Test: Neunaber Inspire Tri-Chorus Plus NG, Chorus-Pedal

26. April 2020

Stereo-Chorus in Vollendung

Neunaber genießen einen hervorragenden Ruf: Die meisten Pedale der Firma bestechen durch echte, digitale High-End-Qualität: Das Neunaber Immerse MKII besitzt ein paar der besten Hall-Algorithmen, die man unter Gitarrenpedalen finden kann und das Neunaber Iconoclast ist ein moderner Klassiker unter den Speaker-Emulationen. Es gibt kaum eine Effektklasse, der sich die Neunaber nicht im Detail zugewandt haben. Neben dem Gain-Monster Neuron hat die Firma in den letzten Jahren ihr Chorus-Game ordentlich heißlaufen lassen: Das Inspire Chorus-Pedal hat mehrere Iterationen durchlaufen, von denen wir uns nun die brandneue ansehen wollen: Das Inspire Tri-Chorus Plus NG, mit überarbeitetem Design und einer Reihe weiterer Features, die den vorhergehenden Iterationen gefehlt haben. Also – ist es noch zeitgemäß, für ein singuläres Modulationspedal 300,- Euro auszugeben? Wenn jemand ein Argument dafür präsentieren könnte, dann ist es Neunaber – tauchen wir ein.

Neunaber Inspire Tri-Chorus, Chorus Pedal – Facts and Features

Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Das Neunaber Tri-Chorus Plus NG vereint acht Chorus-Effekte in Stereo in sich. Darunter mischen sich auch Effekte mit Flanger-, Phaser- und Vibrato-Charakter, aber Ausgangslage ist der Chorus. Das Neunaber Tri-Chorus Plus NG ist ein Stereo-Chorus, wiegt einen Viertel Kilogramm und weist die Pedalboard-freundlichen Maße von 114 x 73 x 51 mm auf. Es besitzt eine True-Bypass-Schaltung, kein im Lieferumfang enthaltenes Netzteil und auch keinen Batteriebetrieb. Die zwei 6,3 mm Klinken auf der linken Seite fungieren als Stereo-Output, die rechten beiden als Stereo-Input. Der untere Input und untere Output können hier über ein Stereo-TRS-Kabel separat angesteuert werden. Sofort fällt natürlich auf, was dem Pedal fehlt und für diesen Preis eigentlich nicht fehlen sollte: MIDI- oder USB-Anbindung sowie ein EXP-Anschluss. Viele Modulationspedale haben vorgemacht, dass es formidabel funktionieren kann, die LFO-Rate per Expression-Pedal im Flug einzustellen. Dass das Neunaber Tri-Chorus Plus NG Gitarrenpedal damit nicht aufwartet, ist enttäuschend – vor allem weil es sich um die dritte Iteration des Pedals handelt und man mit entsprechendem eigentlich gerechnet hat.

Neunaber Tri-Chorus Inspire, Chorus Pedal – Panel und Sounds

Die große Stärke des Chorus-Pedals dürfte also kein Übermaß an Anbindungen und Features sein, sondern die vielen separaten Chorus-Engines. Vielfalt im Sound – und das in Stereo – kann den Preis durchaus rechtfertigen, wenn die Klangqualität Entsprechendes hergibt. Doch zunächst einen Blick auf das Bedienpanel:

  • Mix erlaubt es das Einstellen des Verhältnisses von Dry- und Wet-Signals. Das Tri-Chorus Plus NG kann vollständig im Wet-Modus funktionieren und das unbearbeitete Signal vollständig ausblenden.
  • Depth stellt die Intensität des Modulationssounds ein, wie laut und durchringend sich die Chorus-Variante bemerkbar macht, die man angewählt hat: Zäher LFO-Sirup oder leichter Detune – der Neunaber Tri-Chorus Plus NG kann beides und alles dazwischen.
  • Rate lässt den Spieler die Schnelligkeit des LFOs und der Modulation einstellen.
  • Tone ist ein Regler, dessen Funktionalität abhängig ist vom angewählten Chorus-Modus. Frequenzgang, Geschwindigkeit oder auch die Delay-Zeit können hier eingestellt werden.

