Test: Harley Benton Custom Line CLD-41SE, Akustikgitarre

21. März 2017

Sie haben es wieder getan!

Die Qualität der Instrumente von Harley Benton hat sich über die Jahre konsequent verbessert. Dieser Fakt zieht sich wie ein roter Faden durch die Testberichte, in denen sich die Gitarren und Bässe der Thomann-Hausmarke bei uns präsentierten. Zum überwiegenden Teil waren das alles elektrische Instrumente wie etwa die Harley Benton TE-90QM, die sich mein geschätzter Kollege Johannes „Eddy“ Krayer vor gar nicht allzu langer Zeit in einem ausführlichen Test vorknöpfte. Im heutigen Fall haben wir es aber mit einer akustischen Gitarre zu tun, die auch zugleich das Topmodell der erhältlichen Baureihe darstellt und natürlich mal wieder mit einem Knallerpreis überrascht – die Harley Benton Custom Line CLD-41SE bittet zum Test!

Facts & Features

Die Harley Benton Custom Line CLD-41SE ist eine klassische Dreadnought Westerngitarre, gefertigt aus massiven Hölzern für Decke, Zargen und Boden und mit einem Fishman Preamp samt Piezo-Pickup im Steg ausgestattet. Klingt erst mal nicht ungewöhnlich für eine Westerngitarre, die sich im gehobenen Preissegment aufhält. Doch stopp, wir reden hier über ein Instrument der Low-Budget-Marke Harley Benton und da schließen sich Begriffe wie „gehobenes Preissegment“ faktisch von selbst aus! Die Gitarre kostet nämlich beim Musikhaus Thomann knapp 300,- Euro und um so verblüffender ist daher der erste Eindruck, den das Instrument nach dem Auspacken hinterlässt.

Decke, Boden und Zargen besitzen eine schöne Maserung und ein cremefarbenes, sauber eingesetztes Binding umschließt die Ränder des kompletten Korpus. Zusätzlich wurden die Ränder der Decke noch mit einem Streifen Abalone Perlmutt veredelt, was zusammen mit den ebenfalls aus farbigen Perlmutt hergestellten Inlays auf dem Griffbrett der CLD-41SE ein Erscheinungsbild verpasst, das man in dieser Preisklasse so nicht unbedingt erwarten dürfte. Zum Schutz der Decke wurde ein optisch stimmiges, braunes Tortoise Pickguard aufgeklebt, überzogen wurde das Instrument von einer durchscheinenden, satinierten Lackschicht.

Ein Blick durch das Schallloch mit seiner ebenso  perlmuttbesetzten Rosette zeigt ein ähnlich gutes Bild in der Verarbeitung auch im Innern des Korpus, von Holzsplittern oder Lackresten weit und breit keine Spur. Dafür aber zeigt sich die schöne Maserung des massiven Palisanderbodens von seiner Unterseite. Klasse Verarbeitung, das muss man schon sagen!

Der Hals der Harley Benton Custom Line CLD-41SE

Weiter geht es bei unserer Begutachtung mit dem Hals. Der besteht aus einem schön gemaserten Stück Mahagoni und wurde per „Schwalbenschwanztechnik“ in den Korpus eingeleimt, am kritischen Übergang dieser beiden Bauteile sind keinerlei Mängel festzustellen. Das gilt auch für die zwanzig Bundstäbchen, die sauber in das Palisandergriffbrett eingesetzt und penibel an ihren Kanten abgerichtet wurden. Die Breite des ebenso perfekt eingesetzten Sattels beträgt 43 mm. Er ist nicht nur aus Knochen hergestellt, sondern dazu für eine bessere Intonation zusätzlich noch längenkompensiert. Auch so etwas findet man bei Instrumenten dieser Preisklasse nur äußerst selten, egal ob es sich nun um elektrische oder aber akustische Gitarren handelt.

Das Hals-Shaping bezeichnet der Hersteller als „modifiziertes, ovales C-Profil“ – es ist ungewöhnlich flach für eine Westerngitarre ausgefallen, was der Bespielbarkeit aber nur zugutekommt. Die ist nämlich „straight out of the box“ ganz hervorragend, die Saitenlage ist auf der kompletten Länge des Halses nämlich genau so flach wie auch das Halsprofil und erlaubt so eine vorbildliche Bespielbarkeit, von der sich selbst dreimal so teure Klampfen eine Scheibe abschneiden können!

