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Test: Ibanez AZ 2204N, E-Gitarre

Die AZ für Vintage-Freaks

27. September 2022
Ibanez AZ 2204

Ibanez AZ 2204N-AWD

Die Ibanez AZ-Serie treibt weiter wild und munter ihre Blüten. Die erst 2018 eingeführte Baureihe der Japaner scheint sich zu einem ähnlichen Verkaufsschlager wie die allmächtige RG-Serie zu entwickeln, setzt aber im Gegensatz dazu auf eher traditionelles Design und verbirgt unter der Haube dennoch nicht weniger moderne Features. Wir betrachten uns mal im heutigen Review die Ibanez AZ 2204N, die in ihrem traditionellen Design ganz offensichtlich in den Gewässern fischen möchte, in denen sich in aller Regel Spieler der klassischen Strat tummeln.

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Ibanez AZ 2204N – Facts & Specs

Mittlerweile gibt es die AZ-Gitarren auch zu deutlich günstigeren Preisen, seit rund 3 Jahren (2019) bietet Ibanez mit der AZES-Serie auch Spielern mit weniger prall gefüllter Brieftasche die Möglichkeit, eines der neuen Modelle innerhalb der Premium-Baureihe zu ergattern. Unser Testmodell stammt jedoch aus der Prestige-Kategorie der Japaner, entsprechend gestaltet sich ihr Preis, der mit rund 2000,- Euro von vielen nicht mal eben aus der Portokasse bezahlt werden kann. Dass man für sein Geld aber einen ordentlichen Gegenwert erhält, macht der erste Blick beim Öffnen des mitgelieferten Luxus-Cases schon frühzeitig klar. Edel und hochwertig wirkt sie in ihrem durchscheinenden Antique-White-Blonde-Finish, der verchromten Hardware und dem Ahornhals, der auch hier wieder durch eine Wärmebehandlung einen goldbraunen Ton trägt.

Ibanez AZ2204N-AWD

Ibanez AZ2204N-AWD

Kundenbewertung:
(1)

Ergonomische Rückseite

So „Vintage“ sie von vorne ausschaut, so modern wirkt sie von hinten, eine radiusförmige Fräsung vom oberen bis hinunter zum unteren Cutaway sowie ein extrem homogen geformter Halsfuß sorgen zusammen mit der klassischen Bierbauchfräsung im oberen Teil des  aus Erle hergestellten Korpus für einen hohen Spielkomfort. Der wäre an dieser Stelle allerdings noch zu toppen gewesen, wenn man die Abdeckung der Öffnung des Vibratofachs, so wie die der Elektronik, versenkt angebracht hätte. Der Hals wurde bombenfest und präzise in der Halstasche des Korpus eingesetzt, da passt kein Haar mehr dazwischen.

 Ibanez AZ 2204N neck plate

Komfortabler geht kaum

Und immer wieder: der Roasted Maple Neck

Wie bereits erwähnt, besteht der Hals aus einem Stück wärmebehandeltem Ahorn, was in der Szene als „Roasted Maple“ bezeichnet wird und mittlerweile von fast allen Herstellern angeboten wird. Mit der Frage darüber, inwiefern sich dieses Verfahren auf die Stabilität des Holzes und vor allem auf den gesamten Klang des Instruments auswirkt, habe ich mich in meinen vergangenen Reviews oft auseinandergesetzt. Das sind zumindest die Fakten, die uns suggeriert werden sollen – ein besserer Klang verbunden mit einer verbesserten Widerstandskraft. Fakt ist jedoch, dass diese kaffeebraune Färbung auch unserer Ibanez AZ 2204N sehr gut steht, obwohl ein Griffbrett aus Palisander das auf den Blick von vorne zunächst verdeckt.

Das Profil des Halses bietet sowohl bei der Breite des Griffbretts als auch bei der Form seiner Rückseite ein paar Besonderheiten. Zum einen variiert das Halsprofil von 21 mm am ersten Bund bis hin zu 23 mm in der Oktavlage, zum anderen findet beim Griffbrett ein Compound-Radius von 228  bis 305 mm seinen Einsatz. Und während 22 sauber eingesetzte Stainless-Steel Jumbo-Bünde auf ihre Bearbeitung warten, ergänzen edle Mother of Pearl Griffbretteinlagen den Vintage-Look der Ibanez. Zusätzlichen Luxus bieten die Dots an den Rändern des Griffbretts, denn die leuchten im Dunkeln und können so im Notfall für etwas mehr Orientierung bei der Wahl der richtigen Lage sorgen.

