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Test: Chase Bliss Audio Thermae, Analog-Delay & Pitch-Shifter

5. Dezember 2021

The Bliss of the Thermae

Als wir vor geraumer Zeit den Vergleichstest von Analog-Delays machten, tat sich ein gemischtes Bild auf – es gibt viele teure Analog-Delays, deren klanglicher Mehrwert sich nur wirklichen Freaks erschließt. Viele sind der Meinung, dass der gleiche Effekt mit einer guten „Analog-Engine“ eines digitalen Tausendsassas wie des Strymon Timeline und Source Audio Nemesis erreicht werden kann. Ich persönlich sehe das anders. Analog-Delays sind eine persönliche Leidenschaft von mir – in einem begrenzten Rahmen. Den Eindruck, einen Katalog an Bucket Brigade Chips verinnerlicht zu haben, möchte ich an dieser Stelle nicht wecken. Aber ich habe mich im Laufe der letzten Jahre durch die meisten interessanten Analog-Delays gearbeitet. Das Meet Maude von Fairfield Circuitry spielt für mich persönlich ganz oben mit.

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Aber die Pole-Position – und damit mein selbsterklärtes, liebstes Analog-Delay überhaupt – stammt von der amerikanischen Schmiede Chase Bliss Audio. Das Thermae ist für Liebhaber des Analog-Delay-Sounds schlichtweg eine Offenbarung. Und während wir in der Redaktion also den Blick konstant auf die relevanten Neuerscheinungen gerichtet halten, drängt es sich bei solchen ganz besonderen Pedalen auf, ein Review mit Herzblick zu wagen. Objektivität gilt nichtsdestotrotz – das Thermae ist nicht perfekt. Allein der Preis dürfte viele abschrecken. Aber warum ich es trotzdem für ein ganz besonderes Analog-Delay halte, soll an dieser Stelle erarbeitet werden.

Chase Bliss Audio Thermae – Analog-Delay

Wir haben uns das Chase Bliss Audio Brothers vor geraumer Zeit angesehen – eines der vielseitigsten Pedalzerrer überhaupt. Boutique ist Boutique – teuer, aber man hat es eben oft mit works of passion zu tun. Speziell für Chase Bliss Audio trifft dies zu, die wir in diesem Feature porträtiert haben.

Also – was ist das Thermae? Und was macht es so besonders? Er ist nicht nur ein Analog-Delay, sondern eben auch ein Pitch-Shifter. Das heißt konkret: Über LFO-Kurven kann das Thermae Pitch-Modulationen durchführen und diese mit zwei Delay-Zeiten kombinieren. Raus kommt ein Klangbild, das nur das Thermae hinkriegt. Es steckt ein unsagbar warmer Analog-Delay-Klang in diesem Gerät und ein Pitch-Sequencer, dessen Steps entweder in feinstem Glissando oder stufenweise ablaufen können.

