Test: Marantz PMD-706, Mobiler Multi-Track Recorder

26. Februar 2018

Darf es ein wenig mehr sein?

Hat einer von euch in der letzten Zeit mal ein Musikvideo oder ambitioniertes Filmvideo gedreht? Ist euch dabei aufgefallen, dass nahezu niemand mehr mit den eher unhandlichen Schulterkameras arbeitet, sondern man vermehrt zu einer DSLR (digitale Spiegelreflex) Kamera als Aufzeichnungseinheit übergeht? Die Vorteile liegen auf der Hand. Anschaffungspreis, Bildqualität und Handhabung sprechen eine eindeutige Sprache, wobei der Trend in Zukunft wohl eher noch zunehmen wird.

Was aber, wenn man ebenfalls eine oder mehrere professionelle Tonspuren, zum Beispiel bei Filmaufnahmen oder bei Podiumsdiskussionen benötigt? Bei einem Musikvideo kann man das Signal problemlos im Post-Editing hinzufügen, kommt es hingegen auf einen guten Live-Ton an, stehen besagte DSLR-Produkte durchweg auf dem Schlauch, da sie nun mal für Bild- und nicht für Tonaufnahmen konzipiert wurden. Sich dieses Mankos bewusst, hat die Firma Marantz mit dem Marantz PMD-706 einen Multitrack-Recorder auf den Markt gebracht, der sich in Konzeption und Handhabung speziell an die Parameter einer DSLR-Kamera anlehnt.

Zudem kommt das Produkt aufgrund chinesischer Fertigung mit einem Ladenpreis von nur knapp über 300,- Euro daher, was in Anbetracht der angebotenen Features als sehr günstig anzusehen ist.

Marantz PMD-706 - Front

Marantz PMD-706 – Front

Einsatzgebiet

Erste Frage, wozu braucht man einen sechsspurigen mobilen Recorder? Was auf den ersten Blick wie mit Kanonen auf Spatzen schießen aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als eine praxisorientierte Lösung, wenngleich diese im Filmbereich schon eher an größeren Sets zum Einsatz kommt. Starten wir aber zunächst mit einem eher kleineren, übersichtlichen Bereich.

Marantz PMD-706 - Aufsicht rechts

Marantz PMD-706 – Aufsicht rechts

Einsatzgebiet 1: Podcasting 

Der Aufnahmeleiter hat sich 5 Experten/Freunde/Saufkumpanen eingeladen und möchte in einer Expertenrunde eine entsprechende Podcast Episode aufzeichnen. Verfügt der Host über eine entsprechende Aufnahmevorrichtung in Form eines mehr oder minder ambitionierten Homestudios, kann er natürlich die klassische Mikrofon/Pult/DAW-Variante wählen. Was aber, wenn er mobil bleiben möchte oder aber die Aufnahme an einem anderen Ort fahren möchte/muss? Nun heißt es entkabeln, einpacken, transportieren, auspacken, testen etc. Mit einem mobilen Gerät bedarf es lediglich der Mikrofone nebst Verkabelung und fertig.

Marantz PMD-706 - Aufsicht links

Marantz PMD-706 – Aufsicht links

Einsatzgebiet 2: Keynote/Diskussionsabend

In einem Diskussionsforum sitzen bis zu 6 Fachleute und diskutieren über ein beliebiges Thema. Die Diskussion wird zusätzlich auf Video aufgenommen und soll später auf DVD o.ä. veröffentlicht/verkauft oder aber auf YouTube als Produktinformation etc. platziert werden. Auch hier, schneller Aufbau ohne großes Einrichten, nach Aufnahmeabschluss kann das Material in die DAW überspielt werden, um dort ggf. im Post-Editing finalisiert zu werden.

Marantz PMD-706 - Vorderseite

Marantz PMD-706 – Vorderseite

Einsatzgebiet 3: Proberaummitschnitt

Auf die Schnelle 6 Instrumente parallel und unabhängig voneinander aufnehmen. Gute Kontrolle über die Einzelinstrumente, ambitioniertes Songwriting-Setup.

Einsatzgebiet 4: Live-Recording

Mikrofone über Splitter geteilt, Drums als Stereomix über Submixer auf 2 Kanäle gemischt, 2 Gitarren, Bass und Gesang. Gute Möglichkeit für einen anspruchsvollen Livemitschnitt. Backing-Vocals (waren ohnehin schief ;-)) als Overdubs im Studio nachträglich eingesungen, finaler Mix in der DAW.