Die mit Palisanderfurnier überzogene Kopfplatte trägt die sechs geschlossenen und goldverchromten No-Name-Mechaniken, obwohl man im selben Satz auch hinterherschieben muss, dass der Begriff „No-Name“ der Qualität dieser Mechaniken in keinem Fall gerecht wird. Selbst hier hat man bei der Harley Benton Custom Line CLD-41SE kein Stück gespart, denn nicht nur der spielfreie Lauf, sondern auch das zuverlässige Halten der Stimmung gelingt der Gitarre mit diesen Tunern bestens.

Der eingebaute Fishman Preamp

Was ist die Krönung einer gut ausgestatteten Westerngitarre? Na klar, ein Preamp! Der Markenhersteller Fishman stattet das „Top-of-the-Line-Modell“ Harley Benton Custom Line CLD-41SE mit seinem Preamp Isys + aus, dessen recht zierliches Bedienpanel im oberen Zargen seinen Platz gefunden hat. Die Stromversorgung übernimmt eine 9-Volt-Blockbatterie, die zusammen mit der Klinkenbuchse genau am anderen Ende der Gitarre platziert wurde. Preamp und Batterie sind also voneinander getrennt, deshalb konnte das Panel, und somit auch das Loch im Zargen, erfreulicherweise recht klein gehalten werden.

— Der Fishamn Isys+ Preamp im Zargen der Harley Benton Custom Line CLD-41SE —

Der Fishman Isys+ Preamp verfügt über ein Mastervolume-Poti, eine Zweiband-Klangregelung für Bässe und Höhen, einen Phasenumkehrschalter, eine Anzeige für schwache Batteriespannung und sogar ein Stimmgerät. Der Preamp hier im Detail:

Gewünscht hätte man sich vielleicht noch ein durchstimmbares Mittenfilter („Notch“), um etwaige Feedbacks (im Live-Einsatz) eliminieren zu können. Aber der Mann am Mischpult soll ja auch was zu tun haben und außerdem kann man beim Drücken der Phaseschalters auch schon etwas bewegen.

Zwischenzeugnis

Wenn man mal überlegt, dass es im Sortiment von Harley Benton für deutlich unter 100,- Euro bereits gut zu gebrauchende Instrumente gibt, dann könnte man von der immerhin 300,- Euro teuren Harley Benton Custom Line CLD-41SE schon einiges erwarten. Zumindest in der Verarbeitung und der Ausstattung gibt es an unserer Testgitarre nichts schlechtzureden, wohl aber vieles hervorzuheben. Die massiven Hölzer, der Fishman Preamp, die feinen Details wie etwa das Abalone Perlmutt um die Ränder der Decke und der Rosette oder aber die außergewöhnlich gute Bespielbarkeit sind für eine Gitarre dieser Preisklasse schlicht verblüffend, auch wenn ich mich an dieser Stelle erneut wiederhole. Also alles in Butter so weit, aber kann der Klang ebenso überzeugen?

Sound & Praxis mit der Harley Benton Custom Line CLD-41SE

Wo massive Hölzer in einer Dreadnought warten, da wartet auch ein entsprechend voller Klang und genau so und nicht anders ist es auch bei unserer Harley Benton Custom Line CLD-41SE. Auffällig ist zunächst das blitzschnelle Attack und die kräftig strahlende Mitten- und Höhenabgabe des Korpus, was für eine gute Durchsetzungskraft bei einem Einsatz im Bandgefüge spricht. Hinzu kommt eine enorme Lautstärke, hier hält der Name „Dreadnought“ wirklich, was er verspricht! Kleine Abstriche muss man im Bassbereich machen, hier kommt der Ton nicht richtig zur Entfaltung, dafür aber bewegen sich die Werte in Sachen Sustain im mehr als grünen Bereich.

— Das Abalone Perlmutt Bending der Harley Benton Custom Line CLD-41SE im Detail —

Wie bereits erwähnt, ist die Bespielbarkeit hervorragend, hier arbeiten alle drei wichtigen Dinge – Halsprofil, satinierte Halsrückseite und angenehm flache Saitenlage – perfekt zusammen. Somit dürften sich auch Anfänger prompt wohlfühlen – und verwöhnte E-Gitarristen sowieso.

