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Test: Neunaber Echelon Echo V2, Effektgerät

19. Juni 2022

Kompaktes Studiodelay mit praxisnahen Features

In den 1980/1990er-Jahren nutzten viele professionelle Touring-Gitarreos kühlschrankgroße, MIDI-Looper geschaltete Rack-Systeme (meist von Bob Bradshaw, Custom Audio Electronics gebaut) mit 19-Zoll-High-End-Effektgeräten, die ursprünglich für den Studiogebrauch konzipiert und gebaut wurden, um beispielsweise Delays live einsetzen zu können. Durch den technischen Fortschritt und die Anpassung an die Transportabilität entwickelten diverse Firmen auch kleinere Effektgeräte im Bodentreter-Format, die diese Soundwelten eröffnen können wie ihre sündhaft teuren Urahnen / großen Brüder (die Rücken aller Backliner:innen danken herzlich). Die US-amerikanische Marke NEUNABER AUDIO, der von Brian Neunaber im Jahre 2009 gegründeten Firma Neunaber Technology LCC, bringt mit dem Echelon Echo V2 ein digitaley Delay in Studioqualität auf den Markt, das in kleinem Gehäuse viel Praxistaugliches liefert.

Auf der Herstellerseite findet man den Werbespruch „Echelon is perfect if you are looking for a versatile and easy to use delay pedal. Straightforward controls and superior sound quality make finding your perfect delay sound quick and easy!“ („Echelon ist perfekt, wenn man nach einem vielseitigen und einfach benutzbarem Delay-Pedal sucht. Einfache Bedienung und großartige Soundqualität beschleunigen und vereinfachen die Suche nach dem perfekten Delaysound“)

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Schauen wir mal, was da dran ist … let’s unbox the NEUNABER Echelon Echo V2.

UNBOXING – NEUNABER Echelon Echo V2, Effektgerät

Das modern designte Pedal kommt im unspektakulären braunen Karton daher. Öffnet man diesen, wird einem der Effekt direkt mittig präsentiert. Pedal herausgenommen und Boden aufgeklappt, findet man eine in Postkartenformat gedruckte Kurzanleitung, eine Garantiekarte sowie aufklebebare Gummifüßchen, einen Firmenaufkleber und Ohropax.

 

SPECS & FACTS – NEUNABER Echelon Echo V2, Effektgerät

In dem 11,5 x 6,4 x 4,6 cm (L x B x H) messenden, 190 g leichten, schwarz lackierten und aus Metall gefertigtem Gehäuse steckt in Orange County gefertigte Technologie des 21. Jahrhunderts. Das Pedal featuret zwei Effekte in einem Pedal:

  • Das Hi-Fi Tape Echo (aus dem Echelon v1) simuliert die high-frequency saturation, wie man sie von Magnetband/Tape kennt und wird leicht moduliert.
  • Der New Lo-Fi Delay ahmt die reduzierte Bit-Tiefe eines Vintage-Digital-Delays nach.

Auf der Oberseite des Pedals findet man neben der Status-LED lediglich drei Potis. Diese wurden mit je zwei Parametern belegt:

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  • Primar Parameter
    • Mix regelt den Anteil des Effektsignals im Verhältnis zum Original-Signal. Wie gewohnt.
    • Repeats regelt die Anzahl der Wiederholungen von einer zu unendlich vielen.
    • Time kontrolliert die Delay-Time mit großem Regelweg von 50 ms bis zu einer Sekunde
      Tap Divide im Tap-Mode wird dieses Poti zur Subdivisions-Control und regelt die rhythmische Unterteilung in Viertel, punktierte Achtel, Achtel oder Triolen, abhängig vom getapten Tempo
  • Alternativ Parameter lassen sich regeln, indem man während des Drehens am Poti den On/Off-Fußschalter gedrückt halt. Hier stehen zur Verfügung:
    • Effect lässt einen wählen zwischen den beiden Effekttypen Hi-Fi Tape Echo und Lo-Fi Delay (Die Status LED wird „gelb“, dreht man das Poti gegen den Uhrzeigersinn, dann ist das HiFi-Tape-Echo aktiviert; im Uhrzeitersinn gedreht, wird die LED weiß und der LoFi-Delay-Modus ist eingeschaltet).
    • Selectable trails gibt einem die Möglichkeit zu entscheiden, ob die Effektfahne nach dem Ausschalten des Effekts natürlich ausklingt oder abrupt abgeschnitten wird. Auch hier ändert sich die Farbe der LED je nach Auswahl. „Magenta“ markiert die gegen den Uhrzeiger drehende „Trails off“-Position, während „Cyan“ im Uhrzeigersinn „Trails on“ bedeutet.

