Test: Ibanez ART120QA-SB, E-Gitarre

3. Mai 2020

Singlecut für kleines Geld

Die neuen Gitarren von Ibanez des Modelljahres 2020 sind in den Läden eingetroffen – und natürlich auch bei uns für genaue Tests. In diesem Review haben wir es mit der Ibanez ART120QA-SB zu tun, einer Singlecut, die mit ihrem günstigen Preis und dem schlichten Funktionsumfang den puren Rocker mit nicht so großem Budget ansprechen soll. Hier wird nicht viel geschaltet und geregelt, zwei Humbucker und drei Potis sollten ausreichen. Oder etwa nicht?

Ibanez ART120QA-SB – Facts & Features

Man muss schon sagen, dass die Qualität der heutzutage aufgebrachten Furniere auf Gitarrendecken einen beeindruckenden Standard erreicht hat. Was früher deutlich als hauchdünne Schicht rein für eine schönere Optik schnell auszumachen war, ist mittlerweile zu einem täuschend echten Imitat einer echten Ahorndecke herangereift. Und so besitzt auch die ART120QA-SB eines dieser Furniere, das einer massiven Wölkchenahorndecke täuschend echt nachempfunden wurde. Wäre ja auch ganz schön vermessen, für einen Preis von deutlich unter 400,- Euro massive Hölzer zu erwarten, in dieser niedrigen Preisklasse ist so etwas kaum möglich.

Ibanez ART120QA-SB E-Gitarre

Das Furnier schmückt einen Korpus aus Pappel, dessen Ränder ein leichtes Shaping aufweisen, da kommt der Sunburst-Effekt ganz besonders hübsch zur Geltung. Ein cremefarbenes Binding umschließt die Decke von Kopf bis Fuß, auf der Rückseite finden wir zwar keine dieser Verzierungen, dafür aber die beliebte „Bierbauchfräsung“, die das Instrument wunderbar an den Körper des Spielers anschmiegt. Sonst gibt es dort hinten nichts weiter zu entdecken, abgesehen von dem Fach für die Elektronik, das erfreulicherweise versenkt eingesetzt wurde und zudem die Erkenntnis, dass bei Ibanez selbst in dieser niedrigen Preisklasse nach wie vor absolut sauber gearbeitet wird. Denn die dort aufgebrachte schwarze Hochglanzlackierung zeugt von einer hochwertigen Verarbeitung und macht auch vor der Halsrückseite keinen Halt. Doch auch jetzt kann schon hier an dieser Stelle verraten werden, dass der Lack sich weitestgehend resistent gegen das gefürchtete Ankleben der Greifhand zeigt und das selbst dann noch, wenn diese an Feuchtigkeit zulegt, was beim Spielen ja nicht unüblich ist.

Ibanez ART120QA-SB E-Gitarre back

Ibanez ART120QA-SB E-Gitarre Rückseite in sattem Hochglanz-Schwarz

Eingeleimter Ahornhals auf schmalem Fuß

Der Hals besteht aus Ahorn und wurde sauber mit dem Korpus verleimt. Der Halsfuß ist zwar nicht besonders ergonomisch ausgefallen, dafür aber sehr schlank und klein, sodass hier zusammen mit dem großzügig ausgesägten Cutaway eine optimale Bespielbarkeit auch der höchsten Lagen auf dem Griffbrett sichergestellt wird.  Das Halsprofil bietet einen guten Mittelwert aus traditionellem und modernem Design, die Sattelbreite beträgt 43 mm und mit ihrer Mensur von 628 mm hält sich die Ibanez ART120QA-SB nahe am Gibson-Lager auf. Passt ja auch irgendwie, als Singlecut E-Gitarre mit zwei Humbuckern oben drauf.

Das Griffbrett aus Purple Heart (Amaranth) besitzt weiße Einlagen aus Plastik, Perlmutt kann man das tatsächlich nicht nennen. Die Inlays wirken in der Tat sehr schlicht und bei genauem Hinschauen fällt zudem auf, dass die ersten drei etwas schief eingesetzt wurden. Zumindest aber schließen sie bündig mit dem Holz des Griffbretts ab, sodass hier in keiner Weise der Spielfluss gehemmt wird. Die Bundierung hingegen ist sehr gut gelungen, alle 22 Stäbchen wurden sauber an den Kanten abgerichtet und auf ihren Oberflächen poliert. Hier finden wir wieder ein Binding an den Rändern, das einen schönen Akzent zum dunkeln Holz des Griffbretts setzt und etwas über die nicht ganz mittig eingesetzten Inlays hinwegtröstet.

Hardware

Damit der Saitenwechsel ruckzuck über die Bühne geht, besitzt die ART120QA-SB ein Quick-Change-Tailpiece, man muss also die Saiten beim Wechseln nicht komplett durch die Öffnungen führen, sondern kann sie ganz fix an ihren Ball-Ends dort einhängen. Eine clevere Idee, zwar nicht mehr ganz neu, aber immer wieder gerne gesehen und natürlich eine enorme Erleichterung, sollte mal live eine der Drähte unerwartet das Zeitliche segnen und man nicht gerade zweite Klampfe zur Hand hat. Einen sehr guten Eindruck hinterlässt auch die ToM-Brücke bzw. „Gibraltar Performer Bridge“, die sauber auf ihren zwei Bolzen in die Decke eingesetzt wurde und wie auch das Tailpiece eine dicke Chromschicht abbekommen hat. Die Verchromung scheint potent genug, um aggressiven Handschweiß dauerhaft in Zaum zu halten.

