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Test: Softube Console 1 Fader, DAW-Controller

11. November 2019

Motorfader kontrollieren den Mix

softube console 1 fader

Das erfolgreiche Konzept des Controllers Console 1 führt der schwedische Hersteller Softube mit dem neuen Console 1 Fader fort. Dient der erste Controller zur Steuerung von hauseigenen Softube oder Plugins von Universal Audio, steht beim Fader-Modell nun die Kontrolle über den Mix im Fokus. Wir haben uns den neuen Controller von Softube genauer angeschaut.

Konzept von Softube Console 1

Mit Console 1 hatte Softube im Jahr 2014 einen Plugin-Controller vorgestellt, der – entgegen vieler anderer Controller – nicht als Universal-Controller eingesetzt werden kann, sondern zunächst und ausschließlich als Fernsteuerung für die hauseigenen Softube Plugins dient. Der Aufbau folgt dabei dem eines Channelstrips, der zwar hinsichtlich der zum Einsatz kommenden Plugins flexibel aufgebaut werden kann (heute EQ 1, morgen EQ 3, dafür aber Kompressor Plugin A etc.), aber stets mit den gleichen fest zugewiesenen Hardware Bedienelementen gesteuert wird.

softube console 1 fader

Das führt zu einem enorm guten Workflow, denn hat man einmal verinnerlicht, mit welchem Poti man die EQ-Frequenz des mittleren Bands verändert, kann man auch beim Einsatz anderer kompatible EQ-Plugins wieder zum selben Poti greifen. Das Suchen mit der Maus nach dem richtigen virtuellen Poti im Plugin-GUI entfällt dadurch. Die oftmals schicken Visualisierungen der Plugins fallen dabei zwar ebenfalls hinten runter, denn Console 1 bietet unabhängig vom Plugin stets das gleiche GUI, der Workflow verbessert sich aber dadurch deutlich. Ohnehin gilt hier: Hören, was man verändert, nicht sehen.

In der Anfangszeit war Console 1 ausschließlich mit Softube-eigenen Plugins nutzbar. Das vereinfachte die Programmierung der Softube Entwickler, gleichzeitig hielt man den Interessentenkreis aber überschaubar. Mit dem Markteintritt der zweiten Console 1 Version änderte sich dies schlagartig, denn die Schweden holten sich Universal Audio ins Boot und gaben die Kompatibilität zu einer Vielzahl von UAD-Plugins bekannt. Dazu senkte Softube die Kosten und bot die MKII-Version von Console 1 nun rund 350,- Euro günstiger an.

So viel zur Geschichte und dem Konzept, nun werfen wir unseren Blick auf die aktuelle Version.

Überblick zum Console 1 Fader Controller

Rein äußerlich betrachtet geben sich die beiden Versionen Console 1 und Console 1 Fader erst einmal nicht viel. Beide Controller stecken in einem robusten Metallgehäuse, das farblich in einem dezenten Matt-Grau gehalten ist. Hier hat man definitiv etwas Robustes in der Hand, das ordentlich Gewicht auf die Waage bringt (3 kg) und absolut sicher steht. Die Maße sind identisch und belaufen sich auf 430 x 40 x 190 mm, seinen Anschluss an den Computer sucht der Controller via USB. Die Motorfader benötigen etwas mehr Power, als über den USB-Port möglich ist, daher wird man in der Regel zum beiliegenden Netzteil greifen. Grundsätzlich kann man den Controller aber auch ohne Netzteil betreiben, dann eben ohne den Luxus der Motorfader.

softube console 1 fader

Console 1 Fader ist übersichtlich aufgebaut und bietet zehn motorisierte und berührungsempfindliche Fader, die eine Länge von 100 mm aufweisen. Die Berührungsempfindlichkeit ist sehr gut und sobald man den Finger auf einen Fader legt, springt die Console 1 Software sofort auf den entsprechenden Kanal. Wer das nicht möchte, kann die Berührungsempfindlichkeit auch abschalten, dann muss stets manuell per Knopfdruck auf die Spur gewechselt werden.