  • Der Footswitch hat auch mehrere Funktionen:
    • ein kurzer Druck aktiviert oder deaktiviert den Effekt
    • etwas längerer Druck (ca. 1 Sekunde) aktiviert oder deaktiviert den Tap (Tempo) Modus
    • Tap tempo – bei aktiviertem Tap-Tempo-Modus erlaubt wiederholtes kurzes Drücken des Footswitches, die Time einzustellen

Der komplette analoge Signalweg des Dry-Signals erzeugt keine weiteren Nebengeräusche und ist auch entsprechend komplett latenzfrei. Lediglich der Wet-Anteil wird digital umgewandelt, aber anschließend dem analogen Dry-Signal zugemischt. Die eingebaute Cross-fading time change Funktion erlaubt es, ohne nervige Delay-Ausfälle oder Zipper-Störgeräusche die Time / das Tempo zu ändern. Das kompakte Pedal hat die Anschlüsse für Input/Output und Power-In an der Kopfseite. So können möglichst viele Pedale platzsparend nebeneinander auf ein Pedalboard gebaut werden. Trotz der digitalen Engine braucht das Effektgeräte nur ein Standard 9 V oder 12 V Netzteil (oder eben einen Ausgang einer jeden normalen Multistromversorgung), da es nur max. 100 mA an Stromstärke zieht. Praktisch, da man kein besonderes extra Netzteil oder einen der seltenen stärkeren Outputs des Multinetzteils verwenden muss!

Auf der Hersteller-Website findet man auch sowohl einen kurzen Quick User Guide, als auch das ausgedehnte Handbuch. Wobei man direkt sagen muss: Ob der Platz „vor dem Reverb“ der Beste ist, sei mal dahingestellt. Es ist auch jeden Fall der üblichste Platz dafür ;-) Immer schon experimentieren … Delay VOR der Zerre kann sehr geil sein (man denke an die Rhythm-Guitar von „Ain’t talking ‚baut Love“ von VAN HALEN).

Der Vollständigkeit halber noch etwas Nerdwissen zum Schluss:

Elektrische Werte

Nominal input level -10 dBV, instrument level
Input impedance 1 MΩ
Frequency response,dry / bypassed 20 Hz — 30 kHz, +/-1 dB
Total harmonic distortion, dry / bypassed 0,01 %

Power

Input 9 – 12 V DC, 100 mA
Connector center-negative, 5,5 mm OD x 2,1 mm ID

 

 

PRAXISTEST: HANDLING – NEUNABER Echelon Echo V2, Effektgerät

Die normale, aber kompakte Größe und das geringe Gewicht fallen direkt auf. Die drei im Dreieck angeordneten Potis lassen die Oberfläche sehr aufgeräumt aussehen. Das verwirrt nicht und lässt einem direkten Zugriff auf die Funktionen. Alle drei Potis laufen angenehm weich, aber mit genug Widerstand, um sich nicht versehentlich oder von selbst zu verstellen. Die oben angebrachten Anschlüsse lassen seitlich Platz für andere Pedale und ermöglichen eine saubere, schön aussehende Verkabelung auf dem Board (warum ist das nicht an allen Pedalen so?!?).

Die Status-LED ist hell genug, um auch bei Sonneneinstrahlung oder hellem Bühnenlicht genau zu erkennen, ob der Effekt ein- oder ausgeschaltet ist.

Aber wie klingt das Ding denn nun … Amp angeschlossen und LOS LOS Los Los los los!

