Test: Millenium MPS-850, E-Drum Set

11. Januar 2019

Mächtig viel E-Drum fürs Geld!

milleniums mps-850

Millenium MPS-850

Neben den großen E-Drum Herstellern bietet auch das Musikhaus Thomann unter seiner eigenen Millenium-Marke E-Drum-Sets an – und das zu einem sehr fairen Preis. So wird dem Millenium MPS-850 Set für knapp 600,- Euro innerhalb der Millenium-Reihe sogar die Rolle des Top-Modells zuteil. Grund genug also, um es näher zu testen.

Ich staune nicht schlecht, als der Mann im braunen Overall das riesige Paket vor mir abstellt: „35 kg – das ist ein Wort“ – oder anders gesagt: Das Millenium MPS 850 E-Drum Set ist da.

Zuerst einmal die wichtigsten Fakten: 50 Drumkits verteilt in 30 Presets plus 20 User-Kits mit insgesamt 550 Sounds samt Reverb- und Kompressoreffekt sowie Equalizer, 6 Fader für unterschiedliche Kanäle/Klanggruppen, einstellbare Auto-Power-off-Funktion, Sound-Import-Funktion via USB. Metronom mit verschiedenen Sounds und eine integrierte Aufnahmefunktion (bis zu 3 Minuten). Ein Rack-System mitsamt HiHat-Maschine und Bass-Drum-Pedal, 6 Mesh-Head-Pads mit 2 Zonen (bei Bass-Drum 1 Zone), 2 Crash-Becken und eine HiHat mit jeweils 2 Zonen sowie ein Ride mit 3 Zonen.

Millenium MPS-850 – auspacken, aufbauen und staunen

Die Kartonagen scheinen kein Ende mehr nehmen zu wollen: So viele Teile habe ich nicht erwartet. Dennoch fällt der Überblick leicht, denn alle Innenkartons sind quadratisch stapelbar und zudem beschriftet. Der Inhalt bedeckt nun den ganzen Fußboden, augenscheinlich ist dank guter Verpackung auch alles intakt.

Die Rack-Stangen und -Klemmen werden bei diesem E-Drum-Modell mittels Inbusschrauben befestigt. Ein passender und drehbarer Schlüssel liegt bei und die Montage kann beginnen. Die Rack-Ohren machen einen optisch ansprechenden und stabilen Eindruck. So sind die Rohrenden mit Kappen versehen, die fest im Hohlraum sitzen. Die Einzelteile zeigen eine gute Verarbeitung und verfügen über eine angenehm griffige Haptik. Das gefällt.

milleniums mps-850

Es liegen zwei Bedienungsanleitungen in Heftform und DIN A4 Größe bei – eine für den Aufbau des Sets und eine für das Soundmodul. Das findet man heute eher seltener und ist doch eine praktische Sache zum Nachschlagen und ein Lob wert!

Die Abbildungen der Aufbauschritte sollten jedoch größer sein, so sind die Ausrichtungen der Rack-Klemmen schwer zu erkennen. Dies führte beim Aufbau zu Fehldeutungen, die erst im Zuge der weiteren Schritte erkannt und wieder zu beheben sind. Das könnte man sich durchaus ersparen.

In der Anleitung zum Soundmodul findet sich eine Tabelle, die alle verfügbaren Sounds auflistet. Das ist hilfreich und bietet einen schnellen Überblick bei der Suche nach einem konkreten Sound.

Das Bass-Drum-Pad verfügt über die gleiche Schlagfläche wie die Tom-Pads entspricht einem quer hochgestellten Tom-Pad. Die Fußmaschine ist leicht gebaut und funktioniert tadellos. Das Klettband auf der Unterseite ist lang und breit und krallt sich gut in den Teppich. Die Feststelldorne sind abgerundet und nur bei glatten Böden wirklich notwendig.

Millenium MPS-850 E-Drum Set – Kick-Pad

Positiv sind auch die zwei kleinen (8“) und zwei größeren (10“) Pads bei dem Toms – so kommt man den regulären Größen optisch und spielerisch näher. Das Snare-Pad kommt ebenso in 10“ daher und so viel kann ich jetzt schon sagen: Es macht seinen Job gut.

Die Becken-Pads sind mit 12 Zoll alle gleich groß – egal ob Crash, HiHat oder Ride-Cymbal. Das ist eine gute Größe und sie lassen sich auch gut bespielen. Die geteilte Fläche ist in dieser Preisklasse durchaus üblich und ist ausreichend dimensioniert. Allein beim Ride reagiert das Pad an manchen Stellen nicht wie gedacht. So ist der Bereich, das den Kuppensound triggert, im Vergleich zum Rest der Fläche doch etwas klein geraten. Auch verzeihen sie beim Auftreffen des Sticks keine Patzer. Also: Hier muss sauber getrommelt werden! Die Choke-Funktion funktioniert tadellos – die Fingerkuppe reicht von beiden Seiten zum Abstoppen völlig aus.

