Test: Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD, E-Gitarre

4. Februar 2020

Die Nerd-Paula

Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD

Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD

Man kann von ihm halten, was man will – auf jeden Fall aber hat Joe Bonamassa den Blues wieder salonfähig gemacht. Oder sollte man vielleicht besser sagen „konzerthallentauglich“? Tatsächlich füllt der sich selbst als „Gitarren-Nerd“ bezeichnende Amerikaner die Hallen und Stadien rund um die Welt und das stets von einer mehr oder weniger großen Armee von E-Gitarren begleitet. Die stammen meistens von Gibson und demnach ist es auch kein Wunder, dass der US-Traditionshersteller dem Künstler Signature-Instrumente widmet bzw. diese mit ihm entwickelt oder an dessen persönlichen Vorlieben anpasst.

Aber was wissen wir doch alle über sogenannte Signature-Instrumente aus den USA? Richtig, sie sind in aller Regel sehr teuer und an dieser Stelle tritt erneut die preisgünstige Version der Gibson-Tochter Epiphone in den Ring. Die Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD E-Gitarre ist mit nur wenig über 500,- Euro Verkaufspreis sehr günstig zu bekommen, mit im Lieferumfang befindet sich sogar noch ein edler Koffer sowie ein Zertifikat des Meisters! Bloß ein Werbe-Bundle für den Künstler und Gibson bzw. Epiphone? Oder ist die „Fernost-Paula“ tatsächlich eine würdige Alternative zu den US-Boliden? Schauen und hören wir uns die Gute doch mal genauer an.

Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD E-Gitarre Front

Epiphone Les Paul Bonamassa LTD – Facts & Features

Was soll man sagen? Eine Paula ist eine Paula und so erscheint auch die Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD im bekannten und beliebten Outfit des Klassikers. Aber sie erscheint mal so richtig pompös, denn geliefert wird die Gitarre in einem hochwertigen Formcase („Lifton Style“) mit diversen Aufdrucken, die unmissverständlich über den Inhalt aufklären:

Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD E-Gitarre Koffer

In diesem „Lifton Style“ Koffer kommt sie!

Im Innern gibt es neben den typischen Utensilien wie etwa Einstellschlüssel für den Hals oder ein Putztuch, noch ein Zertifikat des Meisters dazu. Spätestens bei diesem Anblick, die Gitarre liegt sanft eingebettet in einem rosa Plüsch, könnte ja die Frage auftauchen, ob man es hier nicht vielleicht doch mit einer E-Gitarre aus den Staaten zu tun hat. Der Anblick ist wirklich majestätisch, der Blick auf die Rückseite der Kopfplatte offenbart jedoch das Herstellungsland: „Handcrafted in China“ steht dort auf einem Sticker, dann wäre das ja geklärt!

Das „Heritage Cherry Norm Burst“ Finish der Bonamassa-Paula verläuft sauber über die komplette Decke, die jedoch leider nicht massiv ist, sondern nur aus einem AA-Ahornfurnier besteht. An den Rändern gibt es wie immer das cremefarbene Binding und dieser Farbton ist auch Bestandteil der übrigen Kunststoffteile auf dem Korpus wie Schlagbrett, die Rahmen der Pickups oder die Verkleidung des Dreiwegeschalters. Der Schalter ist auch das erste, was bei der genaueren Betrachtung negativ auffällt: Er wackelt beachtlich in seinem Sitz und auch in der Praxis gelingt das Umschalten mit ihm nicht immer geräuschlos. Doch dazu später mehr im Praxisteil.

Die vier Regler mit ihren goldenen Kunststoffknöpfen hingegen verhalten sich unauffällig, sie wackeln kein Stück und bieten einen nicht zu großen Widerstand beim Drehen. Allerdings verläuft der Regelweg der Potis alles andere als linear. Das betrifft vor allem die beiden Volume-Potis, mit denen saubere Fades manchmal nicht ganz einfach sind. Die unterlegten Scheiben mit dem kleinen Pfeil sind dennoch schön anzusehen!

