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Test: InEar Prophile-8, Inear Monitoring System

3. April 2017

Mit 4 Wegen an die Spitze!

Wenn das so weiter geht, erleben wir noch das Aussterben eines der Traditionsprodukte, wenn es im TV darum geht, dem Zuschauer zu zeigen, dass man sich gerade im Tonstudio befindet. Mikro vor der Nase und natürlich ein Kopfhörer an den Lauschlappen: Hier muss gerade eine Gesangsaufnahme stattfinden. Die immer beliebter werdenden InEar Systeme haben bisher „nur“ dafür gesorgt, dass die Monitorsysteme auf den Bühnen ihren Stellenwert um ca. 90% eingebüßt haben, der klassische High-End Studiokopfhörer hingegen war bis jetzt noch nicht in seinem klassischen Habitat bedroht.

Dies könnte sich aber bald ändern. Mit dem InEar ProPhile-8 bringt der hessische Hersteller aus dem kleinen Roßdorf bei Darmstadt ein Monitoring-System auf den Markt, das mit dem Anspruch antritt, nicht weniger als der zukünftige Studioreferenz Ohrhörer zu werden. Da sind wir aber mal gespannt.

InEar Prophile-8

InEar Prophile-8

Konstruktion

Konzeptionell knüpft InEar mit dem InEar ProPhile-8 an das System der StageDiver Serie an. Diese Serie hat aus über 500 ihrer angefertigten Systeme einen Mittelwert errechnet, der in 90% aller Fälle den Gehörgang des durchschnittlichen Erdenbürgers optimal abschließt. Eine allgemeingültige Passform ist demnach garantiert, die über die beiliegenden unterschiedlichen Gummistopfen personalisiert werden können. Dabei liegen dem Produkt 8 Paar Silikon-Ohrpassstücke in den Größen XS, S, M und L bei, zudem noch 3 Stück Schaumstoff-Ohrpassstücke in den Größen S, M und L. Sollte man einen sehr ungewöhnlichen Gehörgang sein Eigen nennen, muss man auf die Custom-Variante zurückgreifen, die aktuell in Arbeit ist und bald erscheinen wird.

Man hat sich jedoch bewusst gegen eine Fortführung der Produktbezeichnung StageDiver entschieden, da der InEar ProPhile-8 in vielerlei Hinsicht die Pfade eines normalen InEar Systems verlässt. Da wären zum einen die 8 Treiber, die weit über dem Durchschnitt konkurrierender Systeme liegen und auch für die Namensgebung verantwortlich zeichnen. Die zweite Besonderheit ist eine 4-Wege Frequenzweiche, die in ihrer Charakteristik von außen manuell schaltbar ist.

InEar Prophile-8 Kabelbefestigung

InEar Prophile-8 Kabelbefestigung

Im Gegensatz zu der regulären StageDiver Serie wurde an der Optik vergleichsweise wenig verändert, allerdings wurde die Oberfläche matt gehalten und etwas aufgeraut. Dies vermittelt ein griffigeres Gefühl und verhindert Fingerabdrücke auf der Oberfläche. Wie auch bei seinen Vorgängern, wird der InEar ProPhile-8 mit dem bewährten schwarzen verdrillten Kabel geliefert, das über einen 2-Pin Stecker angeschlossen wird. Da die Stecker von oben an das Gehäuse herangeführt werden, ergeben sich sehr geringe Kabelgeräusche, ein sehr angenehmer Punkt in Sachen Komfort.

Heraus zu heben ist zudem das mitgelieferte Zubehör. Zusätzlich zu den oben genannten Ohrpassstücken enthält der Lieferumfang mehrere Reinigungstücher, einen Reinigungsstift (hierbei handelt es sich zwar um einen Cerumen-Stick, der beim ProPhile 8 allerdings als Umschaltwerkzeug für die versenkten Schalter benötigt wird), je einen Links/rechts-Satz 15-fach Ersatzhörerfilter, Trockenkapsel und einen Miniklinke auf TRS-Adapter. Das Ganze wird in einem High-End Pelicase ausgeliefert, das mit einem kräftigen Karabinerhaken ausgestattet ist.

InEar Prophile-8 Frequenzweiche

InEar Prophile-8 Frequenzweiche

Praxis

Der InEar ProPhile-8 schickt sich an, eine echte Alternative zur klassischen Monitorbox zu liefern, zumindest was den Frequenzbereich angeht. Das typische Stereodreieck kann er aufgrund der extremen Links/rechts-Schallquellen natürlich nicht liefern, aber eine lineare und entspannte Abhörposition soll er liefern können. Gemäß dieses Ansinnens kommt das Produkt mit einer schaltbaren Höhen- und einer Bassanhebung daher, allerdings weniger, um wie bei Monitorboxen räumliche Über- oder Unterpräsenzen zu egalisieren, sondern mehr um dem persönlichen Geschmack Rechnung zu tragen. Über zwei kleine Schalter lassen sich somit vier verschiedene Presets einstellen. Schaltbar sind eine Hochtonanhebung von 2 dB sowie eine Bassanhebung von 3 dB.

InEar Prophile-8 Reinigung

InEar Prophile-8 Reinigung

Schon der erste Klangeindruck ist hervorragend. Bereits in der Neutralposition glänzt der InEar ProPhile-8 mit einer sehr guten und vor allem neutralen Auflösung, die sich über das gesamte Frequenzspektrum zieht. Viele Feinheiten, die im klassischen Monitorbetrieb teilweise von Impuls- oder Phasenproblemen verschluckt werden, können hier detailreich analysiert werden und lassen manchen Endmix erschreckend belanglos erscheinen.

Bei Hinzunahme der Bassanhebung wird eine dezente Volume-Anreicherung aktiviert, die für einen erhöhten Wohlfühlcharakter sorgt, ohne dass es einen Megahub auslösen würde. Hier besteht lediglich die Gefahr, dass man sich zu wohl fühlt und den Mix nicht genügend über die Beißer à la NS-10 fährt, um auch minderwertige Boxen zum Klingen zu bringen.

Bei der Höhenanhebung setzt der InEar ProPhile-8 ab 8 kHz eine Anhebung, was jedoch noch leicht in den Hochmittenbereich hinunterreicht. Insofern ist der Boost kein „Säusler“, sondern eher ein klassischer Booster, der dezent, aber dennoch hörbar ins Geschehen eingreift. Klanglich ebenfalls großes Kino.

Da die Musikmesse kurz vor der Tür steht, hier noch die Info, dass die Firma InEar in Halle 4.1 / F27 zu finden ist. Dort kann jeder die neuen Prophile-8 selbst testen.

InEar Prophile-8 im Einsatz

InEar Prophile-8 im Einsatz

Fazit

Mit dem InEar ProPhile-8 punktet die hessische Firma einmal mehr auf ganzer Linie. Der Anspruch, ein InEar Monitorsystem als Studioreferenz zu entwickeln, ist auf ganzer Linie geglückt. Zwar wird der Ladenpreis von knapp 1.300,- Euro den Kundenkreis auf ein Minimum schrumpfen lassen, diese bekommen hingegen aber auch das wohl aktuell bestklingende InEar Monitorsystem auf dem Markt. Bestnote!

Plus

  • hervorragender Klang
  • Flexibilität
  • Tragekomfort
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

Preis

  • Ladenpreis: 1.298,- Euro
Forum

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