Millenium MPS-850 E-Drum-Set – Becken-Pads

Die HiHat besteht aus einer leichten, jedoch stabilen und gut spielbaren HiHat-Maschine mit schwenkbaren Beinen, einem oberen Becken-Pad sowie einem Controller. Dieser überrascht mit einem Stromanschluss – hier wird das Kabel vom Soundmodul quasi gesplittet, so dass beide Geräte „Saft“ bekommen.

Das Soundmodul des Millenium MPS-850 weist eine spannende Konstruktion beim Zusammenstecken von Kabelkanal und Halterung auf. Zuerst dachte ich, dass hier eine Klammer fehlt. Beim genaueren Hinsehen verstand ich jedoch as Prinzip – allerdings sind in der Aufbauanleitung die Teile 28 und 29 vertauscht. Das gibt Punktabzug, Freunde! Gut, wer hier mitdenkt. Schade finde ich, dass das Soundmodul nicht in der Höhe verändert werden kann – das wäre echt noch prima!

milleniums mps-850

Das Display ist monochrom in weißer Schrift auf blauem Hintergrund ausgelegt und nur in Zeilenschrift gestaltet – Fans ansprechender Optik werden hier eher die Augen rollen. Für die Einstellungen ist diese Form jedoch völlig ausreichend, da das Menü eine recht überschaubare Anzahl an Untermenüs aufweist. Die Tasten und Regler lassen sich gut bedienen.

Das Tom 4 und das Crash 2 besitzen separate Kabelverbindungen, leider ohne jegliche Beschriftungen und identischen Kabel, da kann beides schon mal vertauscht werden. Ein nettes Gimmick wäre es, wenn die Kennzeichnungen einfach mitgeliefert würden, das sind ja auch nur Cent-Beträge, aber es erspart die fummelige Anwendung von Klebeband.

Spielgefühl und Dynamik des Millenium MPS-850

Das Rack-System lässt auch einen hohen Aufbau zu. Alle gängigen Anpassungen für unterschiedliche Körpergrößen sind möglich. Für eine höhere Snare drehe ich einfach die Rack-Klemme und nutze den langen sechseckigen Schaft des Haltearms.

Die Tom-Pads bieten ordentliche Dynamik. Interessanterweise klingt das Tom mit der Nummer 4 im Standard-Set lauter als die anderen drei Brüder. Woran liegt es? Schlage ich tatsächlich das letzte Tom Tom stärker an? Ich versuche es rückwärts von „unten“ nach „oben“ in der Tonhöhe – derselbe Effekt. Bei den Einstellungen finde ich den „Auslöser“ dafür: einfach den Pegel im tiefen Frequenzbereich etwas anpassen und schon klingt es harmonischer.

Schlage ich die Pads einmal nicht sauber an, sondern treffe auch mal den gummierten Rand des Pads, so erklingt bei manchen Kits genauso wie bei einem akustischen Set ein metallischer Klang des Spannreifens. So lernt man geschwind, sauber zu trommeln! Zudem bieten die Gummiränder der Zwei-Zonen Mesh Pads die Möglichkeit, weitere Sounds zu spielen – somit erhöhen sich die Sounds bei 4 Pads auf 8(!) – wie etwa beim Hörbeispiel „Marimba“.

milleniums mps-850

Bei den voreingestellten Kits finde ich immer wieder einige Lautstärkeunterschiede zwischen den einzelnen Soundgruppen (Toms zu Becken etc.). Dank der direkt greifbaren Lautstärkeregler auf dem Soundmodul kann dies schnell angepasst werden. Natürlich ist es auch möglich, innerhalb des Moduls die Lautstärken pro Sound festzulegen. Das macht natürlich dann Sinn, sobald man seine Einstellungen gefunden hat. Für meinen Geschmack greife ich jedoch öfter als gedacht zu den Reglern.

Die Becken treffe ich urplötzlich mit meinen Sticks nicht mehr auf der gummierten Fläche – nanu? Ich bemerke, dass ich die Becken-Pads nicht wirklich fest angezogen habe. Die Lösung ist klar: Die Beckenhalter fester anziehen, damit die Becken sich nicht in der Position drehen. Gesagt, getan – funktioniert!

Übrigens hat mir hierbei ein Feature besonders gefallen. Die Beckenschraube ist mit der Filzunterlage verbunden, d. h. beim Auf- oder Abstecken der Pads bleiben diese „verheiratet“ – eine tolle Sache, denn Filzauflagen fallen beim Abschrauben allzu gerne auf den Boden.

