Test: Gibson Les Paul Classic 2019, E-Gitarre

23. Oktober 2018

Tante Paula zu Besuch!

Les Paul Classic 2019

— Gibson Les Paul Classic 2019 —

Über Gibson muss man auf einer Seite wie AMAZONA.de eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Ohne die Gitarrenschmiede aus Michigan mit heutigem Sitz in Tennessee hätte die Gitarre wohl nicht den popkulturellen Status, den sie heute hat. Dies ist vor allem auch dem Kultmodell Les Paul oder „Paula“ geschuldet, das schon seit bald 70 Jahren unverändert bleibt und sich dabei anhaltender Beliebtheit erfreut. Das hindert Gibson aber nicht daran, jedes Jahr wieder neue Inkarnationen der Les Paul zu auf den Markt zu bringen und diese mit mal mehr, mal weniger innovativen und tiefgreifenden Neuerungen auszustatten. Wer aber dem Original so nah wie möglich kommen möchte, könnte mit der Les Paul Classic 2019 gut bedient sein. Wir haben uns die Grande Dame mal näher angesehen!

Les Paul Classic

Gibson Les Paul Classic 2019 – Facts & Features

Wie nicht anders zu erwarten bei einer Les Paul, besteht der Body größtenteils aus Mahagoni und ist mit einer klassischen Ahorndecke versehen, so wie es das Jahrzehnte alte Erfolgsrezept eben nun einmal vorschreibt. Dieses hat sich ja auch bewährt, bietet diese Kombination doch die Vorteile beider Tonhölzer in einem Instrument. Dank der größtenteils transparenten Lackierung lässt sich zudem erkennen, dass der Body in diesem Fall aus zwei Teilen Mahagoni zusammengesetzt wurde. Für die Decke trifft dies höchstwahrscheinlich auch zu, ob dabei sauber „gebookmatched“ wurde, lässt sich aufgrund der deckenden Lackierung allerdings nicht sehen. Ist ja auch größtenteils kosmetisch.

Les Paul Classic back

— Der Body ist natürlich aus Mahagoni gefertigt —

Anders als viele der moderneren Neuauflagen, wurde die Les Paul Classic 2019 nicht mit einem der Weight-Relief-Technik behandelt, die Gibson mittlerweile im Programm hat. Die Classic 2019 ist wie ihr Vorbild aus vergangenen Jahrzehnten aus einem komplett massiven Body gebaut und das ist auch an dem stolzen Gewicht der Gitarre zu spüren. Gibson gibt zwar an, dass das Chambering zur Gewichtsreduktion keine Auswirkungen auf den Klang, die Bespielbarkeit und den Charakter der Gitarre haben soll, jedoch scheint die Nachfrage nach original belassenen Bodys bei Gibson Gitarren noch so groß zu sein, dass auf der Website überall darauf hingewiesen wird, dass es auch noch echte Solidbodys im Angebot gibt und das auch so bleiben wird.

Auch der Hals der Les Paul Classic 2019 ist ganz klassisch aus Mahagoni gefertigt und so wie es der Blick unter die Lackierung verrät, wurde hier ein einzelnes Stück Holz verwendet. Dieses wurde in einen Slim-Tapered Neck geformt und komplett überlackiert. Das Griffbrett ist aus tropischem Palisander gefertigt und mit einem cremefarbenen Binding versehen. Die 22 Bünde sind mit Gibsons speziell kryogenisch behandeltem Bunddraht versehen, die ein flaches Profil haben und dank der Sonderbehandlung härter und damit langlebiger sein sollen als herkömmliche Materialien. Acryl-Inlays in der für Gibson typischen Trapezform sorgen für Glamour und Orientierung auf dem Griffbrett.

