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Test: Harley Benton Block-300B, Bassverstärker

16. März 2021

Revolution im Niedrigpreissektor?

Harley Benton steht – mit einigen Ausnahmen – für Einsteiger-Equipment mit ausgewogenem Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Equipment kostet wenig und tut meistens genau das was es soll. Ein Bassverstärker aus dem Hause Thomann bzw. Harley Benton ist mir allerdings schon sehr lange nicht mehr untergekommen, jetzt allerdings steht hier der neue Harley Benton Block-300B zum Test bereit.

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Tatsächlich hatte ich in meinen Anfangstagen einen Harley Benton Combo, damals mit 200 Watt für 200 Euro. Der Combo tat das, was ich wollte, nämlich mich in meiner ersten Band laut genug zu machen, um gegen zwei Gitarren und einen Drummer anzustinken. Seitdem hat sich vieles geändert – erstens die Qualität günstigen Equipments und zweitens auch die Ansprüche an eben solches. Mit dem Harley Benton Block-300B bekommt man für derzeit 198,- Euro ein Class-D-Topteil mit 300 Watt an 4 Ohm, das sich aber anders als vor 18 Jahren, als ich besagten Combo erwarb, gegen leistungsstarke Konkurrenten durchsetzen muss. Behringer-Billiggeräte gab es früher auch schon, aber heute finden sich auch Geräte renommierter Hersteller wie tc electronic und sogar Markbass in dieser Leistungs- und Preisklasse und sind zum Teil wirklich gut. Irgendwas müsste der Harley Benton Block-300B also haben, was ihn von der Konkurrenz absetzt. Tatsächlich hat er das auch, ob das aber für eine klare Kaufempfehlung reicht wird sich zeigen.

Harley Benton Block-300B – Facts & Features

Der Harley Benton Block-300B ist kein Westentaschen-Amp, aber mit 200 x 200 x 80 mm ist er aber dennoch relativ kompakt, wie man es von Class-D-Geräten erwartet und mit 1,5 kg auch ziemlich leicht. Das Gerät wirkt aber durch die hohe und dafür schmalere Bauweise etwas bulliger als zum Beispiel die „Kleinen“ von tc oder Warwick. Das dürfte durchaus beabsichtigt sein, weckt die Bezeichnung „Block“ doch sofort Assoziationen mit großvolumigen amerikanischen V8-Motoren oder auch dem ebenso leistungsstarken wie teuren Mesa/Boogie Big Block, der mit seinem Namen selbige referenziert. Dass es hier keinen Mesa zum Quasi-Nulltarif gibt, sollte aber klar sein und die äußere Anmutung bestätigt das. Die Verarbeitungsqualität ist zwar gut, nichts wackelt oder wirkt so, als würde es schnell abbrechen, aber das ganze Design und auch die Haptik der Regler wirken etwas billig und lieblos. Kann man in der Preisklasse tolerieren, muss man aber nicht, wie die Konkurrenz zeigt. Andererseits, wer kauft schon einen Amp wegen der Optik…

Die Ausstattung des Harley Benton Block-300B ist klassenüblich relativ spartanisch. Eingebaute Kompressoren oder dergleichen sucht man hier vergeblich, dafür verfügt der kleine Verstärker aber über einen Gain-Regler, fünf EQ-Bänder (eins mehr als üblich), einen regelbaren Line-Input über Miniklinke, einen Kopfhörerausgang und eine eingebaute DI, die pre/post geschaltet werden kann. Also eigentlich alles, was man braucht. Was hervorzuheben ist, dass der einzelne Speaker-Out als Kombibuchse ausgeführt ist, die man sowohl Klinken- als auch Speakon-Stecker nutzen kann. So was sollte eigentlich heute Standard sein, man findet aber auch genug teurere Amps, die das immer noch nicht haben.

Harley Benton Block-300B

Harley Benton Block-300B: Vorderseite mit 5-Band-EQ

Die Leistung ist mit 300 Watt angegeben, was theoretisch einem ausgewachsenen Ampeg SVT entspricht. Dass Röhren- und TransistorampLeistung nicht direkt vergleichbar sind, sollte sich herumgesprochen haben und bei Digitalendstufen ist da noch mal mehr Skepsis angebracht, weil oft die Spitzenleistung und nicht der RMS-Wert angegeben ist. Die größten Helden, was das angeht, sind immer noch tc electronic – beispielsweise ist der BQ250, das direkte Konkurrenzprodukt zum Block-300B, mit 250 Watt angegeben, als Leistungsbezug am Netzteil sind aber nur 60 Watt angegeben. Am Netzteil des Harley Benton Block-300B stehen allerdings 390 Watt Leistungaufnahme, womit die angegebenen 300 Watt Ausgangsleistung zumindest nicht direkt ins Reich der Propaganda verbannt werden.

Harley Benton Block-300B

Harley Benton Block-300B: Rückseite

 Lohnt sich der Harley Benton Block-300B?

