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Test: Alesis Samplepad 4, E-Drum Pad

17. August 2018

Kleines Stück vom Samplepad-Kuchen

Seit zweieinhalb Jahren hat Alesis nun dieses Budget Samplepad unverändert im Programm. Es ist nicht nur als Ergänzung für Real-Drums interessant, sondern auch im Homerecording-Studio für „Nicht-Drummer“ könnte es mehr Leben in quantisierte Drumloops bringen. Für aktuell 149,- Euro vielleicht auch für Junior-Produzenten Grund genug, sich mit diesem Test nochmals zu beschäftigen:

Durch die Verbindung von Sampler und Multiflächen-E-Drum Pad in einem Gerät hatte der Hersteller Roland mit dem alten E-Drum Pad SPD-S vor etwa zehn Jahren ein neues Segment eröffnet. Was damals in seiner praktischen Verwendbarkeit noch sehr limitiert war, ist zum Glück inzwischen weit gereift. Den direkten Nachfolger und ein Konkurrenzprodukt von Yamaha hatte ich schon für AMAZONA.de auf dem Tisch und war insgesamt sehr angetan, siehe Roland SPD-SX Test und Yamaha Multi 12. Auch der Hersteller Alesis ist seit längerer Zeit in diesem Bereich tätig und wir hatten das neue Alesis Samplepad 4 zum Test.

Alesis Samplepad 4

Alesis Samplepad 4

Der Markt der elektronischen Percussion ist hart umkämpft und Alesis ist dort u.a. mit vielen elektronischen Drumsets vertreten. Heute liegt nun eine kleine Schachtel mit Alesis’ kleinem „Vierflächler“ vor mir. Die Größe ist schon mal aufsehenerregend anders und ein Blick auf die Geräterückseite zeigt mir einen zusätzlichen Stereo-Trigger-Eingang. Das reicht mir, um mich neugierig zu machen, ob Bedienbarkeit und Bespielbarkeit sich ähnlich ansprechend zeigen.

Auspacken und erste Eindrücke

Das Teil ist klein und relativ leicht dazu. Aufgrund des vorhandenen Stereo-Trigger-Eingangs fällt mir sofort der Vergleich zu Rolands TM-2 ein, der zwar über zwei Stereo-Trigger verfügt, aber dafür keine Spielflächen besitzt.

Die Spielflächen des Alesis Samplepad 4 sind durch blaue Lichtstreifen umrandet. Beim Anschlagen leuchten sie kurz etwas heller auf. Solide Gummifüße versprechen gute Spielbarkeit auf glatten Stellflächen und die Standard-Bohrungen im Boden lassen eine Befestigung im Drum-Setup mit Standard-Adaptern zu.

Größenvergleich und Blaulicht

Größenvergleich und Blaulicht

Erster negativer Eindruck: Der Powertaster auf der Rückseite und die beiden Volume-Regler an der Vorderseite wirken fragil und stehen deutlich aus dem Gehäuse hervor. Für Transport und hektischen Aufbau wäre es sicher praktischer, diese Teile flach zu gestalten oder im Gehäuse zu versenken.

Alle Bedienelemente verrichten zuverlässig ihren Dienst, die Pfeiltaster sind allerdings sehr weich und haben keinen fühlbaren Druckpunkt. Noch etwas fällt mir auf: Die Klinkenbuchsen wirken etwas schwach und halten den Stecker nicht besonders fest und die Kopfhörerbuchse hätte ich lieber auf der dem Spieler zugewandten Seite gesehen. Denn so ist immer ein langes Kabel notwendig, bzw. dieses hängt mir ständig im Weg herum. Und eine Zugentlastung für das Netzkabel wäre auch wünschenswert gewesen.

 

Ausprobieren, anspielen und Detailkritik

10 Kits sind bereits vorprogrammiert und mit eingelegter SD-Karte sind insgesamt 99 Setups möglich. Die 25 werkseigenen Soundbeigaben sind nicht überwältigend, aber passend zusammengestellt und machen den Einstieg leicht. Es gibt Bassdrums, Snaredrums und Percussionsounds, sowohl aus der elektronischen als auch der analogen Ecke. Die 10 User-Kits haben keine Layer und sind jeweils in Kicks/Snares oder Percussion unterteilt. Für den Preis ist die Klangqualität durchaus ok, richtig Freude kommt aber erst mit eigenen Sounds auf.