Les Paul Classic neck

— Auch der Hals ist natürlich aus Mahagoni und von der Mensur bis zu den Inlays nah am Klassiker gehalten —

Les Paul Classic 2019 – die Hardware

Der Headstock ist mit Mechaniken von Grover, genauer dem Modell Rotomatics bestückt. Von diesen aus laufen die Saiten über einen Sattel aus TekToid-Grafit entlang der 628 mm langen Mensur Richtung der Tune-o-Matic-Brücke aus Aluminium bis zum Tailstop, ebenfalls aus Aluminium. Hier bleibt das Meiste also beim Alten. Auch auf den cremefarbenen Pickguard muss keiner verzichten und findet ihn, wo er immer ist.

Die Pickups kommen selbstverständlich auch aus dem Hause Gibson. In der Bridge-Position übernimmt ein Burstbucker 61T die Umwandlung der Saitenschwingung, in der Halsposition macht den Job ein Burstbucker 61R. Beide Pickups sind als Zebrapärchen gestaltet, wobei das Weiß den anderen cremefarbenen Teilen farblich sehr nahe kommt. Vielleicht hatte ich nur Pech, aber mir ist schon bei vielen Gitarren aufgefallen, dass hier der Farbton oft etwas variiert. Nicht so bei der Les Paul Classic 2019.

Traditionsgemäß werden die Pickups über den Dreiwegeschalter an gewohnter Stelle angewählt und haben jeweils ihre eigenes Tone- und Volume-Potis. Alle Regler sind als Push-Pull-Potis ausgelegt, mit denen sich im Fall der Tone-Potis die Phasen des jeweiligen Pickups umkehren lassen, während die  beiden Volume-Regler die Humbucker splitten, um diese als Singlecoils zu betreiben.

Les Paul Classic body 2

— Bewährte Hardware auch bei der 2019er Classic, jedoch mit zusätzlichen der Push-Pull-Möglichkeiten —

Geliefert wird die Les Paul Classic 2019 in einem edlen, in Kanada hergestellten (Kunst-) Lederkoffer inklusive einem Gurt, der doch etwas schnell ausgefüllten Qualitätskontroll-Checkliste sowie einem Foto der Gitarre auf dem Schreibtisch des Prüfstandes mit Grüßen aus den Staaten.

Les Paul Classic 2019 – Verarbeitung

Wie man bei einer Gitarre dieser Preisklasse erwarten darf, ist die Verarbeitung größtenteils kaum zu beanstanden. Bei der Lackierung wurde auf Nitrozelluloselack, kurz auch Nitrolack, zurückgegriffen, wie er auch schon in den 50er und 60er Jahren verwendet wurde. Grund hierfür ist die von vielen als besser empfundene Klangentwicklung unter dieser Art von Lackierung. Dank neuerer Plastizitätsagenten sollen diese allerdings nicht mehr so leicht brechen und weniger stark vergilben wie die Lackierungen von anno dazumal. Freunde von Vintage- und Weathered-Look wird es weniger freuen. Gesundheitsbewusste Menschen schon eher. Der Lack ist größtenteils auch gut verarbeitet, bis auf die kleinen Fehler am Hals-Korpus-Übergang. Ansonsten sieht das Gold Top Finish jedoch super aus und die Sparkling-Effekte sind aus der Nähe dezent, aber deutlich zu sehen.

Auch auf der Holz- und Einstellungen-Seite sieht die Les Paul Classic 2019 gut aus. Der Hals ist gerade und hat keine Verdrehungen und die Bünde sind sauber eingelassen und glattgeschliffen. Zusammengenommen wurde jegliches Schnarren oder Deadspots erfolgreich verhindert. Ein kleines Manko gibt es dann doch noch: Nach der Bedienung der Push-Pull-Potis hatte ich nun schon zweimal die Kappe in der Hand. Hier sollten etwas passendere oder besser noch mit einer kleinen Madenschraube fixierbare Kappen verbaut werden. Das sollte bei einer „2000-Plus-Quietsch-Euro-Gitarre“ schon drin sein.

— Die Les Paul Classic 2019 ist eine gut verarbeitete Gitarre mit gut versteckten Features —

Klangbeispiele
Forum
Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.