Hardware von Gotoh

Hier verlässt sich Ibanez auf die Qualität des US-Herstellers Gotoh, der die Ibanez AZ 2204N in diesem Bereich komplett ausstattet. Dazu gehört als Basis das T1702 Vibrato, das auf zwei Bolzen ruht und mit einer cleveren Befestigung den Vibratohebel aufnimmt. Am anderen Ende warten sechs Magnum-Lock-Mechaniken auf die Aufnahme der Drähte, für die beiden oberen Saiten wurde zusätzlich noch ein String-Tree an der Kopfplatte befestigt. Das System wird ab Werk mit aufliegendem Block ausgeliefert, d. h. Bewegungen mit dem Hebel sind nur nach vorn möglich. Sehr schade, denn so verschenkt man eine Menge Performance, die mit einem frei schwebenden System möglich wären.

Darüber hinaus scheint man es auch mit der Spannung der Federn gut zu meinen, denn um den Hebel zu bewegen, muss man hier schon ordentlich zulangen. Somit sind feine und dezente Vibratos kaum möglich, für mich persönlich wäre dieser Zustand schon unbefriedigend. Gut möglich, dass es andere wiederum gar nicht stört und ganz sicher gibt es auch Spieler, die diese Art des Settings bevorzugen. Bleibt natürlich die Gretchenfrage: Hält das System die Stimmung? Die Antwort lautet: nicht immer. Sachte Bewegungen mit dem Hebel im Bereich um einen Halbton sind problemlos möglich, alles darüber jedoch geht oft nur mit Nachstimmen über die Bühne.

Ibanez AZ 2204N Vibrato Gotoh

Gotoh T1702 Vibrato – mit Verstimmungen ist zu rechnen

Pickups & Schaltung

Neben dem renommierten Hersteller Gotoh findet sich noch ein weiterer Traditionshersteller unter den Teilen, aus denen die Ibanez AZ 2204N zu einem Ganzen zusammengefügt wurde. Tonabnehmer von Seymour Duncan sorgen für die elektrische Abnahme des Klangs, hier in Form von zwei Fortuna Singlecoils und einem Humbucker, die von SD speziell für die AZ-Serie angefertigt werden. Die Schaltung verfügt neben einem Fünfwegeschalter und Reglern für Lautstärke und Klang über eine zweite Ebene, die mit einem zwischen den beiden Potis liegenden Minischalter aktiviert wird. Das folgende Bild veranschaulicht die möglichen Sounds, mit der die Gitarre damit an den Start bzw. den Amp geht:

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Die Qualität der verwendeten Schalter und Regler entspricht den Erwartungen an ein Instrument dieser Preisklasse vollkommen und war ehrlich gesagt bei einer Ibanez aus der Prestige-Baureihe erfahrungsgemäß auch nicht anders zu erwarten. Und damit ab zum Praxis-Check!

Die Ibanez AZ 2204N in der Praxis

Akustischer Grundsound/Handling

Die Kombination aus Erle für den Korpus und dem (gerösteten) Ahornhals bietet einen soliden, wenn auch nicht übermäßig kräftigen Grundklang mit ausreichend Sustain und einem überbetonten Mittenbild, was ja nur von Vorteil für eine gute Durchsetzungskraft sein kann. Die Bespielbarkeit ab Werk geht in Ordnung, für meinen  Geschmack dürfte die Saitenlage allerdings schon noch etwas freundlicher gestaltet sein, um auch Licks in den oberen Lagen mühelos abzufeuern. Die Voraussetzungen dafür sind mit den Bearbeitungen des Griffbretts und der Halsdicke ja gegeben, sodass sich hier sicher für jeden Typ Spieler und dessen Vorlieben ein bequemes Set-up einstellen lässt. Über die Schwergängigkeit des Vibratos habe ich ja bereits weiter oben schon berichtet, aber auch hier kann man mit etwas Geschick und Zeitaufwand eine Lösung finden. Sei es nun durch bloßes Herausnehmen von einer oder mehr Federn, um das System sensibler zu machen, oder aber durch ein Anheben der Bolzen des Vibratoblocks, damit auch Up-Bendings möglich werden. Vorsicht ist aber in allen Fällen geboten, denn das Gotoh-System gehört trotz der Klemmmechaniken an der Kopfplatte nicht zu den stimmstabilsten am Markt.

