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Test: Laney GH50R-212, Gitarrenverstärker

2. Januar 2018

Ein smarter Engländer mit rotzigem Sound

Laney GH50R-212 Titel

Im Gegensatz zu den „Big Playern“ von der britischen Insel, allen voran natürlich die Firmen Marshall, VOX und Orange, ist es um die Gitarrenamps der Firma Laney immer schon recht still gewesen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der nicht weniger traditionsreiche Hersteller sich eher bescheiden gibt, was die Vorstellung von neuen Gerätschaften betrifft. Wenn dann aber etwas präsentiert wird, dann ist das zumeist mehr als ordentlich, wovon wir uns erst im Test des kleinen Lionheart L5 Studio überzeugen konnten. Nun hat unsere Redaktion also endlich mal wieder ein Gitarrenverstärker von Laney erreicht und dazu gleich einer mit Vollröhrenschaltung und einem Preis knapp unter der magischen 1000-Euro-Grenze. Schauen bzw. hören wir mal, ob der Laney GH50R-212 eine Versuchung wert ist.

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Laney GH50R-212 Front

— Der Laney GH50R-212 —

Facts & Features

Dass man es beim Laney GH50R-212 mit einem echten Vollröhrenamp zu tun hat, wird spätestens beim Anheben des Verstärkers klar. Da kann man nur froh über die beiden seitlichen Griffschalen sein, die mit dem stattlichen Gewicht von 30 kg ein sicheres Transportieren ermöglichen. Zu empfehlen sei aber dringend der helfende Arm einer zweiten Person, sonst kann das ganz schön auf den Rücken gehen! Das 515 x 675 x 285 mm große Gehäuse ist rund herum absolut sauber verarbeitet, an allen Ecken des Gehäuses sorgen Kantenschoner aus Kunststoff für Schutz gegen Stöße und vier massive Gummifüße auf der Unterseite sorgen für einen sicheren Stand. Eine beeindruckend massive Konstruktion und absolut roadtauglich!

Laney GH50R-212 Griff

— Hier heißt es kraftvoll zugreifen!! —

Bevor wir uns die Bedienelemente auf der Vorderseite und den Möglichkeiten des GH50R-212 widmen, gilt unser Blick zunächst der Rückseite und den dort vorhandenen Anschlüssen.

Die Anschlüsse des Laney GH50R-212 

Laney GH50R-212 backpanel

Die befinden sich alle ausnahmslos (abgesehen von der Klinkeneingangsbuchse für die Gitarre) an der Rückseite des halb geöffneten Gehäuses. Los geht’s mit den Buchsen für Zusatzboxen, sollten die zwei verbauten Celestion Vintage 30 Lautsprecher nicht ausreichen – warum auch immer. Die sind bereits mit einem der 16-Ohm-Ausgänge verbunden, ein weiterer steht zur Verfügung, komplettiert werden die Speaker-Ausgänge durch eine 4 Ohm und zwei 8 Ohm Buchsen. Also alles an Bord so weit!

Silent Recording mit dem Laney GH50R-212?

Die DI-Sektion beinhaltet eine XLR-Buchse, die ein symmetrisches und auf Wunsch mit einer Lautsprechersimulation bearbeitetes Signal abgibt. Das ist sogar in seiner Lautstärke regelbar und, wenn nötig, mit einer Ground-Lift-Funktion von Brummen zu befreien. Dummerweise werden die internen Lautsprecher beim Nutzen dieser Funktion nicht deaktiviert, was den Amp für das nächtliche Recording in Mietwohnungen definitiv disqualifiziert. Gleich aus dem Kopf schlagen sollte man sich auch die Idee, die Lautsprecher einfach abzuziehen, denn dann würde die Röhrenendstufe vermutlich sehr schnell ins Nirvana portiert.

An der Buchse Remote findet ein Fußschalter Anschluss, mit dem lassen sich die beiden Kanäle sowie der Hall fernbedienen. Der entsprechende Schalter befindet sich im Lieferumfang und besitzt eine praxistaugliche Kabellänge. Er ist aber ziemlich schlicht ausgefallen und besitzt keine LEDs zur Überwachung der Kanalfunktion oder darüber, ob der Hall nun gerade aktiviert ist oder nicht.

