Test: Epiphone Les Paul Custom Ebony E-Gitarre

7. April 2020

Black Beauty light?

Die Firma Epiphone ist, wie man weiß, ein legendärer amerikanischer Musikinstrumentenhersteller, der 1873 von Anastasios Stathopoulos gegründet wurde und derzeit in Nashville, Tennessee, ansässig ist. Epiphone stellte von Beginn an hervorragende Gitarren her und war aufgrund dessen vor 1957 Gibsons Hauptkonkurrent auf dem Archtop-Gitarrenmarkt. Die Konkurrenzsituation änderte sich, als Gibson im Jahre 1957 Epiphone aufkaufte. Der Firmensitz von Epiphone wurde damals von New York nach Kalamazoo, Michigan, verlegt. Heute kennt man die Gibson-Tochter Epiphone vor allem aufgrund der günstigen und originalgetreuen Kopien vieler Gibson-Modelle.

Unser Testobjekt, die Epiphone Les Paul Custom Ebony, ist rabenschwarz und eifert natürlich der legendären Gibson „Black Beauty“ Les Paul Custom nach, die vielen Freunden und Anhängern schöner Gitarren das Sabbern vor den Mund treibt. Auch in Weiß ist dieses Modell erhältlich (für Freunde des legendären Randy Rhoads, wenn man böse ist auch der Grand Prix Gewinnerin Nicole oder der Tanzmusik). Sieht man einmal von der Kopfplatte ab, könnte man durchaus vermuten, es mit einer Gibson Les Paul Custom zu tun zu haben.

Die Preise zwischen Epiphone und Gibson Gitarren sind deutlich unterschiedlich, da Epiphone auf einem Marktsegment aktiv ist, das vorwiegend preisbewusste Konsumenten anspricht. Obwohl Epiphone kürzlich die Form der Kopfplatten der Gibson-„Open Book“-Variante etwas ähnlicher wurde, die Instrumente nun den „New Kalamazoo Headstock“ besitzen, so ist auf den ersten Blick des geschulten Auges auszumachen, dass man es nicht mit einer Gibson Gitarre zu tun hat. Epiphone Gitarren haftet das Vorurteil an, Gibson Gitarren für „weniger Gutbetuchte“ zu sein. Dies ist auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Wer unbedingt den „real deal“ haben möchte, muss dann für ein entsprechendes Gibson Modell natürlich deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Die aktuelle Serie von Epiphone, unter anderem auch der Les Pauls, wurde verbessert, besitzt nun einen Graph-Tech-Sattel und die in Zusammenarbeit mit dem Gibson Custom Shop entwickelten Deluxe-Tuner. Auch bzgl. der Elektrik wurden Verbesserungen vorgenommen, da man mittlerweile CTS-Potis verbaut. Auch die Tonabnehmer wurden im Detail überarbeitet. Die Grundplatte und Abdeckungen der Epiphone ProBucker wurden aus 18 % Neusilber gefertigt, was den Tonabnehmer einen transparenteren und klareren Sound verleihen soll.

Lieferumfang und Werkseinstellung

Die Epiphone Les Paul Custom Ebony traf bei uns ohne Gigbag,  geschweige denn eines Koffers ein, was sicherlich angesichts des moderaten Preises des Instruments zu verkraften ist. Die Werkseinstellung ließ zunächst deutlich zu wünschen übrig, denn die Saitenlage ließ locker Spielraum für eine Halbierung des Abstands der Saiten vom Griffbrett. Auch die Sattelkerben hätten geringfügig tiefer gesägt werden können, um Verstimmungen in den tiefen Lagen entgegenzuwirken. Nimmt man sich etwas Zeit für die Einstellung, ist das Instrument dann recht schnell in einen guten Zustand zu bringen. Hierfür waren nur einige Drehungen an den Rändelschrauben des Steges notwendig. Schade, dass dies der Kunde selbst tun muss, gerade wenn er keine Ahnung von der Einstellung und Bespielbarkeit einer Gitarre haben sollte und sich deswegen extra an einen Fachmann wenden müsste. Würden alle Instrumente ab Werk besser kontrolliert und vernünftig eingestellt, würde sich dies sicherlich positiv auf die Verkaufszahlen auswirken. Die Einstellung der Bundreinheit wurde werkseitig korrekt vorgenommen.