Die Bedienung über das kleine, blaue Display und die vier Pfeiltasten braucht kurze Gewöhnung, dann findet man sich zurecht. Für die Pad- und Soundeinstellungen “scrollt” man einfach immer weiter nach unten, bis man oben wieder ankommt – simpel.
Alle Sounds – auch die eigenen, die über SD-Karte dem Gerät zugeführt werden – können in den für elektronische Percussion bekannten Parametern wie Tonhöhe (Achtung: Geschwindigkeit des Samples wird mit verändert!), Empfindlichkeit (Threshold), Pegel, Pan und MIDI-Note bearbeitet und zugeordnet werden. Ein eingebautes Hallgerät gibt es auch, von dem ich keine Klangwunder erwartete oder hörte, das aber für den Live-Einsatz ausreichen wird.

Auch bei Alesis fehlt natürlich nicht die Pad-Sektion mit Wahlmöglichkeiten zwischen polyphonem und monophonem Verhalten, Tap-Funktion und gar einer Loop-Funktion, um das zugeordnete Sample automatisch immer wieder von vorne spielen zu lassen. Auch das dynamische “Layern” von zwei Samples pro Pad ist möglich.

Ein Click ist auch eingebaut und einem Pad für Start/Stop zuweisbar. Allerdings ist dieser selbst mit dem lautesten Sound (“Sticks”) immer noch wesentlich leiser als die gespielten Samples auf den Pads – hier muss man selber zusehen, dass man die “Level”-Einstellungen der verwendeten Samples dementsprechend anpasst. Ansonsten finde ich die Metronom-Option eine sehr gute Idee, vielleicht kommt ja mit einem Firmware-Update auch ein Lautstärke-Update.

Diese und andere Systemeinstellungen findet man im Optionsmenü. Ebenso die MIDI-Einstellungen sowie die Funktion zum direkten Laden von Samples über USB und die Backup/Copy-Funktionen. Erfreulicherweise kann das Samplepad 4 sogar MIDI-Clock senden.

Bezüglich der zu verwendenden eigenen Sounds muss man sich allerdings doch ein paar Einschränkungen gefallen lassen, die allerdings für mein Empfinden völlig im Rahmen liegen.

So sind Samples mit maximal 48 kHz zugelassen, diese allerdings dann unkomprimiert als WAV (AIF wird nicht erkannt). Die Speicherkarte mit maximal 32 GB muss vor Benutzung im “FAT”-System auf einem PC formatiert werden, was einige Zeichen bei der Benennung eigener Samples unzulässig macht und die Namen der Samples laut Handbuch auf acht Stellen begrenzt. Angezeigt werden dann aber doch neun Stellen und Sonderzeichen im Namen, stören nicht beim Laden des Samples. Danke Alesis.

Man muss mit 14 MB pro “Kit” auskommen – das kann bei bis zu zwölf Samples pro Kit (2x Trigger, 4 Pads und jeweils bis zu zwei Layer) schon mal knapp werden. Und das Laden dauert bei etwas längeren Samples (z. B. Loops) so lange, dass man vermuten kann, dass intern eventuell doch mit einem komprimierten Klangformat gearbeitet wird.

 

Fazit

Die Pads des Alesis Samplepad 4 spielen sich angenehm und bieten einen guten Dynamikumfang. Die Bedienung funktioniert nur über das eingebaute Display und nicht über den per USB angeschlossenen Computer, aber daran gewöhnt man sich schnell.

Beim Design gibt es in Sachen Praktikabilität noch Luft nach oben. Auch bei der Verarbeitung gibt es ein paar kritikwürdige Punkte. Hinsichtlich der gebotenen Funktionen und den kompakten Abmessungen aber ein interessantes Gerät! Der Preis geht dabei vollkommen ok.

Plus

  • klein und leicht
  • Triggereingang in Stereo

Minus

  • Layout der Regler und Buchsen nicht ideal
  • Ladezeiten

Preis

  • Ladenpreis: 149,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Alesis hat mich bislang für Ihre merkwürdigen Kloppkisten und den anderen halben Sachen schwer enttäuscht. Diese Kiste ist nicht viel anders. Wie hat es Alesis nur geschafft sowas geiles wie den Andromeda zu erschaffen? Darauf würde die eher Welt warten.

    • Profilbild
      Benno Sattler  RED

      Moin amazonaman,

      dazu erlaube ich mir nur zu antworten:
      Nicht jeder kann alles gleich gut, aber viele wollen trotzdem ein Stück vom Kuchen ;)

      Bestes,
      Benno

    • Profilbild
      tomeso  

      Zu Zeiten des Andromeda war Alesis eine andere Firma … andere Inhaber, andere Entwickler etc.

  2. Profilbild
    Soundreverend  

    Danke für den Test, ich suche eigentlich genau so was kleines zum Einspielen von Drums, allerdings fehlt hier für mich ein Hihat Pedal Schalter, dann wäre es eigentlich optimal. Oder kann man den Trigger Eingang dafür nutzen?