Kleines Class-D-Topteil mit angegebenen 300 Watt, wie viele andere auch. Etwas liebloses Design, ordentliche Verarbeitung, wenige aber sinnvolle Features wie üblich in der Klasse. Heraussticht lediglich der EQ mit drei Mittenbändern, wo sich die Konkurrenz normalerweise mit vieren begnügt. Hier findet sich erstmal kein besonderer Grund, den Harley Benton Block-300B zu kaufen, aber auch keiner, es nicht zu tun. Grund genug, dem Gerät im Praxistext auf den Zahn zu fühlen.

Harley Benton Block-300B

Der Sound des Harley Benton Bassverstärkers

Also auf den Stack mit dem Harley Benton Block-300B, Bass einstöpseln, anschalten und … holla die Waldfee, Lüftergeräusch! Der eingebaute Gehäuselüfter bläst wie ein Staubsauger, klingt aber leider auch so, recht laut und nicht wirklich schön. Die ultimative Studiowaffe wird der Amp also allenfalls noch dann, wenn man nur über DI aufnimmt. Das ist ja schon mal ein schöner Start.

Ist man darüber hinweg und legt los, fällt einem ziemlich schnell auf, dass der Harley Benton Block-300B im Prinzip nach gar nichts klingt. Das ist nicht einmal negativ gemeint, er ist einfach ziemlich neutral, so lange man den zuschaltbaren EQ ausgeschaltet lässt. Mit dem lässt sich der Sound dann aber gut formen, die fünf Bänder und vor allem die drei Mittenbänder ergeben Sinn. Mit dem Tiefmittenregler lässt sich gut Schub dazugeben, so lange man damit vorsichtig ist, er eignet sich in die andere Richtung aber auch bestens dazu, fiese Raumresonanzen abzumildern. Das mittlere Mittenband setzt bei genau der Frequenz an, die für Durchsetzung im Mix sorgt, aber bei zuviel des Guten schnell nervt – auch sehr gut. Die Hochmitten fangen genau den legendären Fender-Knack ein. Hier hat sich offensichtlich jemand Gedanken gemacht.

Übertrieben leistungsstark kommt der Harley Benton Block-300B allerdings nicht daher – die erzielbare Lautstärke bewegt sich in einem ähnlichen Rahmen wie bei den Konkurrenten in der Klasse von 250 bis 300 Watt. Für eine Probe oder eine kleine Bühne reicht‘s aus, dann ist man aber auch schnell am Ende. Mit zwei lauten Gitarren und einem prügelnden Drummer dürfte sich der Volume-Regler des Öfteren am Rechtsanschlag wiederfinden. Allerdings scheint der Block-300B voll aufgedreht noch etwas klarer und transparenter als beispielsweise ein tc electronic BQ250, der zwar genauso laut wird, aber dabei dann doch deutlich anfängt, in die Knie zu gehen und zu matschen. Vielleicht sitzt hier doch netzteilseitig etwas mehr Reserve dahinter. Im Vergleich mit eben diesem tc-Amp und seinen Brüdern muss man aber auch sagen, dass es sich bei niedrigeren Lautstärken anders herum verhält und die tcs irgendwie zivilisierter und schöner klingen. (Und wo wir gerade dabei sind, besser als das kleine Warwick-Topteil klingt der Harley Benton Block-300B auf jeden Fall.) Dafür finde ich beim Harley Benton Block-300B den EQ etwas besser ausgeführt… andererseits ist hier aber auch kein Kompressor an Bord, der gerade im Rockbereich doch eine mächtige Waffe sein kann. Allerdings nur wenn er gut ist und nutzlose Onboard-Kompressoren gibt es auch bei so einigen Konkurrenzprodukten. Also lieber weggelassen, bevor man was Mieses einbaut? Kann ich mit leben.

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Also zu den Klangbeispielen. Ich erwähnte das ja in vorigen Tests schon, bei Topteilen sind die meistens relativ wenig aussagekräftig, da die Dinger nun mal zwischen Bass und Boxen hängen, die beide großen Einfluss auf den Sound haben. Entsprechend habe ich mich zum gleichen Vorgehen wie beim letzten Amp entschieden und mich auf den Unterschied zwischen trockenem Basssignal und dem Post-EQ-DI-Out fokussiert. Man bekommt so zumindest einen Eindruck davon, wie der Amp den Sound beeinflusst. Zusätzlich habe ich für jedes Beispiel noch eine dritte Spur und zwar das Amp-DI-Signal mit einer Boxensimulation in Amplitube gekoppelt. Damit kann man halbwegs hören, wie der Amp an einer Box, in diesem Falle einer mit einem dynamischen und einem Kondensermic abgenommenen Ampeg 1×15, klingen könnte. Die Ergebnisse entsprachen zumindest bei den letzten Tests ziemlich gut dem Sound meiner tatsächlichen Ampeg 1×15, an die ich aber pandemiebedingt aktuell nur selten ran komme.