Epiphone Les Paul Custom Ebony – Korpus

Natürlich besitzt die Epiphone Les Paul Custom wie ihr Vorbild einen Korpus aus Mahagoni, das an Decke und Boden von einem 5-fachen Binding umrahmt wird, wie man dieses auch beim Gibson Les Paul Modell vorfindet. Nach Abklopfen der Decke darf man sicher sein, es nicht mit einem „gechamberten“ Korpus zu tun zu haben. Dies bestätigt sich auch durch das Messen des Gewichts, das etwa 4,3 kg beträgt. Damit bewegt sich die Gitarre in der zu erwartenden Gewichtsklasse. Möchte man eine spürbar leichtere hochwertige Les Paul, bleibt meist nur der Griff zu einem „gekammerten“ Modell oder die Notwendigkeit, einen deutlich höheren finanziellen Aufwand für ein Gibson Custom Shop Modell zu betreiben, denn leichte „Paulas“ sind eher rar gesät und wollen bezahlt werden.

Epiphone Les Paul Custom Ebony Seitenansicht

Black Rocker

Hals

Das Design des selbstverständlich eingeleimten Halses stimmt mit der Ausstattung der Gibson Modelle überein. Mahagoni mit Griffbrett aus Ebenholz, Block-Griffbretteinlagen aus Pearloid, wie es sich für ein Custom-Modell gehört. Auch die Mensur von 629 mm (24,75″), eine Sattelbreite von 43 mm und die 22 Bünde sind obligatorisch. Das Halsprofil unseres Testmodells wird von Epiphone mit „SlimTaper“ umschrieben. Dies ist nicht wirklich zutreffend, da der Hals nicht unbedingt unter der Rubrik Slim einzuordnen ist, er ist recht kräftig.

Verarbeitungsmäßig gibt es hier gar nichts zu meckern, da die Block-Inlays sehr sauber eingesetzt wurden. Auch die recht fetten Bünde wurden perfekt eingepresst und weiterverarbeitet (abgerichtet, verrundet, poliert etc.). An den Bundkanten sind keinerlei scharfe Stellen zu finden, die das Spielgefühl unangenehm beeinflussen könnten.

Epiphone Les Paul Custom Ebony Back

Die Epiphone Les Paul Custom in der Rückansicht

Epiphone Les Paul Custom Ebony – Elektrik

Die Epiphone Les Paul Custom wurde erwartungsgemäß mit zwei Humbuckern (ProBucker 2 am Hals und ProBucker 3 am Steg) bestückt. Auch seitens der Regler werden wir nicht überrascht,
denn wie das Vorbild wurde auch unsere „Black Beauty“ mit zwei Volume- und zwei Tone-Reglern bestückt. Der 3-Wege-Schalter (Toggle-Switch) übernimmt wie gewohnt das Anwählen der Tonabnehmer. Die Möglichkeit, die Humbucker zu splitten, stellt nur die PRO-Variante dieses Modells bereit. Auf der anderen Seite ist der ganze „Schnickschnack“ bei einem Klassiker wie einer Les Paul sicherlich auch nicht unbedingt erforderlich, da Generationen von Gitarristen nie etwas an der einfachen, aber enorm praxistauglichen Konstruktion vermisst haben.

Epiphone Les Paul Custom Ebony PU

Pickup-Kappen mit ursprünglicher Legierung

Der Internetseite des Herstellers ist zu entnehmen, dass die in der Epiphone verbauten Tonabnehmer nun qualitativ aufgewertet wurden. So hat man für die Kappen die identische Legierung verwendet, wie sie Gibson zur Zeit der Erfindung des Humbuckers verwendete. Die Tonabnehmer sollen einem klassischen Original „P.A.F.“-Sound klanglich sehr nahekommen. Wir werden dies später noch überprüfen.

