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Test: Crazy Tube Circuits Time MK3, Delay-Pedal

16. November 2021

Digital Delay Beauty - der Time MK3

Crazy Tubes Circuits Time MK3

Die griechischen Jungs und Mädels von Crazy Tube Circuits wandeln sich allmählich zu einer der wichtigsten Pedalschmieden Europas. Sagen wir, wie es ist: Der Markt ist dominiert von amerikanischen Herstellern. Während in Deutschland und speziell Skandinavien einige Pedalhersteller verlorenen Boden wieder wettmachen, sieht es in Südeuropa eher mau aus. Aber man weiß: Manchmal reicht ein einziges Produkt aus und eine Firma erscheint auf dem Radar der Leute. Ich habe das Gefühl, dass der Firma das mit dem Space Charged gelungen ist. Wir hatten den Space Charged V2 im Test und sehr viel Spaß damit – ein saftiges Distortion-Pedal mit Boost und tollem Klangbild.

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Das Time MK3 zollt einer ganz speziellen Nische von Delay-Pedalen einen Tribut: den ersten Digital-Delays aus den 70ern mit ihrem eigenwilligen, an Tape-Effekten angelehnten und einzigartigen Sounds. Das MXR M-113 war eins der ersten seiner Art: ein erschwingliches Digital-Delay für die breite Masse. Crazy Tube Circuits haben sich also den Markt angesehen und festgestellt, dass diese Nische noch nicht in Reinform bedient wurde. Schauen wir uns die dritte Auflage des Delay-Spezialisten mal an.

Crazy Tube Circuits Time MK3 – Digital Delay Pedal

Sieht schick aus, das Ganze. Ich mag ja diese kleinen Stoffsäcke schon, in denen Pedale geliefert werden. Ein Netzteil ist im Lieferumfang nicht enthalten, dafür aber Gummifüße. Die kupferne Farbe macht einiges her – das Time MK3 sieht schick aus, hat Standard-Stompbox-Format und wiegt ca. 300 Gramm. In Sachen Anschlüsse sollte man nicht zu viel erwarten – ein Mono- und kein Expression-Anschluss. Der Time MK3 ist eine kleine, übersichtliche Kiste, die ohne Firlefranz auskommen will.

Crazy Tubes Circuits Time MK3

Selbstredend besitzt der Time MK3 jedoch einen Tap-Schalter. Wäre für ein Digital Delay auch albern gewesen, den nicht mit aufs Panel zu packen. Der zweite Fußschalter regelt den Betriebsmodus. Was der MXR M-113 nicht hatte: Modulation. Den haben CTC hier mitspendiert und die ist es auch, die dem Sound ein gewisses Etwas schenkt. Die Arbeitsweise ist sowohl analog als auch digital: der Signalweg bleibt analog, das digitale Signal kann per Mix beigemischt werden. Die oberen Regler kümmern sich um das Klangbild: Feed ist die klassische Feedback-Einstellung, M/Sec betrifft im Grunde genommen die Delay-Zeit. Drin sind hierbei 130 bis 720 Millisekunden. Darüber hinaus erlaubt es der kleine Kippschalter, die Subdivisions für das Delay einzustellen, was Raum für rhythmische Variationen lässt. Das heißt im Konkreten: Neben klassischen Viertelnoten kann das Delay-Tempo auch Verzögerungen wie punktierte Achteln oder Triolen leisten. Auch fein: Crazy Tube Circuits haben dem Pedal einen Tone-Regler spendiert, der die Klangfarbe des Wet-Signals aufhellen oder abdunkeln kann.

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Im Grunde genommen ist also alles dabei, was man braucht. Die erwähnte Modulation mischt einen leichten Chorus-Touch über den Mod-Regler bei, der sich sehr geschmackvoll anlässt, wie der Praxisteil demonstrieren wird. Übrigens wichtig: Über Buffered-Bypass ist auch die Aktivierung von Trails möglich, damit das Delay-Signal nicht sofort verschwindet, sobald ihr auf Bypass geht. Ebenfalls dabei: Oszillation. Tap-Schalter drücken, halten und voilà – atmosphärische Klangwolken schwellen an. Für Delays mit experimenteller Schlagseite kann das eine Menge wert sein. Immer wieder schön festzustellen, wenn der Sound dem eigenen Spiel zuarbeitet. Manchen Delays gelingt das, anderen nicht – wozu zählt sich der Crazy Tube Circuits MK3? Finden wir’s raus.

Crazy Tube Circuits MK 3 – Delay-Pedal Sounds in Praxis

So, wie es aussieht – namentlich 185,- Euro für ein One-Trick-Pony – hat das Pedal keine einfache Ausgangslage. Es ist einfach so, dass für diese Preisriege einige Pedale mehr können. Doch manchmal ist wenig mehr – und als Spieler braucht man manchmal einfach was Simples.

Crazy Tubes Circuits Time MK3

Ich speise das Delay-Pedal in den Neural DSP Quad Cortex und arbeite dort mit einem neutralen, digitalen Fender und wenig Zerre. Wichtig ist es, die Flexibilität des Pedals zu demonstrieren und meine One-Trick-Pony Befürchtungen zu zerstreuen.

Das gelingt – über weite Teile. Das mag vielleicht auch bis zu einem gewissen Grad daran liegen, dass man beim Thema Delay inzwischen hoffnungslos verwöhnt ist. Die große Schwäche ist der Tone-Regler, der meines Erachtens einen sehr geringen Effekt auf das Klangbild insgesamt hat – separat demonstriert in einem eigenen Klangbeispiel. Da beginnen wir ganz links und gehen schrittweise auf Anschlag. Der Grundcharakter ist irgendwo zwischen Digital- und Tape-Delay anzusiedeln. Was wahrscheinlich gewollt war – der Sound besitzt einen grundlegenden Dirt, den man nicht rauskriegt. Wer also denkt, hier mit der für Digital-Delays typischen Klarheit versorgt zu werden, liegt falsch. Speziell ein kleiner Hauch Modulation hebt diesen „Dirt“ noch mal ein bisschen hervor.

Was man wohlwollend zur Kenntnis nimmt: Die Oszillation bleibt beherrschbar. Das ist etwas, womit viele Pedale ein Problem haben. Wer Oszillation triggert, muss aufpassen, dass einem das Klangbild nicht völlig um die Ohren fliegt. Dass das hier sehr einfach und sehr angenehm einzustellen ist, demonstriert Beispiel 4. Im fünften Beispiel zeigen wir, dass das Gerät fast schon Lexicon-mäßige Assoziation aufrufen kann – sehr erfreulich und nicht unbedingt zu erwarten.

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Fazit

Ein Digital-Delay mit Dirt und ansprechender Modulation – für ein bisschen zu viel Preis, meines Erachtens. Da hätte noch ein kleiner Kniff rein gemusst, meines Erachtens oder zumindest eine CV-Schnittstelle. Klanglich stark, dürfte das Time MK3 sicher seine Spieler finden, die genau wissen, wonach sie suchen: einen Nischen-Delay-Sound mit einer ganz eigenen Note Dirt. Darüber hinaus würde es mich jedoch nicht wundern, wenn das MK3 in der Flut an Delay-Pedalen untergehen könnte.

Plus

  • guter Klang
  • schöne Modulation

Minus

  • Tone-Regler hat zu geringen Effekt

Preis

  • 189,- Euro
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