Test: Ketron SD-90, Entertainer MIDI-Modul

9. Januar 2019

Das Modul der Oberklasse

ketron sd-90

Ketron SD-90

Waren Soundmodule in den 1980er Jahren total angesagt, hat sich deren Anzahl nicht nur durch das Aufkommen von Laptops und Software auf der Bühne stark minimiert. Doch so ganz verschwunden sind sie nicht. Kürzlich hatten wir beispielsweise das Modul von Dexibell im Test, heute folgt das SD-90 aus dem Hause Ketron. Was dies an Sounds und Funktionen beinhaltet und für welches Einsatzgebiet es konzipiert wurde, erfahrt ihr im Test.

Auftritt des Ketron SD-90

Mit den Maßen 410 x 255 x 112 mm und einem Gewicht von 4 kg ist das SD-90 Modul kein Fliegengewicht, lässt sich aber – so viel sei vorweggenommen – aufgrund des sehr gute ablesbaren Displays an die unterschiedlichsten Positionen stellen. Das Metallgehäuse des Moduls macht einen äußerst soliden Eindruck, hier braucht man auch im harten Live-Alltag keine Bedenken zu haben. Die Bedienoberfläche ist leicht nach vorne geneigt, was sowohl das Ablesen des Displays als auch das Bedienen erleichtert. Beim Display handelt es sich um einen 7 Zoll messenden TFT-Touchscreen mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln. Für ein Entertainer-Keyboard bzw. Soundmodul ist dies äußerst luxuriös. Das Display reagiert sehr gut auf Fingerbewegungen. Während des Tests gab es da absolut nichts zu beanstanden.

Da das Soundmodul SD-90 die gleichen technischen Features wie das Entertainer Keyboard SD-9 aufweist, ist die Bedienoberfläche des Expanders mit allerlei Fadern, Tasten und einem Drehrad ausgestattet. Das wirkt zunächst sehr voll, lässt sich aber dank der logischen Anordnung schnell durchschauen.

ketron sd-90

Wie auch bei den Entertainer-Keyboards findet sich am unteren Rand des Moduls die Steuerung für die Begleitautomatik. Darüber reihen sich die sechs (links) bzw. fünf (rechts) Fader für die Lautstärken der einzelnen Parts/Players an. Hierüber hat man einen direkten Zugriff auf  die Spuren Wave Lower, Chord, Bass, Drum und Style (links) und Right, 2nd, Micro, Vocal und Master (rechts). Alternativ zur Bedienung über den Touchscreen bietet das SD-90 ein Drehrad samt zugehörigen Tasten, hierüber lassen sich das Menü und weitere Optionen aufrufen und mit dem Drehrad durch Einträge scrollen.

Links und rechts des Displays hat Ketron diverse Tasten für Funktionen wie Split, Lyric, Player, Registrierungen, Launch Pad, Voice und Style untergebracht. Insgesamt macht das SD-90 Modul einen sehr guten ersten Eindruck, sowohl verarbeitungstechnisch als auch hinsichtlich der Bedienung.

Anschlüsse und Lieferumfang des Ketron SD-90

Über die gesamte Gehäusebreite des Moduls ziehen sich rückseitig die Anschlüsse des SD-90. Zur Audioausgabe stehen zunächst ein Stereo-Pärchen sowie ein Aux/Kopfhörerausgang, alle im 6,3 mm Klinkenformat, zur Verfügung. Die Mikrofonsektion bietet einen kombinierten und im Gain regelbaren XLR/TRS-Eingang. Über die mit Out betitelte Klinkenbuchse lässt sich das Mikrofonsignal nach Durchlaufen der internen Effekte auch wieder separat ausführen und extern über ein Mischpult mit anderen Signalen mischen, sehr gut. Über eine Mono-Klinkenbuchse lassen sich dem SD-90 weitere Instrumente zuführen.

Zwei MIDI-Eingänge, einen Thru- und einen MIDI-Ausgang bietet das Ketron Modul, genug Möglichkeiten, um das Modul passend in größere Setups einzubinden. Zwei Pedale lassen sich am SD-90 betreiben, zusätzlich besteht die Möglichkeit, über einen DSUB-Anschluss eine optional erhältliche Pedaleinheit anzuschließen. Abgeschlossen wird die Rückseite mit einem DVI-Videoausgang für die Verbindung/Anzeige von Texten auf einem externen Monitor, einem USB-Port zur Verbindung mit einem Computer oder dem direkten Anschluss eines USB-Controllerkeyboards, dem Power-On/Off und dem Anschluss für das externe Netzteil. Schade, hier wäre ein internes Netzteil praxisnaher gewesen. Möglicherweise wurde aus Platzgründen darauf verzichtet, allerdings kommt auch beim SD-9 Keyboard ein externes Netzteil zum Zuge.

ketron sd-90

Auf der rechten Gehäuseseite verfügt das SD-90 dazu über einen SD-Karteneinschub sowie drei USB-Ports zur Verbindung mit Speichermedien.