Als Kanalzug aufgebaut bietet jeder der zehn Kanäle ein 8-stelliges LED-Meter sowie drei kleine Buttons. Die oberen beiden bieten mit den Funktionen Solo/Phase und Mute/Bypass jeweils eine Doppelfunktion, diese lässt sich mit Hilfe der gelb umrandeten Shift-Taste umschalten. Der untere Button im Kanalzug dient zur Anwahl der Spur. Alles ist klar beschriftet und auch die Doppelfunktionen liegen passend verteilt an.

Damit man Console 1 Fader nutzen kann, muss zunächst die entsprechende Software installiert werden. Diese stellt Softube auf der eigenen Website zum Download bereit. Plugins oder weitere Extras bekommt man, zumindest auf den ersten Blick, nicht mitgeliefert. Dazu später mehr.

Die Fader-Software präsentiert sich in Form eines Mixers. Von unten nach oben sind die Spurnamen, der aktuelle Pegel, Lautstärke, Sends und weitere Parameter/Funktionen angeordnet. Links und rechts von den Kanälen bietet der Softube-Mixer dazu eine Ein- und Ausgangssektion. Praktisch ist, dass man mehrere Kanäle gruppieren (layern) kann, um ihnen die gleichen Bearbeitungen zukommen zu lassen, beispielsweise wenn man Drums, Gitarren oder Vocals als eine Einheit zusammenfassen möchte.

softube console 1 fader

Neben dem großen GUI-Fenster gibt es die Möglichkeit, sich nur die Kanalpegel samt Track-Namen anzeigen zu lassen, so hat man auf Wunsch schnell seinen Fokus zurück beim Arrangement oder ggf. beim DAW-Mixer und das GUI verschwindet am Rand des Bildschirms.

Ist der Hardware-Controller einmal nicht verfügbar, beispielsweise weil man unterwegs am Laptop noch etwas anpassen muss, so lassen sich über eine weitere Anzeigeoption die wichtigsten Parameter editieren, ohne den großen Software Mixer zu bemühen. Die Fenster lassen sich stets per Knopfdruck ein- und ausschalten, so dass die Softube-eigenen Anzeigen auch ganz aus dem Fokus verschwinden können.

Softube console 1 fader

Möchte man Console 1 Fader in seinem DAW-Projekt nutzen, muss man zunächst das „Console 1“ Plugin als Insert in jeden gewünschten Kanal hineinladen. Ist das Plugin nicht insertiert, findet der Controller keine Verbindung.

Da die aktuelle Version der Software sowohl Console 1 Mk2 als auch Console 1 Fader unterstützt, müssen Nutzer, die beide Controller verwenden, trotzdem nur eine Software installieren. Die Software erkennt automatisch, welcher Hardware-Controller angeschlossen ist.

Im Prinzip legt sich die Software nach dem Insertieren über den DAW-eigenen Mixer und erscheint in seinem eigenen Fenster. Nicht ohne Grund nutzen viele bisherigen Console 1 Kunden dafür einen separaten Bildschirm, einfach damit man alles direkt im Blick hat. Obwohl Console 1 Fader zunächst ein Tool fürs Mixing ist, kann er mit den drei Assignable-Tasten, die ab Werk mit den Funktionen Play/Stop, Go to start, Go to end belegt sind, auch rudimentär DAW-Kommandos steuern. Innerhalb der Software lassen sich die Kommandos der drei Tasten auf Wunsch anpassen. Alle in der DAW zugewiesenen Tastatur-Short-Cuts kann auch Console 1 übernehmen.

softube console 1 fader

Wie weitreichend die Implementation des Controllers in die DAW ist, hängt stark von der eingesetzten DAW ab. Dazu ein Auszug aus dem Handbuch, das Softube auf seiner Website zum Download anbietet. Dieses ist in englischer Sprache gehalten, eine deutsche Version gibt es nicht:

Software that supports DAW Control:

  • Cubase/Nuendo
  • Reaper
  • Sonar/Cakewalk by Bandlab
  • Studio One

Track Name und Track Number control is supported by the following DAWs:

  • Ableton Live 8.4.1 and newer (AU only)
  • Cubase 8.0.5 and newer (VST3)
  • Digital Performer (AU only)
  • Nuendo 6.5 and newer (VST3)
  • Reaper 5.50 and newer (VST3)
  • Sonar/Cakewalk by Bandlab (VST3)
  • Studio One 2.6 and newer (VST3)

Die zehn Fader des Controllers können zunächst einmal in drei verschiedenen Arbeitsmodi betrieben werden. Umgeschaltet wird dies über die drei Buttons Volume, Drive und Character. Im Volume-Mode steuern die Fader zunächst die einzelnen Kanallautstärken. Durch Hinzunahme der Shift-Taste kontrolliert man dagegen die Ausgangslautstärke des Plugins, was beim Gain-Staging und der Positionierung in der Mixing-Kette praktisch ist. Beim Umschalten auf Drive und Character kann man den Sättigungsgrad bzw. den Soundcharakter beeinflussen und so die einzelnen Instrumente der Spuren färben und klanglich anpassen.

softube console 1 fader

Steuert man beim ersten Aufruf der Software zunächst die ersten zehn DAW-Kanäle, lässt sich per Page-Up/Down-Button in 10er Blöcken weiterschalten.

Darüber hinaus bietet Console 1 Fader die Möglichkeiten, über die Motorfader auch den Input-Gain sowie einen High- und Low-Cut zu steuern. Wichtig zu wissen: Sowohl Drive und Character als auch High-/Low-Cut sind direkt in die Console 1 Software integriert und können nicht als separate Plugins geladen werden, stellen aber natürlich einen deutlichen Mehrwert dar. So ganz ohne Plugins, wie es auf den ersten Moment scheint, kommt Console 1 Fader also nicht daher – super.

Ab Werk gibt es für Drive die beiden Auswahlmöglichkeiten „Discrete Output“ und „Tube Output“, dazu lassen sich komplette Channelstrips, bestehend aus Drive-Einheit und einer eigenen High-/Low-Cut-Einheit, laden. Besitzt man bereits Softube Channelstrips, beispielsweise den American Class A, Summit Audio oder ähnliche, tauchen auch diese als Auswahlmöglichkeit auf. Die Auswahl ist dabei denkbar einfach: Wahlweise „Load Drive“ oder „Load Strip“ (gleicher Button nur in Verbindung mit Shift) drücken und schon erscheint die verfügbare Auswahl. Per Poti, dessen Scroll-Geschwindigkeit im Übrigen anpassbar ist, durch die Liste scrollen, mit Ok bestätigen und fertig.

softube console 1 fader

Ebenso fest integriert ist ein Spatializer, über den man Spuren von komplett Mono bis ultra-weit im Stereofeld aufgespannt realisieren kann. Im Folgenden ein paar Beispiele zu den genannten Features:

Zu guter Letzt kann man die Fader auch so umschalten, dass man damit bis zu drei Sends steuern kann. Während die Motorfader beim Umschalten zwischen Volume, Drive und Character stets auf die aktuell gültige Position springen und dort verharren und sich anpassen lassen, wechseln sie bei den Sends, Input-Gain sowie High-/Low-Cut nur so lange auf den aktuellen Stand, so lange auch die entsprechende Taste gedrückt wird. Ergibt in diesem Fall absolut Sinn, denn diese Parameter wird man in der Praxis stets nur kurz bemühen, anpassen und zurück zum eigentlichen Mix schalten.

