Test: FGN Boundary Iliad, E-Gitarre

21. Januar 2020

FGN-Tele mit starker Vorstellung!

FGN Boundary Iliad E-Gitarre

FGN Boundary Iliad E-Gitarre

Momentan scheint FGN-Guitars regelrecht eine Offensive zu fahren, denn jede Menge dieser preisgünstigen in Japan hergestellten Instrumente erreichen unsere Redaktion, um genauestens begutachtet zu werden. Die mir nun zum Test vorliegende FGN Boundary Iliad ist somit nicht die erste E-Gitarre des Herstellers, die ich zwischen meinen Fingern habe. Es ist noch gar nicht so lange her, da stellte sich eine Super-Strat von FGN unserem Test – und sie überzeugte mich damals in vielen Punkten. Der Preis beider Instrumente ist exakt gleich, knapp 500,- Euro ist auch bei unserer Tele fällig. Ob sie genau so überzeugen kann und wie sich so eine Tele aus dem Hause FGN spielt, werden wir jetzt und hier klären.

Facts & Features

Zugegeben, ein paar Feinheiten im Detail des Korpus sind etwas anders, als wir es vom berühmten Vorbild her kennen. Das betrifft primär das weiter ausgeschnittene und etwas spitzer verlaufende Cutaway und weiterhin das Shaping im oberen Teil des Bodys auf der Rückseite, landläufig wohl bekannt unter dem saloppen Begriff „Bierbauchfräsung“. Der Korpus wurde aus Linde gefertigt und im Falle unseres Testinstruments mit einem gleichmäßig verlaufenden Cherry-Sunburst-Finish versehen und mit einer hochglänzenden Lackschicht versiegelt. Die FGN Boundary Iliad gibt es noch in einfachem Schwarz, mit den exakt gleichen Spezifikationen und keinen Cent teurer. Knapp 500,- Euro will der Händler für diese Tele-Kopie von uns, was für eine E-Gitarre aus japanischer Fertigung tatsächlich verdammt günstig ist.

Um ehrlich zu sein: Auf den ersten Blick könnte man auch locker auf den doppelten Preis tippen, so hochwertig wirkt das Instrument auf das Auge des Betrachters. Dafür sorgt aber nicht nur die rundherum sauber aufgebrachte Lackierung, die verchromte Hardware auf der Decke trägt dazu ebenfalls ihren Teil bei. Zu ihr gehört, wie bei der Original Fender Tele, die Metallplatte zur Aufnahme des Steg-Pickups und des Sattels und, gar nicht so wie beim Original von Fender, die verchromte Abdeckung des Humbuckers, denn ein solcher befindet sich in der Halsposition.

FGN Boundary Iliad Humbucker in Halsposition

FGN Boundary Iliad: Humbucker in Halsposition

Er sitzt dort auf einem weißen, dreilagigen Pickguard, das gut die Hälfte der Decke bedeckt und das den Rest der Elektronik ebenfalls aufnimmt. Dazu gehören der Dreiwegeschalter sowie die Regler für Lautstärke und Klang, wobei das Tone-Poti als Push-Pull-Variante den hauseigenen FGN-Humbucker in den Singlecoil-Modus versetzen kann. Einen echten Einspuler gibt es aber auch noch, der sitzt wie beim Original am Steg und stammt ebenfalls aus dem Hause FGN-Guitars. Die Bedienelemente sind robuste Kandidaten, so rastet der Schalter sauber und knackig in seinen drei Positionen ein und auch die beiden Regler verdienen durchaus Respekt für ein Instrument dieser Preisklasse!

Zwischen dem Schalter und den beiden Potis geht es zudem nicht ganz so beengt zu wie bei der originalen Telecaster, es besteht also keine Quetschgefahr, zumal sich Potis und Schalter direkt auf der Decke montiert (und nicht etwa auf einer eigenen Blende) befinden. Griffgünstig sind sie dennoch positioniert und dank der Metallknöpfe gelingt auch das Anheben des Tone-Potis selbst mit schweißnassen Händen mühelos.

Der Hals

Der besteht aus einem Stück weizengelbem Ahorn, wurde sauber in die Tasche im Korpus eingesetzt und mit vier Schrauben bombenfest verankert. Die Qualität der Bundierung ist hervorragend gelungen – nichts steht über oder piekst an den Rändern, hinzu kommen die sauber polierten Oberflächen der Bundstäbchen, die auch hier wieder mit dem patentierten „Circle Fretting System“ eingesetzt wurden. Hier noch mal eine kurze Info für alle die, die mit diesem Begriff bisher nichts anfangen konnten:

„Bei der Circle Fretting Technologie laufen alle Saiten exakt im gleichen Winkel über die mit bearbeiteten Bünde, was genaueste Intonation und außerdem ein längeres Sustain und einen klareren Ton ermöglicht. Aufgrund des trapezförmigen Griffbretts bei konventionell bundierten Hälsen läuft keine der Saiten im rechten Winkel über die Bünde. Je näher eine Saite am Griffbrettrand ist, desto weiter ist sie vom rechten Winkel entfernt. Wenn die Saite dann auf den Bund gepresst wird, verursacht dieser Winkel einen geometrisch unscharfen Auflagepunkt, welcher die Saitenschwingung negativ beeinflusst. Das Resultat ist eine leicht verzerrte Intonation. Beim Circle Fretting System werden statt gerader minimal gebogene Bundstäbe im Griffbrett montiert, daher passiert jede Saite jeden Bund in exakt rechtem Winkel. Die Kontaktpunkte jeder Saite in jeder Position sind präzise definiert und erlauben es den Saiten mit einem Minimum an Verzerrung zu schwingen.“

Und hier ein Bild, auf dem der Unterschied zu herkömmlichen Bundierungen dargestellt wird:

FGN Boundary Iliad Circle Fretting System

FGN Boundary Iliad Circle Fretting System

Ob es etwas bringt oder nicht: Bei unserem Testinstrument gab es hinsichtlich der Intonation und der Oktavreinheit rein gar nichts zu beanstanden. Akkorde und Voicings, gleich in welcher Position auf dem Griffbrett auch immer, klangen stets sauber und klar. Und das Greifen macht echten Spaß, denn die angenehm flache Halsrückseite bietet mit der nur satinierten Oberfläche ein Spielgefühl, wie es der linken Hand kaum besser gefallen könnte. Darüber hinaus war unser Testinstrument tipptopp eingestellt, was die Saitenlage betrifft. Kein Wunder, denn bei so einer erstklassigen Verarbeitung von Hals und Bünden sind bei einer E-Gitarre eben solche Traumwerte möglich!

Die Hardware

Einen Teil der verbauten Hardware an der FGN Boundary Iliad E-Gitarre habe ich bereits erwähnt: der „Aschenbecher“, der den Steg-Singlecoil aufnimmt und in dem auch die Brücke eingebettet wurde. Um noch etwas mehr „Punch“ aus dem Grundsound der Linde-Ahorn-Konstruktion zu bekommen, verfügt die FGN Boundary Iliad über eine String-through-Saitenführung. Die Saiten werden also an der Rückseite des Korpus eingefädelt und laufen dann mit ordentlich Druck über die Brücke, die aus eigener Produktion stammt. Am anderen Ende, an der Kopfplatte nämlich, wartet ein Satz Vintage-Style-Mechaniken von Gotoh auf die heiligen sechs Drähte. Und auch an dieser Stelle wurde kein Stück gespart, denn die Tuner passen mit ihren kleinen Buttons nicht nur optisch gut zur Gitarre, sondern verrichten ihren Job darüber hinaus auch sehr gut. Kein Spiel oder etwa Wackeln auf den Achsen, so gelingt das Stimmen schnell und stressfrei!

FGN Boundary Iliad Headstock

FGN Boundary Iliad Headstock

Die Boundary Iliad im Praxis-Check

Von warmen und druckvollen Sounds des Front-Humbuckers, über obertonreiche Klänge bei Verwendung beider Pickups bis hin zum rasiermesserscharfen „Twäng“ des Singlecoils am Steg reicht die Klangpalette unserer FGN-Tele und beeindruckt dabei mit einem sehr knackigen Attack, was zum überwiegenden Teil auf den einteiligen Ahornhals zurückzuführen ist. Für die guten Werte in Sachen Sustain und Resonanzen dürfte hingegen die Saitenführung durch den Korpus verantwortlich sein, ein extremer wichtiger Punkt und von vielen anderen Herstellern eben so gerne genutzt. Über die hervorragende Bespielbarkeit habe ich bereits berichtet, gleichwohl pendelt sich die FGN Boundary Iliad E-Gitarre ausgewogen am Gurt ein und ist auch im Sitzen sehr bequem zu bespielen. Alles Faktoren, die für eine gute Performance mit dem Instrument sprechen.

Doch wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten nicht weit und auch bei der FGN Boundary Iliad gibt es Dinge, die nicht ganz so gut gefallen. O.k., eigentlich ist es nur eine Sache und zwar der Klang des Singlecoils. Bei aller Liebe zum beißenden, typischen und durchsetzungsfähigen „Twäng-Sound“, den man von einer Tele kennt, liebt und schätzt, ist der Klang des FGN-Singlecoils am Steg eher als dünn und schrill zu bezeichnen. Alleine genutzt muss man schon ordentlich am Amp nachregeln, um das Signal wieder brauchbar anzudicken. Zusammen mit dem Humbucker jedoch wendet sich das Bild und der warme, fette Sound des gelungenen Doppelspulers am Hals bekommt ein schönes Höhenbild vom Kollegen am Steg dazu. Zusammen läuft eben vieles besser!

Klangbeispiele

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen: FGN Boundary Iliad – Orange Micro Dark Head mit angeschlossener 1×12″ Celestion V 30 BoxAKG C3000 MikrofonLogic Audio ohne weitere Bearbeitung der Tracks.

Fazit

Da kann man nur den Hut ziehen! Für knapp 500,- Euro präsentiert FGN-Guitars uns mit der Boundary Iliad Cherry Sunburst eine Telecaster-Kopie, die dem Original nicht nur verdammt nahekommt, sondern es an mancher Stelle sogar übertrifft. Und damit meine ich nicht nur die mexikanischen Fender-Modelle, sondern gerne auch die, die in den USA hergestellt werden. Ein ganz heißer Tipp für alle Fans des einfachen Bretts!

Plus

  • hervorragende Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • Klang/Resonanzverhalten
  • Optik
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Singlecoil-Sound dünn bzw. schrill

Preis

  • 499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    Die Sache mit der speziellen Bundierung klingt ja sehr gut. Aber wie ist das, wenn ich mal die Gitarre neu bundieren lassen will? Kriegt das irgendein Gitarrenbauer in Deutschland dann so hin oder wie sieht das denn in der Praxis aus?

  2. Profilbild
    Martin Z.

    Ich kann bestätigen, daß der Steg-Tonabnehmer eher einen dünnen Klang hat und meines Erachtens auch klanglich gegenüber dem Hals-Humbucker (auch im Single-Coil Modus) untergeht.
    Ich habe ihn durch einen DiMarzio DP384 ersetzt, den ich nun mit dem gleichen Push-Pull Poti in den Single-Coil Modus versetzen kann (eine Schalterebene ist noch frei und dafür nutzbar).
    Mit dieser Lösung bin nun rundum zufrieden.

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