Zum Lieferumfang des SD-90 gehören das zum Betrieb notwendige Netzteil sowie eine mehrsprachige Kurzanleitung, die die Anschlüsse des Moduls erklärt. Auf dem beiliegenden USB-Stick befindet sich eine ausführliche Anleitung im HTML-Format, über die Ketron Website stellt der Hersteller dazu eine PDF-Anleitung zum Download bereit. Der besondere Clou des SD-90 ist aber, dass die Anleitung bereits im Modul enthalten ist. Über das Menü gelangt man an das Handbuch, so hat man bei Unklarheiten stets eine Referenz an der Hand bzw. auf dem Touchscreen.

ketron sd-90

Praxiseinsatz des Ketron SD-90

Das SD-90 lässt sich auf zwei Arten mit Eingabeinstrumenten verbinden. Einerseits über die fünfpoligen MIDI-Eingänge oder über den USB-Port. Hier lässt sich neben einem Computer nämlich auch ein Controllerkeyboard anschließen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass immer weniger Controllerkeyboards echte MIDI-Buchsen bieten, ist dies eine sinnvolle Sache.

Das Ketron SD-90 bietet 672 Sounds plus 368 User-Voices. Wie es sich für ein Entertainer-Modul gehört, bietet das SD-90 eine enorm große Bandbreite. Vor allem bei der ansonsten oftmals belächelten Soundkategorie der Gitarren kann das Modul auf ganzer Linie punkten, denn Ketron hat ihm über 150 live eingespielte Gitarren-Pattern spendiert. Der Unterschied zu anderen Entertainer-Keyboards ist nicht weniger als gewaltig, denn Gitarren gehören zu den Instrumenten, die äußerst schwierig nachzubilden sind. Während man im Bereich der Pianos in vielen Keyboards und Workstations mittlerweile sehr gute Pendants vorfindet, fallen die Gitarren in der Regel qualitativ deutlich ab. Anders beim SD-90.

Auch bei den Drum-Spuren kann das Moduls punkten, denn auch hier setzt Ketron live eingespielte Pattern ein, knapp 100 dieser Audio-Drums besitzt das SD-90. Weitere 150 Drum-Spuren liegen als Slice-Pattern vor, d. h. hier wurde das Pattern in kleine Bestandteile geschnitten, die passgenau abgespielt werden. Da die Audio-Drums über die Begleitautomatik an verschiedene Tempi angepasst werden müssen, hat Ketron ein Time-Stretching-Algorithmus eingebaut.

ketron sd-90

Sehr schön ist die Möglichkeit, die vorliegenden Styles zu bearbeiten und auf einem der User-Speicherplätze abzuspeichern. Auch besteht die Möglichkeit, Styles der Audya-Brüder zu importieren und mit den Features des SD-90 aufzuwerten. So lassen sich einerseits klanglich etwas in die Jahre gekommenen Rhythmen aufwerten, aber auch aktuelle Styles und Pattern frei kombinieren und zu neuen Styles zusammenstellen.

Die Klangqualität des Ketron SD-90 ist insgesamt sehr hoch. Beim Durchsteppen der einzelnen Instrumente gibt es kaum Ausreißer, hier findet man wirklich sehr viel brauchbares Material, das für ein großes Repertoire eingesetzt werden kann.

Alle User-Einstellungen lassen sich auf einem von 4.096 Speicherplätzen sichern. Diese sind in 4 Bänken à 1.024 Einträgen sortiert. Da sollte ausreichend Platz sein. Die Registrierungen lassen sich wahlweise über das Menü, aber auch über externe MIDI-Kommandos aufrufen. Auf Wunsch stellt Ketron seinen Kunden nach dem Kauf 100 Basic-Registrierungen zur Verfügung.

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Launchpad des Ketron SD-90

Bis zu 12 WAV- oder MP3-Loops lassen sich beim SD-90 zu einer von maximal 6 Szenen kombinieren und dann über virtuelle Buttons, die auf dem Touchscreen angezeigt werden, abfeuern. Neben One-Shot-Samples lassen sich hierauf auch Loops legen. Das SD-90 akzeptiert dafür sowohl auf externen Speichermedien abgelegte Dateien als auch extra ausgespielte Teile der internen Styles oder MIDI-Dateien. So lassen sich u. a. auch Bestandteile von Songs frei kombinieren. Sowohl für den Auftritt im DJ-Style als auch für wiederkehrende Nutzungen von Audio-Samples im Live-Betrieb ist dies eine sinnvolle Funktion. Bis zu 2.048 Launchpad-Projekte kann das SD-90 verwalten.