Gelegentlich ist zu lesen, dass die Epiphone Les Paul Custom mit zwei Push-Pull-Klangreglern ausgestattet wurde, die ein Coilsplitting oder auch eine Drehung der Phase ermöglichen. Unser Testmodell war nicht mit diesem Feature ausgestattet, da es nicht den Zusatz PRO besitzt. Es existieren also zwei Varianten, nur die Custom PRO Variante besitzt dieses Feature. Wer sich eine Epiphone Paula zulegen möchte, sollte Klarheit haben, ob er auf die Möglichkeit des Coilsplittings und der Phasendrehung verzichtet kann oder nicht. Auch der Kollege im folgenden Video spielt unsere Variante ohne Push-Pull-Klangregler.

Hardware

Die Hardware der Epiphone Les Paul Custom wurde komplett vergoldet, was schön mit der rabenschwarzen Farbgebung des Instruments harmoniert. Die Grover Rotomatic Mechaniken sprechen mit einer Übersetzung von 18:1 wunderbar an und gestatten ein präzises Stimmen bei hoher Stimmstabilität. Auch die obligatorischen Komponenten wie ein LockTone ABR Steg und das Stopbar-Tailpiece sind an Bord. Die Mutter der Klinkenbuchse an der Zarge war locker und musste nachgezogen werden.

Epiphone Les Paul Custom – Sound

Hören wir uns die schwarze Paula nun einmal an. „Trocken“ gespielt stellt man fest, dass unsere Testkandidatin im Vergleich mit einem Gibson Modell geringfügig weniger Bass und untere Mitten produziert, wobei dies sich natürlich theoretisch über die Einstellung des Verstärkers wieder auffangen ließe.

Klinken wir nun einmal ein und beginnen mit verzerrten Sounds. Der ProBucker am Steg liefert, wie man es erwarten darf, aufgrund der massigen Konstruktion der Gitarre einen absolut typischen satten Rock-Ton mit langem Sustain, für das eine Les Paul berühmt ist. Den Pickups kann man durchaus eine Nähe zu den legendären viel gelobten P.A.Fs bescheinigen, wenn auch die verbauten ProBucker einen Hauch mehr Höhen produzieren:

Der Halspickup singt und klingt schön cremig und dies auch schon bei moderatem Gain. Im Klangbeispiel kommen bewusst viele längere Töne zum Einsatz, um das gute Sustain zu demonstrieren.

Auch klar klingt die Gitarre so, wie man es von einer Paula erwarten darf. Der Hals-Pickup eignet sich wunderbar für bluesige oder auch jazzige Linien bzw. Chords.

Hier die Kombination aus Steg- und Hals-Pickup. Diese eignet sich gut für funky, Rockabilly- oder jazzige Sounds:

Wir hören den Steg-Pickup klar gespielt mit einigen Country und Blues orientierte Phrasen:

Festhalten darf man, dass die klanglichen Unterschiede zu einer Gibson Les Paul der eher moderaten Preiskategorie (also keine teure Custom Shop, Collectors Choice, True Historic etc., die in der Champions League spielen) zwar wahrnehmbar sind, aber letztendlich keine weltbewegenden klanglichen Unterschiede offenlegt. In puncto Haptik und Spielgefühl (Halsmaße, Lackierung etc.) bestehen diesbezüglich sicherlich deutlichere Unterschiede. Wer kein Statussymbol benötigt, wird sicherlich mit der Epiphone Les Paul Custom glücklich werden, da man fürs Geld ein solides und sicherlich gut verarbeitetes Instrument erwirbt.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Epiphone Les Paul Custom – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

Fazit

Obwohl die Epiphone Les Paul Custom optisch ihrem Vorbild recht nahekommt, sind Unterschiede im Handling und Klang auszumachen. Für preisbewusste Freunde einer Les Paul ist die Epiphone Les Paul Custom sicherlich eine gute und bezahlbare Alternative, da sie in vielen Punkten ähnlich bzw. gleichwertig dem Vorbild ausgestattet wurde. Das Preis-Leistungs-Verhältnis geht sicherlich voll in Ordnung, da man für das Geld ein solides und gut verarbeitetes Instrument bekommt.

 

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Design

Minus

  • Werkseinstellung
  • kein Gigbag im Lieferumfang

Preis

  • 669,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Zwo5eins  

    „kein Gigbag im Lieferumfang“ finde ich nicht so schlimm, wenn ich bedenke was Fender da so mitliefert, E-Bay Kleinanzeigen ist voll damit. Da kauf ich mir lieber ein richtig gutes Gigbag.

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