Millenium MPS-850 E-Drum-Set – Beckenhalter

Insgesamt lassen sich alle Schlagflächen (Becken und Toms) gut spielen. Mir ist der Anschlagsound bei „heftigeren“ Stilrichtungen jedoch etwas zu deutlich hörbar – trotz halbgeschlossenen Kopfhörern. Dennoch liegt das alles im verträglichen „nachbarschaftlichen“ Rahmen – es gab also beim Test keine Beschwerden der anderen Hausbewohner.

Das Bass-Drum-Pad reagiert gut und das Pedal spielt sich ebenfalls ohne Eingewöhnung. Die HiHat-Maschine ist trotz eines vergleichbaren leichten Gesamtgewichts stabil und lässt sich bequem einstellen.

Die Empfindlichkeit der HiHat war mir in der werkseitigen Voreinstellung beim Öffnen und Schließen der HiHat-Becken zu extrem und klang erst mal nach abgestoppten Becken-Sounds. Hier habe ich in den Einstellungen schnell den passenden Unterpunkt „Sensitivität“ gefunden und diese nach unten geregelt. Ja genau, schon richtig gelesen, von 8 auf 2 – und das erhöht die Empfindlichkeit beim Anschlagen! Das ist für mich ein immer wiederkehrendes Phänomen, dass Entwickler immer konträr zur Logik eines normalen Anwenders solche Funktionen gestalten.
Wenn ich also die Empfindlichkeit erhöhen möchte, regle ich intuitiv „nach oben“. Doch was passiert? Die Empfindlichkeit nimmt ab und Verwunderung entsteht. Ok, ich verstehe, ich muss also den Wert reduzieren, um die Empfindlichkeit zu erhöhen? Tja dann ist es eben so, jedoch anders herum wäre es für mich logischer.

Millenium MPS-850 Kit – HiHat-Controller

Die Soundpalette des MPS-850 Kits ist vielseitig, bei der Qualität könnte man hier noch etwas nachbessern. Positiv heraus stechen der helle und klare Marimbaphon-Sound, das Kit namens „Funk-Band“, das Akkord-Sounds triggert und beim Spielen zu einer Band führt, das FX-Kit mit kurzen Effekt-Sounds, das Perc-Kit mit Conga (-Slap), Timbales und allerlei weiterer Zutaten sowie das smoothe JazBrush- sowie das energische Rock-Kit.

Die Metronom-Funktion kann mit verschiedenen Sounds genutzt werden. Hier gibt es zum Beispiel Stick, Click oder Cowbell zur Auswahl. Die Stimme mit „One, Two, Three, Four“ ist bei lauten und aggressiven Sounds nicht so durchsetzungsstark. Der ebenso verfügbare Elektro-Sound drückt mir neben dem hohen Piepton auch einen ziemlichen Bass in den Kopfhörer, wodurch der Click auch körperlich spürbar ist – holla!

Fazit

Das Musikhaus Thomann bietet mit seinem Millenium MPS-850 E-Drum-Set ein zuverlässiges und umfangreiches Set mit Mesh-Pads an. Natürlich sind bei einem solchen „Package“ auch kleinere Abstriche zu machen, etwa bei der Lautstärkenanpassung der einzelnen Sounds oder die Einstellung der Anschlagsdynamik. Auch ist das monochrome Zeilendisplay des Soundmoduls schon überholt und die Höhenverstellung des Soundmoduls fehlt. Die Verarbeitung ist hingegen gut und die Optik ansprechend. Die Hardware funktioniert tadellos und das Rack-System steht stabil. Für 600,- Euro bekommt man hier „jede Menge E-Drum fürs Geld“ – neben 4 Toms und zweiten Crash-Becken auch eine umfassende Soundauswahl zum Trommeln.

 

Plus

  • abwechslungsreiche Soundauswahl
  • gut verarbeitetes und optisch ansprechendes Rack-System
  • stabile und gut funktionierende HiHat Maschine sowie Fußmaschine
  • großes Set mit 4 Toms und 2 Crash Becken

Minus

  • Anpassung der Anschlagsdynamik notwendig
  • Soundmodul nicht in der Höhe verstellbar
  • Beschriftung in BDA vertauscht*, Darstellung der Klemmenausrichtung schlecht erkennbar
  • *in der Download-Version der Aufbauanleitung ist dies bereits korrigiert worden

Preis

  • Ladenpreis: 598,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    emmes

    Danke für die ausführliche Beschreibung!

    Was ich bei E-Drums immer vermisse, ist der „Trockensound“ der Drums beim Anschlag, per Mikrofon aufgenommen. Da gibt es doch erhebliche Unterschiede bein verschiedenen Modellen, und viele Leute wollen sich solche Drums für Zuhause holen, um die Nachbarn nicht zu nerven. Es ist zwar schon im Text beschrieben, wie laut die Drums nach außen klingen, aber selbst hören ist halt doch besser.

    Die eigentlichen Drumsounds sind dagegen nicht so wichtig. Wenn ich E-Drums spiele, dann triggere ich sowieso lieber VST-Instrumente in der DAW damit an. :-)

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