Die Effekte des Neunaber Tri-Chorus sind wie gesagt acht an der Zahl. Innerhalb einer Modulationsklasse kann das gleich den Redundanz-Verdacht erhöhen. Schauen wir uns das genauer an:

  • Tri: Der klassische, kristallklare Chorus-Sound, den man vom Tri-Chorus-Pedal kennt. Tone erledigt hier den Frequenzgang des Effekts.
  • Hex: Hier handelt es sich um zwei parallel geschaltete Tri-Chorus-Sounds für einen sehr dichten Klang. Auch hier geht die Frequenz über den Tone-Regler.
  • Cascade Tone: Hier werden zwei Tri-Chorus-Sounds hintereinander geschaltet, was für sehr eigensinnige, aber bisweilen warme und originelle Modulationssounds sorgen kann.
  • Cascade Vibe: Auch hier werden zwei Effekte in Serie geschaltet – ein Tri-Chorus und ein Tri-Vibe Sound – eigensinnige Modulation, bei der die Geschwindigkeit des Vibes über Tone eingestellt wird.
  • Detune: Tri-Chorus, ergänzt durch einen leichten Detune-Effekt. Ein Retro-Effekt, der an die späten 70er und frühen 80er denken lässt.
  • Harmonic Vibe: Tiefer Chorus und heller Vibe, parallel geschaltet. Eine entschärfte Version des Cascade, wenn man so will.
  • Harmonic Detune: Tiefer Detune und heller Chorus, auch hier parallel geschaltet und vor allem für Zerren geeignet.
  • Echo: Ein Tri-Chorus, geschaltet mit einem Echo-Delay, das auf bis zu 1000 ms geschaltet werden kann.

Neunaber Inspire Plus NG – in der Praxis

Die Befürchtung der Redundanz lässt sich nicht ganz ausräumen. Der Chorus ist und bleibt ein Nischeneffekt, wenn auch einer mit einem ungemein starken Assoziationscharakter. Trotzdem: Von konkret distinkten acht Sounds hier zu sprechen, ist per se nicht gegeben. Bei näherer Betrachtung geben sich der Cascade Tone und Cascade Vibe nicht viel gegenseitig – für das geübte Ohr vielleicht, aber im Großen und Ganzen muss man die Kirche hier im Dorf lassen. Die Akzentuierung in Stereo gibt zwar was her, aber vor dem Hintergrund des Preises muss man sich ganz besonders für die Effektklasse des Chorus begeistern können. Detune harmoniert hervorragend mit hohem Gain, wie Beispiel 4 zeigt, und Beispiel 5 zeigt die angenehme Fahne, die bei der Echo-Engine erzeugt wird. Speziell die seriell geschalteten Cascades geben sich jedoch nicht viel und auch der Hex hebt sich in meiner Wahrnehmung nicht stark genug vom regulären Tri-Chorus her ab, um den Preis zu rechtfertigen.  Die Klangqualität ist kristallklar, kein Rauschen, keine Nebengeräusche, aber wie immer stellt sich bei Neunaber die Frage vom Preis-Leistungs-Verhältnis – und das ist auch beim aktuellen Inspire grenzwertig. Denn vergessen darf man nicht: Bis auf Stereo gibt es an der Feature-Front nichts zu verzeichnen, kein MIDI, kein USB, kein EXP.

Fazit

Guter Sound, vor allem im Stereobetrieb: Der Inspire klingt toll. Wie so ziemlich alles aus dem Hause Neunaber ist auch dieses Pedal klanglich stark. Dass die einzelnen Engines aber nur bei ganz genauer Betrachtung konkret wahrnehmbare Unterschiede hergeben, werden Fans dieser Modulationsklasse sicher anders sehen – Detune und Vibe seriell oder parallel in den Chorus beizumischen, ergibt jedoch in meinen Augen nicht die gewünschte, distinkte Vielfalt, die man bei acht Engines erwarten würde.

Plus

  • guter Sound
  • Stereo-Betrieb

Minus

  • wenig Features
  • Engines ein wenig redundant

Preis

  • 319,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Wäre schön, wenn es auch ein paar Demos mit Synthies und/oder D-Pianos gäbe, da der Stereo-Input eben besonders für Tastenspieler interessant ist.
    Am Sound des Inspires gibt es grundsätzlich nichts zu bemängeln, aber die Feature-Liste ist für ein Pedal in dieser Preisklasse schon ziemlich kurz. Für 74,-€ weniger kriegt man schon ein Boss MD-200 Modulation mit 12 Effekten und MIDI…

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