 

PRAXISTEST 2: SOUNDS – NEUNABER Echelon Echo V2, Effektgerät

Nun, das Delay arbeitet sehr sauber und klingt klar. Die Regelweite der Delaytime ist mit einem Regelweg von 50 ms bis 1 Sek groß, lässt sich aber nur grob einstellen, da keine digitale Anzeige zur genauen Eingabe von Millisekunden zur Verfügung steht. Allerdings kann man ja mit dem Tap-Tempo schöne Dotted 8ths-, Achtel-, Viertel- oder Triolen-Delay-Sounds erzeugen. Das macht schon was her. Ist aber auch nichts Neues. Die beiden unterschiedlichen Emulationen hört man, aber sind keine riesengroße Farbpalette. Eher subtiles Färben.

In den Klangbeispielen hört man anfangs das rohe Gitarrensignal ohne Delay. Anschließend erst den Yellow-Mode (also das HiFi-Tape-Echo) und dann den White-Mode (also das LoFi-Delay).

In den „crazy“ Beispielen wurde einfach etwas mit der Delay-Time und dem Repeats-Regler gespielt. Man hört deutlich, wie das Delay nicht das Signal „verzieht“, sondern wartet, bis eine neue Delay-Time eingestellt wurde und dann das neue Wiederholungstempo crossfadet. Wenn man diese Funktion mag, hier ist sie. Für psychedelic Music ist das Delay wahrscheinlich nichts. Da hat man die Streckungen und Stauchungen des Signals oft gern. Richtig eingesetzt, lassen sich coole Effekte mit dem crossfadet Delay erzeugen. Muss man sich mal in Ruhe auschecken.

Die Delay-Spillover-Funktion arbeitet sehr sauber. Sind die Trails eingeschaltet, so kann man das Pedal ausschalten, ohne Delay-Fahnen „abzuwürgen“. Schaltet man die Trails aus, so werden mit dem Drücken des Bypass-Fußschalters alle noch laufenden Delay-Trails hart abgeschnitten. In beiden Beispielen wurde kurz nach dem letzten gespielten Ton der Bypass-Fußschalter gedrückt.

 

Alle im Artikel zu hörenden Klangbeispiele wurden in folgender Signalkette erstellt, es gab keine nachträgliche Bearbeitung durch Plug-ins:

Digitales Setup
Fender Perf Stratocaster -> NEUNABER Echelon Echo V2 -> UAD Apollo Twin X -> Neural DSP Archtype: Cory Wong (no FX only clean amp) -> Cubase 12 PRO

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Fazit

Alles in allem hat man mit dem NEUNABER Echelon Echo V2 ein gut verarbeitetes und sauber arbeitendes Delay-Pedal, das ohne großen Schnickschnack auskommt. Alle Funktionen an Bord erfüllen gut ihren Zweck und sind tadellos verarbeitet. Für den doch recht geringen Funktionsumfang ist das Pedal allerdings recht teuer. Kann man aber mal antesten, der Sound ist nämlich sehr gut!

Plus

  • praxisnahes unkompliziertes Handling
  • gute Audio-, Effekt-, Verarbeitungsqualität
  • tolle Features

Minus

  • vergleichsweise wenig Funktionen
  • recht teuer

Preis

  • 249,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    CDRowell

    :-) Na hoffentlich hören die Treter während des Gigs nicht alle Gespräche ab, wie es beim amerikanischen (Namens)Vorreiter in der Nähe meiner Heimatstadt üblich war….
    Euch allen ein frohes „Stomping“.

    Danke für den Bericht. Ich musste immer an den Namensgeber denken… ;-)

    • Profilbild
      Aljen 1

      Denk doch lieber an die militärische mehrstufige Angriffsformation (oder heutige Logistikformation), die der ursprüngliche Namensgeber war. Besser: noch ursprünglicher und friedlicher schlicht und einfach an die Leiter (so eine zum Steigen) – hier Stufen oder Sprossen, dort Delay-Wiederholungen. :)

      Dann klappt es wieder mit dem Echelon ganz ohne Verschwörungen. :-P

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