Und der Fishman Preamp?

Der Fishman Isys+ Preamp verrichtet seinen Job schon ganz ordentlich. Um das volle Klangspektrum der Harley Benton Custom Line CLD-41SE einzufangen, sei aber wie immer an dieser Stelle und bei diesem Thema zu einer guten Mikrofonierung geraten. Zumindest dann, wenn es um das Aufnehmen im Studio geht. Für den Live-Betrieb, und mit entsprechenden Frequenzen am Verstärker/Mixer bearbeitet, kann der Isys + der Gitarre hingegen schon einen einigermaßen würdigen Auftritt verpassen. Sehr zuverlässig funktioniert der integrierte Tuner, dessen Display leuchtstark genug ist, um auch in dunkler Umgebung das Instrument sicher stimmen zu können.

Fazit

Unterm Strich kann die Harley Benton Custom Line CLD-41SE nur unseren „Best Buy Award“ bekommen! So viel Akustikgitarre für so einen schmalen Kurs bekommt man nicht alle Tage auf den Schoß und hier darf sich die Konkurrenz wirklich nicht wundern, wenn der Kunde lieber auf Qualität als auf große Namen Wert legt und die Custom Line CLD-41SE mit nach Hause nimmt. Kompliment und Glückwunsch zum Hauptpreis, ihr Thomänner!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • knackige Tonansprache (Attack)
  • kräftiger und höhenreicher Klang
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • Onboard Fishman Preamp mit Stimmfunktion
  • ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Schwächen in der Bassentfaltung

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Hallo Stephan, wie kommst Du darauf, dass der Korpus massiv ist? Wenn keine explizite Angabe in der Beschreibung steht, ist es normalerweise gesperrt. Das muss nicht schlecht sein. Ich habe eine Duke mit gesperrtem Palisander-Korpus, die hammermäßig gut klingt. Aber ein massiver Palisander-Korpus für 300 Ökken, das wäre schon eine Ansage. Glaub ich aber nicht. Viele Grüße Andreas

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      Stephan Güte  RED

      Hi andreas1303,

      wie ich im Artikel schon schrieb: ..“Dafür aber zeigt sich die schöne Maserung des massiven Palisanderbodens von seiner Unterseite.“

      Dort ist ein massives Stück Palisander wirklich eindeutig erkennbar :) Mit dieser Gitarre macht Thomann sicher keinen großen Gewinn, das holt man dann eben bei anderen Sachen wieder rein.

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        Stephan Güte  RED

        OK, dann hätten wir das ja auch geklärt, danke für deinen Aufwand :)
        Obwohl man sagen muss, dass nur 50,- Euro mehr für massiven Boden und Zargen ja auch immer noch Hammermäßig günstig ist … Könnte man investieren … aber ob das dann so viel Unterschied ausmacht?

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          AMAZONA Archiv

          Wobei es sich ja bei dem genannten massiven Modell um einen Mahagoni-Body mit noch dazu Zederdecke handelt. Die dürfte klanglich von einer massiven Fichte-Palisander-Kombi sehr viel weiter weg sein als die Fichte-Palisander-gesperrt-Variante. Mein Ding ist Zeder-Mahagoni jedenfalls nicht, aber das ist natürlich Geschmackssache. Auch preislich ist Zeder-Mahagoni mit Fichte-Palisander wohl eher nicht vergleichbar.
          Ich wollte mit meinem Kommentar auch diese Gitarre gar nicht abwerten. Meiner Erfahrung nach können gesperrte Bodys bei entsprechend sorgfältiger Fertigung sehr gut klingen.

  2. Profilbild
    r.biernat  AHU

    Hi Stephan,

    ich hatte mir vor einer Weile auch eine Dreadnought von Harley Benton gekauft, ebenso aus der Premium Line aber ohne Pickup für knapp unter 200€. Das Ding ist der Knaller, präsent, warm und sehr schön verarbeitet.
    Die Soundbeispiele mit Mikrofon klingen irgendwie merkwürdig. Wo hattest du das Mikrofon positioniert?

    LG

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