Hals & Lack – das alte Lied vom Kleben

Ansonsten sind keine Verarbeitungsmängel an der Bonamassa-Paula zu erkennen, insbesondere der Lack wurde auch an den kritischen Stellen, wie etwa dem Hals-Korpus-Übergang, sauber aufgetragen. Aber wie heißt es so schön: Des einen Segen ist dem anderen ein Fluch, denn der Lack ist zwar satt und strahlend, klebt aber auch ganz ordentlich und das vor allem im Bereich der Halsrückseite. Spielern von Les Paul Gitarren dürfte das vielleicht nicht so stören, für Leute mit Vorlieben für naturbelassene bzw. nur mit Satinlack überzogene Halsprofile könnten hier aber recht schnell durch die klebrige Oberfläche ins Stocken geraten. Ansonsten wäre das 60s Slim Taper Profil der Rückseite angenehm zu bespielen, denn besonders fett ist es nicht geraten.

Das Indian Laurel Griffbrett mit den Block-Inlays bietet, wie zu erwarten, 22 Medium-Bünde, an deren Verarbeitung ebenfalls nichts zu bemängeln gibt. Die Kanten wurden sauber abgerichtet und auch an eine sorgfältige Politur der Oberflächen wurde gedacht, sodass es hier sofort ohne zu schaben und zu haken losgehen kann. Oh, und an ein Binding am Rand des Griffbretts wurde natürlich auch gedacht, sonst wäre es ja keine echte Les Paul!

Pickups, Elektronik & Hardware

Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD E-Gitarre Front-Pickup

Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD E-Gitarre Front-Pickup

Epiphone setzt der Les Paul 1960 Bonamassa LTD zwei Humbucker des Typs „ProBucker“ ein. Es sind zwei unterschiedliche Doppelspuler in Hals- und Stegposition (ProBucker-2 am Hals und ProBucker-3 am Steg), angewählt bzw. gesteuert über den bereits erwähnten etwas fragilen Dreiwegeschalter sowie über die dagegen deutlich frischer wirkenden Regler mit ihren schicken Goldknöpfen. Singlecoil-Optionen gibt es keine, die beiden ProBucker blasen also stets aus allen Rohren.

Die Hardware bietet insgesamt ein solides Bild, die ToM-Bridge sowie das unumgängliche Tailpiece wurden sauber in der Decke versenkt und besitzen eine widerstandsfähig scheinende Chromschicht. Ob diese Schicht jedoch über die Jahre einem evtl. aggressiv auftretenden Handschweiß des Benutzers widerstehen kann, lässt sich allerdings nicht sagen. Strahlen tut sie in jedem Fall genug, nur beim Einstellen der Brücke hätte man sich ab Werk mehr Mühe geben können. So ist die Saitenlage unseres Testinstruments eher bescheiden, dabei hätten zwei oder drei Umdrehungen an den zwei Bolzen bereits genügt, um hier ein optimales Setting zu erreichen.

Bleiben noch die „Deluxe Tulip Key“ Mechaniken an der Kopfplatte übrig, hier sollte man nicht zu viel bzw. eine Qualität entsprechend der Preisklasse erwarten. Soll heißen, mit etwas Spiel ist hier und dort beim Drehen zu rechnen. Optisch betrachtet aber gehören sie natürlich dazu, wie die Faust aufs Auge.

In der Praxis!

Der akustische Grundsound ist trotz der Mahagonikonstruktion nicht besonders kraftvoll oder übermäßig stark mit Sustain ausgerüstet – bei einem US-Modell sind hier schon andere Werte festzustellen. Ähnlich verhält es sich mit der Dynamik und dem Attack, beides ist recht zäh und zusammen mit dem für mich unangenehm klebrigen Lack der Halsrückseite sowie der „strammen“ Saitenlage gelingt der Erstkontakt nicht ganz so perfekt. Aber gut, das muss ja nichts heißen, viele Gitarren holen ja einen eher bescheidenen Grundsound mit einem Satz guter Pickups wieder raus. Hier ist das fast der Fall, aber leider nur fast. Zunächst aber das Positive: Die zwei ProBucker verfügen über einen überraschend differenzierten, enorm druckvollen und zugleich höhenreichen Sound, der zum einen sehr „bluesy“ klingen kann, zum anderen aber durchaus auch mit High-Gain am Amp umzugehen weiß.