Die große Schwäche und das Manko, weshalb sicher einige einwenden werden, es könnte sich aufgrund dessen gar nicht um eins der besten Analog-Delays handeln – fehlendes Stereo. Das Thermae funktioniert mono. Und das ist für viele ein Nachteil. Doch darüber hinaus jetzt noch ein paar Worte zu den Features: Pedalboardfreundliche Stompbox-Maße hat es. Zwei Fußschalter – einer für Bypass und der andere für Tap- und Oszillation machen das Gerät erst mal gewöhnlich. Links befindet sich neben dem regulären 6,3 mm Klinkenausgang ein Tap/MIDI-Anschluss – über die Chase Bliss MIDI Box können hierüber alle möglichen PC- und CC-Signale versendet werden. Rechts neben dem Eingang befindet sich ein EXP- bzw. CV-Anschluss. Für den Expression-Anschluss sind im Falle des Thermae die DIP-Schalter auf der Rückseite verantwortlich – hier kann jedweder Parameter für den Expression-Zugang freigeschaltet werden. Das Thermae besitzt darüber hinaus vier Kippschalter – in der Mitte zwischen den Fußschaltern kann so zwischen drei Presets geschaltet werden, Die anderen drei Schalter gestalten sich ein bisschen komplizierter: Ganz links finden wir zunächst den Toggle für die Subdivisions – nichts Ungewöhnliches an der Stelle (Viertelnote, Achtelnote, punktierte Achteln). Doch die anderen beiden Regler stellen anderes ein – zum einen handelt es sich um Tap-Divider, zum anderen stellen sie die Schwingungsform und -verhalten für die Modulation ein (wenn der Modulations-DIP-Schalter auf der Rückseite eingeschaltet ist). Für den Tap-Divider gilt: Wenn Intervall 1 und Intervall 2 aktiv sind, ist die Menge der Wiederholungen (auf der eingestellten Tonhöhe) zwischen den Intervallen abhängig von den Tap-Dividern. Ist der Modulation-DIP aktiv, erlauben es die Schalter zusätzlich, die Feinheiten in der Modulation einzustellen. Das heißt wie gesagt: Rechteck, Sinus oder Dreieck für den LFO und der mittlere Schalter erlaubt es, die Randomisierung und den „Glitch-Effekt“ der Modulation im Sound einzustellen.

Chase Bliss Audio Thermae – Regler & Einstellungen

Die Regler der CBA Thermae sind relativ typisch für ein Analog-Delay – und dann wieder auch nicht. Das heißt konkret: Auch hier spielen die DIP-Schalter eine Rolle und die digitale Kontrolle der analogen Klangschaltung. Schauen wir uns das mal an.

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  • Mix (Ramp): Ohne aktiven DIP-Schalter handelt es sich hier um einen gewöhnlichen Mix-Regler. Er fungiert aber auch als Ramp-Regler und kann mitunter Rise- and Fall-Verhalten des Rampings für alle Parameter des Pedals durchführen – simultan.
  • LPF: Ein ganz besonders arbeitender, sehr warmes zuarbeitendes Lowpass-Filter, das die noisy Klangarbeit der 70er-Jahre Analog-Delays ganz besonders hervorheben kann und in unteren Frequenzbereichen sehr warm klingt.
  • Regen: Das lässt einen die Menge der Wiederholungen einstellen und arbeitet vor allem bei langer Delay-Zeit mit warmen Klangteppichen und oszillierenden Texturen.
  • Glide: Hier wird die Transition von einer Tonstufe auf die nächste bei den Intervallen eingestellt. Soll es sprunghaft sein oder fließend im Glissando? Das kann hier eingependelt werden.
  • INT 1: Intervall 1 bzw. die Intervall-Änderung der ersten Delay-Zeit oder, wenn entsprechend bei den DIP-Schaltern eingestellt, ein Regler für das Modulationsverhalten
  • INT 2: Intervall 2 bzw. die Intervalländerung der zweiten Delay-Zeit. Zuständig auf zweiter Ebene für die Schwingungsformen des LFOs.

Das hat es also schon ein Stück weit in sich und ist alles andere als intuitiv. Und zugegeben, speziell das Verhalten der Intervalle mit dem Tap-Divider sorgt bei mir nach wie vor manchmal für Verwirrung. Der Thermae will gezähmt und verstanden werden. Gelingt dies, entsteht hier eine regelrechte „Songwriting-Maschine“.

Thermae Analog Delay – Sounds in der Praxis

Wir speisen das Thermae in den hervorragend mit Pedalen funktionierenden Quad Cortex ein und vermitteln so ein umfangreiches Bild der Klangmöglichkeiten des Analog-Delays. Wir beginnen mit regulären Step-Intervallen und bringen das Gerät hier wirklich an jede erdenkliche Grenze, was die Variation angeht. Generell gilt: Weniger ist mehr. Zu viele Töne und der Step-Sequencer überschlägt sich. Mit ein paar angespielten Tönen eröffnet sich eine ganz eigene Welt. Wir arbeiten abwechselnd mit Glissando und schlagartigen Steps. Ein bisschen LPF heruntergedreht, die Regen-Aktivität erhöht und schon kommt ein zutiefst nostalgisch-warmer Analogklang raus, wie bei Beispiel 3 oder oszillierendes Detune-Chaos wie beim 4. Beispiel, wenn Glide auf Anschlag eingestellt wird.

