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Test: JZ Microphones The Amethyst Vintage, Großmembran-Kondensatormikrofon

28. März 2022

Retro Mikrofon-Look aus Lettland

jz microphones the amethyst test

JZ Microphones The Amethyst Vintage, Großmembran-Kondensatormikrofon

Noch immer sind die Produkte von JZ Microphones nicht allzu weit verbreitet, obwohl die Firma aus dem lettischen Riga bereits seit 2007 existiert. An der Qualität der Mikrofone wird es kaum liegen, denn ich hatte bisher drei Exemplare im Test, zwei davon haben mich so überzeugt, dass ich um eine Anschaffung nicht herumkam. Ein Erklärungsversuch ist vielleicht, dass das Team des inzwischen leider verstorbenen Gründers und Designers Juris Zarins (JZ) nur durch nicht allzu hohe Stückzahlen weiterhin alle Mikros in Handarbeit in Riga herstellen kann. Recht gespannt mache ich mich nun also ans Auspacken von The Amethyst, ein Großmembraner aus der Vintage-Serie von JZ.

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Das Auspacken von The Amethyst

Geliefert werden zwei Kartons. Im größeren befindet sich eine weitere Schachtel mit dem Mikrofon, der kleinere Karton enthält die ungewöhnlich geformte Spinne. Mit dabei ist auch eine Garantiekarte, 5 Jahre gewährt der Hersteller. Mein Black Hole BH-2 und die Kleinmembranen BT-201 wurden noch in hochwertigen Holzschatullen geliefert, hier hat inzwischen wohl leider etwas der Sparzwang Einzug gehalten. Der ASM Shock-Mount ist übrigens nur optional erhältlich. Soll er mitgeliefert werden, muss das „The Amethyst + Mount Bundle“ geordert werden. 

Der ASM Shock-Mount

Durch die rechteckige Form des Korpus passen Zubehörspinnen nur bedingt, eine Alternative wäre die InVision USM-VB von Rycote.

Frage: Was hat The Amethyst mit einer Waschmaschine gemeinsam? Beide werden mit einer Transportsicherung ausgeliefert, beim Amethyst müssen vor Benutzung die drei kleinen Schräubchen entfernt werden, die die Kapsel fixieren.

JZ Microphones The Amethyst

Nicht vergessen, die Schräubchen zu lösen

Spezifikationen des Kondensatormikrofons

Das Mikrofon ist zweigeteilt aufgebaut. Die Elektronik sitzt im rechteckigen Body, die Kapsel findet im quadratischen Kopf ihr Zuhause. Das sieht etwas ungewöhnlich aus. Wenn man allerdings weiß, dass Juris Zarins früher viele Mikrofone für Blue Microphones und Violet Microphones entworfen hat, dann wirkt das Amethyst Design schon fast wieder dezent.

Übrigens scheint JZ die Markenrechte an Violet Microphones weiter zu halten. So werden einige Violet Mikrofone wieder in Riga gebaut, auch das Amethyst ist unter dem Violet Microphones Label zu haben. Gleichzeitig gibt es noch Violet Designs in Tallinn, Estland, auch hier ist The Amethyst mit aufgeführt, aber nicht im Store gelistet – verwirrend.

Aber weiter mit dem hier vorliegenden Exemplar. Insgesamt ist The Amethyst mit 168 x 63 x 41 mm nicht zu groß geraten und ist mit 350 g recht leicht. Die Metallteile sind mit einem griffigen, kratzfestem Lack in Anthrazit beschichtet. Die Kapsel ist durch ein graues, zweilagiges Gitter geschützt. Die XLR-Anschlussbuchse befindet sich auf der Unterseite, hier ist auch ein Stativgewinde eingelassen. 

JZ Microphones The Amethyst

Saubere Verarbeitung, kratzfeste Lackierung

Seitlich am Body sind jeweils zwei verchromte Rollen zu finden. Hier wird die Spinne eingehängt. Die Vorderseite ist durch das aufgedruckte Amethyst Label gekennzeichnet, hinten befinden sich Name, Hersteller und Seriennummer.

Schalter sind nicht vorhanden. Das Mikro arbeitet mit einer Nierenkapsel mit 25 mm Durchmesser, kein PAD, kein Lowcut-Filter. Das ermöglicht einen geradlinigen, diskreten Aufbau der Elektronik, die mit einem sehr niedrigen Geräuschpegel von 7 dB-A glänzt. Der Dynamikumfang ist mit 127 dB angegeben, woraus sich ein maximaler SPL von 134 dB errechnet. Die Ausgangsimpedanz liegt bei 50 Ohm.

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Eine Besonderheit bei JZ ist das Golden Drop Verfahren. Hierbei wird die Kapselmembran nicht komplett mit Gold beschichtet, sondern es werden einzelne Tropfen aufgebracht. Dadurch gerät die Membran leichter und ermöglicht ein besseres und schnelleres Schwingungsverhalten.