Marantz PMD-706 - Unterseite

Marantz PMD-706 – Unterseite

Einsatzgebiet 5: Filmvertonung

Über bis zu sechs verschiedene Mikrofone werden stationär/beweglich mit Galgen etc. im Raum/Outdoor platziert und ermöglichen das individuelle Aufnehmen mittelgroßer Menschengruppen oder aber eine räumlich optimierte akustische Ausleuchtung. Gerade bei 5:1  und 7:1 Mixen kann man über eine sechsfach-parallele Wiedergabe ein Maximum an plastischer Akustik generieren, was den Hörer, vorausgesetzt seine Mehrkanalanlage ist optimal eingerichtet, mitten in das Geschehen integriert.

Laut Hersteller kann die Betriebstemperatur des Marantz PMD-706 5-60 Grad Celsius betragen, d.h. Außenaufnahmen im Winter könnten sich als schwierig heraus stellen, aber dem schweren Wüsteneinsatz steht nichts im Wege.

Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Der Recorder ist aus meiner Sicht weniger für Filmton geeignet. Warum?
    Das größte Problem bei den Preiswert-Kameras ist die Bild/Ton-Synchronität.
    Dieses Problem gibt es seit Beginn des Tonfilms und es hat sehr viele Jahrzehnte und Erfindungen gebraucht es zu lösen.
    Das Zauberwort heisst »Timecode«.
    Ab dem »ZOOM F4 Recorder« funktioniert das auch sehr gut dank eingebauter synchron-stabiler Clock und den passenden Ein- und Ausgängen dazu.
    Bei Geräten preislich darunter leider nicht.
    Diese Funktion kann man auch nur mit sehr viel Geldeinsatz und auch nicht bei allen Kameras (fehlende Anschlüsse), mit einer sogenannten externen »Timecode-Clock« lösen. Diese in Verbindung mit dem Marantz, ist aber teurer als der »ZOOM F4 Recorder«!

  2. Profilbild
    mdesign  

    hallo franz,
    im prinzip hast du recht. time code macht das leben leichter.
    allerdings auch aufwendiger, denn der muss ja von der kamera zum ton. ein kabel ist in idR zu unhandlich, da der tonmann nicht an der kamera, sondern bei den mikros ist (zB beim angeln). werden mehrere kameras benutzt, geht die TC-übertragung sowieso nur drahtlos, da braucht es dann sender und empfänger. aufwand. bei high end prduktionen kein problem, aber hier geht’s ja vor allem um das kleine, mobile set.
    geht es also auch ohne TC?
    ich nutze beim drehen ggf die klassische klappe. damit kriegt man alles synchron, und die ansage von szene usw vor den audiotakes auf dem recorder ist immer hilfreich.
    oder man nimmt den kameramikro-ton als referenz. manche schnittprogramme legen anhand dieser referenz sogar externes audio automatisch synchron parallel, sonst macht man das per sample plot von hand.
    einfachste methode: man stellt an allen geräten die uhr sekundengenau, auf der kamera als timecode im free run. dann kann man damit auf eine sekunde genau im schnittsystem anlegen (die uhrzeit steht idR im filenamen). den restlichen versatz zieht man von hand oder automatisch, s.o.
    insofern ein wie ich finde durchaus nützliches gerät, auch für film – wenn der große aufwand nicht möglich oder gewünscht ist.
    last not least: ein schöner und fundierter artikel. danke dafür.

    • Profilbild
      CC

      Was für ein Schmarn. Am Set ist nirgends eine timecode Verbindung von tonrecorder zu Kamera per Kabel. Der tonrecorder synced ein lockit was dann an der Kamera hängt, ganz einfach. Gibts zb von ambient oder tentacle. Hat die Kamera kein tc-in gibt es auch immer noch die möglichkeit timecode auf eine audiospur der Kamera aufzuzeichnen

    • Profilbild
      Franz Walsch  AHU

      Wobei wir wieder beim zu großem Kostenaufwand wären …
      Ich benutze die Mischung aus Filmklappe und Timecode Generator »Ambient LockitSlate«, aber auch ganz andere Kameras wie z. Bsp. die Arri Alexa SXT und AATON Cantar X3 Recordern.
      Diese Geräte haben einen framegenauen Lauf, der sich so mit den Consumer Gerätschäften nie erreichen lässt.

  3. Profilbild
    mdesign  

    lockit ist die drahtlose variante. und ‚was dann an der kamera hängt‘ ist das, was wir vermeiden wollten. texte bitte komplett lesen. danke.

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