Expression-Pedal angeschlossen und die entsprechenden DIP-Schalter aktiviert – INT 1 & INT 2  und die Tonabfolgen des Sequencers lassen sich quasi „on-the-fly“ konfigurieren. Es erschließen sich hier dann auch noch mal völlig neue Welten.

Mithilfe des Step-DIPs werden die Intervall-Steps nur singulär bedient, jedes Mal, wenn man den linken Fußschalter betätigt. So lassen sich ganz gemäß des Spielablaufs hier und da die Intervalle einstreuen. Ein kleines Problem ist, dass die MN3005 Bucket-Brigade Delay Chips manchmal heißlaufen und die Oszillation aus dem Ruder gerät.

Jetzt gehen wir auf Tuchfühlung mit der Modulation, die gehört zu der Schönsten überhaupt. Die Klangästhetik ohne Pitch-Effekt ist schon Kaufargument genug. Warme Modulation in feinster 70s Manier, die auch mit randomisierten Glitch-Effekten punkten kann. So richtig zur Geltung kommt der Thermae jedoch, wenn man eine angemessene Modulation mit dem Step-Sequencer von Intervall 1 und Intervall 2 zusammenlegt. Das ist der Thermae-Sound: warme Glitches, die sich von alleine enorm musikalisch anlassen. Es reicht da wirklich manchmal, einfach einen Ton stehen zu lassen, der Thermae erledigt dann den Rest. Das mag vielen wie eine freche Abkürzung vorkommen, aber das Klangbild des Thermae bleibt dabei so einzigartig und flexibel, dass man Stunden damit zubringen kann, die „Glitches“ des Pedals zu erforschen und mit simplen Griffen zu kleinen Klangkosmen anschwellen zu lassen. Beispiel Step 2 plus Modulation ist hierfür ein gutes Beispiel, genauso wie Step 3. Wenn man das Dry-Signal komplett rausnimmt und den LPF kalibriert, kann man regelrechte Hallfahnen erzeugen, wie beim vorletzten Beispiel. Oder ein Hauch Glissando, um die Steps erratischer klingen zu lassen, wie beim letzten Beispiel – das Thermae ist das typische gift that keeps on giving.

 

 

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Fazit

Subjektiv betrachtet handelt es sich beim Thermae um das interessanteste und wahrscheinlich beste Analog-Delay-Pedal auf dem Markt. Es ist ein einzigartiges Biest, das erforscht, gezähmt und erlebt werden will. Eine kleine Soundmaschine, ein ewiger Inspirator und ein deutlicher Kandidat für eine kommende Kultstellung. Teuer ist er, der Thermae und Stereo hat er nicht. Und die Lernkurve ist äußerst steil. Aber hier handelt es sich schlichtweg um den perfekten Kumpanen für Ambient-Sessions, der in Sachen Features und Funktionalität konkurrenzlos ist.

Plus

  • Klangqualität
  • Step-Sequencer
  • Modulation
  • Vielseitigkeit

Minus

  • kein Stereo
  • Preis

Preis

  • 579,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    rio  AHU

    Hat es ein midi out oder ein midi in? Ist irgendwie unklar in der Beschreibung, da Signale als „versendet” beschrieben.

    • Profilbild
      P-Nautilus  

      Chase Bliss Pedale haben MIDI in, in einem etwas speziell belegten TRS-Format. Man kann per selbstgelötetem (oder teuer gekauftem) DIN MIDI zu TRS Kabel darauf zugreifen, oder über die Chase Bliss MIDI Box bzw vergleichbare Produkte, die einkommendes DIN MIDI wandeln und an mehreren Ausgängen ausgeben.
      Das Thermae sendet selbst keine MIDI Daten, soweit ich weiss.