Die Schattenseiten zeigen sich jedoch bei den Nebengeräuschen, denn beide Pickups brummen deutlich hörbar, was sich natürlich vor allem bei Sounds am angeschlossenen Amp mit erhöhtem Overdrive bemerkbar macht. In den Klangbeispielen kann man das hier und dort hören, ich habe es quasi bewusst drauf ankommen lassen! Nicht hören kann man jedoch die Knackgeräusche, die der Schalter beim Betätigen produziert: Mit ziemlicher Sicherheit wird dieser Schalter das erste Bauteil sein, das früher oder später die Segel streichen wird. Dann heißt es ab in den Zubehörmarkt und das Teil durch was Ordentliches ersetzen!

Hören wir rein, was für Sounds mit der Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD E-Gitarre möglich sind. Dazu habe ich wie immer meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box benutzt. Vor der Box stand das altbewährte AKG C3000 Mikrofon, Effekte wurden keine verwendet.

Fazit

Trotz der beschriebenen Mängel in Sachen Klang und den kleineren Macken, wie etwa der Dreiwegeschalter oder die brummanfälligen ProBucker Tonabnehmer, möchte ich der Epiphone Les Paul 1960 Bonamassa LTD nach Abschluss des Tests trotzdem ein gutes Urteil ausstellen. Man sollte nicht vergessen, dass diese Signature-Paula im Shop nur wenig über 500,- Euro kostet – und das inklusive eines pompösen Koffers. Dafür bietet sie eine Menge Sounds für alles, was mit Blues, Rock und allem dazwischen zu tun hat. Und sie ist ja vor allem ein Instrument mit limitiertem Status und damit für Fans von Joe Bonamassa eine echte Gelegenheit, für wenig Kohle ein Instrument des Meisters zu ergattern!

Plus

  • weitgehend gute Verarbeitung
  • druckvoller Sound der ProBucker-Pickups
  • limitierte Auflage
  • Edelkoffer im Lieferumfang

Minus

  • Pickups brummen
  • Qualität Dreiwegeschalter

Preis

  • 569,- Euro
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      camarillobrillo  

      „[…] besitzen eine widerstandsfähig scheinende Chromschicht. Ob diese Schicht jedoch über die Jahre einem evtl. aggressiv auftretenden Handschweiß des Benutzers widerstehen kann, lässt sich allerdings nicht sagen.“

      Worin unterscheidet sich denn die Chromschicht der Epiphone von der der Harley Benton? Die scheint ja einen besseren Eindruck gemacht zu haben, denn dort heißt es im Test:

      „Die beiden Teile besitzen eine satte Chromschicht, die sich im Dauereinsatz als widerstandsfähig gegen aggressiven Handschweiß erweisen dürfte.“

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        Stephan Güte  RED

        Na ja, bei der Bonamassa wirkt die Chromschicht eben nicht so intensiv bzw. dick aufgetragen, bei der HB wirkte die Verchromung satter. Ist ja auch ne Kostensache :)

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            Stephan Güte  RED

            Echt schwer zu sagen …. beide haben ihre Vor- und Nachteile, checks am besten selbst aus. Die PUs bei der Bonamassa sind echt cool, dafür ist die HB besser bespielbar, finde ich. Und natürlich ist die HB ja auch noch mal ne Ecke günstiger, sollte man nicht vergessen.

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              camarillobrillo  

              Auch dafür herzlichen Dank!
              Mir ging das vor ein paar jahren mit meiner Tele ähnlich: Da habe ich in Burgebrach etwa 2 Stunden lang eine Fender Squier Classic Vibe 50 „gegen“ eine HB TE-52 NA getestet. Der Steg-PU der Squier klag geringfügig besser, dafür lag mir die HB einfach besser in der Hand. Letztere ist es dann geworden, und ich bin immer noch sehr zufrieden damit.

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                Stephan Güte  RED

                Siehste …. beim Gitarren anchecken bzw. den Vorlieben spielen soooo viele Faktoren eine Rolle! Und ein Testbericht kann nicht immer objektiv sein, die Autoren sind ja auch vornehmlich Musiker mit Vorlieben und Geschmäckern für dies und das :)

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