Elektrischer Sound

Die drei Seymour Duncan Fortuna-Pickups und die variable Schaltung mit dem Alternate-Switch erweisen sich in der Praxis als echte Alleskönner mit einem kräftigen und strahlenden Mittenbild, das sie von der Grundkonstruktion nahezu verlustfrei übernehmen. Sie passen wie die Faust aufs Auge zum Erscheinungsbild der Ibanez AZ 2204N und damit auch zur Zielgruppe, die warme und druckvolle Vintage-Sounds bevorzugt und dabei großen Wert auf möglichst wenig Nebengeräusche und einen hohen Headroom für die feinen Details legt. Neben den vielen möglichen dynamischen Zerr-Sounds können vor allem die unverzerrten Klänge begeistern, die mit einer enormen Wucht abgegeben werden und das Klangverhalten des Instruments um viele weitere Facetten erweitert.

Ibanez AZ 2204N

Ibanez AZ 2204N – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Ibanez AZ 2204N  zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ verwendet. Vor dem Verstärker wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert.

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Fazit

Die Ibanez AZ 2204N im Antique White Blonde Finish präsentiert sich im Test als eine sehr hochwertig verarbeitete Gitarre mit knackigem Vintage-Sound, hübscher Optik, einer variablen Schaltung und einer guten Bespielbarkeit. Abzüge in der Note gibt es lediglich für das nicht verstimmungsfrei arbeitende Vibrato-System und die Werkseinstellung, die bei einem Instrument dieser Preisklasse durchaus besser hätte ausfallen können bzw. müssen.

Plus

  • hochwertige Verarbeitung
  • vielseitiger Klang
  • ergonomisch geformter Body
  • Optik

Minus

  • Vibrato nicht stimmstabil
  • Werkseinstellung

Preis

  • 1999,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Jörg Hoffmann RED

    …ich habe neulich eine Anzeige von Ibanez gesehen: Sie suchen jemanden, der bei den Gitarren die Endabstimmung machen soll. Es wird also hoffentlich besser mit der Saitenlage ab Werk :-) .

    Toller Test – Danke. Willst Du Dir nicht mal die Ibanez PIA ansehen und testen? Ich glaube wir hatten den JEM Nachfolger noch nicht im Test.

    Viele Grüße, Jörg

    • Profilbild
      Mac Abre

      Ist die Saitenlage ab Werk denn so ein Thema? Die Gitarre ist bei mir eher ein Nebeninstrument eines Nebeninstrumentes aber die Saitenlage stelle ich mir auf meine Bedürfnisse selbst ein. Ich finde das nicht kompliziert. Hat denn nicht jeder irgendwie seine eigene ideale Saitenlage? Vielleicht sogar von Instrument zu Instrument unterschiedlich?

      • Profilbild
        mort76

        Ich würde aber auch nicht gerne eine Gitarre mit schlechten Werkseinstellungen im Laden antesten müssen.
        Da kann man ja nicht einfach mal eine Feder rausnehmen.
        Und bei einem renommierten Hersteller und vor allem einem Preis von 2000 Euro sollte man gute Einstellungen von vornherein voraussetzen können.
        Wir reden hier ja nicht über 89-Euro-Billigware, wo ich über sowas hinwegsehen würde…

  2. Profilbild
    Jan Steiger RED

    Feines Teilchen grundsätzlich. Das Ding mit dem Vibrator wundert mich etwas, denn meine halb so teure (oder doppelt so billige?) AZ226 ist absolut stimmstabil. Vielleicht hatte der Endkontroletti ja Montach 😁

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