Effektsektion des Ketron SD-90

Die Effektsektion des SD-90 Moduls ist sehr gut ausgestattet. Sowohl für den Einsatz im Live-Betrieb als auch für den Soundzulieferer im Studio bzw. zur Vorbereitung/Anpassung von Playbacks bekommt man hier das Richtige geboten. Bis zu 10 Effekte lassen sich beim SD-90 als Kette hintereinander reihen, dabei darf man aus unterschiedlichsten Effektkategorien das passende auswählen. Reverb, Phaser, Tremolo, Equalizer, Kompressor – alles ist an Bord.

ketron sd-90

Zusätzlich zu den genannten Möglichkeiten bietet das SD-90 zwei Insert FXs mit separaten Reverb-, Chorus-, Rotary-, Amp Simulator- und weiteren Effekten

Doch das ist bei Weitem noch nicht alles. Schließt man auf der Rückseite des SD-90 ein Mikrofon an, lassen sich hierfür weitere separate Effekte nutzen. Hierzu gehören beispielsweise ein Noise-Gate, Reverb, Pitch-Shift oder ein Kompressor. Auch ein Harmonizer, der dem Originalsignal bis zu drei weitere Stimmen hinzumischt, kann zum Einsatz kommen.

Wie auch bei den Sounds und Styles ist die Qualität der Effekte insgesamt sehr hoch.

Player des Ketron SD-90

Das SD-90 Modul bietet einen doppelten Player, der die Formate WAV, MIDI, MP3, MP4, Avi, Mov, Flv, Cdg, Jpg, Txt, PDF, Song Drum Restyle, DJ, Juke Box sowie Pic&Movie unterstützt. Somit lassen sich alle gängigen Dateien über das SD-90 Modul wiedergeben und zu den live gespielten Instrumenten und Styles mischen. Liegen die Playbacks als Mehrspuraufnahme vor, kann man die einzelnen Spuren des Songs individuell in der Lautstärke anpassen bzw. Parts stummschalten.

Fazit

Das SD-90 Modul des italienischen Herstellers Ketron kann im Test auf ganzer Linie überzeugen. Die Verarbeitung ist hervorragend, die Bedienung ist dank des 7 Zoll Touchscreens und der zahlreichen Bedienelemente intuitiv und kinderleicht.

Klanglich bietet das Modul eine große Bandbreite, von Pianos über Orgeln, Streicher, Bläser oder Synthesizer-Sounds sind vieles an Bord, dazu stimmt hier die Qualität. Im Style-Bereich bekommt man ebenfalls ein großes Repertoire geboten. Hier stechen vor allem die live eingespielten und per Time-Stretching-Algorithmus angepassten Gitarren- und Drums-Spuren positiv hervor. Die Arrangements der Begleitrhythmen sind durchdacht und lassen sich sehr gut einsetzen.

Auch bei den üblichen Extras kann das SD-90 punkten. Effekte, Launchpad oder doppelter Player bieten eine sehr hohe Qualität für den Einsatz im Studio oder im Live-Betrieb.

Plus

  • Touchscreen und Bedienung
  • Sounds
  • Styles, vor allem mit Live-Drums und Gitarren-Parts
  • Verarbeitung
  • Effekte

Minus

  • keine namentliche Suche der Registrierungen
  • externes Netzteil

Preis

  • Ladenpreis: 2.790,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    GioGio   111

    Synthese habe ich genug, aber für Pianos, Streicher, Bläser, Gitarren muss leider immer noch der Rechner herhalten. Mit diesem Gerät hier könnte ich anscheinend auf die Kontakt-Library verzichten (?). Das wäre echt toll. Leider habe ich gerade Platzmangel und will auch keine 2700€ dafür aufbringen. Könntet Ihr so ein teil nicht mal verlosen? :D Falls ich gewinnen sollte, findet sich bestimmt auch plötzlich Platz XD

  2. Profilbild
    Ted Raven  

    Holy C…, 2800 € für ein Soundmodul? Das ist der Preis für Spitzen-Workstations. Egal wie gut das Teil klingt, es ist definitiv zu teuer.

  3. Profilbild
    SynthNerd  

    Interessanter Test, nicht endlos ausführlich und dennoch sehr informativ.

    Den Klang traue ich mir nach 6 Klangbeispielen und nur über Notebook Speaker gehört nicht zu beurteilen. Ich vertraue da dem Urteil des Testers.

    Ausstattung und Anschlussmöglichkeiten sind wahrlich fett.

    Feines Gerät, mir leider auch zu teuer, aber ich bin sicher, es wird Käufer finden.

    Und für den, der ’nen Expander mit viel ordentlichem ROMpel Sound für etwa die Hälfte Euronen sucht, bleibt immer noch der Integra…

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