Test: Ibanez AS83-STE Artcore, E-Gitarre

21. März 2019

Expressionistische Schönheit

Ibanez AS83-STE Artcore

Die Ibanez AS83-STE Artcore

Sie stand und steht bis heute so gut wie nie im Rampenlicht und hat doch einen festen Platz in unserem Musikkosmos eingenommen – die Semiakustikgitarre. Allen voran natürlich die ES-Modelle von Gibson, die in der Geschichte des Jazz einen besonderen Platz eingenommen haben und die so gut wie jedem in den Sinn kommen, wenn man über halbakustische Gitarren spricht. Doch nicht nur in den USA, sondern auch im fernen Japan werden schon seit langer Zeit hervorragende halbakustische Gitarren gefertigt. Ein Blick in die Geschichte von Ibanez zeigt, dass sich hoch begnadete Musiker wie etwa Pat Metheny, John Scofield oder George Benson für eine Semiakustik der Japaner entschieden haben. Ibanez kann also nicht nur hervorragende Rock- und Metal-Gitarren, sondern auch ganz andere Gitarrentypen bauen. Einen aktuellen Stand in diesem Bereich wird uns im folgenden Artikel die Ibanez AS83-STE liefern, die bei uns in der Redaktion zum Test eingetrudelt ist.

Ibanez AS83-STE Artcore

Ibanez AS83-STE – Facts & Features

Man muss schon sagen: Die Kombination aus einem Semihollow-Body und einer metallicblauen Lackierung steht der Ibanez AS83-STE außerordentlich gut und ist mal eine willkommene Alternative zu dem sonst üblichen Naturholzlook dieser Art von Gitarre. Aufgepeppt wurde die Optik weiterhin mit goldener Hardware: Faktisch jedes Metallteil an diesem Instrument besitzt einen Goldstich, was sich zumindest m.M.n. zu einem durchaus geschmackvollen Ganzen zusammenfügt. Die erwartet hohe Fertigungsqualität einer Gitarre aus dem Hause Ibanez zeigt sich nicht nur bei der sauber aufgebrachten Lackierung, auch im Detail wurde wieder gewohnt perfekt gearbeitet und sämtlichen Kanten ein cremeweißes Binding aufgedrückt.

Das betrifft nicht nur die Ränder des Ahornkorpus an seiner Vorder- und Rückseite, sondern auch die Innenseiten der F-Löcher, von denen es zwei gibt und die einen kleinen Blick in die Innenseite der Gitarre erlauben. Abgesehen von ein paar wenigen Kabeln der Elektronik, die das Sichtbild etwas einschränken, sind auch dort keine Mängel in der Verarbeitung zu erkennen. Weder Holzsplitter noch Leimreste oder irgendwelche anderen Auffälligkeiten sind festzustellen. Erneut wird klar, wie hoch doch der Qualitätsstandard im Hause Ibanez ist – und das kommt nicht von ungefähr. Die AS83-STE wird nämlich im indonesischen Werk des Herstellers gebaut, in der u. a. auch die Premium-Baureihe vom Band rollt. Und deren Qualität könnte man fast schon als Standard für die Mittelklasse bezeichnen.

Ibanez AS83-STE Artcore rear

Der Hals besteht aus einem dreistreifigen Ahorn-Nyato-Mix, ehrlich gesagt konnte ich mit dem Holz „Nyato“ bis hier nicht viel anfangen. Die Web-Recherche ergab aber dann, dass es sich hierbei um eine preisgünstige Alternative zum allseits bekannten Mahagoni handelt, was ja klassisch als Material für Hälse von Instrumenten verwendet wird. Der eingeleimte Hals besitzt nur einen sehr kurzen Fuß, was zusammen mit den weit ausgeschnittenen Cutaways eine vorzügliche Bespielbarkeit der hohen Lagen auf dem Griffbrett aus Ebenholz ermöglicht. Das ist bestückt mit 22 Medium-Bünden, die zwar sauber eingesetzt und abgerichtet wurden, bezüglich ihrer Oberflächenpolitur jedoch vernachlässigt wurden. Es schabt deutlich, somit darf der neue Besitzer auf dem Griffbrett fleißig ziehen und rutschen, bis die Oberkanten von den Saiten letztendlich glatt geschliffen worden sind und alles so flutscht, wie man es gewohnt ist.

