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Test: Beyerdynamic M 70 Pro X, dynamisches Podcast Mikrofon

10. Januar 2022

Besser als das SM7B?

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Beyerdynamic M 70 Pro X, dynamisches Podcast Mikrofon

Mit dem Beyerdynamic M 70 Pro X schickt der Traditionshersteller aus Heilbronn ein dynamisches Mikro ins Rennen, das sich anschickt, das perfekte Podcast-Mikrofon zu sein. Bereits vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen, das Kondensatormikrofon M 90 Pro X aus der neuen Pro X Serie zu testen, das mit gefälligem Klang und sehr niedrigem Rauschen aufwarten konnte. Wie sich der dynamische Bruder schlägt und ob er sich für mehr einsetzen lässt als Sprache, erfahrt ihr in diesem Test.

Wie aus dem Nichts hat Beyerdynamic eine völlig neue Mikrofonlinie aus dem Hut gezaubert. Diese besitzt ein eigenwilliges, schlichtes Design mit der Reduktion auf das Wesentliche. Kein Schnickschnack, keine Einstellmöglichkeiten wie Pads, Highpass Filter, Richtcharakteristik oder ähnliches. „Keep it simple“ lautet die Devise. Dafür kommen die Mikros mit praktischem Zubehör, um sofort mit den Aufnahmen oder dem Streaming loslegen zu können. Der Blick auf den Preis überrascht: während das Beyerdynamic M 90 Pro X für vergleichsweise günstige 299 Euro zu haben ist, ist das M 70 Pro X preislich noch etwas interessanter und geht schon für 244 Euro über die Ladentheke. Damit ist es aktuell gut 125,- Euro billiger als der Podcast Krösus Shure SM7B. Möglich wird das durch eine Verlagerung der Herstellung von Deutschland nach China, wo ja mittlerweile auch Shure sein SM7B baut.

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Der Lieferumfang des M 70 Pro X

Ähnlich zum M 90 Pro X wird auch das dynamische M 70 Pro X in einer Kartonverpackung geliefert, in welcher der sensible Inhalt sicher aufbewahrt wird. Neben dem Mikrofon selbst befindet eine dicke Neopren-Schutzhülle mit Zugband und eine elastische Aufhängung im Lieferumfang. Auch ein Pop-Filter mit Schwanenhals und Klemme zur Anbringung am Mikrofonständer befinden sich in dem Paket. Die Abmessungen des M 70 Pro X sind identisch zum teureren Bruder. Es ist mit  einer Länge 18,5 cm und einem Durchmesser von 5 cm deutlich größer als es die Werbebilder vermuten lassen. Auf den ersten Blick fällt es schwer, die beiden neuen Beyerdynamik Mikros auseinanderzuhalten, sie unterscheiden sich aber doch in einem Detail. Während das Kondensatormikrofon M 90 Pro X von der Seite besprochen wird und dementsprechend große seitliche Einsprechgitter besitzt, so wird das zum Test vorliegende M 70 Pro X von vorne besprochen und an den Seiten befinden sich schwarze Gehäusestreben.

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Sehen sich fast zum Verwechseln ähnlich: links das M 90 Pro X Kondensatormikrofon, rechts das zum Test vorliegende, dynamische M 70 Pro X

Mit einem Gewicht von nur 320 g ist das Mikrofon gemessen an der großen Bauform sehr leicht und stellt keine besonderen Ansprüche an ein Mikrofonstativ. Ein Shure SM7B ist mit knapp 900 g deutlich schwerer und kann schon manchen Mikrofonarm in die Knie zwingen. Die beiliegende Spinne besteht aus Kunststoff und ist ebenfalls sehr leicht. Sie besitzt einen Durchmesser von 14 cm und schützt das Mikrofon vor ungewolltem Trittschall. Das M 70 Pro X wird einfach eingesetzt und mithilfe eines silbernen Schraubrings befestigt. Die Spinne hält das Mikro in jeder Position absolut fest, egal ob seitlich oder kopfüber. Trotz Kunststoff und Fliegengewicht macht die Verarbeitung einen sehr guten Eindruck. Auch das Mikrofon gibt sich keine Blöße und weder an Metallverarbeitung oder Schutzgitter, noch an Lackierung oder Aufdruck gibt es irgendetwas zu bemängeln. Alle Arbeiten wurden sauber und passgenau ausgeführt. Es gibt keine scharfen Kanten, das Mikro liegt gut in der Hand und lädt zum Arbeiten ein.

