Test: Icon Platform Nano Air, drahtloser DAW-Controller

12. April 2021

Kompakter Controller für Laptop und Studio

icon platform nano air test

Icon Platform Nano Air, Drahtloser DAW-Controller

Im Bereich der DAW-Controller ist Icon Pro Audio wahrlich kein Unbekannter. Die QCon Reihe ist allseits bekannt und bietet gute bis sehr gute Möglichkeiten, die DAW fernzusteuern. Mit der Platform-Serie hat Icon seit längerer Zeit eher die kleineren Studios im Fokus, deutlich kompakter und überschaubarer sind die Controller in dieser Serie gestaltet. Bereits seit 2019 ist der Controller Platform Nano erhältlich, seit Kurzem gibt es diesen auch als Nano Air. Wir wollten wissen, wie sich die beiden kleinen Sprösslinge im Tonstudio-Alltag schlagen.

Was bieten Platform Nano und Nano Air?

Der erste Eindruck wiegt in der Regel schwer und bleibt zunächst einmal im Kopf haften. Der Platform Nano braucht sich hierbei allerdings keine Gedanken zu machen. Ein stabiles Kunststoffgehäuse mit einer Bedienoberfläche aus Metall sowie seitliche Abschlussleisten aus Kunststoff begrüßen den Besitzer des Nanos, alles scheint sehr übersichtlich und klar gegliedert. Die Maße des Controllers belaufen sich auf 21,5 x 19,5 x 5,5 cm. Eine gute Größe, die ausreichend Platz für Bedienelemente bietet, aber immer noch so kompakt ist, dass man den Controller zwischen Computertastatur und Bildschirm (oder daneben) unterbringen kann. Dazu ist er sehr transportabel und findet in jeder Tasche Platz.

icon platform nano air test

Hinsichtlich der Bedienelemente sowie der Art und Weise, was und wie man etwas steuern kann, sind die beiden Nanos komplett identisch. Der einzige und große Unterschied: Die Air-Version kann drahtlos Signale an den Computer senden, der normale Nano (ohne Air) braucht hierfür ein USB-Kabel, worüber er auch gleichzeitig Strom bezieht. Doch wie bezieht der Nano Air dann seinen zum Betrieb notwendigen Strom? Ganz einfach, Icon hat auf der Unterseite des Controllers einen Akku eingebaut, dieser reicht für eine Laufzeit von 5-6 Stunden. Ist er leer, lässt sich der Akku über den Anschluss des Controllers an einen USB-Port wieder aufladen.

icon platform nano air test

Der Akku ist auf der Unterseite des Gehäuses untergebracht

Der Akku enthält auch das 2,4 GHz Sendemodul, so dass sich ein normaler Nano Controller auch zu einem Drahtlosen umbauen lässt. Kauft man den Akku samt Sendemodul einzeln, sind dafür 69,- Euro fällig, was ungefähr der Differenz zwischen kabelgebundenem und drahtlosem Controller entspricht.

An der Gegenseite, sprich dem Computer, der die Signale des DAW-Controllers empfangen soll, wird der zum Lieferumfang des Nano Air Controllers gehörende USB-Stick angeschlossen. Als Systemvoraussetzung gibt Icon Windows 7 (oder neuer) und OS X 10.10 Yosemite (Support bis 10.15 Catalina) an. Die Installation ist auf meinem Mac mit macOS 10.14 kein Problem. Der Controller wird sofort erkannt und die weiter unten aufgeführten DAWs haben damit problemlos zusammengearbeitet. In einem Abstand von bis zu 5 m (größer ist das Studio nicht) konnte ich während des Tests ohne Aussetzer oder Hänger arbeiten, die Verbindung war stets vorhanden und es gab auch bei heftigen Controller-Meldungen keinen Aussetzer.

icon platform nano air test

Der USB-Stick des Nano Air für die andere Seite der drahtlosen Verbindung

Doch zunächst ein paar Worte zur eigentlichen Ausstattung des Controllers: Die Bedienoberfläche des Nanos ist leicht nach vorne geneigt, was die Übersichtlichkeit erhöht. Platziert man den Controller neben dem Laptop, ist der Neigungswinkel passend und das Display lässt sich gut ablesen. Je weiter man den Controller nach vorne schiebt, desto schwieriger wird es allerdings. Steht der Controller beispielsweise schräg rechts vorne, wird es unter Umständen schwierig, die untere Zeile des Displays abzulesen. Hier gilt es, einfach einen guten Platz für ihn zu finden.