Bleiben noch die Mechaniken als Teil der Hardware übrig, nun ja, die sechs Tuner entsprechen in ihrer Qualität der Preisklasse, in der sich das Instrument befindet. Da sich aber kein Vibrato an der Gitarre befindet, kann man mit dem Gebotenen aber durchaus zurechtkommen. Die Tuner laufen auffällig weich auf ihren Achsen, besitzen dazu aber glücklicherweise kein übermäßiges Spiel.

Ibanez ART120QA-SB Tailpiece

Sehr praktisch: Das Quick Change Tailpiece der Ibanez ART120QA-SB

Pickups & Schaltung

Ebenso strahlen die Blechkappen der beiden Pickups in sattem Chrom, Ibanez gibt ihrer ART120QA-SB E-Gitarre zwei Humbucker aus eigener Herstellung mit der Bezeichnung „Classic Elite“ mit auf den Weg, die über einen griffgünstig positionierten Dreiwegeschalter ausgewählt werden. WYSIWYG lautet hier das Motto, denn außer den Kombinationen Hals-Pickup, beide Pickups oder Steg-Humbucker ist hier nicht mehr zu rauszuholen. Beide Pickups können separat in ihrer Lautstärke geregelt werden, eine gemeinsame Tonblende besorgt (bei Bedarf) den Rest.

Die Qualität der verbauten Teile ist überraschend gut, der Schalter rastet sauber in seinen drei Positionen ein und ist frei von jeglichem Spiel, die Regler stehen dem in nichts nach und erfreuen den Benutzer mit einem seidenweichen Lauf. Lediglich die aufgesteckten Knöpfe könnten etwas griffiger sein, aber hier lässt sich ja zur Not für kleines Geld im Zubehörhandel Ersatz finden.

Ibanez ART120QA-SB E-Gitarre Pickup

Praxis-Check

Akustischer Grundsound/Handling

Auffällig beim in die Hand nehmen der ART120QA-SB ist das niedrige Gewicht, das die Klampfe auf die Waage bringt. Zudem ist dieses Gewicht gut verteilt, die Gitarre ruht ausgewogen auf dem Schoß bzw. pendelt sich angenehm am Gurt ein, von Kopflastigkeit ist nichts zu bemerken. Das recht schlanke Halsprofil bietet der Greifhand eine bequeme Position in allen Lagen auf dem Griffbrett, die Bünde sind sauber verarbeitet und poliert, der Lack auf der Halsrückseite klebt nur wenig und darüber hinaus ist auch die Saitenlage ab Werk vorzüglich eingestellt, sodass es hier ohne Umschweife gleich zur Sache gehen kann. So weit, so gut, jedoch ist der Grundsound nicht besonders dynamisch oder gar spritzig, ich würde ihn eher als etwas müde und ein wenig zäh bezeichnen. Dafür überrascht mich aber das ausgesprochen kräftige Sustain, was ja auch schon mal ganz wichtig ist und der Spieler daher mit einem guten Support vor allem speziell bei Singlenote-Lines bzw. beim Solospiel rechnen kann und darf.

Elektrischer Sound

Gar nicht mal so schlecht für diese Preisklasse! Auch wenn die beiden Ibanez-Humbucker keinen besonders flexiblen Sound bieten, so sind sie doch kraftvoll genug, um aus dem eher bescheidenen Grundsound der ART120QA-SB E-Gitarre das Bestmögliche herauszuholen. Zumindest dann, wenn es um die verzerrten Sounds geht, in diesem Bereich glänzen die beiden Doppelspuler mit ihrem hohen Output, der so manchen schwachbrüstigen Amp schnell in die Zerrung treiben kann. Allerdings sollte die Verzerrung nicht zu hoch sein, denn ansonsten kippt der Klang schnell zu einem undefinierbaren Brei um, was zusammen mit der zähen Dynamik dann nicht nur dem Spieler, sondern auch dem Zuhörer keine große Freude bereiten dürfte.

Im unverzerrten Bereich kann man eigentlich nur den Front-Pickup oder die Kombination beider Tonabnehmer empfehlen, der „Classic Elite Humbucker“ am Steg klingt im Solobetrieb nämlich nicht nur recht dünn, sondern auch ziemlich „quäkig“, also mit einem sehr stark überbetonten Mittenbild. Was ja wiederum für die Overdrive-Sounds von Vorteil ist.

Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele wurden benutzt: Orange Micro Dark Gitarrenverstärker mit angeschlossener Celestion 1×12″ Vintage 30 Box, AKG C3000 Mikrofon, Logic Audio. Effekte wurden keine benutzt, lediglich ein Limiter in Logic sorgte für die Angleichung der unterschiedlichen Pegel.

Fazit

Wer ohnehin das Hauptaugenmerk auf verzerrte Sounds legt und dabei nicht viel auf der hohen Kante liegen hat, könnte mit der Ibanez ART120QA-SB E-Gitarre vermutlich lange glücklich werden. Die Verarbeitung entspricht dem hohen Standard aus dem Hause Ibanez, zudem ist die Gitarre sehr gut bespielbar und besitzt mit den zwei Classic Elite Humbuckern einen Satz Tonabnehmer, die speziell im verzerrten Betrieb ihre Stärken ausspielen. An alle Rocker mit wenig Geld in der Brieftasche: Antesten!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • gutes Sustain
  • schöne Optik
  • preiswert

Minus

  • Klang nicht besonders dynamisch bzw. nicht sehr flexibel
  • Inlays auf dem Griffbrett zum Teil nicht ganz sauber eingesetzt

Preis

  • 329,- Euro
Klangbeispiele
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