Genug der Erklärung, hören wir mal rein. Für die folgenden Klangbeispiele habe ich meinen aktuellen Hauptbass, eine 80er Preci-Kopie mit durchgehendem Hals und Fender Custom Shop 62 Tonabnehmer verwendet.

Zuerst einmal der Amp ganz trocken mit deaktiviertem EQ. Wie man hört, sehr neutral, allerdings ganz mit ganz leichtem Verlust an Brillanzen. Das ist aber erstens sehr wenig und zweitens etwas, das bei 90 % aller Boxen sowieso nicht durchkommt. Man hört hier beim dritten Signal auch deutlich den Einfluss der Box(ensimulation), die in den Tiefmitten leicht anfettet und dafür oben herum klaut.

An sich keine schlechte Basis, perfektes HiFi-Verhalten wie beim fast zehnmal so teuren Bergantino Forté letztes Jahr zu erwarten, wäre in der Preisklasse wohl vermessen.

Wie ich erwähnte sind die EQ-Bänder gut zugeschnitten, mit etwas weniger Höhen und dafür einem leichten Boost in den Hochmitten und Bässen kriegt man zum Beispiel einen schönen klassischen Heavy-Metal-Sound heraus. Der klingt natürlich auch erst mit Box so wie er eigentlich soll, aber der Gewinn an Knurrigkeit und Attack und die etwas aufgeräumteren Mitten sind auch im reinen Ampsignal sehr deutlich zu hören.

Mit angeboosteten Tiefmitten und weit rausgezogenen Höhen kommen dann zum Beispiel abgedämpfte Lines schön rüber. Leider hört man bei diesem Beispiel aber auch eins der Probleme des Harley Benton Block-300B und zwar agiert die DI-Box nicht ganz nebengeräuschfrei, sondern rauscht je nach EQ-Einstellung etwas. Das lässt sich noch halbwegs tolerieren, der Kopfhörerausgang hingegen rauscht wirklich wie die Hölle, egal wie der Amp eingestellt ist. Enttäuschend, denn abgesehen davon klingt der Kopfhörersound des Harley Benton Block-300B eigentlich gar nicht verkehrt!

Seltsamerweise hängt das Rauschen aber eher an den Mittenreglern als am Höhenregler. Zieht man die Mitten etwas raus – was dank drei Mittenbändern im EQ tatsächlich sehr gezielt geht – und boostet die Höhen und Bässe, kriegt man einen ordentlichen und weitgehend rauschfreien Slapsound aus dem Ding raus (der sicher mit einem Jazz Bass noch feiner geklungen hätte, ich habe aber gerade keinen da).

Am Ende habe ich noch mal drei weitere Bässe zur Hand genommen und ein paar Lines eingespielt, um einige weitere Eindrücke dazustellen. Dabei handelt es sich um einen PJ-Bass mit EMGs auf D Standard gestimmt, eine billige P-Kopie mit einem Seymour Duncan Quarterpounder und Flatwounds, und einen 1972er Aria 1820 Shortscale-Bass.

Was allen Klangbeispielen zu eigen ist, ist ohnehin, dass man viel Bass und Spieltechnik und wenig Amp hört – der Harley Benton Block-300B ist einfach recht neutral, abgesehen von dem, was man halt mit dem EQ anstellt.

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Fazit

Der Harley Benton Block-300B wird das Niedrigpreissegment nicht revolutionieren, er ist einfach ein kleines Class-D-Topteil mit 300 Watt und einigen Schwächen und Stärken, so wie die meisten Konkurrenzprodukte. Auf der Habenseite stehen eine ordentliche abrufbare Leistung, ein gut abgestimmter EQ und eine relativ saubere, neutrale Wiedergabe. Als Schwächen wären vor allem der laute Lüfter, die rauschanfälligen Mittenbänder des EQ und der leider stark rauschende Kopfhörerausgang zu nennen. Das reicht für 2 Sterne, Licht und Schatten gibt es bei allen Mitbewerbern in der Preisklasse, ich halte aber beispielsweise die tc electronic BQ- und BH-Serien für die insgesamt bessere Wahl, wenn man ein live- und studiotaugliches, günstiges und transportables Gerät sucht. Und für nur 67,- Euro mehr kriegt man auch schon einen Markbass Little Mark. Allerdings sollten gerade Einsteiger, die einen Amp für ihre erste Band suchen, den Harley Benton Block-300B nicht direkt von der Liste streichen – gerade der 5-Band-EQ könnte sich als sehr hilfreich beim Erlernen effektiver Frequenzbandbearbeitung erweisen und genug Power hat das Ding auch. Für den Liveeinsatz sind Lüftergeräusche und Rauschen auf den Kopfhörern auch weitgehend egal …

Plus

  • saubere Wiedergabe
  • Leistung
  • gut abgestimmter EQ
  • Preis

Minus

  • liebloses Design
  • leichte Rauschanfälligkeit der DI
  • stark rauschender Kopfhörerausgang

Preis

  • 198,- Euro
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