Laney GH50R-212 footswitch

— Der mitgelieferte Fußschalter —

Auch an einen FX-Loop wurde erfreulicherweise gedacht. Der ist zwar nicht so schön stufenlos mittels eines Potis regelbar wie das DI-Signal, aber immerhin in drei Stufen (Bypass, 0 dB und -10 dB) schaltbar. Somit sollte das Anpassen an die Pegel der angeschlossenen Effekte keine Probleme bereiten. Den Abschluss bildet eine AUX-IN-Buchse zum Zuspielen externer Audiosignale, damit kann auch das Üben gelingen.

Ein Metallgitter schützt die Lautsprecher und die elektronischen Bauteile vor Beschädigungen, von hier aus kann man auch ganz gut einen Blick auf die im Amp verbauten Röhren werfen. Zumindest auf die der Endstufe, die für eine typisch britische Grundcharakteristik mit zwei EL34 bestückt wurde. Für die zweikanalige Vorstufe des Laney GH50R-212 wurden vier ECC83 eingesetzt.

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Laney GH50R-212 backside

— Der Laney GH50R-212 gibt auch von hinten ein sehr solides Bild ab —

Laney GH50R-212 – Frontseite & Bedienpanel

Laney GH50R-212 panel

Zwei Kanäle besitzt der GH50R-212, leider aber nur eine gemeinsame Klangregelung für beide. Die besteht aus den drei Bändern Treble, Middle und Bass, wobei das Mid-Poti durch Anheben ein erweitertes Spektrum erhält. Beide Kanäle verfügen über einen Drive-Regler und werden in ihrem Sound zusätzlich durch ein Tonpoti in der Endstufensektion beeinflusst. Für einen zusätzlichen Kick in den Höhen bzw- Präsenzen lässt sich im unverzerrten Kanal 1 das Drive-Poti ebenfalls anheben. Gemeinsam genutzt wird der digitale Halleffekt, dessen Regler als Dritter im Bunde erneut über eine Push-Pull-Funktion verfügt und so zwei unterschiedlich starke Hallsounds abruft.

Schalter und Lämpchen gibt es an der Front auch, nämlich jeweils drei an der Zahl. Sollte man den Fußschalter mal im Proberaum verlegt haben, sorgt der Kanalwahlschalter für eine Alternative. Eine direkt darunter platzierte LED informiert in Rot bzw. Grün über den aktuell ausgewählten Kanal. Fehlen darf an einem guten Röhrenamp natürlich nicht die Standby-Funktion, dessen Schalter sich zusammen mit einem weiteren für Power ganz links außen am Panel befindet. Auch hier sorgen zwei rubinrote LEDs für eine zuverlässige optische Überwachung des Betriebszustands.

So hochwertig das Gehäuse gefertigt ist, so hochwertig kommen auch die Regler und Schalter rüber. Speziell die Regler bieten einen idealen Drehwiderstand und auch die Schalter aus Metall dürften dem Besitzer des Amps viele kummerfreie Jahre bescheren. Egal also, ob von vorne, oben oder hinten: Der GH50R-212 gibt bis hier ein überzeugend gutes Bild ab, setzt sich das bei seinem Sound fort?

Sound & Praxis mit dem Laney GH50R-212

Laney GH50R-212 side rightZunächst einmal überraschen nach dem Umlegen des Netzschalters die erstaunlich niedrigen Nebengeräusche, die der GH50R-212 produziert. Das hätte ich angesichts der Preisklasse, in der sich der Amp befindet, ehrlich gesagt nicht erwartet! Der saubere, rauscharme Sound betrifft beide Kanäle gleichermaßen, selbst bei voll aufgedrehtem Gain des Overdrive-Kanals ist das produzierte Rauschspektrum kaum der Rede wert.

