Test: Focusrite Red 1 500, System 500 Mikrofonvorverstärker

25. April 2016

Die rote Nr.1

Nun stellt also auch Focusrite seine erste System-500 Kassette vor und startet gleich mit einem Paukenschlag. So wurde der seit Längerem nicht mehr hergestellte Preamp der originalen Red-Serie ins populäre Format portiert. Da bin ich mächtig gespannt, wie sich der Klassiker im modernen Gewand wohl anfühlt und vor allem anhört. Der Focusrite Red 1 im Test.

Die Red 1 System-500 Kassette

Die Red 1 System-500 Kassette

Herkunft

Die Schaltung des originalen Red Preamps wurde von Focusrite in verschiedenen Kombinationen angeboten. So bot der Red 8 zwei Kanäle, der Red 1 war ein Quad Mic-Preamp und in Red 6 und Red 7 wurde der Mic-Pre mit EQ bzw. Dynamics verbandelt.

Ursprünglich geht die Schaltung auf die ISA110-Module zurück, die Rupert Neve (was hat der Mann eigentlich noch alles entwickelt?) 1985 speziell für die AIR-Studios baute.
Entgegen Neves wohl berühmtesten Entwurf, dem 1073 Mic-Pre, sollte der ISA110 eher neutral klingen.


Überblick

Erster Eindruck: Ganz schön schwer das Teil. Das lässt auf eine massive Bauweise schließen. Tatsächlich ist das geschlossene Gehäuse aus dickem Stahlblech gefertigt. Vom Original übernommen wurde die rote Frontplatte aus eloxiertem Aluminium in der typischen gebogenen Form. Recht übersichtlich geht es auf der Front zu.

Die Frontansicht

Die Frontansicht

Ganz oben sitzt ein rundes VU-Meter, das zur Aussteuerungskontrolle dient. Darunter folgt das Gain-Poti, das in 12 Schaltstufen in 6 dB-Schritten von -6 bis +60 dB schaltet.

Mit zwei beleuchteten Buttons kann Phantomspeisung zugeschaltet und die Phase gedreht werden, das war’s dann auch schon.

Auf der Rückseite findet sich oberhalb der Anschlussleiste noch ein kleiner Schiebeschalter zur Kalibrierung des VU-Meters an die eigene Studioumgebung.

So aufgeräumt es auf der Frontplatte zugeht, so dicht gedrängt sitzen die Komponenten im Inneren der Kassette.

Das Innere mit den beiden Übertragern

Das Innere mit den beiden Übertragern

Das liegt vorwiegend daran, dass zwei Übertrager untergebracht werden müssen. Eingangsseitig ist ein Lundahl LL1538 verbaut, als Ausgangstransformator arbeitet ein speziell gefertigter Carnhill. Wie nicht anders zu erwarten sind alle Arbeiten penibelst ausgeführt.

Forum
  1. Profilbild
    rbschu

    Fast 800 € für nur 1 Kanal mit maximal 60dB Anhebung, ansonsten noch zwei Knöpfchen für Phasendreher und Phantomspeisung – Purismus wie bei Robinson auf der Insel. Aber mal ganz ehrlich: Das ist preislich total daneben. Mondpreis sozusagen. Warum tun die das?

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Na, ja, wenn du dir mal die Preise für API-500 Preamps anschaust, wirst du feststellen, dass der RED1 da im guten Mittelfeld platziert ist. Bei der Verarbeitung und den Komponenten ist von Mondpreis wirklich nicht zu reden.
      Zur Ausstattung: Der Preamp verträgt sich gut mit den meisten Mikrofonen, nähere Anpassungen sind also schlicht nicht nötig. Was nicht im Signalweg zusätzlich verbaut ist kann ihn auch nicht verfälschen. Gut, ein LowCut wäre noch nett gewesen. PAD hat er übrigens, ist halt in der allgemeinen Gainstruktur mit integriert.

  2. Profilbild
    steme  

    Wieder mal ein sehr feiner Test. Gute Arbeit, Armin !
    Auch interessant, einen Einblick in Deine Mikro-Sammlung zu bekommen. ;-)
    Weiter so !

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi steme,

      ich werde mich bemühen, die Erwartungen auch weiterhin zu erfüllen.

      Ja, die Mikrosammlung…ist schon nett den Schrank aufzumachen und zu schauen: Mit was spiele ich heute?

      Aber um der Wahrheit die Ehre zu geben: Das U89 ist nur geliehen, allerdings mit Kaufoption :-)

  3. Profilbild
    hannes_w

    Hallo Armin,
    vielleicht (sicher!) kannst Du mir bei einem Problem helfen, das mich schon länger beschäftigt.
    Also, ich brauche einen Mikrovorverstärker um das Signal vor dem Mischpult/ Interface anzuheben (und ihm evtl. etwas „Farbe“ zu geben) und auch, weil die Vorverstärker in den meisten Mischpulten/ Interfaces eh nicht so gut sind.
    Und dann gehe ich mit dem superaufbereiteten Signal doch wieder in das nicht so gute Mischpult/ Interface?! Bin ich dann nicht wieder auf dem gleichen Niveau wie ohne Preamp?
    Grübelgrübel

    mfg
    Hannes

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hallo Hannes,

      wenn du dein Signal mit einem externen Mikropreamp aufarbeitest dann gehst du bei deinem Interface in einen Lineeingang, ist ja schon entsprechend hoch verstärkt. Lineeingänge sind weniger kritisch in der Qualität, da sie schlicht billiger zu realisieren sind.
      Vor du kaufst aber bitte probieren, ob dir der erzielte Effekt genügt, sonst gibst du u.U. unnötig Geld aus.

      • Profilbild
        hannes_w

        Hallo Armin, vielen Dank für die schnelle Antwort – jetzt verstehe ich das endlich ;-)
        Gruß Hannes

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