Der Nano Platform verfügt über einen berührungsempfindlichen motorisierten Fader (Auflösung 10 Bit), der eine Länge von 10 cm aufweist und über ein 12-stelliges LED-Meter verfügt. Rechts davon befinden sich sechs Soft-Buttons, die wie alle Buttons des Nanos hintergrundbeleuchtet sind. Der aktive Zustand kann also stets gut nachvollzogen werden. Hat man einen Track selektiert, ist der Motorfader stets für diesen zuständig. Mit Hilfe der erwähnten Buttons wechselt man entweder Spur für Spur in einzelnen Schritten oder in 8er Blöcken weiter.

Die ganz oben angesiedelte „5-8 Taste“ bietet eine weitere Funktion. Hat man beispielsweise Track 14 selektiert und Button 5-8 ist deaktiviert, so steuern die vier Potis oberhalb des Displays jeweils den Pan der unteren Hälfte der aktuellen 8er Gruppe, d. h. Track 11-14. Aktiviert man Button 5-8, so reagiert die obere Hälfte der aktuellen 8er Gruppe auf Pan-Befehle, d. h. 15-18. Je nach Parameter kann man also, obwohl ja nur ein Track selektiert werden kann, auch die daneben liegenden Spuren steuern.

icon platform nano air test

Ein weiteres Beispiel: Beim Steuern des internen 4-Band-EQs in Cubase und bei aktiver EQ-Steuerung des Controllers steuert man bei deaktiviertem 5-8 Button die unteren Frequenzbänder 3 und 4, beim aktivierten 5-8 Button die Frequenzbänder 1 und 2. Das hätte ich ehrlich gesagt anders herum erwartet, denn einen aktiven 5-8 Button verstehe ich so, dass man eher die höheren bzw. weiter rechts/unten angesiedelten Bänder, Kanäle etc. steuert, aber gut.

Neben dem Motorfader bietet der Controller insgesamt fünf Drehregler (vier oberhalb des Displays, der fünfte (samt LED-Kranz) direkt über dem Fader), ein gut ablesbares Display, ein Jog-Dial mit Push-Funktion sowie eine Vielzahl von Buttons. Ein Teil davon ist bereits mit den zugewiesenen Funktionen beschriftet, bei anderen ergibt sich der Sinn erst, wenn man eins der beiliegenden Overlays drauflegt.

icon platform nano air test

Welche DAW darf es heute sein?

Hiervon liefert Icon Audio erstaunlicherweise deutlich mehr mit, als man zunächst erwarten würde, denn insgesamt 13 Overlays liegen dem Nano bei. Neben den klassischen DAWs wie Logic, Cubase/Nuendo, Reason, Studio One, Bitwig, Ableton, Pro Tools gibt es auch Overlays für Digital Performer, Reason, Reaper, Samplitude, FL Studio, Sonar und Audition. Hier sollte also für einen Großteil der Nutzer die passende „Schablone“ dabei sein.

Nach dem Auflegen des Overlays ergibt sich allerdings ein Problem: Während die Controller-Zuweisungen der rechten Button-Reihe (Mode, Send, Pan etc. – siehe Bild) einfach abzulesen sind, wird es bei den acht Buttons unterhalb des Displays schon schwieriger. Die Schrift fällt hier sehr klein aus, dazu spiegelt die Oberfläche des Overlays etwas, was beim Ablesen ein ständiges Vor- und Zurückziehen des Kopfs mit sich bringt, damit alles erst einmal entziffert werden kann.

icon platform nano air test

Die Sektion, die zwischen den fünf bunten LEDs und der Transportsektion liegt, steuert stets unterschiedliche Funktionen. Welche, darüber entscheiden die fünf bunten LEDs darüber und ablesen kann man es auf dem Overlay. Je nachdem ob die beiden oberen Reihen der Funktions-Buttons rot, grün, blau, lila oder gelb leuchten, steuern diese also diverse Funktionen, was den Umfang der steuerbaren Parameter ziemlich in die Höhe schraubt, gut.

Bevor wir mit den einzelnen Funktionen starten, hier zunächst der Überblick zu den Anschlüssen des Controllers.

icon platform nano air test

Welche Anschlüsse bietet der Nano (Air) DAW-Controller?