Gewöhnen müssen wird sich der eine oder andere Spieler darüber hinaus vermutlich auch an das kräftige Halsprofil, das Ibanez der AS83-STE verpasst hat. Etwas Trost spendet da der relativ flache Radius des Griffbretts von 305 mm. Trotzdem kann man der Gitarre „Out-of-the-Box“ eine gute Bespielbarkeit attestieren, was auch an dem gelungenen Werkssetting lag, mit dem zumindest unser Testinstrument ausgeliefert wurde. Ebenfalls tip-top war die Oktavreinheit eingestellt – genau so und nicht anders darf man eine E-Gitarre in Kundenhand übergeben!

Ibanez AS83-STE – Hardware und Elektronik

Zu einer echten Semiakustik kann selbstverständlich nur eine getrennte Aufnahme bzw. Führung der Saiten gehören und so besitzt auch unsere Ibanez AS83-STE eine Tune-o-Matic Brücke sowie ein (Quik Change III) Tailpiece, bei dem die Saiten schnell und ohne großen Aufwand gewechselt werden können. Die Goldchromschicht strahlt zusammen mit den Kappen der Pickups regelrecht um die Wette, hier hat Ibanez zwei hauseigene Super 58 Humbucker eingesetzt, die über einen Dreiwegeschalter angesteuert und über jeweils ein Volume- bzw. Tone-Poti in Lautstärke und Klangfarbe geregelt werden.

Die Qualität der Potis und des Schalters kann man als gut bezeichnen, die aufgesetzten Potiknöpfe versprühen nicht nur den Charme der frühen Ibanez Instrumente, sondern sind durch den zusätzlichen Gummiring auch mit schweißnassen Händen stets sicher zu greifen. Der Schalter rastet sauber in seinen drei Positionen ein und aktiviert entweder den vorderen, den hinteren oder beide Pickups parallel, anders hätte man es auch ehrlich gesagt nicht erwartet. Möglichkeiten zum Splitten der Humbucker in Form von Push-Pull-Potis oder einem weiteren kleinen Schalter existieren an Bord der Ibanez AS83-STE somit nicht.

Zuverlässig in ihrer Funktion präsentieren sich die sechs Mechaniken an der Kopfplatte. Es sind „ganz normale“ Tuner, also keine mit einem Klemmmechanismus. Was ja auch gar nicht so wild ist, denn ein Vibrato besitzt die Gitarre ohnehin nicht. Viel wichtiger ist, dass sich die Tuner ohne nennenswertes Spiel auf ihren Achsen bewegen und damit ein schnelles und präzises Stimmen ermöglichen. Der gleiche positive Eindruck gilt beim Halten der Stimmung, während der Testdauer gab es in diesem Bereich überhaupt keine Probleme, die Ibanez AS83-STE stand jederzeit mit guter Stimmung bereit. Und schick aussehen tun die vergoldeten Tuner sowieso!

 Ibanez AS83-STE Headtock

Kopfplatte der Ibanez AS83-STE

Ibanez AS83-STE – in der Praxis

Geblendet von so viel Schönheit und guter Verarbeitung geht es also an den Praxischeck und siehe da: Nicht alles ist Gold, was glänzt. Fangen wir aber zunächst mit den positiven Eigenschaften der AS83-STE an, auch wenn die hinsichtlich ihrer hervorragenden Verarbeitung schon ausgiebig besprochen wurden. Zunächst einmal ist da eine sehr gute Bespielbarkeit und ein attackreicher Grundsound, mit dem die Gitarre zu Werke geht. Jede noch so kleine Nuance mit dem Plektrum wird sofort mit einem perkussiven und durchdringenden Ton belohnt, der jedoch genau so schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist. Mit übermäßigem Sustain kann sie also nicht so glänzen und auch die beiden Super 58 Humbucker haben im Gesamtkonzept ihre liebe Mühe, den eigentlich recht knackigen und mittenlastigen Grundsound des Instruments an den Verstärker zu portieren.