    Frohe Ostern!

    • Profilbild
      Benno Sattler  RED

      Hallo Peter,
      grundsätzlich kann man mit dem Teil eine Hihat Simulieren, indem man zwei Pads die gleiche „Mute-Group“ zuweisst, und dann dem einen eine offene, dem anderen eine geschlossene Hihat zuweist.
      Der Trigger-Eingang ist sicherlich kein „Controller“-Eingang, und demnach dafür direkt nicht verwendbar.
      Da die Mute-Groups aber auch für den Trigger-Eingang zugewiesen werden können, könntest Du dir darüber etwas zurecht-programmieren.

      Ein echter Controller-Eingang an manchen anderen (und teureren) Pads dieser Art hat natürlich den Vorteil, dass er auch Zwischenstufen von offen bis geschlossen unterscheiden kann – check‘ doch mal die Links auf der ersten Seite zum Yamaha Multi12…

      Grüsse,
      Benno

  3. Profilbild
    Gul Dukat   1

    Habe selbst das Samplepad Pro, aber leider hat Alesis bis heute nicht das Problem mit dem Übersprechen der Sounds hinbekommen – scheint ein Bug in der Software zu sein, bei dem Sounds, die nicht einer Gruppe zugeordnet sind, trotzdem auf anderen Flächen mitklingen :-/
    https://www.youtube.com/watch?v=XSCErI3X2Rc

    Das Zuordnen der Sounds auf die Pads ist manchmal mühsam, ich hatte eigentlich nen einfachen Editor erwartet, der einem hilft an PC/Mac das einfacher zu gestalten – gibts aber nicht.

    • Profilbild
      Benno Sattler  RED

      Hallo Matthias,

      crosstriggering konnte ich nicht feststellen.
      Die kurzen Audio-Beispiele sind live eingespielt, auch dabei ist soetwas nicht vorgekommen.

      Ich kann mir vorstellen, dass es weniger an Software sondern eher an schlechter Entkoppelung der Hardware / Spielflächen liegen könnte. Somit ist das kleinere, anders konstruierte Gerät vielleicht davon verschont?

      Das Zuordnen finde ich über das Display in Ordnung. Ein Editor über USB wäre natürlich noch komfortabler, aber erwartet habe ich keinen, da dieses Feature auch nirgends versprochen war ;)

      Auf jeden Fall gibt es Luft nach oben für Verbesserungen, und ich gestehe, dass ich mich auch oft wundere, auf was die Firmen eigentlich warten, um zeitgemässe Technik und praktikable Möglichkeiten zu verbauen…

      Bestes,
      Benno

  4. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ein weiteres Low-Cost Gerät, das auf DIN MIDI-Buchsen verzichtet und so für mich zum No-Go wird. Der Stereo Trigger-In ist da nur ein schwacher Trost…

    • Profilbild
      Numitron  

      Ich hab das vorgängergerät (nur Alesis Samplepad, hat ein rundes gehäuse) seit 2012.
      Ist wesentlich empfehlenswerter, hat midi din und 4 gleich grosse pads.
      Hatte das mit der ersten generation des nord drum in verwendung.
      Hat super funktioniert, beim norddrum gibt es praktischerweise eine midi learn funktion.
      Die geräte von roland und yamaha sind halt viel zu teuer für meinen Geldbeutel.

  5. Profilbild
    Marco Korda  

    Und der Druck, die Kosten niedrig zu halten, um einen konkurrenzfähiges (will sagen günstiges) Produkt am Markt zu platzieren, wächst mit jedem Behringer-XY-Ding. Gut und auch schlecht für den Kunden, den Musiker. Denn was nutzt es, wenn man so ein Teil von Alesis nicht tourfähig bekommt und selbst wenn man es heile irgendwo hin schafft, ist die Verarbeitung derart schwach, dass man wohl nicht lange daran Freude haben wird.

    Also, wenn schon billig, dann doch bitte auch weniger Marge und bessere Qualität. Alesis, Rendite ist nicht alles, der gute Ruf ist manchmal unbezahlbar…

  6. Profilbild
    kupsu  

    Hab das Gerät vor längerer zeit besessen. was soll ich sagen…wer billig kauft, kauft doppelt. konnte das gerät noch zu einem angemessen preis verkaufen und hab dann doch zum klassenprimus dem roland spd sx gegriffen. einfach konkurrenzlos das gerät. bei den heutigen gebrauchtmarkt und teilweise neugerätpreisen lieber länger sparen und dann auch wirklich freude haben. der test trifft die minuspunkte am ende ganz genau. ich habe im live betrieb und bandkontext das übersprechen der pads durchaus auch erlebt. finger weg von dem gerät kann ich da nur sagen.

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