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Test: NUX Duotime Dual Delay Engine, Effektgerät

26. Dezember 2021

Vielseitiges Delay zum Experimentieren für den schmalen Geldbeutel

In der Dekade der 1980er-Jahre nutzten viele Session-Gitarristen kühlschrankgroße Rack-Systeme mit High-End 19″-Studio-Effektgeräten, um unter anderem Stereo-Delays einzusetzen. Durch den technischen Fortschritt und die Anpassung an die Transportabilität entwickelten diverse Firmen auch kleinere Effektgeräte im Bodentreter-Format, die ähnliche Soundwelten eröffnen können wie ihre sündhaft teuren Urahnen/großen Bruder (der Rücken dankt herzlich). Auch die chinesische Firma NUX wirft mit dem Duotime Dual Delay Engine ihre Version eines digitalen Multieffekt-Delays in den Ring.

NUX Duotime Dual Delay Engine, Effektgerät – UNBOXING

Das Pedal kommt im schwarz-türkisen Karton mit weiß-silberner Schrift ohne großen Schnickschnack verpackt. Beigelegt ist neben einer in Englisch und Chinesisch verfassten Bedienungsanleitung mit detaillierter Beschreibung der Benutzeroberfläche und der programmierten Effekte, nur eine Garantiekarte und das Pedal selbst natürlich.

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NUX duotime front

NUX Duotime Dual Delay Engine, Effektgerät – SPECS & FACTS

Der mit 128,- Euro recht günstige Delay-Multieffekt bietet fünf verschiedene Delay-Sounds zur Auswahl, verschiedene Betriebsmodi (mono, stereo, serial mono), sowie einen eingebauten 40 Sekunden-Looper.

Das Gerät arbeitet mit AD/DA-Wandlung in 32 Bit Signalprocessing bei einer 48 kHz Samplerate, einer Dynamic-Range von 102 dBu und läuft mit einer System-Latenz von einer Millisekunde sehr schnell. Durch den  9 V Anschluss bei 300 mA ist das Pedal sehr Pedalboard freundlich, da diese Art des Stromanschlusses absoluter Marktstandard bei vielen Multi-Stromversorgungen ist.

Der Aufbau des Pedals ist erstmal sehr übersichtlich und wenig überraschend für ein Multieffekt-Delay. Es gibt einen in Mono oder Stereo ausgeführten Eingang via zwei Klinkenbuchsen an der Kopfseite sowie selbige Ausgänge (diese routen sich automatisch, je nach angeschlossenen Kabeln). Dort befindet sich auch der 9 V Anschluss für ein Standard-Netzteil (nicht im Lieferumfang enthalten). Über die beiden Fußschalter lassen sich On/Off und Tap-Tempo sowie die Funktionen des Loopers bequem mit dem Fuß steuern. Zwei kleine Leuchten halten einen über den On/Off-Status und das aktuell getappte Tempo auf dem Laufenden. Über die sieben Potis (Level, Type, Time 1, Repeat 1, Time 2, Repeat 2, Parameter) lassen sich die beiden Delay-Engines detailliert einstellen und auf einem kleinen Display werden die aktuellen Settings (z. B. Delay-Typ, Delay-Zeiten, Looper-Modus, Dub, Play etc.) genau angezeigt. Sehr praktisch! Das Pedal wirkt recht robust gebaut. Man sollte aber kein Handballspiel damit absolvieren (haha).

Es stehen fünf verschiedene Delay-Typen zur Auswahl:

  1. Analog Delay
  2. Tape Delay
  3. Digital Delay
  4. Mod Delay
  5. Verb Delay

Das Analog-Delay basiert auf einem alten Bucket-Bridge-Gerät und lässt sich zwischen 40 und 401 ms einstellen. Der Parameter Poti steuert in diesem Setting die Intensität der Modulation der wiederholten Töne.

