiden Doppelspuler: Für einen solch hohen Preis, wir sprechen hier über eine E-Gitarre, die immerhin die 2000-Euro-Marke deutlich übersteigt, könnte man diese Option sicherlich erwarten. So aber gibt es nur die Möglichkeiten, den Neck-Humbucker allein, beide Humbucker zusammen oder den Kollegen am Steg im Solobetrieb auszuwählen. Etwas mager, oder nicht?

FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre Pickup

AlNico5 Humbucker, leider ohne Singlecoil-Option

Die Expert Flame in der Praxis

Akustischer Grundsound/Handling

Nach dem Erkunden von so vielen feinen Zutaten ist die Erwartungshaltung natürlich entsprechend groß – aber nicht alles kann die FGN Guitars Expert Flame E-Gitarre erfüllen. Positiv zu bewerten ist das niedrige Gewicht des Instruments: Trotz fehlender Hohlkammern im Innern des Korpus ist die Konstruktion überraschend leicht und lässt Besitzer von sackschweren Paulas nur neidisch rüberblicken. Die Bespielbarkeit kann man trotz der relativ hohen Saitenlage, mit der unser Testinstrument ausgeliefert wurde, als gut bezeichnen, das Satinfinish auf der Halsrückseite sowie das angenehm flache Halsprofil setzen der Greifhand keinen nennenswerten Widerstand entgegen.

Die absolute Domäne dieser E-Gitarre aber ist ihr unglaubliches Sustain, obwohl die Saiten in unserem Fall ja nur ganz schlicht in das Tailpiece eingeführt wurden. Kaum vorstellbar, welchen Schub es noch zusätzlich geben würde, wenn man die Drähte durch den Korpus schickte! Dieser kraftvolle Ton lässt selbst nur schwach angepickte Noten stets mit einer Wucht rüberkommen, die wahrlich beeindruckend ist!

Elektrischer Sound

Handgewickelt hin oder her – so richtig überzeugen können mich die beiden FGN-Humbucker leider nicht. Nicht nur die fehlende Singlecoil-Option ist der Grund dafür, die Pickups klingen speziell im höheren Zerrbereich etwas „körnig“ und neigen dann auch schnell zum Matschen. Besser gefallen da die angezerrten Sounds mit nur wenig Gain am Amp, was die Gitarre somit für die Stilistiken Classic-Rock und/oder Blues sehr interessant macht. In diesem Bereich bieten sie stramme Bässe, ein ausgeglichenes Höhenspektrum und ein nicht zu überbetontes Mittenbild, das sich insgesamt gut durchzusetzen weiß und sich auch mit Nebengeräuschen erfreulich zurückhält. Dennoch dürfte man hier angesichts des stolzen Preises der FGN Guitars Expert Flame durchaus etwas mehr erwarten.

FGN expert Flame E-Gitarre backside

FGN Guitars Expert Flame – Klangbeispiele

Nun genug der Worte, hören wir uns die FGN-Singlecut mal an! Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Gitarre in meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark eingeklinkt. Angeschlossen war eine 1×12″ Celestion Vintage 30 Box, die über ein AKG C3000 Mikro abgenommen wurde. Effekte wurden keine benutzt, lediglich die Pegel wurden mit einem Limiter in Logic angepasst.

Fazit

Hinsichtlich ihrer Verarbeitung und der gewählten Komponenten/Bauteile, aus denen die FGN Guitars Expert Flame zusammengesetzt wurde, kann es keine zwei Meinungen geben. Hier herrscht, bis auf die Ausnahme mit dem fragilen Dreiwegeschalter, ein absolutes Top-Niveau vor, das ohne Zweifel an der Spitze japanischer Gitarrenbaukunst anzusiedeln ist. Weniger überzeugen kann jedoch ihr Klang, der m.M.n. nur durchschnittlich ist und der Fertigungsqualität deutlich hinterher hinkt. Handgewickelte Pickups hin oder her.

Plus

  • hochwertige Verarbeitung
  • Qualität Hardware
  • gute Bespielbarkeit
  • höllisch fettes Sustain

Minus

  • Klang wenig flexibel
  • fragiler Dreiwegeschalter
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 2199,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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