Es klingt insgesamt doch irgendwie stumpf, müde und mit wenig Charakter, was dort am anderen Ende der Strippe herauskommt. Besonders zu hören und zu fühlen ist das natürlich bei den Cleansounds, bei den verzerrten Sounds ist das nicht ganz so auffällig, wobei man hier positiv hervorheben sollte, dass Brummen und vor allem die Anfälligkeit für Feedbacks für die beiden Super 58 Humbucker kein Thema sind. Und ich habe meinem Referenz-Amp Orange Micro Dark für die (verzerrten) Klangbeispiele schon ordentlich die Sporen gegeben! Das wollen wir uns jetzt mal anhören.

Ibanez AS83-STE – Die Klangbeispiele

Die folgenden drei Beispiele zeigen den Klang der Gitarre mit unverzerrt eingestelltem Verstärker: Nummer 1 ein Clean-Picking auf dem Steg-Humbucker, Nummer 2 ein weiteres Clean-Picking mit dem Super 58 am Hals und Beispiel Nummer 3 zeigt den Sound beider Pickups zusammen.

Zwei Beispiele für den verzerrten Sound: Nummer 1 ein Leadsound mit dem Super 58 in Stegposition und Nummer 2 ein weiterer Zerrsound mit dem Gegenüber am Hals.

Fazit

Fast wäre ich ja geneigt zu sagen: Die Ibanez AS83-STE ist mehr Schein als sein. Zugegeben, aussehen tut sie wirklich famos in ihrem metallicblauen Kleid und der komplett vergoldeten Hardware. Doch hinter ihrer Fassade verbirgt sich nun mal ein Instrument der unteren Preisklasse – und das spürt man deutlich, auch wenn Ibanez mit der AS83-STE, wie in aller Regel bei ihren Instrumenten, für dieses Geld auch hier mal wieder das Bestmögliche rausholt.

Plus

  • gewohnt gute Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • schöne Optik
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • dünner Klang
  • Pickups

Preis

  • Ladenpreis: 559,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    hejasa  

    Schade, die Gitarre hätte mein Interesse gefunden.
    Im Rockbereich kenne ich nur Alvin Lee von ten years after, der mit einer Gibson ES einst in Woodstock und dem Song „I’m going home“ die Massen bewegte. Seitdem träume ich von einer Halbresonanz, die einigermaßen bezahlbar ist.

    • Profilbild
      ArvinG  

      Ich weiß ja nicht was Du unter bezahlbar verstehst, aber für um die 1K sollte doch durchaus was qualitativ gutes zu haben sein, die Ibanez JSM10-VYS J. Scofield zb. Die hat ab Werk rocktaugliche 10er Besaitung (Scofield selber spielt ja wohl 13er Drähte die auf dem teuren Japan-Signature Modell drauf sind, soweit ich mich erinnere). Scheint jedenfalls ein solides Instrument mit gutem Preis/Leistungsverhältnis zu sein.

  2. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Die Gitarre klingt gar nicht so dünn, wenn man die Audios mit den Picking-Beispielen der ‚PRS S2 Custom 22 Semi-Hollow‘ vergleicht (Test 2015). Letztere wurde mit ’sehr gut‘ bewertet . Die Super 58 Humbucker der Ibanez sind dem Höreindruck nach nicht schlecht. Aber die Gitarre ist keine Metal-Axt. Und dass Ibanez Premium Jazz-Gitarren herausbrachte, ist sehr, sehr lange her … Mir hingegen gefällt am Testobjekt die Farbe überhaupt nicht … Sie mag ein Eye-Catcher sein, mehr jedoch nicht …

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