Wer auf den typisch britischen, knochigen und drückenden Sound steht, wird mit bzw. an diesem Verstärker seine helle Freude haben! Der Cleanchannel überzeugt mit einem sehr hohen Headroom, kann aber mit einer Humbucker-bestückten Gitarre auch sehr leicht angezerrte, harmonisch klingende Crunchsounds produzieren. Die überraschen in allen Facetten mit einer hervorragenden Dynamik und werden mit ordentlich Punch aus den zwei Celestions gepfeffert.

Durch die Möglichkeit, den Klang nicht nur durch den gut zupackenden Dreiband-EQ, sondern auch zusätzlich mit einem Mid-Shift-Poti und dem Tone-Regler der Endstufe formen zu können, stehen auch im verzerrten Kanal eine Menge an Möglichkeiten bereit. Zum Glück sind die Sounds der beiden Kanäle recht identisch, sodass hier nach einem Kanalwechsel keine größeren Eingriffe im Klangbild vonnöten sind.

Gut gelungen ist auch der Klang des DSP-Halls, der von ganz subtil bis deutlich wahrnehmbar (durch Anheben des Reverb-Potis) dem Klang hinzugefügt werden kann. Hier wurden Halldauer und Hallstärke gut aufeinander abgestimmt, sodass sich der Effekt auch im Bandgefüge sicher noch gut durchsetzen wird. Überhaupt wird der ganze Amp dies tun, da kann man sich mit der 50 Watt Endstufenleistung, dem massiven Gehäuse und den zwei 12″ Celestions ganz, ganz sicher sein! Hören wir jetzt aber mal rein in den Sound des GH50R-212. Für die folgenden Klangbeispiele wurde der Amp mit einem AKG C3000 Mikro abgenommen, als Gitarre war mein Lieblingstier, eine Music Man Silhouette Special, am Start.

In Klangbeispiel 1 hören wir zunächst den unverzerrten Kanal mit einem Cleanpicking. Der EQ befindet sich in 12-Uhr-Stellung, genau so, wie auch der Gain-Regler des Cleanchannels.

Nun der Cleansound mit etwas hinzugefügtem Hall, der dem Klang eine wunderbar dezente, räumliche Note hinzufügt.

Nun das Beispiel eines Crunchsounds. Typisch britisch im Klang, aber durchaus dynamisch spielbar und garantiert durchsetzungsfähig.

Und damit ab zu den Highgainsounds! Klangbeispiel 4 zeigt den Laney GH50R-212 mit voll aufgeregeltem Drivepoti des Overdrivechannels. Der EQ befindet sich auch hier in der 12-Uhr-Position. Die verfügbare Zerrung dürfte im Großen und Ganzen den Rockbereich abdecken, Freunde von Highgain-Metalsounds wird das aber vermutlich nicht ausreichen. Dennoch – ein differenzierter und knochentrockener Riffsound, den der GH50R-212 hier produziert!

Im abschließenden Klangbeispiel der Leadsound des Overdrivechannels. Die Einstellungen bleiben gegenüber Beispiel 4 unverändert.

Laney GH50R-212 cover

— Eine Staubschutzhülle gibt es noch gratis dazu —

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Fazit

Wer auf der Suche nach einem „knochenharten“, typisch britisch klingenden Verstärker ist und mit dem Tragen von Stückgut keine Probleme hat, der dürfte am Laney GH50R-212 ganz sicher Gefallen finden! Minuspunkte zu vergeben fällt hier verdammt schwer, denn dazu ist der Amp zu gut verarbeitet, zu gut ausgestattet und dürfte mit seiner Lautstärke und dem Schalldruck so manchen Bandkollegen in die Schranken weisen. Auch heute noch ist ein Verstärker von Laney weit mehr als eine Alternative zu den Amps mit dem großen „M“ von der Insel. Daumen nach oben!

Plus

  • eigenständiger Klang und gute Dynamikwerte
  • hohe Lautstärke und Schalldruck
  • sehr rauscharm
  • gute Ausstattung
  • sehr gute Verarbeitung

Minus

  • hohes Gewicht

Preis

  • Ladenpreis: 999,- Euro
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Klangbeispiele
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