      • Profilbild
        Pygman  

        Doch vorsicht wer Midi zu einem Chase Bliss senden möchte.
        Ich wollte einmal per midifader einen Parameter and einem CBA-Pedal kontinuierlich schicken und das Pedal wollte das nicht annehmen und brauchte ein paar Sekunden um sich von dem Midistrom zu erholen.

        Auf Nachfrage bei CBA ist der Midicontroller den sich in ihren Pedalen verarbeiten ein ganz einfacher, der mit vielen CC-Messages überfordert ist.
        Also manchmal ein paar Midi-Commandos vertragen sie aber eine Faderfahrt ist zuviel für sie.
        Das sollte man wissen wenn man mit deren Pedalen spielen möchte.

        • Profilbild
          rio  AHU

          Sollte eigentlich nicht sein, dann ist es halt schlecht umgesetzt. Gleiches habe ich erlebt beim T-Rex Replica, welches Midi In besitzt, um das Tempo via CC einzutappen. Ich darf keinen Clock ins Gerät schicken, auch wenn dieser sowieso keine Bedeutung hat. Das Delay kann dann nicht die CC Daten korrekt verarbeiten. Da merkt man, dass dort Knowhow fehlt.

        • Profilbild
          rio  AHU

          Generell finde ich den Preis schon sehr hoch, auch wenn es viele Features aufweist. Vieles sucht man vergebens bei anderen Produkten.

  2. Profilbild
    Hein Schlau  AHU

    Na ja, ich habe in den letzten 2 Monaten für etwas weniger Geld die Waza-Editionen BD-2w, DM-2w und CE-2w erworben. Ich verstehe auch immer weniger, warum hier superteure Pedale promoted werden, aber gleichzeitig Harley Benton-Gitarren die Tests dominieren.
    Ich bin ein Delay-Fan, aber knapp 580 Euro für ein Gitarrenpedal sind für mich absurde spätrömische Dekadenz. Mir fallen auch angesichts der Soundbeispiele wenig Möglichkeiten ein, das Thermae außerhalb von Wohnzimmer-Ambient-Soundbädern einzusetzen.
    Wegen der guten Reviews habe ich mir vor einer Weile auch ein KMA Cirrus zugelegt, ich verstehe nicht, warum in dem entsprechenden Review nicht der Abfall an Lautstärke erwähnt wurde. Toller Sound, aber so nicht zu gebrauchen. Und das ist auch nicht das erste Pedal, dass so den Hype vs. Praxis nicht bestanden hat.
    Eventuell hat es sich auch noch bis zu Amazona herumgesprochen, aber es gibt da diese Pandemie und viele Musiker haben gerade nicht so viel Geld.

    • Profilbild
      rio  AHU

      Aber bedenke: voll Analog, die vielen Einstellmöglichkeiten, CV und MIDI… das ist einfach eine andere Klasse, auch wenn nicht perfekt.

      Aber für den Preis, sollten erwähnte Probleme behoben werden.

  3. Profilbild
    roseblood11  

    Wieso sollte eigentlich „analog“ bei BBD ein Qualitätsmerkmal sein? Die Chips produzieren gruselige Aliasing-Artefakte, die sich von A/D-Wandlern nicht grundlegend unterscheiden. Das hält man aus dem Signalweg leidlich raus, indem man die Höhen wegfiltert. Letzteres ist dann die berühmte „analoge Wärme“.

    Dieses Pedal hat ein paar nette Möglichkeiten, aber wieviel mehr wäre möglich, und das bei viel besserer Bedienbarkeit, wenn man es digital aufbauen würde? Mehr Presets und eine moderne Bedienung mit Display wären genial – und man könnte das auch zum halben Preis anbieten.

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