Sowohl Strom als auch Daten gelingen über den USB-Port in bzw. aus dem Platform Nano hinaus, beim Air-Modell kommen der Strom und die Daten wie erwähnt aus dem Akku bzw. werden drahtlos an den USB-Empfänger/Computer geschickt.

icon platform nano air test

Sollte nicht genug Power über USB zu beziehen sein, lässt sich über die daneben liegende Micro-USB-Buchse ein externes Netzteil anschließen. Zwei Anschlüsse für Fuß-Controller, die mit diversen Funktionen belegt werden können, bietet der Controller, gesichert werden kann er mit Hilfe eines Kensington Locks.

Optional bietet Icon ein zusätzliches Display für den Controller an. Dieses schlägt mit 149,- Euro zu Buche und lässt sich leicht am Nano befestigen und anschließen. Schön ist, dass der kompakte Controller über einen Power-on/off verfügt.

icon platform d

Das Platform D Display ist optional für den Nano erhältlich

Einsatz des Nano Controllers im Studio

Mit allen 13 DAWs konnte ich den Nano zwar leider nicht testen, aber zumindest mit den folgenden muss sich der kompakte Controller im Test möglichst gut anfreunden: Cubase, Studio One, Reason und Bitwig. Im folgenden Video seht ihr, wie der Nano in einigen DAWs eingerichtet werden kann:

Der Controller bietet zunächst einmal die vier Arbeitsmodi HUI (Pro Tools), User-Def (ein eigens zu definierendes User-Preset), Logic Pro und MCP (für alle anderen DAWs). Der gewünschte Arbeitsmodus lässt sich beim Start des Controllers festlegen. Auf Basis der verschiedenen Protokolle sind die Funktionen des Controllers zunächst schon programmiert, über das User-Preset kann man sich aber auf Wunsch ein komplett eigenes erstellen. Hierfür bietet Icon Pro Audio die Software iMap an. Diese ist zwar nicht sonderlich schick aufgebaut, dafür bietet sie eine übersichtliche Aufteilung und intuitive Bedienung, das passt soweit.

icon platform nano air test

Unter Cubase, wo der Controller über die Studio-Einstellungen als Mackie Control angedockt wird, funktioniert der Controller einwandfrei: Transportkontrolle, zwischen den Kanälen wechseln, Lautstärke, Pan und die Sends steuern, Plug-ins als Insert aufrufen, den internen EQ steuern – all das funktioniert hier ohne Weiteres. Der Motorfader wechselt seine Position je nach Kanaleinstellung umgehend mit und dies schnell und nahezu geräuschlos.

Nichts zu kritisieren gibt es ebenfalls im Umfeld von Bitwig und Reason. Mit Bitwig 3 arbeitet der Controller gut zusammen und alles funktioniert wie vom Hersteller beschrieben, auch in Reason konnte ich keine Bugs oder Fehler finden.

icon audio platform nano

Je nach DAW sind die Zuweisungen immer etwas anders gewählt, so auch in Studio One 4.5. Beispielsweise ist der letzte Button der rechten Reihe hier nicht belegt, da verschenkt Icon also weitere Funktionen. Grundsätzlich funktioniert aber auch hier alles so, wie es soll.

 

icon platform nano air test

Das Display des Platform Nano gibt zwar stets Auskunft darüber, welche Funktion (Insert, EQ, Pan etc.) man gerade steuert, die Werte des zu verändernden Parameters werden aber nicht angezeigt, was im Umkehrschluss heißt, dass der Blick stets in Richtung Computerbildschirm gerichtet sein muss. Das ist bei den deutlich größeren und teureren QCon Controllern von Icon besser gelöst, aber das bereits erwähnte Display D2 könnte da definitiv Abhilfe leisten.

icon audio platform nano

In der täglichen Arbeit mit dem Controller führt das dazu, dass man oft auch erst einmal herausfinden muss, welcher Parameter bzw. Funktion gerade anliegt. Wie bei einem Großteil der breit aufgestellten DAW-Controller, d. h. es sollen möglichst viele DAWs damit gesteuert werden können, liegt das Problem beim Protokoll. Das kann man Icon auch gar nicht ankreiden, denn jeder DAW-Hersteller kocht sein eigenes Süppchen und die Hersteller der DAW-Controller müssen sehen, wie sie das bei sich eingebunden bekommen. Einen anderen, deutlich aufwändigeren, aber auch mit mehr Funktionsumfang ausgestatteten Weg, geht beispielsweise Nektar. Hier wird für jede DAW ein eigenes Setup programmiert, was dazu führt, dass Funktionen deutlich besser abzustimmen sind und praxisnaher programmiert wird.