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Elastische Halterung, Pop-Filter und Neopren-Beutel sind mit dabei

Beyerdynamic M 70 Pro X: Technische Spezifikationen

Wie bereits angesprochen ist das M 70 Pro X ein dynamisches Mikrofon und benötigt daher keine Phantomspeisung des Mikrofonvorverstärkers. Die Richtcharakteristik ist Niere und kann nicht verändert werden. Den Übertragungsbereich gibt Beyerdynamic mit 40 Hz – 18.000 Hz, gemessen bei einem Abstand von 1 m, an, im Nahfeld erweitert sich dieser im Bassbereich runter auf 25 Hz. Ein Blick auf den Frequenzgang  zeigt, dass das M 70 Pro X kein neutraler Vertreter seiner Art ist. Ab 1 kHz steigt die Sollfrequenzkurve relativ stark an und findet mit +8 dB bei 4 kHz einen ersten Höhepunkt. Dann senkt sich die Kurve leicht und steigt dann erneut auf eine Spitze von +9 dB bei 8 kHz an.

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Befindet man sich nahe am Mikrofon, kommt es zum Nahbeprechungseffekt, der für Mikrofone mit Nierencharakteristik typisch ist. Im Abstand von nur 2 cm zum Mikrofonkorb ergibt sich beim M 70 Pro X ein Anstieg um bis zu 11 dB im Bereich von 100 Hz. Das kann in manchen Situationen gewollt sein, um der eignen Stimme etwas mehr Gewicht und eine intime Tiefe zu verleihen. Bei einem Shure SM7b ist ein Effekt dieser Stärke kaum möglich, da die Kapsel recht tief im Einsprechkorb sitzt und keine derart nahe Besprechung zulässt.

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Die Spinne wird einfach mit einem Schraubring fixiert

Die Nennimpedanz des Beyerdynamic M 70 Pro X liegt bei 350 Ohm und Beyer empfiehlt einen Preamp mit mindestens 1,5 kOhm Eingangsimpedanz, was heutzutage aber ein normaler Wert ist. Die Empfindlichkeit liegt bei 1,8 mV/Pa und liegt damit höher als etwa beim Shure SM7B, das eine Empfindlichkeit von 1,12 mV/Pa aufweist. Dem Preamp werden also im Verbund mit dem Beyerdynamic M 70 ProX weniger Leistungsreserven abverlangt.

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Das neue Beyerdynamik Mikrofon wird in China gebaut

 

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Auch Shure hat die Herstellung des SM7B mittlerweile von Mexiko (links) nach China (rechts) verlagert

Das M 70 Pro X Mikro im Tonstudio

Beyerdynamic hat im letzten Jahrhundert dynamische Mikrofone hergestellt, die heute noch in Tonstudios den Ton angeben und von vielen Toningenieuren und Künstlern geschätzt werden. So ist etwa Nirvana Produzent Steve Albini ein großer Fan des M201 und Phil Collins‘ Liebe zum M88 ist ebenfalls kein Geheimnis. Auch in meinem Mikrofonfuhrpark sind beide Mikrofone häufig benutze Lieblinge und im Studio lassen sich diese beiden Allrounder an vielen unterschiedlichen Klangquellen einsetzen. Das M 70 Pro X wird von Beyerdynamic dediziert als Broadcast-Mikrofon für Stimme vermarktet, soll also genau die richtige Wahl für Podcasts, Streaming oder YouTube-Videos sein. Auch mit räumlichen Widrigkeiten soll das Mikrofon gutmütig umgehen, sprich rückwärtig eintreffenden Schall effektiv abdämpfen.

Beyerdynamik M 70 Pro X

Das Beyerdynamik M 70 Pro X ist ähnlich groß wie ein SM7B, aber mit nur 320 g deutlich leichter.

Für den Praxistest stelle ich dem M 70 Pro X vier Mikros zur Seite: das angesprochene M88 aus aktueller Fertigung (Hyperniere, Preis 274,- Euro), sowie ein Shure SM7B (Niere, Preis 366,- Euro) und ein Shure SM58 (Niere, Preis 99,- Euro), beide noch aus mexikanischer Fertigung. Um zu sehen, wie die Mikros auf Plosivlaute reagieren, verwende ich keinen zusätzlichen Popfilter.

Für den Aufbau verzichte ich auf die mitgelieferte Spinne, damit ich die drei Konkurrenten direkt neben dem M 70 Pro X platzieren kann. Praktischerweise passt die Mikrofonhalterung des Austrian Audio CC8 Stereo-Sets, das ich zur selben Zeit zum Test im Studio hatte, perfekt für das Beyerdynamic M 70 Pro X. Am XLR-Schaft platziert, treten damit plötzlich äußerliche Ähnlichkeiten zum Electro-Voice RE-20 ans Tageslicht.