Die Golden Drop Kapsel

Die Spinne ist ein recht simples Konstrukt, ein U-Bügel, der auf jeder Seite einen Gummiring trägt. Diese Ringe werden in den vier Rollen seitlich am Mikro eingehängt. Das kann etwas fummelig werden und es ist geraten, die Gummis in die Rollen zu drücken, damit sie nicht wieder herausschnappen. Wie gut die Spinne funktioniert, werden wir im Praxisteil sehen. Das Gelenk hat keine Rasterung, lässt sich aber schön festziehen und hat somit mit dem recht geringen Gewicht des Mikros kein Problem.

Das Amethyst in der Tonstudiopraxis

Auf der JZ Website findet sich eine schöne Aufstellung über die Unterschiede zwischen den JZ Mikrofonen. Hier erfährt man auch, dass im Amethyst dieselbe Kapsel arbeitet wie im Vintage 67 des Herstellers. Hier ist sie aber etwas anders abgestimmt. Einen schönen Überblick gibt folgendes Schaubild.

Übersicht der JZ Großmembraner

Da ich das BH-2 besitze, bietet sich hier natürlich zuerst ein direkter Vergleich an. Beide JZ Mikrofone werden an mein Apollo Twin angeschlossen. Dabei muss ich dem BH-2 ca. 5 dB mehr Gain spendieren. In der Grundcharakteristik zeigt sich das Amethyst tatsächlich dunkler abgestimmt, mit einem schönen Low-End, das der Stimme Druck verleiht. Die Höhen sind nicht ganz so offen, treten aber schön aufgelöst und seidig auf. Das BH-2 ist neutraler und schlanker abgestimmt. Die Höhen sind hier offener, die tieferen Mitten eher etwas zurückhaltend. Dabei wirkt das Amethyst intimer und näher am Signal dran, was auch bei etwas größerem Abstand so erhalten bleibt.

The Amethyst oben, das BH-2 unten

Die grundsätzliche Klangcharakteristik erinnert mich an meine alten AKG C 414B-ULS, also wird dieses Modell zum nächsten Vergleich herangezogen. Hier ist die Gain-Struktur recht ähnlich, 4 dB braucht das Amethyst weniger. Das klangliche Verhalten geht auch in die gleiche Richtung, wobei auch hier das Amethyst die volleren tiefen Mitten präsentiert. Die Höhenzeichnung gelingt dem JZ Mikrofon auch besser, das AKG ist hier etwas belegt. Das liegt aber auch daran, dass das C 414 inzwischen seine 35 Jahre auf dem Buckel hat und entsprechend in Würde gealtert ist. Was das AKG aber unvergleichlich macht, ist die Fokussierung auf das Signal bei größerer Entfernung, da kann auch das Amethyst nicht mithalten.

JZ und AKG

Bisher durfte sich das Amethyst in den Vergleichen die Stimme abbilden, wie sieht es denn nun mit Instrumenten aus? Da bietet sich zunächst die akustische Gitarre an. Auch hier kann der Großmembraner überzeugen, das Instrument klingt dynamisch und gut aufgelöst. Vermeiden sollte man allerdings, dem Schallloch zu nahe zu kommen, die Position auf Höhe des 15. Bundes klingt gut und ausgewogen. Wer es etwas spritziger mag, für den empfiehlt sich die Abnahme mit einem zusätzlichen Kleinmembran-Mikrofon am Hals oder eine leichte Zumischung des Piezo-Pickups.

Ein Paar des Mikrofons dürfte sich auch sicher ganz hervorragend zur Abnahme eines Flügels eignen, das kann ich mangels Instrument und zweitem Mikro leider nicht überprüfen. Vorhanden ist aber ein Shaker, mit dem ich wie üblich die Dynamik und das Ansprechverhalten teste. Auch hier schlägt sich das Amethyst wirklich gut, es spricht schnell an, evtl. auch als Ergebnis der Golden Drop Behandlung der Membran. Zudem passt der etwas dunklere Klang prima zu dem höhenreichen Schüttel-Ei. Wahrscheinlich wird sich niemand ein Mikrofon dieser Preisklasse zur Abnahme eines 5,- Euro Instruments anschaffen, aber wenn vorhanden, unbedingt auch mit Kleinperkussion testen.