Leider konnte ich den Nano nicht mit Logic Pro X testen, aber nach Durchsicht der folgenden zwei Videos sollte hier ebenfalls alles funktionieren.

Eine Sache, die mich in der Arbeit mit dem Nano Platform allerdings gestört hat, ist die Tatsache, dass eine Encoder-Bewegung (ein Schritt vor oder zurück) oft nicht mit der Bewegung in der DAW übereinstimmt. Manchmal muss man drei Schritte drehen, bis der Wert eines Parameters sich ändert, anderswo ist man mit drei Dreh-Schritten schon einen Großteil des Parameterwegs gegangen.

Fazit

Der Platform Nano und die drahtlose Version Nano Air sind solide DAW-Controller, die mit einer Vielzahl von DAWs zum Einsatz kommen und eine Unmenge an Funktionen steuern können. Die Verarbeitung ist solide, die Einrichtung geht leicht von der Hand.

Je nachdem welche DAW man mit dem Nano Controller nutzt, fallen die Möglichkeiten größer oder kleiner aus. Mit den getesteten DAWs gab es zumindest keine großen Beanstandungen, das Problem liegt eher am zum Einsatz kommenden universellen Protokoll, was die Abstimmung auf einzelne DAWs schwierig macht. Dies kann man Icon aber, wie im Test bereits angemerkt, nicht ankreiden, sondern jeder Nutzer muss letztlich schauen, wie sich der Nano mit der eigenen DAW verträgt.

Kompakt gehalten und übersichtlich aufgebaut sind sie, sie passen in jede Tasche und gehen gerne mit auf Reisen. Aber auch im Studio sind die Kleinsten aus der Platform-Serie alles andere als fehl am Platz.

Plus

  • Motorfader und Vielzahl von Bedienelementen
  • Verarbeitung
  • 13 Overlays

Minus

  • Schrift auf den Overlays zu klein
  • teils Probleme bei den Controller-Wegen (je nach Parameter eine bis mehrere Poti-Umdrehungen notwendig, um Wert zu ändern)

Preis

  • Platform Nano: 169,- Euro
  • Platform Nano Air: 245,- Euro
  • Platform Nano Air Akku (einzeln): 69,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    JohnDrum  

    Man muss ja ganz schön drehen an den Reglern um ein PlugIn auszusuchen.
    Im Video (Logic Pro X) stimmt auch die Reihenfolge der Regler nicht mit der Reihenfolge im PlugIn überein. Wird man wahrscheinlich anpassen können! Aber warum leistet man sich im Video diesen peinlichen „Fehler“? Oder übersehe ich hier einen praktischen Grund?
    Und der Akku ist kein Standardakku und kostet bei Ersatz 69.-€!

  2. Profilbild
    Dalai Galama  

    „An der Gegenseite, sprich dem Computer, der die Signale des DAW-Controllers empfangen soll, wird ein herkömmlicher USB-Stick angeschlossen.“ Tut mir echt leid, das so krass sagen zu müssen: So ein Schwachfug gehört eigentlich nicht in einen seriöses Test. Ein wenig ernsthafte Recherche zum angebotenen Produkte darf man wohl noch erwarten, oder?

    • Profilbild
      Felix Thoma  RED

      Hallo Dalai Galama. Sollte es missverständlich gewesen sein, dass am Computer der zum Lieferumfang des Nano Air gehörende USB-Stick angeschlossen werden muss, bitte ich dies zu entschuldigen. Ich habe den Text angepasst.

  3. Profilbild
    Grebog

    ich hatte den Platform Nano Controller, hielt ganze 2 Tage. Dann beim nächsten Einschalten ging gar nichts mehr, keine Reaktion mehr. Die Haptik ist auch eher Marke Spielzeug. Ich bin dann auf Behringer X-Touch One umgestiegen, viel bessere Qualität und günstiger.
    Ich benutze den Controller auch für Videoschnitt.

  4. Profilbild
    gaffer  AHU

    Ich habe noch nie verstanden, wieso jeder dritte PC Klapprechner diese USB Dödel in einem der raren Ports stecken hat um die drahtlose Maus zu nutzen. Es gibt doch Bluetooth, ist in fast jedem Rechner drin, belegt keine zusätzliche Schnittstelle. Allein dieser Punkt würde für mich dazu führen, da nicht mehr weiter zu lesen.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.