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Als Vorverstärker kommen die vier Preamps des RME UFX zum Einsatz, jeweils mit 50 dB Gain. Zunächst ein paar Informationen zur Empfindlichkeit der Mikros. Da jedes Mikrofon auf seine Art bestimmte Frequenzbereiche betont und auch der Nahbesprechungseffekt unterschiedlich ausgeprägt ist, lässt sich in der Praxis keine absolute Formel wie etwa „Mikrofon A liefert X dB mehr Pegel als Mikrofon B“ aufstellen. Eine Tendenz ist aber durchaus offensichtlich:

Das mit Abstand „lauteste“ Mikrofon im Testfeld ist das Beyerdynamic M88, gefolgt vom M 70 Pro X, dem Shure SM58 und schließlich dem Shure SM7B. Letzteres ist ja ohnehin bekannt dafür, recht wenig Pegel zu liefern. Nimmt man das M88 als Referenz, ist das M 70 Pro X im Schnitt um etwa 5 dB, das Shure SM58 um etwa 6,5 dB und das Shure SM7B um etwa 9 dB leiser. In den folgenden Klangbeispielen habe ich die Lautstärke der Audio-Files mit digitalem Gain angeglichen.

 

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Das Beyerdynamik M 70 Pro X wird von vorne besprochen

Bevor es an die Stimme geht, teste ich die Mikros mit einem Tamburin im Abstand von 1 m:

Man merkt recht deutlich, wie sich die beiden für Stimme optimierten Mikros SM 58 und das M 70 Pro X von den Allroundern M 88 und SM7B unterscheiden. Der Höhenbereich tritt viel stärker in den Vordergrund. Das M 70 Pro X kann mit einer sehr spritzigen Transientenabbildung aufwarten, während das M88 eher den Mittenbereich betont. Weiter geht es an die Akustikgitarre im Abstand von 20 cm am 15. Bund:

Hier wird deutlich, dass allen vier Mikros komplett unterschiedliche Klangcharakteristiken bzw. Klangphilosophien innewohnen. Mir persönlich ist die Verformung des Klangs beim M 70 Pro X zu stark für dieses Instrument. Hier noch ein weiteres Beispiel, diesmal im Abstand von 30 cm:

Während beim geringfügig teureren Beyerdynamic M88 der Bassbereich noch vollmundig bleibt, ist dieser beim M 70 Pro X schon sehr ausgedünnt.

Wie es mit der Dämpfung von rückseitig ankommendem Schall aussieht, zeigt das folgende Beispiel. Hier habe ich das Tamburin im Abstand von 1 m hinter den Mikros gespielt. Eingepegelt wurden die Mikros mit Signal von der Vorderseite. Hier hört ihr also, wie unterschiedlich laut der Schall von hinten aufgenommen wird:

Die beste Dämpfung bietet das M88. Kein Wunder, denn dabei handelt es sich um ein Mikrofon mit Hypernierencharakteristik, das rückseitig eintreffenden Hall besser reduziert als Mikros mit Nierencharakteristik. Eine besonders gute Dämpfung beim M 70 Pro X kann ich in diesem Fall leider nicht ausmachen, gerade hohe Frequenzen erhalten eine recht unangenehme Färbung.

Zum Abschluss noch einige Klangbeispiele an der Stimme. Diesmal in drei Abständen: 5 cm, 20 cm und 40 cm. Damit wird verdeutlicht, wie sich der Nahbesprechungseffekt bei den Kontrahenten auswirkt. Die Abstände sind gemessen von der Vorderseite des Mikrofonkorbes. Da die Kapsel etwa beim Shure SM7B weiter hinten positioniert ist als beim M 70 Pro X, ist auch der Nahbesprechungseffekt bei Letzterem stärker ausgeprägt.

Während das Beyerdynamic M88 bei rund 20 cm einen schönen Sweet-Spot für meine Stimme besitzt, finde ich diesen Abstand beim M 70 Pro X schon zu groß gewählt, da die Stimme damit schon deutlich an Fundament verliert. Bei mir persönlich passt beim M 70 Pro X ein Abstand von rund 10 cm am besten. Damit wird meine Stimme frisch und präzise übertragen und auch der Bassbereich klingt kontrolliert. Letztlich wird nur ein individueller Test Auskunft darüber geben, ob das M 70 Pro X zur jeweiligen Stimme passt und ob sich die S-Laute mit der Höhenanhebung gutmütig verhalten.

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Fazit

Nachdem mich der große Bruder M 90 Pro X im Test überzeugen konnte, war meine Erwartungshaltung an das Beyerdynamic M 70 Pro X recht hochgesteckt. Die klangliche Abstimmung ist allerdings zu speziell und hat im Test jede Klangquelle deutlich verfärbt. Zwar wird es als dediziertes Broadcast-Mikrofon für Stimmanwendungen beworben, ob das Mikrofon aber zur jeweiligen Stimme passt, kann man nur mit einem individuellen Test herausfinden. Allrounder-Qualitäten bietet es nicht und daher würde meine Empfehlung eher in Richtung anderer dynamische Mikros aus dem Hause Beyerdynamic gehen.

Plus

  • hochwertige Verarbeitung
  • sinnvolles Zubehör, Komplettpaket

Minus

  • stark färbender Klangcharakter
  • beschränkter Einsatzbereich

Preis

  • 244,- Euro
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Klangbeispiele
Forum

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