JZ Microphones The Amethyst

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Preis699,00 €

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An dem Apollo Preamp zeigt das Amethyst eine unaufgeregte und ausgeglichene Performance. Wie geht das Mikrofon mit anderen Vorverstärkern um? Das probiere ich zuerst am meinem SSL XR627 im X-Rack. Hier klingt das JZ Mikrofon noch eine Spur besser aufgelöst, die Höhen kommen klarer zum Einsatz. Mit der VHD-Schaltung am Preamp lässt sich gerade mit der Betonung auf die 3. Harmonische nochmals ein schöner Zusatzpunch erzeugen.

jz microphones the amethyst test

Weiter geht es mit dem Camden500 von Cranborne Audio. Der erreicht nicht ganz das Durchsetzungsvermögen des SSL, liefert aber einen ehrlichen, gut aufgelösten Sound. Auch hier lässt sich das Signal durch die Mojo-Schaltung des Preamps schön in eine weniger neutrale, aber wuchtige Richtung formen.

Als nächstens darf sich das Mikrofon am Channel One von SPL bewähren. Der Hybrid-Röhren-Preamp bringt eine gewisse Wuchtigkeit mit ins Spiel. Die Höhen reißen hier etwas auf. Für Sprache nicht die erste Wahl, für Gesang im passenden Kontext kann das aber eine schöne Lösung darstellen.

Zum Schluss habe ich mir noch Golden Age Pre-73 DLX Premier mit dem EQ-73 Premier aufgehoben, ein Derivat des Neve Klassikers. Auch mit diesem Preamp verträgt sich das Amethyst sehr gut. Die typischen Neve Komponenten im Sound mit prägnanten Mitten und seidigen Höhen werden prima umgesetzt. Mit dem EQ-73 probiere ich auch gleich, wie das Mikro auf Klangbearbeitung reagiert. Hier darf man natürlich gerade bei der Stimme und Gesang nicht übertreiben, aber bis zur Hälfte des jeweiligen Regelwegs macht der Sound das in jede Richtung klaglos mit.

Verträgt sich gut mit den getesteten Preamps

Einen Punkt gibt es noch zu klären: Wie gut unterdrückt die optionale Spinne Geräusche? Durch die zweigeteilte Konstruktion in Body und Head könnte auch mit dem normalen Stativeinsatz eine ordentliche Unterdrückung eintreten. Tatsächlich liefert diese Methode keinen besonders guten Schutz gegen Rempler am Mikrofonstativ, der ASM Shock-Mount hingegen bietet trotz seiner einfachen Konstruktion eine wirklich sehr überzeugende Performance und schafft es ,die Störungen fast vollständig zu unterdrücken. Die Spinne sollte also unbedingt ins Budget mit eingeplant werden.

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Fazit

Mit dem Amethyst bietet JZ Microphones ein interessantes und vielseitiges Großmembranmikrofon aus der Vintage-Serie an. Dabei ist das Mikro sehr universell abgestimmt und vielseitig einsetzbar.

Auch preislich geht das Amethyst für ein hochwertig handgefertigtes Produkt voll in Ordnung. Der Ladenpreis liegt im Moment übrigens deutlich unter Auspreisung im JZ Shop, damit wird das Mikro endgültig zur Empfehlung.

Kleiner Minuspunkt: Der Shock-Mount muss separat geordert werden.

Plus

  • schöner, wuchtiger, gut aufgelöster Sound
  • vielseitig einsetzbar
  • hochwertige Verarbeitung
  • Retro-Optik
  • günstiger Preis

Minus

  • ASM Shock-Mount nur optional
  • leider keine Holzschatulle dabei

Preis

  • The Amethyst, Ladenpreis: 765,- Euro
  • ASM Shock-Mount, Ladenpreis: 79,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Garfield Modular

    Hallo Armin,

    Herzlichen Dank für den interessanten Artikel. Ich kannte die Marke JZ Microphones noch nicht, nur deshalb schon sehr interessant zu lesen über dein Bericht!

    Vielen Dank und viele Grüße, Garfield.

    • Profilbild
      Armin Bauer RED

      Hallo Garfield,

      freut mich, wenn dir der Artikel gefällt.
      Ja, JZ ist fast ein Geheimtipp, deshalb erwähne ich immer auch Blue und Violet Microphones, um aufzuzeigen, dass da ein seit Jahrzehnten innovativer Entwickler dahinter steckt.

      Grüße Armin

  2. Profilbild
    elbonzoseco

    Ich schwanke immer mal wieder, ob ich eins der JZ Mics einfach mal kaufen sollte. Für welche Bereiche würdest du das BH2 oder das Amethyst vorne sehen? Die beiden und das V67 lächeln mich schon ne ganze Weile an…

    • Profilbild
      Armin Bauer RED

      Das BH-2 ist eindeutig das universellere Mikro, hell und neutral abgestimmt.
      Das Amethyst hat mehr Charakter, klingt wärmer und schöne Tiefmitten. Toll für Stimme.
      Ich besitze zwar das BH-2, würde mich bei den beiden nun für das Amethyst entscheiden. Ich habe aber eben auch noch etliche andere Mikros hier.
      Die Preise sind im Moment sehr günstig, ein guter Zeitpunkt zuzuschlagen.

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