Der Einsatz des Console 1 Fader im Studio

Die Installation des Controllers geht leicht von der Hand. Softube Central, das Lizenzierungs-Tool von Softube, herunterladen, die Seriennummer eingeben und aktiveren, das sind die ersten Schritte beim Einsatz von Console 1 Fader. Danach muss man das passende Plugin in den Insert-Kanal einsetzen. Hier kommt eine kleine Hürde, denn sucht man in seiner Plugin-Liste nach „Console 1“, erscheint dies zunächst zweimal. Im Falle von Cubase in der Kategorie „Softube“ und „Dynamics“. Wählt man nun das Falsche, führt dies dazu, dass beispielsweise der Track-Name nicht übernommen wird. Softube weist darauf bereits im Handbuch hin, das sollte also für alle gewissenhaften Handbuch-Leser keine Stolperfalle darstellen.

softube console 1 fader

Hat man das Plugin in alle gewünschten Kanäle eingesetzt, geht der Mix-Spaß los und das meine ich auch genauso, wie ich es schreibe. Die Arbeitsweise mit dem Controller ist schon nach kürzester Zeit extrem entspannt und intuitiv. Viele Arbeitsschritte, beispielsweise schnell man einen High-/Low-Cut einfügen und einstellen oder natürlich die Anpassung der Kanallautstärke und der Sends-Anteil erfordern normalerweise den Griff zur Computermaus. Mit dem Controller entfällt dies komplett und ist mit ein bis zwei Handbewegungen deutlich entspannter umgesetzt als mit Maus und Tastatur. Auch Automationen lassen sich mit den Fadern der Console 1 steuern und aufnehmen.

Das ganze Arbeiten mit dem Controller funktioniert natürlich vor allem deshalb so gut, weil man sich mit Console 1 Fader ausschließlich im Softube Audio-Kosmos bewegt. Der Kundenkreis ist begrenzt, doch für diejenigen, die dazu gehören, kann man es eben perfekt abstimmen. Wer neben Softube/UAD andere Plugins von Drittherstellern nutzt, wird gezwungenermaßen zwischen dem Softube-GUI und dem DAW-Mixer hin und her wechseln müssen, was sicherlich nicht optimal ist, ich aber auch nicht als Kritikpunkt sehe.

Denn die Alternative sind Universal-Controller, die versuchen, alle DAW- und Plugin-Hersteller mit einzubeziehen was, das liegt schon in der Natur der Sache, nie ganz optimal umzusetzen ist. Dann lieber spezialisieren und es dafür passend umsetzen. Und das ist Softube mit Console 1 Fader absolut gelungen.

Zum Abschluss noch das folgende Video, in dem Softube die normale Arbeitsweise des Controllers näherbringt:


Fazit

Console 1 Fader ist eine durchdachte Erweiterung des Konzepts, das der schwedische Hersteller Softube 2014 eingeführt hat. Stand am Anfang (und mit dem ersten Controller) zunächst die reine Plugin-Steuerung im Fokus, hat Softube das Konzept nun weitergedacht und mit der Fader-Version einen Controller für den eigentlichen Mix auf den Markt gebracht.

Die Verarbeitung ist tadellos, die zehn Motorfader laufen überaus sauber und leise auf ihren Bahnen und die Bedienelemente zeugen von einer sehr guten Qualität.

Während Console 1 Mk2 für alle diejenigen interessant ist, die sich vornehmlich (oder ab sofort, denn Console 1 Mk2 wird mit dem SSL 4000 Plugin ausgeliefert) im Softube/Universal Audio-Kosmos bewegen, ist dies bei der Fader-Version anders. High-/Low-Cut, die Mischpult-Emulationen Tube/Discrete samt den Parametern Drive/Character etc. sind hier bereits integriert und daher ist Console 1 Fader nicht zwingend nur Softube/UAD-Kunden zu empfehlen, sondern unabhängig davon für einen größeren Kundenkreis interessant.

Plus

  • Konzept
  • Kombination aus Soft- und Hardware
  • Verarbeitung
  • Bedienung

Preis

  • 599,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Basti H.

    Da hat sich echt mal jemand Gedanken über fehlende Produkte am Markt gemacht! Find das ganze mehr als nur Interessant und vor allem endlich mal eine Firma die den vollen Funktionsumfang unter Reaper bereitstellt, sehr gut!

    Wenns das ganze jetzt noch zum Black Friday oder Weihnachtsgeschäft als Bundle zu einem Fairen Preis gibt wäre das der ober Knaller :)

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