Die Emulation des Tape Delays beruht auf einem alten RE-201 Tape-Echo. Hier stehen Delay-Zeiten zwischen 55 und 552 ms zur Verfügung. Über den Parameter-Knopf lässt sich die Intensität der Saturation-Emulation des Tapes festlegen.

Das Digital Delay emuliert einen modernen Digitaleffekt mit Repeat-Zeiten von 80 bis 1000 ms. Da viele Spieler bei Digital-Delays keinen rein klinisch glattes Delay hören wollen, wurde hier laut Hersteller etwas Färbung à la Strymon/Neunaber hinzugefügt.

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Ein Ibanez DML stand als Vorbild zur Verfügung für das hier „verbaute“ MOD Delay. Dieses bietet Delay-Zeiten zwischen 20 und 1499 ms. Die Depth der Modulation wird per Parameter-Poti eingestellt.

Der letzte Delay-Modus ist mit VERB betitelt, stellt Wiederholungszeiten zwischen 80 und 1000 ms zur Verfügung und verbindet (via Parameter-Poti zumischbar) ein Plate- mit einem Shimmer-Reverb.

Drückt man „ON“ und „TAP“ gleichzeitig, gelangt man in den „pre“ geschalteten LOOP-Mode. „Pre“ bedeutet hierbei, dass das Loop-Modul „vor“ der Delay-Einheit sitzt. Man kann also Geloopes durch die Delays schicken. Im LOOP Modus angekommen, wird „ON“ zu „REC/PLAY/DUB“ bzw. hält man diesen Fußschalter gedrückt, hat man die Funktionen „UNDO/REDO“. Effiziente Nutzung der beiden Fußschalter!

NUX duotime side

NUX Duotime Dual Delay Engine, Effektgerät – ROUTINGS

Das Gerät lässt sich auf verschiedene Routing-Situationen anpassen. Die Delays sind via Input/Output 1 und Input/Output 2 getrennt voneinander anschließbar. Geht man mit zwei Klinkenkabeln in das Pedal, hat man praktisch zwei Mono-Delay-Engines, die jede Seite einzeln befeuern. Schließt man nur ein Klinkenkabel auf 1 an, „kopiert“ das Pedal diesen Input automatisch auf Input 2 und man kann dennoch beide Outputs für Stereo-Delays nutzen.

Spannend wird es auch, wenn man ein Mono-Setup betreibt, aber die beiden Delays hintereinander schaltet. Hierfür wird die Gitarre in Input 1 gesteckt, der Output 1 geht via Klinkenkabel in Input 2 und der Out 2 wird mit dem Amp verkabelt. Nun sitzen die beiden Delay-Engines in Reihe geschaltet und der zweite Delay wiederholt alles, was schon in Delay 1 mit Repeats versehen wurde.

Aber genug der Theorie, wie klingt das Teil denn nun?

NUX duotime top

 

NUX Duotime Dual Delay Engine, Effektgerät – PRAXISTEST 

Aufgebaut und angeschlossen merkt man schnell, dass das Pedal sehr intuitiv aufgebaut ist. Man muss die Anleitung vorerst nicht aufschlagen und kann direkt in den Genuss der verschiedenen Delays kommen und freudig experimentieren. Gerade die Möglichkeit des seriellen Betriebs in Mono (also die Kaskadierung der beiden Delay-Engines) schafft Raum für jede Menge Kreativität.

Die Qualität der Delays ist sehr gut, aber man merkt dennoch im Vergleich zu aktuellen Konkurrenten, dass sich die feinen Details der Effekte bei anderen, höherpreisigen Herstellern in einer anderen Liga bewegen.

Dennoch: Die Delays lassen sich in allen Betriebsmodi gut aufeinander abstimmen, z. B. Viertel links und punktierte Achtel rechts und die Anpassungen via Parameter-Poti machen Spaß und erweitern die Soundpalette enorm. Was sehr deutlich auffällt ist, dass alle Delays sehr breit im Stereobild verteilt sind und dadurch viel Platz in der Mitte für das trockene Signal lassen. Diese Trennung macht eine sehr gute Verständlichkeit des Gespielten auch bei hohem Effektanteil möglich. Das schafft wiederum Raum für kreatives Umgehen mit dem Gerät. Auch hat diese Platzierung zur Folge, dass der Effekt sehr groß wirkt und akustisch sehr große Räume öffnet.

Um die Experimentierfreude noch etwas zu steigern, wäre die getrennte Regelung des Delay-Typs pro Engine schön gewesen. Wer weiß, was für Sounds entstehen können, wenn man ein Analog-Delay in ein Tape-Delay schickt oder wie sich das Stereobild bei einem digitalen Delay auf der linken und einem Modulations-Delay rechts verhält? Auch ein präziseres Einstellen der Effekte/Modulation/Shimmer außer deren Intensität (via Parameter-Poti) wäre schön gewesen. Man darf aber nicht vergessen, dass wir hier von einem 130,- Euro Effektgerät sprechen. Die Konkurrenzprodukte, die solche Features bieten, liegen bei weniger verschiedenen Funktionen dennoch nicht selten im dreifachen Preissegment.

Die folgenden Klangbeispiele wurden mit einer Fender Perf MN Stratocaster aufgenommen. Diese ging per Klinken in Mono in das Delay. Das ausgehende Signal wurde in Mono/Stereo (je nach Klangbeispiel) direkt in ein Universal Audio Apollo Twin X geleitet und ohne Postprocessing in Cubase 11 PRO aufgenommen. Alle Stereo-Delays wurden im Verhältnis Viertel/punktierte Achtel und mit 50 % Parameter-Poti aufgenommen.

Im aktivierten Looper-Modus fällt auch auf, dass die erste Bedienung sehr intuitiv und einfach ist. Der Looper arbeitet sehr sauber und erfüllt seinen Zweck. Für ein paar Bedienungsdetails (z. B. Stop oder Delete) muss man doch einen kurzen Blick in die Anleitung riskieren, aber beim sonst sehr intuitiven Gerät ist das vollkommen verkraftbar. Hier merkt wiederum für den Kreativprozess spannende Features, wie beispielsweise, dass der Looper „pre“, als vor der Delay-Engine sitzt und man fliegend zwischen den beiden Modulen hin und her schalten kann. Man loope zwei übereinander gespielte Gitarren, schicke sie durch ein Stereo-Delay und schraube an der Delay-Zeit herum -> yes, das schafft Raum und sehr abgedrehte Sounds erklingen aus dem Amp oder den Studiomonitoren.

 

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Fazit

Auf der Haben-Seite steht erst mal alles Offensichtliche:
Die Delays klingen gut, alle Funktionen sind äußerst praktisch und der Preis stimmt. Beim Kosten-Nutzen-Koeffizienten ist alles stimmig! Man bekommt ein sehr flexibles und zum Experimentieren anregendes Effektpedal für knapp 130,- Euro. Praktische Add-ons, wie der Looper oder das kleine Display mit den aktuellen Settings, ergänzen dieses Bild. Die Gesamtqualität ist gut, kann aber bei den Big Playern nur bedingt mithalten (würde dann natürlich auch ein Mehrfaches kosten). Hier merkt man, dass im Vergleich zu Geräten derselben Kategorie von den Marktführern noch mal eine andere Liga aufgefahren wird in Sachen Details.

Alles in allem aber ein gutes Pedal zum günstigen Preis. Für den Einsteiger auf jeden Fall geeignet, um flexible Sounds zu basteln und sich auszuprobieren. Lohnt sich auf jeden Fall, das Teil mal auszuprobieren.

Plus

  • günstig
  • vielseitig
  • fördert Experimentierfreude
  • eingebauter Looper
  • große Stereobreite

Minus

  • für den Preis gute Qualität, in Sachen Sound im Vergleich zu aktuellen High-End Lösungen aber andere Liga

Preis

  • 128,- Euro
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